…wir waren mitten im Outback als…

…vom Prinzip her läuft das ja…

Das Spiel ist aus

Ja, vorbei. Alles aus. Keine Verlängerung. Kein Elfmeterschießen. Hab ich gewonnen? Ich denke schon, zumal auf der Haben Seite doch ein paar
mehr Tore stehen als ich letztendlich kassiert habe. So sieht es zu mindestens unterm Strich meiner Milchmädchenrechnung aus. Aber muss ich denn wirklich rechnen während ich nun inmitten der norddeutschen Tiefebene sitze und darüber grübele was wirklich zählt? Es zählt alles aber doch irgendwie anders. Schwer zu erklären. Wie gerne würde ich mir jetzt darüber Gedanken machen, während ich in Borneo irgendwo unter Wasser bunte Fischchen zähle. Ja, aber Borneo is nich. Norddeutsche Tiefebene sag ich! Das muss ich akzeptieren! Das Schöne daran: jeder andere auch. Am besten geht das aber so…

Ein ganz normaler Donnerstag. Die letzten 2 Tage war ich nicht tauchen. Es kribbelte so doll, dass ich mir am liebsten sofort das Scuba gear angezogen und ins Wasser gesprungen wäre. Aber heute muss es gehen. Es geht nicht anders. Ich will tauchen! Der erste Tauchgang verläuft ohne Probleme. Nur beim Auftauchen schmerzen die Nasennebenhöhlen etwas. Egal. Der Schmerz ist akzeptabel. Der zweite Tauchgang verläuft genauso, nur dass es beim Auftauchen unerträglich
schmerzt. Ich setze aus. So ein Mist! So sitze ich nächsten Tag beim Arzt. Es gibt Pillen. Ein Glück ist am Abend Bandnight. Das hilft ein wenig den Frust zu vergessen. Dazu gehen wir obendrein danach in die Karaoke Bar. Das läuft! Und wie! Perfekte Gelegenheit um am nächsten Tag nochmal auszusetzen und auszuschlafen. Schlafen ist ja auch die beste Medizin. Nach 2 Tagen aus dem Wasser bin ich mir ganz sicher, dass ich wieder gesund bin. Und siehe da, es geht! Toll! Dazu darf ich den 2. und 3. Tauchgang auch gleich guiden. Ich habe nur einen Customer. Toll! Jen hat einen tollen Tag. Jason ist mit meiner Darbietung auch zufrieden. Ich bin froh dass meine erste Guide Erfahrung toll gelaufen ist, also alles bester Laune! Am nächsten Tag bin ich dann nur wieder ein „Schatten“. Das heißt dem Instructor und den Customern folgen und beschatten. Antizipieren und Lernen wie es im Fachjargon so heißt. Dafür bin am Dienstag Nass zugeteilt. Toll! Das heißt immer Spaß und gute Laune. Ich guide die letzten beiden Dives. Ein wahnsinnig schöner Tag unterm Strich! Ähnlich sieht der folgende Tag aus.

Dann ist es Donnerstag. Der Tag der Entscheidung. Großes Finale. Heute steht der Stresstest an. Welch Überraschung! Das kann stressig werden. Ich sag ja immer: Ruhe bewahren. Den Stresstest darf ich zusammen mit Emily absolvieren. Unsere Aufgabe sieht so aus, dass wir unter Wasser auf dem Grund unser ganzes Equipment austauschen müssen. Das heißt Maske, Fins und BCD. Eigentlich kein Problem. Dummerweise wird dabei simuliert, dass eine Sauerstoffflasche leer ist und man sich einen Regulator zum Atmen teilen muss. Das ist aber auch noch machbar. Jetzt kommt der Haken. Dazu befinden sich auch Instruktoren unter Wasser, welche einen Riesenspaß daran haben den herumliegenden Sand vom Meeresboden ein wenig Aufzuwirbeln. Gerne auch mal in unserer Gesicht werfen oder einem auf dem Kopf verteilen. Aufgewirbelter Sand im Wasser heißt verminderte Sicht, um nicht zu sagen Sicht gleich Null, vor allem weil besagte Instruktoren auch Spaß daran haben mit ihren Regulatoren einen riesigen Wald von Luftblasen zu erzeugen. Spätestens jetzt ist sieht man gar nichts mehr. Wenn die Sicht gleich Null ist, wird es auch schwierig den Regulator zu finden, und den muss man finden wenn man atmen will. Als wär das nicht genug, wird einem auch gerne mal die Taucherbrille vom Kopf gerissen. Wer jetzt ein Problem mit Sand in den Augen hat, der ist raus, denn in erster Linie hat man keine Zeit sich damit auseinander zu setzen. Oberstes Gebot ist nämlich, ob man es glaubt oder nicht, zu atmen! Hatte ich schon erwähnt dass man ganz nebenbei sein Equipment austauschen muss? Von gelösten Tankhaltern oder gelösten Gewichten ganz zu schweigen. Es ist nicht so leicht wie ich es mir vorgestellt hatte. Schon mal mit jemandem die Taucherbrille getauscht, der sie einfach nicht hergibt weil er sich vor lauter Stress auf ganz andere Sachen
konzentriert. Im ersten Versuch wird das alles nichts. Ich hab keinen Bleigürtel mehr was mich langsam aber sicher gen Wasseroberfläche treiben lässt. Emily hat ganz andere Probleme. Keine Luft? Wie? Salzwasser geschluckt? Naja, an der Wasseroberfläche können wir erst mal herzhaft lachen. Was für ein Spaß. Wir legen uns fix eine neue Strategie zurecht und sortieren unser Equipment. Der zweite Versuch klappt besser. Zu mindestens im Ansatz. Ich behalte die Übersicht und regele die Regulator Verteilung. 3 mal schnell ein und ausatmen um dann die Sauerstoffversorgung Emily regelrecht in den Mund zu drücken. Sie ist
ein wenig mit dem Sand und denn Blubberblasen beschäftigt. Interessiert mich alles nicht. Luft? Interessiert mich nicht. Ich will nur das Equipment tauschen. Fast geht mir die Luft aus einmal. Ich überlege kurz ob ich nun die 5 Meter Wassertiefe überwinden muss um mir meine Luft oberhalb der Wasseroberfläche zu holen. In buchstäblich der letzten Sekunde finde ich in dem ganzen Gewirr den Regulator. Das war knapp! Das bisschen Salzwasser was man dabei schluckt ignoriere ich großzügig. Das schafft Emily nicht ganz. Ich versuche ihr den Regulator in den Mund zu stecken. Sie sieht nichts und schwupps, keine Luft mehr. Sie taucht auf. Na super, das ist echt ne harte Aufgabe. Oben angekommen verfeinern wir nochmal unsere Strategie. Und siehe da, die Handgriffe sitzen. Alles
geht schnell. Ich hab mein Equipment bereits gewechselt und alles ist an seinem Platz. Nur Emily hat ein wenig Probleme vor lauter Sand die Clips zu finden. dazu wird ihr Tankstrap nochmal gelöst. Kein Problem, ich regle das. Nur atmen nicht vergessen! Wo ist der Regulator? Bevor ich es begreifen kann sind wir fertig! Ich denke immer noch, was müssen wir noch wechseln? Welcher Verschluss fehlt noch? Nein, sie gibt mir das Signal alles in Ordnung, wir haben es geschafft. Toll! Nur noch hoch an die Wasseroberfläche und durchatmen. Das war Arbeit, aber letztendlich geschafft! Juhuuuuuu! So, als Belohnung gibts einen Fundive zum Tagesabschluss. Ich schließe mich Chris an. Er guidet Aimee und Steve. Easy. Will ich guiden? Nein, danke Chris. Ich will einfach nur Spaß.  Einfach mal losgelöst tauchen ohne eine Aufgabe. Toll! So finde ich auch spontan zur Freude der Gruppe einen Bamboo Coral Shark. Was für ein Tag! Herrlich! Ich liebe diesen Ort einfach. Kann ich nicht für immer hier bleiben?


Viel Zeit bleibt mir hier nicht mehr. Ich habe hier nur noch ein paar Tage. Leider. Am nächsten Tag darf ich Martyn beschatten. Zusammen mit Paul hat er eine Gruppe Franzosen. 7 oder 8 an der Zahl. Alles erfahrene Taucher. Toll! Ich darf nun endlich auch mal meine Kamera mitnehmen. Meine letzten Tage darf ich fundiven. Gerne hätte ich noch etwas mehr Zeit hier zur Verfügung um mehr Erfahrung im Guiden zu sammeln. Aber naja, ich entschließe mich dazu die letzten Tage lieber zu nutzen um ein paar Videos zu machen. Dummerweise hat Martyn nach dem ersten Tauchgang Sinusprobleme. Er setzt aus für heute. Das heißt: here i come! Nun ist es an mir zusammen mit Paul die Franzosen unter Wasser beisammenzuhalten. Aber das sind ja alles erfahrene Taucher. Naja, aber eben auch Franzosen. Wir fahren zum Artifical reef. Hier gibts ne Menge hölzerne Strukturen und dergleichen Kram unter Wasser. Das perfekte Terrrain um auch mal den Anschluß an die Gruppe zu verlieren. Zu mal ist die Sicht heute auch nicht der Bringer. Kaum sind wir unten, gehts auch schon los. Sie knippsen was das Zeug hält mit ihren Kameras. Paul ganz vorne und ich ganz hinten. Kaum 5 Minuten im Wasser zerstreut sich die Gruppe. Ein Versuch mit meinem Tankbanger Aufmerksamkeit zu bekommen um zu signalisieren „zusammenbleiben“ schlägt fehl. Am Ende verliere ich alle um sie dann wiederzufinden. Dummerweise fehlen 2 in der Gruppe. Naja, letztendlich finden sich alle wieder an. Was bleibt unterm Strich? Ganz einfach: Die Franzosen? Ja die Franzosen! Ach, hör mir auf mit den Franzosen! Hoffentlich geht das alles besser beim letzten Tauchgang! So hat es dann auch den Anschein beim Dive Nr. 3. Nach 60 Minuten gebe ich das Zeichen für den 3 Minuten Safety Stop bei 5 Metern. Alles klar denke ich mir. Als ich dann die Gruppe einhole, traue ich meinen Augen nicht. Was machen die alle da unten auf 13 Metern? Sind die nicht ganz dicht? Naja, das Räsel löst sich schnell. Paul hatte einen Flamboyant Cuttlefish  gefunden. Ich hatte bis dato noch gar keinen gesehen. Einfach nur faszinierend diesen Geschöpfen zuzusehen wie sie farblich pulsierend sich über den Meeresboden bewegen. Abgefahren. Da kann man mal auch ignorieren, dass die Sauerstoffflaschen fast leer sind. Toll! Nach dem Auftauchen sind alle begeistert. Wahnsinn. Unterm Strich ein toller Tag? Naturellement!


Aber, der Tag ist ja noch nicht vorbei! Es steht mir noch die schwerste aller Prüfungen bevor. Der Schnorcheltest! Dieser ist eine recht lustige Veranstaltung, zu mindestens für alle die den Test nicht machen müssen. Heute trifft es Lydia, Emily und mich. Wir werden mit einer lustig bemalten Tauchmaske versorgt. Dazu ein Schnorchel. Nein, kein gewöhnlicher Schnorchel. Dieser Schnorchel ist so was wie die Deluxe Version, denn er hat auch gleich einen Trichter oben drauf. Da können zum Beispiel die Instruktoren lustig gemixte Getränke hinein kippen damit diese den Weg in den Mund der Divemaster Probanden finden. Toll! Gleich zu Beginn wird ein Kurzer verabreicht, bevor wir uns unter einer Limbostange durchbugsieren müssen. Normalerweise ja kein Problem, nur durch die nette Maske kann man absolut nichts sehen. Na ja, nach ein paar Runden auf den drehenden Barhockern ist das aber auch egal. Noch ein Kurzer und wieder zurück. Nun der eigens angemixte  Drink. Die ersten Schlücke schmecken nicht schlecht. Ich hatte es viel schlimmer erwartet. Das dumme an der ganzen Geschichte ist nur, dass man ja durch die Maske nicht atmen kann. Ein vorher ausgewählter Assistent darf dann die Maske liften und man kann ein paar Sekunden atmen. Irgendwann schaffe ich es dann. Obendrauf gibt’s noch ein Bier. Toll! Geschafft! Mein Shirt sieht aus, als wenn ich nicht richtig trinken kann. Egal. Endlich Divemaster! Wahnsinn. Nun aber nimmt das Schicksal seinen Lauf. Kurz nachdem ich die Unmengen von Alkohol vernichten durfte, gratuliert mir jeder. Ich klatsche mit Lydia und Emily ab. Ja, geschafft! Ich entdecke die Franzosen an einem Tisch weiter hinten. In meiner Erinnerung bieten sie mir Rum an. Ist doch klar, dass ich da nicht nein sagen kann. Das war ungefähr 5 Minuten nach dem Test. Den Rest kenne ich nur vom Hören Sagen. Nur eine kurze Sequenz bei der ich mich draußen auf nem Bordstein sitzen sehe ist hängen geblieben. Ja, großartige Party, aber keiner von uns 3en kann sich dran erinnern. Videos am nächsten Tag klären auf, dass sich Emily eine ganze Weile mit Kay’s Hund unterhalten hat bevor man sie aufs Zimmer gebracht hatte wo sie sich dann unterm Bett versteckt hat. Lydia hatte derweil mit Motorikproblemen zu kämpfen. Sehr lustig! Ich? Hmmm, man sagt, keiner konnte die Bar durchqueren ohne mit mir zu tanzen. Irgendwann musste man mich aber auch aufs Zimmer schleppen. Zu mindestens war ich Last Man Standing. Immerhin. Wie gut das man am Tag nach dem Schnorcheltest immer frei hat. Wir hängen nur rum und dürfen uns die Storys des Vortages gefallen lassen.

Mein vorletzter Tag auf Mabul. Ich darf Phil beschatten. Zu unserem Glück haben wir ein eigenes Boot und nur 2 Customer. Lara und Paul (ENG) hatte ich morgens schon auf der Überfahrt von Semporna bespaßen dürfen. Toll! Beim ersten Tauchgang können die beiden unzählige Turtles bewundern. Total geflasht können wir die beiden auch noch zur tollsten Divesite der Insel mitnehmen. Diese heißt Seaventures und ist eine alte Ölbohrinsel unter der sich allerlei Fisch tummelt. Sehr abgefahren! Als 3. Tauchgang kann es nur eine Steigerung geben, und die beinhaltet zu versuchen den Flamboyant Cuttlefish auf dem Hausriff zu finden. Die Chancen dafür sind nicht unbedingt hoch, aber wir machen das Unglaubliche möglich und  finden ihn! Ein abgefahrener Tag für die beiden! Und das heißt, dass es auch ein abgefahrener Tag für mich war! Da könnte ich mich dran gewöhnen jeden Tag anderen Customern ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Nur so geht’s und alles andere macht ja auch gar keinen Sinn!

Mein letzter Tag auf Mabul. Gemischte Gefühle. Auf der einen Seite will man den Tag nur genießen und voll auskosten. Auf der anderen Seite macht man sich darüber so wenig wie möglich Gedanken. Aber was dann passiert lässt einem auch gar keine Zeit zum Nachdenken. Wir kommen morgens auf Mabul an. Plötzlich heißt es von der Nachbar-Jetty, dass Delphine im Riff sind. Toll! Nun heißt es schnell jeden aufs Boot bringen und versuchen die Delphine zu sehen. Wir kommen dort an, aber was ist das? Kein Delphin, sondern etwas anderes. Ein Wal! Ein kleiner Wal! Während der Ebbe muss er im seichten Wasser den Weg raus aus dem Riff nicht mehr gefunden haben. Er zappelt in dem gerade mal einen halben Meter tiefen Wasser wie verrückt. Das Wasser hatte sich schon rötlich gefärbt, von dem Blut das er verliert. Unschwer lässt sich erkennen, dass seine ganze Haut von den Korallen bereits aufgekratzt ist. Wir machen uns mit Schwimmwesten auf ins Wasser und schwimmen ins Riff. Der Wal zappelt, was ganz schön gefährlich ist. Ein Schlag mit Schwanzflosse kann einen mal ganz schnell von den Beinen holen und in die Korallen und Seeigel befördern. Da ist keiner scharf drauf! Nein, stattdessen beruhigte sich der Wal sobald wir ihn erreicht hatten. Ich stehe genau vor dem Blasloch und schaue ihm ins Auge. Was für ein Moment! Er bläst aus und mir direkt ins Gesicht. Wow! Dann nimmt er einen dicken Atemzug. Gute 4 Meter ist der Bursche groß. Wir wollen nun versuchen den Kumpel aus dem Riff zu befördern. Dazu sliden wir die Rettungswesten unter dem Wal durch. Der Wal ist ganz ruhig. Nicht mal atmen tut er mehr. War es das schon? War er schon am Ende seiner Kräfte? Hoffentlich nicht! Wir haben mittlerweile die Westen in Position und fangen an ihn langsam ein wenig anzuheben. Nun heißt es sich durch die Korallen und Seeigel vorarbeiten um ihn ins offene Wasser zu bekommen. Das ist gar nicht so einfach, aber irgendwie schaffen wir es am Ende. Wir nehmen die Rettungswesten weg und können nichts mehr tun. Er muss jetzt wieder von alleine schwimmen. Wir wissen immer noch nicht ob er überhaupt noch lebt so reglos war er. Doch dann bläst er plötzlich wieder aus, nimmt deinen dicken Atemzug und bewegt sich. Als er merkt, dass er wieder frei ist, fängt er langsam an davon zu schwimmen. Er bläst an der Wasseroberfläche noch einmal aus, sagt danke, nimmt einen dicken Atemzug und schwimmt hinein in die Tiefe des Ozeans während ich ihm unter Wasser dabei zuschaue. Intelligente Tiere müssen das sein, denn der Wal hat bestimmt gemerkt, dass wir ihm helfen wollten.Dann ist er weg. Alle schauen sich an. Jeder hat nun ein dickes Grinsen im Gesicht. Hatten wir gerade einen Wal zurück ins Meer geschoben? Ja, haben wir! Es wird abgeklatscht! Dabei merke ich, dass ich doch ein paar Seeigelstachel in der Hand habe. Na ja, das wird schon wieder und ist ja auch egal, da wir doch gerade einen Wal gerettet haben! Unglaublich! Zurück auf dem Boot können wir es immer noch nicht glauben! Was für ein Erlebnis! Kann so etwas noch getoppt werden? Nein, natürlich nicht. Der Tag ist dadurch so einzigartig! Dazu gibt es noch beim letzten Tauchgang eine abartig geile Show des Jackfish Schwarms im Artifical Reef. Geil! Aber nun heißt es good bye sagen. 6 Wochen hier verbracht. 6 unsagbar tolle Wochen mit unsagbar netten Menschen. What a special place! Ich bin mir sicher, dass ich noch einmal hierher zurückkommen werde. Ich verabschiede mich. Das Boot legt ab. Ich winke. Es geht weiter.

Zurück in Semporna wartet noch eine Besonderheit auf mich. Heute hab ich mich als krönenden Abschluss noch für den Nightdive eingetragen. Der findet unweit von Semporna statt und ist Rowans Lieblingsdivesite. Zusammen mit Aimee, Steve, Lydia und Rowan geht’s raus. Wir tauchen hinab. Was für ein Schrott da unten. Man könnte meinen das ist ne Unterwasser Müllkippe! Aber was Rowan uns da an Geschöpfen zeigt ist der Wahnsinn! Abgefahren, denn man sieht ja auch Tierchen, die man am Tage niemals sehen würde. Wicked! Was für ein Abschluss! Der Wal, der Nightdive und nun gibt es nochmal ein leckeres Gericht aus Rory’s Küche. Toll! Dazu ein paar Bierchen. Irgendwann kommt auch der Tanduay dazu, was dazu führt, dass wir irgendwann in der Karaoke Bar zu finden sind. Leider kann ich meinen Tom Jones Song nicht singen, da mein Musikwunsch einfach ignoriert wird. Frechheit! Egal, denn ich singe ja mit meiner immer mehr versagenden Stimme alles was nicht niet- und nagelfest ist. Ein absolut würdiger Abschluss für diesen einzigartigen Tag!

Abreisetag. Wie gut das mein Flieger erst spät abends geht. Das gibt mir Gelegenheit ein wenig auszuschlafen. Nach dem Aufstehen geht’s mit Aimee zum Hotelpool wo wir ein wenig relaxen. Das tut gut. Leider bleibt nicht ewig Zeit, da ich noch meine Sachen packen muss. So hole ich mir noch ein anständiges Abendbrot. Dann kommt das Verabschieden. Da bin ich ja eh nicht so gut drin. Gerne würde ich hier noch bleiben, aber es ist einfach Zeit zu gehen. Dann geht alles irgendwie ganz schnell. Bye bye und schon sitze ich im Shuttlebus. Allein. Die Air Condition lässt mich frösteln. Eine Stunde bis zum Airport. Zeit zum Nachdenken. Zeit zu begreifen was für eine schöne Zeit ich doch hier hatte. Zeit zu begreifen dass es weiter geht und Bangkok auf mich wartet. Der Rest ist Routine. Flughafen. Einchecken. Gepäck verstauen. Platz nehmen. Abheben. Etwas shaky ist es auf dem Flug nach Kuala Lumpur. Etwas mulmig ist mir schon. Vergleichbar mit dem Flug von Vientane. Egal. Am Ende bilde ich mir ein sogar ein wenig geschlafen zu haben. Ich komme kurz nach Mitternacht in KL an. Nun heißt es wieder die Nacht auf dem Airport zu verbringen. Kein Problem. 7 Stunden vergehen ja manchmal auch wie im Flug. Dann wieder das alte Spiel. Einchecken. Gepäck verstauen. Platz nehmen. Abheben. Ich lande in Bangkok. Meine letzte Station. Wirklich? Ist es das wirklich schon? Ja.

Ich muss irgendwie in die Stadt. Geht am besten mit dem Zug vom Flughafen. Am Ticketautomaten treffe ich zufällig auf jemanden der in das gleiche Hostel wie ich will. Toll! Dan (ENG) hat sogar eine Idee wo sich unser Hostel befindet. Genial! Irgendwo springen wir aus dem Zug. Müssen wir auf ne andere Linie umsteigen? Sind wir richtig? Ein Stadtplan verschafft nur ungenügend Aufklärung. Egal, komm, wir nehmen ein Taxi. Immerhin wissen wir ja den Namen der Haltestelle wo sich unser Hostel befinden soll. Leider sprechen die Taxifahrer weder Englisch, noch können sie Karte lesen. Was macht man in so einem Fall? Genau, erst mal ins Taxi rein und losfahren. Irgendwie schaffen wir es ihm dann während der Fahrt begreiflich zu machen wo wir hin wollen. Klappt! Zu mindestens halbwegs. Am Ziel steigen wir nochmal ins Tuk Tuk um. In nullkommanichts sind wir da. Ein tolles Hostel! Keine Absteige! Alles relativ neu und sauber. Schön! Etwas Schlaf ist gut. Abends treffen wir auf Kate und Elizabeth. Dazu gesellen sich Jubril und diverse andere Leutchen. Ne nette Truppe hier. Für den nächsten Tag wollen Dan und ich uns ein paar Tempel anschauen. Wir schaffen es aber leider nur in die Einkaufstempel der Stadt. Macht ja nix. Ich hab eh keinen Stress. Für mich sind die letzten Tage in Bangkok wie Urlaub. Bloß kleinen Stress! So finden wir uns abends auch auf der Dachterrasse des Hostels ein von wo  die Lichter der Wolkenkratzer eine ganz einzigartige Atmosphäre schaffen. Von hier aus, kann man auch die Dachterrasse des Hotels erkennen, wo man den Film Hangover 2 gedreht hat. Da es heute mit den Tempeln nix geworden ist, setzen wir es spontan für morgen an. Zusammen mit Helen, David und Olivia machen wir uns zum Golden Tempel auf. Toll! Schön siehts da aus! Abends geht’s auf die Koh San Road. Das ist die Amüsiermeile von Bangkok und absolutes Pflichtprogramm. Wir lassen es uns gut gehen!

Samstag. Ein letzter Tag in Bangkok. Ich verbringe den ganzen Tag nochmal um durch die Shopping Malls zu laufen. Bloß kein Stress mehr. Abends gönne ich mir noch eine Flasche Wein. Werde ich wehmütig? Nein, denn es geht ja nach vorn und nicht zurück! So fühlt es sich am nächsten Morgen auch alles ganz normal an. Sonntag. Ein ganz normaler Sonntag. War mir die letzten Wochen schon ganz bange vor dem Moment, wenn ich wirklich die Heimreise antreten muss, so ist es jetzt ganz normal. Einfach Sachen packen, irgendwo zum Flughafen fahren und weg fliegen. So wie immer, nur dass es jetzt nach Hause geht. Nach Hause? Habe ich denn noch eins? Darüber kann ich mir auch noch während des Fluges Gedanken machen. Also, bloß einchecken und dann weiter schauen. Dummerweise bin ich so ziemlich der letzte in der langen Schlange. Kann ja nicht so lange dauern denke ich mir. Dauert dann doch irgendwie. So, eingecheckt. Jetzt hab ich noch ne Stunde bis Abflug. Wie gut dass ich noch nicht gefrühstückt habe. Schnell mal eine Etage tiefer und ein leckeres Nudelgericht geholt. Dann nur noch schnell zur Toilette und durch die Passportkontrolle.  Als ich dies erledigt habe, fällt mir auf der Anzeigentafel auf, dass bei meinem Flieger schon FINAL CALL steht. Ich muss zum Gate E. Sollte ich mich beeilen? Ist es weit? Bestimmt! Scheiße! Laufen? Nein! Immer schön die Ruhe bewahren. Ich gehe schneller. Warum eigentlich? Wäre es denn so schlimm, wenn ich den Flieger verpasse? Mit dem Divemaster im Gepäck könnte ich mir bestimmt auch auf Koh Tao einen Job suchen!? Nein, irgendwie muss ich da mit dem Flieger mit. Gate C. Gate D. Oh man, wie weit ist das denn noch. Eine Uhr hab ich sowieso nicht zur Hand. Gate E. Ich kann es sehen! Keine Menschen mehr in der Abfertigungshalle. Mist. Der Air Berlin Flieger steht noch da. Schnell die Treppen runter. Hoffentlich kann ich noch mit! Ja, die Boarding Dame wollte gerade abhauen. Glück gehabt. Sie reicht mir ein neues Boarding Ticket. Ich bekomme einen neuen Platz meinte sie. Egal. Nur mit will ich! Am Flugzeug werde ich dann auch mit feinstem Berliner Dialekt empfangen. „Na, da hamm wa ja deen Ausreißer wa!“ Bla bla kwak kwak. Ich bin drin. Passt doch, wozu nur immer diese Aufregung!? Mein neuer Platz ist ganz hinten vorletzte Reihe. Die Strafbank sozusagen. Hinten vor der Küche in der sich die Flugbegleiter angeregt über diverse Sachen unterhalten, die mich nun mal überhaupt nicht interessieren. Dafür habe ich ne Sitzreihe für mich allein. Toll! Am Schluss ist es dann ein ganz komisches Gefühl. Noch 38 Minuten bis Berlin. Noch 22. Noch 12. Draußen sieht es grau aus. Es ist ein wenig stürmisch. Mir alles egal. Wird schon werden. Der Flieger setzt ganz schön hart auf. Ich bin wieder in Deutschland. Ich steige aus dem Flugzeug aus. Es regnet. Wo geht eigentlich die nächste Reise hin? Ach, ist doch egal, vom Prinzip her läuft das schon irgendwie…

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Wasser marsch

Ich bin nass. Richtig nass. Von den Haarspitzen bis zu den Fussohlen. Auch wenn der ein oder andere vermuten mag, dass ich wieder in einen Goldfischteich gefallen bin, nein, es ist alles ganz anders. Im Grunde genommen ist jeder andere auch nass. Diejenigen die es nicht sind, werden aber nicht lange trocken bleiben. So ist das mit den guten Braeuchen. Wie es ueberhaupt dazu kam? Lest selbst…

Siem Reap. Was war das toll und imposant! Wirklich einzigartig. Aber wo geht es jetzt hin? Ich entschliesse mich dazu wieder nach Phnom Penh zurueckzufahren. Das heisst morgens aufstehen, rein in den Bus und 6 Stunden durchs cambodianische Flachland tuckern. In Phnom Penh wieder angekommen, bricht Krieg aus. Jeder der auch nur halbwegs europaeisch aussieht wird beim Aussteigen sofort von einer Traube von Tuk Tuk Fahrern umlagert. Jeder meldet einen Anspruch auf einen der Fahrgaeste an. Where go Sir? Where go Sir? Cheap cheap! Ja, ich weiss. Die Erfahrung hat mich gelehrt das es ueberhaupt nichts bringt Zeit mit Preisverhandlungen zu verplempern. Man nennt seinen Preis, steigt ins Tuk Tuk und ab gehts. Nur weg! Fuer den Rest des Tages hab ich nur noch Passfotos auf dem Zettel. Die brauche ich fuers naechste Visum. Richtung Norden nach Laos soll es gehen. Mit Amy (CAN) welche zufaellig den gleichen Plan hat, mache ich mich morgens auf den Weg zur Botschaft. Zettel ausfuellen, bezahlen und laecheln. To easy. Danach verusche ich auf dem Russian Market eine billige Uhr mit Alarmfunktion zu kaufen. Mein Handy geht leider nicht mehr und einen Wecker zu haben ist manchmal sehr hilfreich wenn es darum geht morgens den Bus zu kriegen. 1 Dollar moechte ich ausgeben. Mehr nicht. Zu einem Kaufgeschaeft kommt es am Ende nicht, da ich nicht bereit bin 2 Dollar auszugeben. Bin ich knauserig geworden? Egal. Am Nachmittag mache ich mich mit Amy wieder auf den Weg um unser Visa abzuholen. Dummerweise habe ich den Abholberechtigungszettel nicht mehr dabei. Ich kann mich aber ausweisen. Passt schon.

Morgens geht es mit dem Tuk Tuk zur Busstation. Hier stehen circa 30 Busse. Menschen ueberall. Menschen die irgendwo hinwollen und ihr Sack und Pack dabei haben. Ich finde meinen Bus. Raus aus dem Gewusel und rein in den Bus. Toll! Nach ein paar Stunden Fahrt gibts ne Pause. Auf dem Markt kann man so allerlei Leckerlies kaufen wie geroestete Spinnen und Froesche. Ich habe dummerweise keinen Hunger. Nach 7,5 Stunden komme ich endlich in Kratie an. Hier will ich uebernachten bevor es weiter in Richtung Grenze geht. Ich finde schnell ein Zimmer. Zentral gelegen, Blick auf den Market. Toll! Ich schaue mich ein wenig um. Dabei treffe ich auf Richard (AUS) der zusammen mit mir im Bus war. Wir suchen uns ein kleines Restaurant und geniessen unser Dinner waehrend wir nebenbei im Lonely Planet lesen. Dann muessen wir uns ploetzlich beeilen, da die Sonne schon tief steht und wir unbedingt an den Mekong wollen um den Sonnenuntergang zu geniessen. Toll! Einfach nur schoen. Wir sagen gute Nacht. Ich bin schon fast im Bett, da klopft es an meine Tuer. Wer ist das? Was ist los? Eine Stimme meldet sich auf der anderen Seite der Tuer. Your book Sir! Buch? Ich hab kein Buch und auf keinen Fall werd ich die Tuer oeffnen. Angeblich habe ich mein Buch vergessen. Ich kann 1 und 1 nicht zusammenzaehlen. Ich solle die Tuer oeffnen. Ich weiss nicht. Generell ist das auch schwierig, da ich momentan auch auf der Toilette sitze. Ich sage er solle das Buch unter Tuer hindurchschieben oder vor die Tuer legen. Nein, ich solle die Tuer aufmachen. Ok, hilft alles nix. Ich oeffne irgendwann die Tuer. Es ist der Restaurantbesitzer und ich hatte meinen Lonely Planet da liegen lassen. Toll! Danke! Das ist mal nett. Die Nacht ist nicht so toll. Nur Gehupe und morgens schon ganz frueh Laerm vom Markt. Ein kurzes Fruehstueck mit Baguette und Omelette. Dann schnell zum Pick up point. Rein in den Minivan welcher dann in den folgenden Minuten noch ein paar weitere Fahrgaeste einsammelt. Am Ende zaehle ich 12 Leute im Van. Ein bisschen eng. Mit dabei Marcel (SUI) der auch schon gestern mit im Bus sass. Nachdem wir erfolgreich mehreren Kuehen auf der Strasse ausgewichen sind halten wir ploetzlich. Wir muessen aussteigen. Mitten im Nichts. Ein anderer Bus wird uns auflesen. So so. Ein komisches Gefuehl. Kann man sich auf sowas verlassen? So sitzen wir mitten in der Hitze auf der Strasse. Mopeds fahren vorbei. Man winkt. Nach 20 Minuten kommt ein grosser Bus der auch tatsaechlich haelt. Fast leer der Bus. Nur ein polnisches Paerchen und ein Bayer drin. Klingt wie der Beginn eines schlechten Witzes. Ist es aber nicht. Witzig war es trotzdem irgendwie. Irgendwann kommen wir jedenfalls am Grenzuebergang zu Laos an. Dort heisst es dann an der cambodianischen Seite austempeln und dann 300 Meter zum laotischen Schlagbaum gehen. Hmm, schaut nicht wirklich so aus als wenn dieser Schlagbaum wirklich bewacht ist. Der ein oder andere Soldat der fern ab irgendwo sitzt und sein Mittagspaeuschen macht. Die Kalaschnikov hat auch Mittagspause. Ein kleiner Container-Bretterschuppen. Wir wollen uns das Visa einstempeln lassen. Der ueberaus freundliche Grenzer schickt uns zu Fenster Nummer 2. Niemand da. Kein Problem, einmal um die Ecke gerufen und schon kommt der zustaendige “Beamte” gemaechlich um die Ecke getrottet. Eine wenig Konfusion. Wieviel kostet das denn jetzt? Welcher Umrechnungskuers benutzt er jetzt? Ich bin bin sicher am Ende 1 oder 2 Dollar zu viel gezahlt zu haben, aber das interssiert in solchen Momenten nicht. Wichtig ist: Stempel in den Pass – alles gut. So, wie gehts weiter? Im Hintergrund kann man sehen, das die Planungen fuer einen anstaendigen Grenzuebergang am laufen sind. Man hat angefangen zu bauen. Also man ist halb fertig. Oder anders gesagt: nur noch ein paar Jahre und man ist fertig. In Asien tickt die Zeit einfach anders. Wie kommen wir jetzt hier weg? Unweit ist ein Bus zu sehen. Steht da vor sich hin. Niemand da. Der Bus sieht aus als wenn er nirgends mehr hinfaehrt. Das polnische Paerchen muss auf ihre Stempel warten. Der zustaendige Beamte ist gerade beim Biertrinken. Naja, als das auch geklaert ist, finden wir sogar den Busfahrer. Vielleicht mag er gerade 16 gewesen sein, ist ja aber auch egal. Er kennt jedenfalls jedes Schlagloch bis zum naechsten Drop off point. Dieser heisst Nakasong und ist die Schnittstelle zu den 4000 Islands. Diese sind eine Anhaeufung von kleinen Inselchen im Mekong. Immer mehr Backpacker finden es ganz toll sich es hier bei Reggae Musik und dem ein oder anderen Kaltgetraenk gutgehen zu lassen. Nix fuer mich. Fuer Marcel ist das auch nicht das Richtige.

Stattdessen sitzen wir kurze Zeit spaeter im Bus nach Pakse. Dort angekommen, wandere ich durch die menschenleeren Strassen auf der Suche nach dem Hostel meines Vertrauens. Ich finde es und checke ein. Sehr basic. Wie so haeufig in Asien findet man hier keine Klospuelung. Stattdessen gibt es neben der Toilette immer einen Eimer Wasser mit Schoepfkelle. Toll. Ok, ich will zur Post weil ich Briefmarken kaufen moechte. Es ist schon spaeter Nachmittag und ich hoffe diese hat noch geoeffnet. Ich finde die Post tatsaechlich. Das Gebaeude sieht nach kommiunistischem Einheitsbaustil aus. Ich betrete das Gelaende. Rechts neben dem Eingang befindet sich eine kleine Schar von Menschen die sich vor einer ganz schoen grossen Musikanlage versammelt hat. Auf den Tischen sieht man einige Bier und diverse Spirituosen. Hmmm. Ich denke mir nichts dabei. Als ich das Postamt betrete habe ich eine grosse Anzahl an Schalter zur Auswahl. Geschaetzte 10 links und geschaetzte 10 rechts. Toll. Nur eine Sache stimmt nicht ganz. Es ist niemand in der Post ausser mir. Ich verharre fuer ein paar Sekunden in Stille (wenn man mal die laute Karaokemusik von draussen ausblendet). Fuer einen Moment hatte ich sogar das Gefuehl der Sekundenzeiger der grossen Uhr ueber den Schaltern sei kurz stehengeblieben. Ok, ich sehe schon, keine Briefmarken heute. Ich gehe wieder hinaus. Ein Blick nach links und ich kann nun auch 1 und 1 zusammenzaehlen. Die Postbeamten tanzen mittlerweile auch auf den Tischen frei nach dem Motto “und Erwin fast der Heidi….”. Toll! Ich laechle und freue mich. Niemand bemerkt das gehe, was nicht weiter schlimm ist, da ja auch niemand gemerkt hat das ich ueberhaupt da bin. Ein ander mal. Aber irgendwas liegt in der Luft. Ich treffe Marcel in einem Strassencafe wieder. Bei einem Bananashake erzeahlt er mir von den anstehenden Neujahrsfeierlichkeiten. Neujahr? Hmmmm. Pee mai Lao ist jedes Jahr im April. Das Neujahrsfest geht genau 3 Tage. Der erste Tag ist der letzte des alten Jahres, der zweite liegt einfach so dazwischen und der dritte ist der erste Tag des neuen Jahres. Morgen ist also der erste von 3 Feiertagen. Toll! Da wir ja keine Ahnung haben, mieten wir uns am naechsten Morgen 2 Scooter um einen Abstecher ins Bolaven Plateau zu machen. Hier gibts einige Wasserfaelle zu bestaunen. Auf dem Weg dahin merken wir schnell was hier Neujahrsfest heisst. Wasser! Jedes Kind hat wenigstens eine Wasserpistole. Um Fussgaenger, Scooterfahrer oder sonstwen nasszuspritzen. Das Equipment weitet sich dann auf Schlaeuche und Wassereimer aus. Plastikbeutel mit Wasser mag ich nicht so. Vor allem weil ich mich auf einem Zweirad mit einer Geschwindigkeit von circa 67,3 km/h fortbewege. Die Dinger zwiebeln ganz schoen. Warum Wasser? Na ja, hat halt irgendwas mit reinwaschen zu tun. Nicht das ich mich von irgendetwas reinwaschen muesste, aber kann ja nicht schaden. So kommen wir auch am ersten Wasserfall an. Tolles Teil! Ein Maedel wird sogar ein wenig hysterisch als sie mich sieht (wer kanns ihr veruebeln). Liegts an meiner Hautfarbe oder meinem Bart? Ich tippe auf Letzteres. Allgemein sind Asiaten ja nicht so mit starkem Bartwuchs ausgestattet. Na ja, ich posiere fuer ein Foto. Ihre Freundin ist etwas schuechtern und traut sich nicht. Weiter gehts. Wir schauen uns noch andere Wasserfaelle an. Auch hier ein Hauch von Hysterie als ich einer weiblichen Reisegruppe aelteren Alters begegne. Obligatorisches Foto muss natuerlich sein. Sie freuen sich. Irgendwann machen wir uns auf den Rueckweg nach Pakse. Durch den Fahrtwind trocknet dann meine Kleidung auch wieder. In Pakse kommts dann dicke. Die Strassen sind voll mit Menschen welche mit allem bewaffnet sind, was auch nur irgendwie Wasser transportieren kann. Ok, bloss schnell die Scooter wieder zurueckbringen. Gar nicht so einfach, denn an manchen Strassenecken gibt es regelrechte Strassensperren. Trocken zu bleiben ist eigentlich unmoeglich. Insgesamt ein tolles Treiben. Menschen die auf Pick Ups mit Wasser bewaffnet durch die Strassen fahren und alles und jeden nass machen. Teilweise gibt es sogar kleine Wasserkriege zwischen den Nachbarn. Ein sehr ausgelassenes Treiben. Toll! Ein wahre Freude diese ueberaus freundlichen Laoten zu beobachten. Bisher gefaellt mir Laos sehr gut. Dieses Treiben geht dann am naechsten Tag auch so weiter. Fuer den Abend habe ich mir einen Nachtbus nach Vientiane gebucht. Dies ist die Hauptstadt von Laos. Marcel faehrt schon frueher. Es ist schon dunkel, als ich an der Busstation ankomme. Ich bin einer der ersten Gaeste und bekomme mein Bett zugeteilt. Toll! Gerade gross genug um mich lang zu machen. Dummerweise muss ich mir das Bett teilen, was den Platz dann doch erheblich einschraenkt. Egal. Ich teile mir das Bett mit Steve (ENG). Man tauscht sich ueber die bisherigen Reisrouten aus. Irgendwann merke, dass meine Matratze feucht ist. Hat Steve etwa ins Bett gemacht? Nein. Ich merke das der Verschluss meine Wasserflasche im Rucksack nicht das macht, was er eigentlich sollte. 1 Liter Wasser war in der Flasche. Jetzt habe ich einen Liter Wasser im Rucksack und auf der Matratze. Alles halb so wild, waere da nicht mein Netbook im Rucksack. Total nass. Doof. Im Dunkeln im Bus kann ich da eh nicht viel machen. Ich versuche es trocken zu lagern und hoffe aufs Beste. Ich schlafe kaum in der Nacht.

Um 7.30 Uhr morgens komme ich in Vientane an. Mit Lena (GER) und einem anderen Paerchen mache ich mich dann auf die Suche nach dem Hostel mit dem besten Preis-Leistungsverhaeltnis. Wir finden es, koennen aber noch nicht einchecken. Also erstmal Fruehstueck. Da laeuft auch schon zufaellig Marcel vorbei welcher bereits am Vortag angekommen ist. Wir beschliessen heute zum Bhudda-Park zu fahren, welcher einige Kilometer ausserhalb der Stadt ist. Sehr eindrucksvoll. Unzaehlige Bhudda Figuren, von denen manche so gross sind wie ein Haus. Zurueck in der Stadt wo jeder auf den Strassen ist, denn es ist ja auch der letzte Tag des Neujahrfestes. Man wird wieder nass. Inzwischen ist mir auch wieder Richard vor die Fuesse gelaufen, welcher unsere Runde jetzt erweitert. Nachdem wir uns etwas gestaerkt haben begeben wir uns an die Flusspromenade wo eine grosse Buehne aufgebaut ist. Die Band dort gibt ihr Bestes, waehrend Hunderte unter den Sprinkleranlagen wild tanzen. Es dauert nicht lange und wir gesellen uns dazu. Toll! Den ganzen Abend plitschnass tanzen mit den Locals welche hier in Laos sooooo freundlich sind. Was fuer ein grandioser Abend. So klingt das Nerujahrsfest aus. Wir gehen anschliessend noch etwas essen. Dann nur noch schlafen. Schlaf ist was schoenes, vor allem wenn man ihn hat. Ich wache nachts auf. Magenkraempfe und der ungemein starke Drang die Toilette aufsuchen zu muessen. So geht es dann auch den ganzen Tag weiter. Ich pendele zwischen Bett und Toilette. Heute passiert mal gar nix.

Montag. Meinem Magen und Verdauungstrakt geht es wieder etwas besser. Von vollstaendiger Genesung kann man aber nicht sprechen. Deshalb bereitet mir der heutige Tag auch etwas Sorgen. Heute gehts nach Vang Vieng. Ich absolviere am Morgen etliche Gaenge zu Toilette. Nur zur Sicherheit. 6 Stunden Busfahrt sind kein Pappenstiel und da moechte man alles andere lieber haben als Durchfall. Zur meiner Verwunderung geht auf der Busfahrt alles gut. Herrlich. Wir kommen in Vang Vieng an und suchen uns ein nettes Guesthouse. Es gibt Einzelzimmer fuer jeden. Toll! Vang Vieng ist vor allem fuers Tubing bekannt. Dabei setzt man sich auf den aufgeblasenen Schlauch eines LKW Reifens und laesst sich den Fluss runtertreiben, waehrend man an den unzaehligen Bars am Ufer halt macht um das ein oder andere Kaltgetraenk zu geniessen. Deshalb ist der Ort auch sowas wie eine Backpacker Hochburg. Im Ortskern gibt es unzaehlige Restaurants mit gemuetlichen Sitzgelegenheiten. Das Kuriose dabei ist, dass auf den Fernsehern in den Restaurants ausschliesslich die Fernsehserie Friends laeuft. Wir machen es uns bequem und geniessen waehrend der Tag ausklingt. Einige Bananashakes helfen mir, mich wieder etwas besser zu fuehlen. Toll!

Fuer den naechsten Tag steht dann das Tubing auf dem Programm. Wir holen uns die Tubes und lassen uns vom Tuk Tuk absetzen. Ueber eine Haengebruecke geht es dann zur ersten Bar wo wir chillen. Nach und nach treffen immer mehr Tubing-Willige ein. Die Stimmung steigt. Wir bringen unsere Tubes zu Wasser und machen uns auf den Weg. Am Ufer sind dann etlich Leute, die einen mit Seilen versuchen zu ihrer Bar zu lotsen. Wir halten bei einer dieser. Mittlerweile ist unsere Gruppe um Johanna und Mattias (SWE) gewachsen. Hier gibts einen 5 Meter hohen Bambus Stock. Wenn man diesen bis zur Spitze hinaufklettern kann gibts ein Freigetraenk. Toll! Ich schaffe es leider nicht ganz mit meiner Affentechnik bis oben, aber komme immerhin weiter hoch als die meisten. Auch diese Bar fuellt sich nach einiger Zeit. Immer mehr Leute versuchen sich an dem Bambus Stock. Nachdem es tatsaechlich einige schaffen wird der Stock ein wenig eingeoelt. Haha, nun ist es nahezu unmoeglich. Wir tuben weiter und machen an einer Bar halt, an der es einen grossen Jungle-Swing gibt. Man klettert auf einen Holzturm, schnappt sich das Seil und schwingt dann etliche Meter hin und her ueber den Fluss bevor man sich in diesen fallen laesst. Was fuer ein Spass! Wir tuben widerum weiter. Diesmal geniessen wir ausgiebig die tollen Berge nahe am Fluss die eine einmalige Kulisse bieten. Toll! Wir halten an einer Bar. Auch hier gibt es so eine Bambusstange. Diesmal schaffe ich es bis nach oben. Gelobt sei die Monkey-Technik. Als Belohnung gibts nen Kurzen und Muscheln vom Grill. Toll! Irgendwann wirds dunkel und wir beschliessen unser Tubing Adventure zu beenden. Ein Tuk Tuk karrt uns ins Dorf zurueck. Abends gehts dann nach dem Essen in die Ohlala Bar. Schlaf.

Mittwoch. Fuer heute steht eine Kayak und Caving Tour ins Umland an. Ich muss passen. Erneut Magenkraempfe und Durchfall. Am Nachmittag gehts mir wieder etwas besser so dass ich mir bei ein paar Bananashakes einige Folgen Friends in einem der Restaurants anschaue. Abends gehen wir noch einmal alle gemeinsam essen. Unsere Wege trennen sich hier. Jeder hat einen anderen Plan. Meiner sieht vor, dass ich am naechsten Tag weiter nach Luang Prabang fahre. Das ist weiter hoch im Norden. So sitze ich auch morgens im Mini Van, welcher mich die Berge hinauf traegt. Eine wahnsinnig schoene Landschaft waehrend der Fahrt. Gerne haette ich alle 5 Minuten angehalten um Fotos zu machen. Leider nicht moeglich. Irgendwann halten wir dann aber doch. Es gab einen Unfall, wobei ein LKW einen Strommast gerammt hat, welcher nun quer auf der Strasse liegt. Der Strommast hat zudem noch ein kleines Feuer an den Haengen neben der Strasse entfacht. Nach guten 2 Stunden koennen wir dann weiter. Nach guten 9 Studnen Fahrt bin ich dann endlich in Luang Prabang. Fix ein Guesthouse suchen. Zu meiner Verwunderung bin ich der einzige Gast. Macht nix. Es ist guenstig und sauber. Ich laufe ueber den Markt. Noch etwas zu beissen zwischen die Zaehne und ab ins Traumland. War ja auch ein langer anstrengender Tag.

Ein paar Meter entfernt von meinem Guesthouse gibt es ne skandinavische Baeckerei. Toll! Das Fruehstueck ist 1A. Ich leihe mir daraufhin ein Fahrrad um mir ein wenig die Tempel im Ort anzuschauen. Nach einiger Zeit laeuft mir Tina (SUI) vor die Fuesse, welche ich in Vang Vieng kennengelernt hatte. Wir beschliessen zusammen zum Wasserfall ausserhalb der Stadt zu fahren. Der Tuk Tuk Fahrer macht uns ein gutes Angebot. Bei den Wasserfaellen kann man toll schwimmen gehen. Ist auch tierisch heiss heute. Definitiv ueber 35 Grad. Wir geniessen dieses kleine Paradies ausgiebig, bevor wir uns auf den Rueckweg machen. Zurueck in der Stadt gehts auf den den Berg zum Phu Si Tempel. Hier oben soll man einen tollen Sonnenuntergang haben koennen. Leider ist es etwas bewoelkt am Schluss, was es aber nicht minder schoen macht. Wir verabreden uns zum Abendessen. Zufaellig laeuft Richard vorbei. Wie klein Laos doch ist. Wir gehen noch in eine Bar die Richard gerne besuchen wuerde. Dann bricht irgendwann ein Unwetter los. Blitze zucken am Himmel im Sekundentakt. Donner. Gewaltiger Donner. Wir schaffen es gerade noch noch so zurueck, bevor es wie aus Gieskannen anfaengt zu regnen. Ich bin froh in meinem kleinen Guesthouse halbwegs trocken anzukommen. Dort faellt dann irgendwann der Strom aus, so wie vermutlich fast ueberall. Es ist stockduster im Raum welcher nur ein kleines Fenster hat. Die Blitze sind so hell und zahlreich, dass es den Raum erhellt. Cool, wie im Horrorfilm! Ich geniesse es total! Ich schlafe irgendwann ein.

Wie grossartig ist denn bitte diese skandinavische Baeckerei? Gibt es ein besseres Fruehstueck als dort? Nach dem Fruehstueck gehts mit Tina und Richard auf Erkundungstour. Wir finden Bhuddas Fussabdruck und schauen uns ein wenig in der Stadt und den Markets um. Danach trennen wir uns. Jeder hat heute Wellness auf dem Programm. Ich begebe mich in ein Spa. Full body Massage klingt gut. 1 Stunde lang dehnt, stretcht, massiert und foltert mich ein kleiner Laote. Toll! Ich fuehle mich grossartig danach. Weil es so schoen war, goenne ich mir spaeter noch ne Fussmassage. Bei der Fussmassage kommt soviel Oel zum Einsatz, dass ich ein wenig fuerchtete man wolle mich einbalsamieren. Am Abend gehen wir dann zusammen ins Utopia. Nette Freiluftbar mit tollem Ambiente. Ein Fallschirm bildet das Dach. Alte Bomben und Munitionskisten, welche Ueberbleibsel aus nicht so friedvollen Zeiten sind, bilden die Deko. Auf der Leinwand laufen coole Sportfilme und allerlei Extremsport. Toll! Wir treffen wieder auf Marcel, welcher mittlerweile auch in Luang Prabang eingetroffen ist. Der Abend klingt nett bei einem Bierchen aus. Der naechste Morgen startet ausnahmsweise mal nicht in der skandinavischen Baeckerei. Keine Zeit! Mit Tina mach ich mich auf den Weg zu der Bhuddahoehle. Dazu begebe man sich auf eines der Boote. Wir fahren flussaufwaerts. Am Flussufer sieht man das pulsierende Leben. Waesche waschen, Koerperpflege, Fischfang oder einfach nur Kids die spielen. Toll! Ich versuche ein wenig davon mit der Kamera einzufangen. Nicht ganz einfach auf die Entfernung. Generell ist dies in Asien auch schwer wie ich finde, da man soviele tolle Momente sieht. So viele Momente die einfach nicht mit der Kamera eingefangen werden koennen. Unbeschreiblich. Magisch manchmal. Einfach von einer anderen Welt irgendwie. So wirken auf mich auch die Moenche denen wir bei einem Zwischenstopp in einem Dorf begegnen. Einfach so anders. Toll! Wir setzen unseren Weg zu den Hoehlen fort. Dort angekommen ist man etwas erschlagen von der Anzahl der Bhuddafiguren die dort zu finden sind. Hunderte, ach vermutlich Tausende sind in diesen Hoehlen zu finden. Alle moeglichen Groessen und Formen. Einzigartig! Als wir wieder zurueck in Luang Prabang sind, schauen wir noch einmal bei dem grossen Tempel vorbei und knippsen noch ein wenig was uns vor die Linse kommt. Tolle Momente! Abends stoebern wir noch ein wenig ueber den Markt, bevor wir Marcel und Richard im Utopia treffen. Mein letzter Abend hier. Wie immer ist die Zeit viel zu knapp. So gerne wuerde ich mir noch viel mehr von Laos anschauen, aber es ist keine Zeit mehr da. Ich muss weiter, denn ich hab Termine. Ich mache mich am folgenden Morgen auf den Weg zurueck nach Vientiane. Beinahe will man mich in den falschen Bus stecken. Das waers ja noch gewesen. Alles gut. Keine Magenprobleme. Hingegen hat der Bus ein paar Probleme. Kuehlerprobleme um genau zu sein. So kommt es waehrend der 11 Stunden fahrt zu einigen Notstops. Naja, solange wir nur irgendwie ueberhaupt ankommen ist mir das egal. In Vientiane besorg ich mir nur noch schnell was zu essen. Schlaf.

Dienstag. Die Sonne scheint. Es ist morgens um 9 schon unertraeglich heiss. Ein kurzes Fruehstueck bevor ich meine letzten 20 US Dollar eintausche. Ich muss ja auch noch irgendwie das Tuk tuk zum Airoport bezahlen. Danach schnell ne Dusche und Sachen packen. Ich versuche einen guten Preis fuer die Fahrt mit dem Tuk Tuk rauszuhandeln. Nix zu machen. Egal. Ab zum Airport. Ich hab ausreichend Zeit bis mein Flieger geht. Ich ordere mir im Restaurant ne Suppe mit Nudeln. Bisher hatte ich immer Bewunderung fuer die Asiaten, die mit Staebchen eine Suppe essen koennen. Nun kann ich es selber. Toll! Irgendwann sitze ich auch im Flieger und wir heben ab. Die erste halbe Stunde ist ganz schoen turbulent. Heftige Seitenwinde und Luftloecher. Ich hatte schon bessere Fluege und vor allem auch ein besseres Gefuehl beim Fliegen. Nach einer halben Stunde wirds dann besser. Die Wolken klaeren sich und man kann nun die Unwetterfront sehen. Die Wolkenformationen sehen atemberaubend aus. Die untergehende Sonne laesst das Ganze dann einfach nur noch magisch erscheinen. Ein Foto koennte vermutlich die Schoenheit dieses Anblicks nicht wiederspiegeln.

Ich komme in Kuala Lumpur an. Es ist bereits gegen 10 Uhr abends. Ich habe nun eine Nacht auf dem Airport vor mir. Das heisst man sitzt entweder in einem der Schnellrestaurants oder man sucht sich einen freien Platz in der Wartehalle und schlaeft. Schlaf ist nix fuer mich. Ich lese lieber mein Buch weiter, hoere Musik oder beobachte Leute. Die Nacht vergeht eigentlich schnell. Um 5 Uhr startet dann auch das Einchecken und es kommt Bewegung in den Flughafen. Um 7.20 Uhr hebt mein Flieger nach Tawau ab. Tawau ist auf Borneo und gehoert auch zu Malaysia. Der Flug ist sehr entspannend. Ich lese. In Tawau noch schnell durch die Abfertigung und dann rein in den Minivan. Ich wache in Semporna auf. Endstation. Was ich hier will? Tauchen. Einfach nur tauchen. Diese Gegend hier, bildet eine der Ecken des Korallendreiecks zwischen den Philipinen, Indonesien und Borneo. Das heisst im Klartext: wahnsinnig tolles Tauchen! Den Tipp hatte ich mal von einem Iren in Neuseeland bekommen. Borneo. Semporna. Scuba Junkie. Gesagt getan. Hier bin ich. Ich checke im Scuba Junkie Hostel ein. Dann gleich rueber in den Dive Shop. Ich buche spontan ein 5 Tage Package. Da gibts dann Discount. Ausserdem will ich auf Sipadan tauchen. Sipadan ist hier ueberall das Zauberwort. Sipadan liegt ungefaehr eine Stunde mit dem Boot von Semporna aus entfernt. Das Besondere hier ist, dass es es um die Insel herum drop offs gibt, die 600 Meter in die Tiefe gehen. Das heisst, das auch mal etwas Groesseres von unten hoch kommt. Mantas, Hammerheads und dergleichen. Sipadan ist ein Marine Park und von daher geschuetzt. Das heisst das es pro Tag nur 120 Tauchern gestattet ist dort zu tauchen. Die Permits verteilen sich dann auf einige Dive operator in Semporna. Ich hatte meine Permit schon einige Wochen vorher klar gemacht. Das ist auch notwendig, denn der Run auf Sipadan ist gewaltig. Jeder moechte hier tauchen. Hatte doch Jacques Cousteau in seinen spaeten Jahren dieses Paradies fuer sich entdeckt. Sipadan gilt als einer der Top-Tauch-Spots in der Welt. Das will ich natuerlich sehen!

Ich mache einen kleinen Nap am Nachmittag. Viel geschlafen habe ich ja bisher nicht. Danach schaue ich mich ein wenig im Ort um. Einen dicken Burger in der Scuba Junkie Bar und ein Bierchen goenne ich mir. Schlaf ist dringend benoetigt. Morgen gehts frueh raus. Mein erster Tauchspot heisst Mataking und ist eine der noerdlichen Inseln. 1 Stunde dauert die Fahrt mit dem Boot dorthin. Die Sonne scheint. Borneo ist toll. Ich habe meinen Soundtrack im Ohr und geniesse den boat ride total. Wir absolvieren 3 Tauchgaenge. Turtles, Lionfish, Octopus und allerhand anderes Getier gibts unter Wasser zu bestaunen. Ein wunderschoener Tag! Auf dem Rueckweg sitze ich vorne im Boot. Im Ohr erklingt Sultans of Swing waehrend wir uebers Wasser gleiten. Einfach nur perfekt! Ich hatte mich ausserdem dazu entschlossen den Rescue Diver zu machen. Bisher war ich nur Advanced Open Water Diver. So sitze ich am naechsten Tag auf dem Boin Richtung Mabul. Auf Mabul hat Scuba Junkie ein Resort. Hier gilt es als erstes den Emergency First Response Course zu absolvieren. Mein Instructor ist Martino (ITA). In den Pausen schluerfe ich gemuetlich Kaffee und spiele ein wenig auf der Gitarre die da rum steht. Life’s just good!

Fuer den naechsten Tag steht Theorie in Semporna auf dem Programm. Das heisst im Grunde nichts anderes als nette Filmchen auf dem Computer anzuschauen und ein paar Fragen zu beantworten. Fast haette ich aber am Morgen verschlafen. Mein Handy geht ja nicht mehr was zur Folge hat, dass ich keinen Alarm mehr habe. So gehts nicht weiter. Ich kaufe mir gegen Abend eine billige Uhr mit Alarmfunktion. Na ja, ganz so billig war sie nicht. Waere ich doch nur in Cambodia nicht so knauserig gewesen und haette mir dort gleiches Model fuer 1,50 gekauft. Stattdessen zahle ich nun 20 Ringit. Wie sich spaeter herausstellt, kann ich meine nun neu erworbene Uhr circa 1 mal die Woche neu stellen, da sie innerhalb einer Woche ungefaehr eine halbe Stunde an Zeit “verliert”. Das kann zur Folge haben, dass man morgens dann mal spaet dran ist. Aber Zeit ist ja auch irgendwie relativ. Abends in der Bar schaue ich Fussball. Premier League. Oh mein Gott, wie lang ist das her das ich mal irgendwo Fussball geschaut habe. Toll! Nun habe ich noch 2 Tage im Wasser vor mir um meinen Rescue Diver zu absolvieren. Dabei versucht man bestimmte Rettungssituationen zu simulieren. So bin ich auch am zweiten Tag etwas verdutzt, als Martino ploetzlich am “ertrinekn” ist. Kassia (POL), welche im kurs assistiert, springt ins Wasser um ihm zu helfen und ist dann selber am “ertrinken”. Ich brauche ein paar Sekunden um zu realisieren was hier gerade passiert. Am Ende kann ich beide “retten”. Ausserdem haben die beiden dann auch noch fuer die folgenden Dives ein paar Ueberraschungen parat. Man muss auf alles achten. Das faengt beim falsch angezogenen Tauchequipment an und geht in falsches Verhalten ueber. So habe ich am Ende einen so genannten Hell Dive. Martino reitet unter Wasser mal auf seinem Equipment durch die Gegend, oder ploetzlich ist jemand out of air. Die beiden halten mich ganz schoen auf Trab. Unter Wasser begegnen wir auch einen asiatischen Tauchergruppe, welche sich durch die Einzigartigkeit der Fortbewegung im Wasser auszeichnet. Das sie ueberhaupt von der Stelle gekommen sind wundert mich bis heute. Abends spielt dann die Band auf. Es ist Martinos Abschiedsparty. 8 Monate war er hier. Es wird kraeftig gefeiert. Ich brauche Schlaf. Es war ein anstrengender Tag.

Ich nehme einen Tag frei. Ausruhen. Tagsdrauf tauche ich auf Mabul. Nass (MAL) ist mein Diveguide. Ein absolut komischer Kautz mit einer ganz speziellen Art und Weise. Lustig. Der erste Tauchgang ist an der Lobster Wall. Ich bin am Ende der Gruppe. Rechts die Wall. Links das grosse tiefe Blau. Nach einer Weile bilde ich mir ein, dass wenn ich nach links ins tiefe blaue schauen wuerde, dass dann da eine Turtle schwimmen wuerde. Hmmm. Ich schaue nach links. Nichts. Nur blau. Hmmm. Dann passiert es. Ich schaue aus irgendeinem Grund anschliessend nach oben. Was ist das? Kein Zweifel. Ich brauch ungefaehr 0,42 Sekunden um sicher zu sein. Ich bin mir sicher! Whaleshark! Nur ganz schemenhaft an der Wasseroberflaeche zu erkennen. Ich mache Alarm im Wasser. Ich zeige nach oben. Nass sieht nichts. Damn, ich hab ihn aus den Augen verloren! Ich scanne die Wasseroberflaeche fuer ein paar Sekunden bevor ich ihn wieder spotten kann. Alle drehen durch unter Wasser! How lucky was that? Wicked! Und ich hab ihn gespottet! Nass ist fuer den Rest des Tages nicht mehr einzufangen. Noch spaet am Abend sehe ich ihn durch die Strassen laufen und schreien: I saw whaleshark baby! Einfach ne Marke der Typ. Hat er ja auch auf seinem Weightbelt ‚Rock n Roll Baby‘ zu stehen. Das sagt alles oder? Toll!

Eine Entscheidung steht an. Waehrend des Rescue Courses hatte ich mir Gedanken darum gemacht, ob ich nicht gleich im Anschluss den Dive Master machen will. Eigentlich hatte ich mich schon dagegen entschieden, aber irgendwie wusste ich auch vorher schon, dass ich mich nochmal umentscheiden wuerde. Komisch. Na ja, so starte ich am naechsten Tag als Dive Master Trainee. Mit dabei sind auch Lydia (ENG), Emily and Jake (AUS), sowie Dani (GER). Der erste Tag heisst pretty much lernen lernen popernen. Wir arbeiten uns Stueck fuer Stueck durchs Dive Master Manual. Dazu gibts dann noch ne Introduction. Ich kaufe mir auch einen Divecomputer welcher essentiell ist, immerhin will man ja ein ‚Profi‘ werden. Der naechste Tag heisst Theorie. Ich lese im Bett, in der Bar, auf der Strasse, ueberall. Der Kopf raucht ganz schoen. So schreibe ich am naechsten Tag 3 Tests. Steve (USA) bespricht mit mir die einzelnen Chapter. Nach dem lunch darf ich ein paar Stamina Test absolvieren. 400 Meter Schwimmen auf Zeit. Ich beginne zu schnell mit der ersten Bahn. Die restlichen 300 Meter werden zur Qual. Am Ende ist die Zeit die ich herausschwimme gut. Die Zeit fuers Schnorcheln kann sich sehen lassen. Beinahe haette ich dabei aber mein Mittagessen im Schnorchel entleert. Am Ende ist es ein toller Tag. Am naechsten Tag bin ich Assistent in nem Rescue Course. Toll wenn man anderen mal einen Hell Dive bereiten kann. Montag. Neue Woche, neue Insel. Ich nehme heute mein Sack und Pack und setze ueber nach Mabul. Abwechslung muss sein, und Semporna hat ehrlich gesagt nicht wirklich viel zu bieten. Ich checke dort in einem der traditionellen Longhouses ein. Dies sind im Prinzip nichts anderes als ein langer Steg auf dem in einer langen Reihe etliche Zimmer nebeneinander sind. Alles sehr basic. Strom gibts von 6 Uhr abends bis 6 Uhr morgens. Dafuer lebt man quasi auf dem Wasser. Toll!

Dienstag. Endlich! Heute ist es soweit! Sipadan! Ich habe mir einen Tag off genommen vom course und bin heute quasi als customer unterwegs. Ich stehe um halb 6 auf. Um 6 sitze ich im Resort und fruehstuecke kurz. Dann aufs Boot. 25 Minuten Ueberfahrt. South Point. Der erste Tauchgang. Wow! Schon nach den ersten Sekunden im Wasser bin ich hellauf begeistert. Die Korallen sind der Wahnsinn. Wir sind quasi direkt ueberm drop off. Es geht steil nach unten. 35 Meter sagt mein Divecomputer. Sharks, turtles, alles. Wahnsinn! Ich bin hellauf begeistert. Nach dem ersten Tauchgang gibts ne kleine Staerkung an Land. Die Dive spots sind einfach Klasse! In der Turtle Cave ist es abartig geil! Alles ist geil! Toll! Im letzten Tauchgang schwimmen wir mal raus ins Blaue. Weg von der Wall. Was fuer ein Gefuehl! Atemberaubend. Man schaut nach unten. Blau. Nach rechts und links. Blau. Vorne und hinten. Blau. Einzig und allein die Wasseroberflaeche bietet einen visuellen Anhaltspunkt fuers Auge. Im Wasser sieht man nur die kleinen Partikel umherschwimmen. Nichts woran sich das Auge orientieren kann. Da ist man froh, wenn man fuer einen Moment sich an seinenm dive buddy orientieren kann. Fuehlt sich an wie in einer Art Schwerelosigkeit im Nichts. Besser gesagt im Blau. Absolut einzigartiges Gefuehl. Toll! Abends spielt die Band im Resort. Alle tanzen. Ein wirklich grossartiger Tag!

Die naechsten 2 Tage sind wir damit beschaeftigt den Skill Circiut zu absolvieren. Das heisst nicht nur die Skills gut draufhaben, sondern diese auch in Demonstrations-Manier performen. Zurueck im Longhouse faellt mir beim Bezahlen fast der ganze Inhalte meiner Geldboerse auf die Jetty. Ein paar Sachen landen im Wasser. Ein Junge fischt sie fuer mich heraus. Puuh, nicht auszudenken es waere bereits dunkel gewesen und die Kreditkarte waere im Wasser verschollen. Glueck gehabt. Gespraech des Tages war eine japanische Tauchergruppe. Alle einheitlich mit zeitlosen Speedos bekleidet. Was will man da machen? Freitag. Abreise. Ein paar Tage auf Mabul reichen. Ausserdem ist es im Longhouse doch etwas teurer als in Semporna. Dort gibts dann auch wieder Internet. Kaum zu glauben dass man ein paar Tage nicht online war. Abends spielt die Band gross auf, was zur Folge hat, dass am naechsten Morgen alles etwas verkatert sind. Mit Jake und Emily steht heute das Mapping Projekt auf dem Plan. Wir mappen eine Divesite. Gar nicht so einfach. Vor allem die Kommunikation unter Wasser kann einem da schnell einen Strich durch die Rechnung machen. Geht aber schon irgendwie. Meine Rolle bei dem ganzen Spiel: ich hab den Plan und sage wo es lang geht. Toll! Wenn ich dann mal nicht am Tauchen bin, verbringe ich die meiste Zeit mit lernen. Die Enzyclopedia ist ein dickes Buch und die Examen will ich auch so schnell wie moeglich hinter mich bringen. Zwischendurch arbeite ich immer wieder mal an der map. Schliesslich soll diese ja auch gut werden. So streichen die Tage ins Land. Man lernt, assistiert bei Kursen, schaut, antizipiert, lernt, macht Fehler, lacht, bekommt Sonnenbrand und so weiter und so fort.

Montag. Ich habe mich wieder auf Mabul stationiert. Hier hat man einfach mehr Zeit und Ruhe zum lernen. Heute bin ich der Schatten von Carl. Zuschauen und lernen. Erster Dive ist an der Stingray Alley. Eine absolut wahnsinnige Stroemung heute. Einfach herrlich im Wasser mit der Stroemung zu treiben. Am Ende gehts ueber die table corals. Hier ist die Stroemung noch staerker! Das ist wie fliegen. Kopf nach vorne etwas mit den Fins kicken und schon fliegt man ueber die Korallen hinweg. Absolut geil! Mehr mehr mehr! Danach darf ich Jase guiden. Meine erste guiding Erfahrung. Am Ende gibts ein debriefing. Was war gut, was nicht. Ich lerne. Abends ist noch ne Party nebenan im anderen Longhouse. Die Locals singen und spielen Gitarre. Toll! Eine Woche spater realisiere ich, dass mein course hier fast vorbei ist. Viele Dinge sind nicht mehr zu erledigen. Dummerweise fange ich mir irgendwie ne Erkaeltung ein. Ich merke beim ersten Tauchgang am Morgen wie meine Nasennebenhoehlen schmerzen. Fuer den Rest des Tages setze ich aus und helfe auf der Jetty. Ich nehme einen Tag frei um mich auszukurieren. Schmecken tut mir das gar nicht. Vor allem so kurz vor dem Ende. Nicht mal Theorie kann ich in dieser Zeit lernen, denn ich habe fertig wie Trap sagen wuerde. Ich probiere es am folgenden Tag. Keine Besserung. Den Rest des Tages und den folgenden verbringe ich auf der Jetty. Gut das man mit Sinusproblemen noch Schnorcheln kann. So bin ich tagsdrauf Snorkelguide. Generell besteht meine Aufgabe dabei zur allgemeinen Erheiterung beizutragen und aufzupassen, dass mir keiner von den Asiaten untergeht oder die Korallen beschaedigt. Da muss man echt aufpassen, denn viele Asiaten koennen nicht wirklich schwimmen, oder zu mindestens nur sehr maessig. Aber passt schon. Abends auf dem Rueckweg nach Semporna sehen wir 2 Turtles am kopulieren an der Wasseroberflaeche. Wir schauen dem Treiben ein wenig zu. Sehr eindrucksvoll! So, meine Erkaeltung ist fast weg. Sollte doch moeglich sein wieder zu tauchen. Ich kann es tatsaechlich. Keine Probleme beim runtergehen. Leider ist das Auftauchen doch etwas schmerzhaft. Ich breche nach 2 Tauchgaengen ab. Vermutlich brauche ich einfach noch 1 oder 2 Tage off, damit die Nase wieder hundertprozentig frei wird, und dann muss das verflixt nochmal vom Prinzip her wieder laufen…

Stadt Land Fluss

Ok, hat das ganze hier noch Relevanz? Also ich mein jetzt das Geschriebene, nicht die Reise! Liest das hier noch jemand? Gibt es noch jemanden der sich an mich erinnert und meinen Weg verfolgt? Eigentlich ja aber auch nicht die Stoßrichtung der Diskussion, denn ich schreib ja hier in erster Linie für die Erinnerung. Gegen das Vergessen. Für das wieder Aufleben toller Momente. Nur so geht’s! Und für neue Impressionen geht die Staffel jetzt in die letzte Runde. Dabei ist der Staffelstab eher ein Stäbchen, denn mit denen wird momentan vorzugsweise gespeist. Warum? Egal! Wichtig ist das es schmeckt! Und das tut es zweifelsohne. In kulinarischer Hinsicht definitiv, aber das Leben erst recht. Genau genommen verhält sich das aber so…

Auckland. Neuseeland. Immer noch. Meine Zeit hier neigt sich dem Ende entgegen. Schön war es hier. Sehr schön. Viele nette liebenswerte tolle Menschen. Die 2 liebenswertesten gibt’s am Schluss. Frauke und Freddy. Danke nochmal an dieser Stelle! Haben sie mich doch für etliche Tage beheimatet und ich durfte die beiden dafür mit meiner Kochkunst beehren. Naja, eher weniger eine Kunst. Mehr die Fähigkeit die richtigen Dinge zusammen zu mixen und aufzuwärmen (Anm. für OP: frag Freddy mal wie es ihm geschmeckt hat). So, das Flugticket ist gebucht. Ich bringe noch schnell ein Paket mit 15kg Gewicht zur Post. Inhalt: gemischtes Allerlei der letzten 22 Monate. Ab damit nach Deutschland. Gott sei Dank ist gerade Sperrmüll, so dass ich mit Hilfe eines ausrangierten Rollkoffers das Paket bequem zu Post rollen kann. Toll! Der Morgen des Abschieds. Wenig Schlaf in der Nacht. Egal. Ich verabschiede mich nach dem Frühstück von Freddy und Frauke. Ich sage good bye New Zealand. Im Focus: Asien. Ich checke am Airport ein. Ich nehme Platz im Flieger. Neben mir nimmt Chantal Platz. Französischer Name. Neuseeländischer Passport. Indischer Herkunft. Wir plaudern über dies und jenes während des 10stündigen Fluges. Ziel: Singapur.

Landeanflug Singapur. Hinter mir 6 tolle Monate im unvergleichbaren New Zealand. Vor mir ein ungewisses Abenteuer in Asien. Unter mir der Ozean mit hunderten von Schiffen. Tankern und Frachtschiffen die in dieser einzigartigen Metropole ihre Waren ent- und beladen. Ein toller Anblick! Ja, dieser Ort muss etwas Spezielles sein. Landen. Ich verabschiede mich von Chantal. Visa, Zoll und die Frage wo ich hin muss. Das Transport System in dieser Stadt soll ja einmalig sein. Schnell bekomme ich davon einen Endruck. Rein in die Bahn und ab in die City. Menschen dicht an dicht. Mein riesiger Backpack macht es mir da nicht unbedingt einfach. Die meisten in der Bahn sind damit beschäftigt sich mit allerhand elektronischem Spielzeug die Zeit zu vertreiben. Recht zügig komme ich an meiner Haltestelle an. Draußen Verkehr, Multi-Kulti und hohe Luftfeuchtigkeit. Ab ins Hostel. Dank Malte checke ich in nem netten Hostel ein. Toll! So, noch schnell mal die Umgebung erkundet und was zu essen gesucht, denn obwohl man ja eigentlich nix tut ist so ein Tag dann doch ganz schön kräftezehrend. Ich finde ein nettes marokkanisches Restaurant. Gut gespeist. Jetzt ins Bett. Schlaf.

Das allmorgendliche Gebet über Lautsprecher weckt mich pünktlich. 5 Uhr sagt der mobile Telefonapparat als ich ich völlig verstört drauf schaue. Welcome to Asia! Schön sieht die Moschee am Ende der Straße bei Tage ja aus, aber warum nur so laut? Egal, weiter schlafen. Nach so langer Zeit in Hostels wird man gegen so etwas irgendwann resistent. Jegliche Form von Geräuschen wie klappernde Türen, herum kramen in Plastiktüten oder auch den Klassiker Schnarchen kann nach langer Übungsphase einfach ignorieren. Nur eine andere Sache bringt mich momentan ein wenig aus der inneren Ruhe: Vibrierender Untergrund und dumpfe laute Geräusche. Alles eine Spätfolge von der ganzen Nachbebenzeit in Christchurch. Machte sich komischerweise erst bemerkbar nachdem ich Christchurch schon verlassen hatte. Kaum fährt draußen mal ein Bus oder Laster so vorbei dass der Boden nur minimal vibriert, zucke ich innerlich zusammen. Dumpfe Geräusche die ähnlich klingen wie das Wackeln eines Hauses oder gar Häuserblocks, lassen mich erschrecken. Ich hoffe das geht wieder weg. Möglichst bald! Naja, allzu viel darüber nachdenken lohnt nicht und ist auch keine Zeit für da. Singapur wartet. So mache ich mich nach einem kleinen Frühstück auch auf ins nahe gelegene Little India. Ein alter Mann warnt mich auf dem Weg vor gefährlichen Gestalten die mein Hab und Gut zu ihrem machen wollen. Ist es dort etwa so unsicher? Ich stecke die Kamera erstmal wieder zurück in den Rucksack. Sicher ist sicher. In Little India ist der indische Einfluss nicht von der Hand zu weisen. Trotzdem sieht alles ganz normal aus. Fernseher werden an der Straße verkauft und generell sieht man in den Shops haufenweise Elektronik welche bis an die Decke gestapelt wird. Ja, Singapur ist das Elektronik Mekka. Unverkennbar! Die Preise sind unverschämt günstig! Das fängt an bei A wie Anstecknadel mit integriertem Digital-Thermometer mit 3 auswählbaren Melodien bis hin zu Z wie Zusatzakku für die Batterieanzeige des Zusatzakku von Kameras. Alles was das Herz begehrt! Die wahnwitzige Schaltzentrale dieses Elektronikhandels scheint der Slim Lim Square zu sein. Ein Kaufhaus welches auf 5 Stockwerken all den Elektronik Schnick Schack anbietet. Die Shops dort sind dicht an dicht. Der überwiegende Teil scheint sich auf Kameras und Handys spezialisiert zu haben. Ich halte nach ner Linse Ausschau. 50mm Festbrennweite. Ich erkundige mich im ersten größeren Geschäft nach dem Preis und bekomme auch gleich eine neue Kamera angeboten. Man ist die günstig. Da kommt man ins überlegen. Aber kein Bedarf. Erstmal den Markt sondieren. Noch bevor ich den Laden verlassen konnte überschlägt der Verkäufer sich mit seinen Preisofferten. Der Preis sinkt von bodenlos bis noch tiefer. Gibt es doch gar nicht! Und so weiter geht das Spiel. Die Verkäufer wissen ganz genau, dass wenn du erstmal aus dem Laden raus bist, dann kommst du wahrscheinlich auch nicht mehr wieder. Ich habe ne grobe Preiseinschätzung für die Linse die ich haben will. Kaufen will ich heute nichts. Morgen ist auch noch ein Tag. Ich fahre stattdessen weiter nach Chinatown. Auch hier gibt’s neben dem ganzen Souvenirkram auch Elektronik Shops. Generell ist es in Singapur so, dass egal in welches der großen Gebäude man geht, es ist immer ein Shoppingcenter. Verrückt! In einem Kamerageschäft dort lasse ich mir alles mögliche für meine Cam vorführen. Kaufen tue ich nix. Der Verkäufer ist am Ende sichtlich angepisst. Sorry! Ich gehe thailändisch essen. Danach zurück ins Hostel. Die Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit machen mich einfach müde. Ein Nickerchen tut gut. Abends gehe ich nepalesisch essen. Im Hostel wird über alle möglichen Kameras gefachsimpelt. Jeder hat irgendwo noch nen günstigeren Shop gesehen. Gekauft hat aber noch keiner was. Schlaf.

Heute will ich mir die Linse holen. Zuvor bummle ich noch ein wenig durch die Stadt. Am westlichen Ende der Stadt gibt’s angeblich ne prima Einkaufsstraße. Straße? Das Ding ist ne mehr als nur ne Straße. Unendlich breit und unendlich lang. Hier findet man alles was Rang und Namen hat und teuer und orginal ist. Nen Crumpler Rucksack gönne ich mir. Der alte Rucksack hat seine Schuldigkeit getan und ich bin es Leid in diesem immer zu kramen. Im neuen gibt es Fächer, Taschen, und herausnehmbare Trennwände. Man könnte nen Panzer auseinander nehmen und darin fachgerecht verstauen. Toll! Irgendwann komme ich wieder am Elektronik Tempel an. Sieht irgendwie anders aus als gestern denke ich mir beim Betreten. Von den ganzen Kamerashops nichts zu sehen. Nur Geschäfte mit Karaoke Sytemen, Lautsprechern, Kabeln und sonstiges Gelöt. Neee, irgendwie bin ich falsch. Sehe ich dann auch als ich wieder draußen bin. Slim Lim Tower und nicht Slim Lin Square. So schnell kann es gehen! Am richtigen Ort hole ich mir dann die Linse. Wenn ein Kauf so einfach wär! Nein, ich brauch doch noch was obendrauf meint der Verkäufer. Das passiert bei denen automatisch. Sie packen irgendwas günstiges obendrauf und treiben den Preis wieder hoch. Dann noch plus Steuer. Die kann man sich am Flughafen bei der Ausreise ja wieder holen. Bloß raus hier! Abends zeigen wir uns alle die neusten Investitionen. Ein Pärchen wurde sogar aus dem Slim Lin Square rausgekickt, weil sie sich dort seit 5 Tagen rumgetrieben haben und immer noch nix gekauft hatten und den Preis immer weiter drücken wollten. Das wurde denen dort dann irgendwie zu viel.

Freitag. Ein gutes Frühstück bevor ich zum Airport fahre. Ich verabschiede mich von Annemarie (IRL) mit der ich mich in Kuala Lumpur wieder treffen will. Ja, genau da geht’s jetzt hin. Am Airport hole ich mir noch die Tax zurück. Leider kann ich die Rechnung für den Rucksack nicht mehr finden. Zu doof. Egal. In Kuala Lumpur komme ich am Low Cost Carrier an. Nix moderner Flughafen. Billige Abfertigungshalle. Visa in den Passport und rein in den Bus. Der braucht gute anderthalb Stunden bis in die City. Dort angekommen, muss ich in die U-Bahn. Ein Ticket kaufen kann ich mir nicht, da die Automaten nur 1 oder 2 Ringgit Noten annehmen. Die kleinste Note die ich habe ist ein 10er. Ich versuche an den Ständen in dem Markt zu wechseln. Niemand ist dazu bereit. Ich sehe ein Mc Donalds Stand. Die helfen doch immer, denke ich mir. Nein, auch sie wollen nicht wechseln. Ok, ich kauf mir ne scheiß verdammte Kugel Eiscreme mit dem scheiß verdammten 10er und bekomme scheiß verdammtes kleines Wechselgeld zurück. Nicht das man angenervt ist, wenn man mit nem schweren Backpack und nem kleineren bei hoher Luftfeuchtigkeit durch die Gegend rennt. Nein. Ich doch nicht! Ticket und rein in die Bahn! Die Petronas Towers kann ich schon sehen. Toll! Ich steige an meiner Haltestelle aus. Genau zwischen Chinatown und Little India (ja, gibt’s beides auch hier). Menschengedränge. Wo muss ich hin? Welchen Ausgang soll ich nehmen? Normal hab ich ja mit Orientierung kein Problem. Ich frage einen Polizisten. Ich habe den Eindruck, dass er selber gar nicht weiß wo er überhaupt ist. Er schickt mich zu seinem Kollegen. Gleiches Ergebnis. Ok, ich komm schon klar. Ich erinnere mich das in der Wegbeschreibung sogar etwas geschrieben stand über die Orientierungslosigkeit der malayiischen Bevölkerung. Ich finde nen Straßennamen. Nur ein paar Blocks laufen. Ich stoppe um auf die Wegbeschreibung vom Hostel zu schauen. Ein älterer asiatischer Herr spricht mich und fragt mich ob ich Mario bin!? Ich kann nur bejahen. Er ist der Besitzer vom Hostel und hat mich anhand der Wegbeschreibung erkannt. Toll! Er führt mich zum Hostel. Ich checke ein. Meine Sachen schmeiße ich kuzerhand in die Ecke. Ich will mich gleich aufmachen Chinatown zu erkunden. Ich laufe durch den Markt auf dem jeder dritte Händler das gleiche anbietet. Taschen, Uhren, Sonnenbrillen, T-Shirts und Brieftaschen. Natürlich alles Originale! Hungrig werde ich. Ich schaue mich bei den fahrbaren Chinafood Wagen um. Wen entdecke ich da an einem Tisch? Jacek! Was für ein Zufall! Ein freudiges Wiedersehen! Hatte ich doch viel Zeit mit ihm in Chistchurch verbracht wo er im Coachman gearbeitet hat. Toll! Wir schnacken ne ganze Weile und lassen den Abend bei einem Bierchen in Chinatown ausklingen.

Gut gelaunt mache ich mich am nächsten Tag auf zu den Petronas Towern, welche ja irgendwie das Markenzeichen von Kuala Lumpur sind. Groß sehen sie aus. Imposant gar. Da will ich hoch! Ernüchterung gibt’s dann am Ticketschalter. Keine Tickets mehr für heute. Auch keine Reservierungen mehr für morgen. Warum, was, wie? Kommen sie morgen früh um halb 7, mit etwas Glück ist die Schlange dann noch nicht so lang und ich bekomme ein Ticket. Paaaaaaaaaaaah! Wenn ihr wirklich glaubt, dass ich deshalb extra um 6 aufstehe, dann liegt ihr falsch. Empörung gar bei anderen Touristen! Ich mache mich auf den Weg zum Kuala Lumpur Tower. Der ist genauso hoch und die Aussicht ist ja quasi die gleiche. Toll! Zwar sind auch hier ne Menge Touristen unterwegs, aber was will man machen. Da muss ich durch. Oben gibt’s dann ne grandiose Aussicht und koreanische Reisegruppen bestehend aus ca. 20 älteren Damen. Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass genau diese Gruppen all dieses Reisen in anderen Ländern als absolut nervenaufreibend empfinden müssen. Ständig leben diese Herdentiere in der Angst, dass einer aus der Gruppe nicht mehr mit in den Fahrstuhl passt und auf den nächsten warten muss. Oder gleichzeitiges Auftreten von Fragenzeichen über den Köpfen bzgl. des Weges, kann sehr schnell und einfach eine Massenpanik hervorrufen. Am liebsten würde die Herde einfach fliehen, aber wohin nur wenn man doch nicht den Weg weiß? Ich vermeide mittlerweile die unmittelbare Nähe zu diesen Gruppen. Zu stressig! Außerdem stehen sie permanent im Weg rum ohne es zu merken. Nix für mich! Stattdessen treffe ich mich lieber mit angenehmeren Gesellen: Jacek! Wir treiben uns ein wenig in Chinatown herum. Ein nettes Abendmahl, nen Bierchen und als Dessert pfeifen wir uns ein paar Muscheln rein. Toll! Tags drauf schauen wir uns ein wenig die Tempel und Moscheen in der Umgebung an, bevor wir uns auf die Shopping Meile begeben. Ein einem Kaufhaus verlaufen wir uns fast. Einfach zu groß. Abends gibt’s dann ein letztes Dinner zusammen. Jacek macht sich heute auf den Weg zurück nach Europa. Wir sagen good bye, wobei wir spontan unser nächstes Treffen planen. Nur so geht’s!

Montag. Heute steht noch was wichtiges an. Mein Backpack. Zu schwer. Zu viel Kram. Nicht das ich gerade eine Woche zuvor ein 15kg Paket nach Hause geschickt hatte. Nützt ja nix. Ich brauche mehr Platz und weniger Gewicht. Ich gehe zur Post und hole mir nen Paket. Im Hostel wird dann ALLES nochmal ausgepackt. Was brauche ich wirklich? Was ist vielleicht schon Müll? Was kommt ins Paket? Ich schaffe es am Ende einiges weg zuschmeißen. Der Kram den ich verschicken will passt genau ins Paket. Toll! Ich finde noch nen Haufen von Münzen aus Australien, Indonesien, Neuseeland und Singapur. Brauch ich nicht mehr. Der Kanadier in meinem Zimmer tauscht gerne. Wenn zwar nicht zum besten Kurs, aber egal. Weg damit! Nachdem ich dann alles zusammengeschnürt und zur Post gebracht hatte, treffe ich mich mit Annemarie die inzwischen auch in KL eingetroffen ist. Wir laufen nochmal kurz über den Markt bevor wir uns nen Dinner gönnen. Danach geht’s nochmal zu den Petronas Towern. Die sehen bei Nacht auch nochmal ein Stück besser aus. Dann gibt’s noch ein Abschiedsbierchen, denn ich will am nächsten Morgen weiter. Mein Ziel: Taman Negara.

So mache ich mich nächsten Tag zur Busstation auf, welche etwas nördlich gelegen ist. Ticket gekauft und warten. Der Bus kommt, ich darf einsteigen. Viel Platz und eigentlich doch recht bequem, was wichtig ist für ne 3 Stunden Bustour. In Jerantut angekommen, stürmen gleich alle Leute auf den Bus zu. Wo willst du hin? Wo kommst du her? Möchtest du etwas kaufen? Da muss man sich dran gewöhnen. Gott sei Dank hatte ich ja auf Bali schon einige Erfahrung damit gesammelt. Nein, ich will nur weiter. Weiter nach Kuala Tahan. 2 Möglichkeiten ergeben sich jetzt. Die erste heißt 3 Stunden auf den öffentlichen Bus warten. Die zweite ein Taxi nehmen. Ich schließe mich mit einem italienischen Pärchen zusammen und wir teilen uns das Taxi. Ratzbatz sind wir auch schon da. Gleich mal auf die andere Seite des Flusses rübergesetzt wo der National Park anfängt. Hier hole ich mir den Parkpass. Wieder zurück brauche ich noch ne Unterkunft. Die Preise scheinen doch etwas zu variieren. Günstig ist meine Marke. So bleibe ich auch auf Anraten eines anderen Backpackers nahe zum Fluss und checke in Rippi´s Hostel ein. Nun ja, eher gesagt ist das Rippi´s Haus, wo er in 3 anderen Zimmern Betten rein gestellt hat. Nicht das Beste, aber günstig. Das er noch nicht mal nen Waschbecken hat merke ich erst später. Es scheint einigermaßen sauber zu sein. Zu viel erwarten darf man nicht. Auf der Veranda hat er ein paar Gitarren rumstehen. Toll! Ich klimpere ein wenig drauf rum, bevor ich auf den Floating Restaurants unten am Fluss was essen gehe. Schlaf.

Am nächsten Morgen wird erstmal gefrühstückt. Ich will gleich rüber in den Dschungel und ein wenig wandern. Gestern hatte ich schon von Schaudergeschichten gehört. Der Grund: Blutegel! Diese nette Tierchen gibt’s da im Busch zuhauf. Sie klettern recht flink an den Klamotten hoch und saugen Blut. Am Abend zuvor hatte ich die Beine einer anderen Backpackerin sehen können und muss sagen, dass ich nicht unbedingt scharf auf solche Bisse war. Ich ziehe ne lange Hose an, welche man dann in die Socken stecken soll (was ich natürlich nicht gemacht habe, warum auch). Im Dschungel bewege ich mich ständig auf der Suche nach Blutegeln vorwärts. Ich kann keine entdecken was mich freut. Mein Ziel ist ein Swingbridge Walkway in den Bäumen. Das ist auch nicht allzu weit zu laufen. Toll! Aber das Klima hier im Dschungel ist ganz schön dick. Ich schwitze aus allen Poren und die Kamera beschlägt. Die Swingbridges sind dann ganz schön wackelig und lang. Viel Wildlife ist aber nicht zu sehen. Einen Hornbill Vogel kann ich entdecken. Das war es auch schon. Na ja, wieder zurück checke ich ob sich doch irgendwelche Blutegel an mir fest gesaugt haben. Nichts zu sehen. Kurze Zeit später sehe ich Blut an meinem Bein herunter laufen. Ein Blutegel hat es dann wohl doch geschafft. Na ja, das hört auch irgendwann wieder auf. Ich buche für den Nachmittag einen Bootstrip zu den Orang Asli. Das ist ein Nomadenvolk, welches hier im Dschungel lebt und so aussehen wie die Aboriginals in Australien. Der Tourguide sagt, dass diese den gleichen genetischen Ursprung haben. Sie zeigen uns, wie man innerhalb von weniger als 2 Minuten ein Feuer macht. Dann gibt’s noch eine Blasrohr Demonstration. Dazu wird auf einen Teddybären gezielt, der auf einer Styroporplatte angebracht ist. Wir dürfen dann auch mal probieren. Die Mädels sind gar nicht so schlecht und treffen zu mindestens die Styroporplatte. Jetzt will ich auch mal. Ansetzen. Anvisiersen. Korrigieren. Kurzer Blasstoß. Ich verfehle den Teddy nur um Haaresbreite. Man ist erstaunt über meine Fähigkeiten und bietet mir spaßeshalber an, gleich dort zu bleiben und als Jäger mein Geschick im Dschungel zu verfeinern. Nein danke. Die Zivilisation ist mir dann doch lieber. Auf dem Rückweg machen wir noch am Ufer halt um an einem Seil in den Fluss zu schwingen. Das war ein Spaß! Zurück im Hostel relaxe ich ein wenig mit der Gitarre auf der Veranda. Zum Dinner treffe ich wieder auf das italienische Pärchen. Lustig ist es. Im Hostel bin ich fast der einzige Gast. Nur Dani (UK) hat sich auch hierhin verirrt. Sie erzählt mir, dass sie eine Ratte in unserem Zimmer gesehen hat. Als sie daraufhin Rippi angesprochen hat, hat dieser wohl nur gelacht. Was soll er sonst auch tun. Vielleicht eine Tür für sein Haus besorgen? Den Müll nicht aus dem Fenster schmeißen? Es scheint wohl ein bekanntes Problem zu sein. Nun ja, wohl nicht für ihn. Während ich mich mit Dani unterhalte, können wir die Ratte (oder doch nur ein riesengroße Maus?) beobachten, wie sie die Kabel des Ventilators empor klettert und danach in der Wand verschwindet. Hmmmm. Viel machen kann ich da wohl nicht. Schlafenszeit. Bevor ich einschlafen kann, schreckt Dani in ihrem Bett auf. Sie meint die Maus (???) war in ihrem Bett. Nicht gut! Ich rate ihr ins obere Bett zu wechseln. Sie bleibt unten. Ich schlafe ein und werde abrupt aus einem tollen Traum geweckt. Ich hatte das Gefühl das etwas an meinem Fuß nagt. Nicht gut! Was tun? Weiter schlafen und aufs Beste hoffen! Ich werde wieder geweckt. Dani meint das Vieh war wieder in ihrem Bett und ist über ihre Beine gelaufen. Sie wechselt dann doch ins obere Bett. Gott sei Dank ist es schon 6 Uhr morgens. In einer Stunde klingelt mein Wecker. Dani hat kaum geschlafen meint sie. Ich gebe ihr den Rat sich ne andere Herberge zu suchen. So bin ich dann auch kurze Zeit später mit Sack und Pack am Busstopp. Nächster Halt sind die Cameron Highlands.

Zwischen dem ganzen Bus hin- und hergewechsele treffe ich wieder auf die Italiener. Witzig. Die meiste Zeit der Fahrt nutze ich zum Schlafen. Die Bleibe die ich dort habe gleicht eher einer Jugendherberge. Ein riesiger Saal mit Dutzenden von Betten. Das Klima hier ist deutlich kühler und damit angenehmer. Dieser Ort hier ist ein Mekka der Wanderer. Die Berge ringsum laden dazu ja auch ein. Ich treffe wieder auf Annemarie, welche mir prompt versichert, dass ich morgen mit ihr hiken gehe. Läuft! Abends gehen wir zum Inder essen. Sehr lecker, aber leider nicht so bekömmlich für meine Verdauung. Muss man durch. Am nächsten Morgen machen wir uns auf, den Mount Brinchang zu erklimmen. Angeblich der härteste Walk hier. Ein Kinderspiel für uns. Leider umgibt sich die Spitze heute mit Nebel, sodass uns der schöne Ausblick verwehrt bleibt. Auf dem Weg runter lassen wir uns von nem Farmer mitnehmen. Der erzählt uns dann auch ne ganze Menge über Tee, welcher hier großflächig in den Hügeln angebaut wird. Ein toller Anblick! Wir machen noch einen Streifzug durch die Teeplantagen und gönnen uns ne Tasse im Teehaus.

Samstag. Abreise nach Penang. Das ist ne Insel hoch im Norden Malaysias. In Georgetown suchen wir uns ne nette Bleibe in Chinatown und am Nachmittag sitzen wir schon wieder im Bus um zu dem größten buddhistischen Tempel Malaysias zu fahren. Hier gibt’s ne 36 Meter Hohe Buddha Statue zu bewundern. Alles sehr toll. Abends steht Pizza auf dem Programm. Da wir keine gescheite Pizzeria finden können, landen wir bei Pizzahut. Wir brauchen doch einige Zeit um unsere Wahl zu treffen. Schuld daran sind die Value Meals. Vom Preis her auf jeden Fall ne Überlegung wert! Da Annemarie aber Vegetarierin ist, würde das heißen, dass ich ganze 4 anstatt 2 Hühnersuppen essen darf. Zu unser aller Erstaunen essen wir alles auf. Manchmal braucht man eben auch mal was deftiges und nicht nur Reis oder Nudeln. Mit vollem Magen schleppen wir uns zurück zum Hostel.

Sonntag. Der Tag der Entscheidungen. Eigentlich wollten wir rüber nach Langkawi. Unter Berücksichtigung aller möglichen Faktoren, canceln wir Langkawi. Annemarie wird noch ein paar Tage auf Penang bleiben. Ich hingegen entscheide mich erstmal gegen Thailand. Sag alles ab. Ich buche spontan einen Flug nach Phnom Penh. Das ist in Kambodscha. Es geht also kreuz und quer. Abends gehen wir mit Paul und Zoe an einem Food Court essen. Malaysische Kochkultur. Froschsuppe? Oder gar Fischkopf Curry? Nein danke.

Ich verabschiede mich dann auch am nächsten Morgen von Annemarie. Ab zum Flughafen. Ein kurzer Zwischenstopp in KL und dann geht’s weiter nach Phnom Penh. Der Flug ist etwas turbulent, aber wen stört es so lange man heile wieder unten ankommt. Am Flughafen gibt’s noch schnell das Visum in den Passport und schon bin ich draußen. Hier strömen sie gleich wie die Bienen um mich herum. Transport Transport Sir? Ja, in der Tat, ich brauche Transport. Meine Wahl fällt auf das hier gängige Tuk Tuk. Im Prinzip nichts anderes als in Moped mit Anhänger für Passagiere. Der Verkehr ist der Wahnsinn. Alle fahren kreuz und quer. Geisterfahrer sind keine Seltenheit. Man fährt erstmal auf der falschen Seite um sich dann allmählich auf der richtigen Fahrbahnseite einzuordnen. Hier wird komischerweise auch wieder rechts gefahren. Bin ich gar nicht mehr gewohnt. Ich unterhalte mich ein wenig mit nem Iren auf meinem Zimmer über dies und das. Wir sitzen später mit anderen beim Dinner. Man tauscht sich aus über diverse Spots die man schon besucht hat und für andere noch relevant sind. Nach dem Frühstück tags drauf, mache ich mich mit Lasse auf in das S21 Gefängnis aus der Khmer Rouge Zeit. Unglaubliche Gräueltaten haben hier unter dem Pol Pot Regime stattgefunden. Einer der wenigen Überlebenden verkauft dort sein Buch. Ich kaufe es gerne. Danach fahren wir zu den Killing Fields. Hier wurden tausende ermordet und in Massengräbern verbuddelt. Unglaublich! Durch Erosion kommen auf den Wegen die Knochen und Kleidungsüberreste wieder zum Vorschein. Krass! Dazu kommt, dass man das ganze Areal noch nicht vollständig untersucht hat. Die Wahrscheinlichkeit noch mehr an Überresten zu finden ist sehr hoch. Einfach nur krass. Wir machen uns wieder auf den Weg zurück. Entlang der Straße sieht man Leben. Generell spielt sich ja das Leben in Asien auf der Straße ab. Die Menschen wohnen, essen, leben ja an dieser. Wir machen am Königspalast halt. Da ich nur ein Trägershirt anhabe bekomme ich keinen Zutritt. Völlig vergessen! Ordnung muss sein. Na ja, dann eben nächstes Mal, da ich keine Lust habe mir vor Ort ein Shirt zu kaufen. Zurück zum Hostel. Schön am Mekong entlang. Abends gehe ich mit Lasse was essen. Er erzählt mir von seinem Trip quer durch Georgien, Tadschikistan und Kirgisien. Verrückt und faszinierend zugleich!

Am nächsten Morgen sitze ich im Bus. Es geht nach Siem Reap. Dieser Ort ist das Must See von Cambodia. Der Grund hierfür sind die Tempelanlagen von Angkor, welche sich über ein weites Areal erstrecken. Der bekannteste Tempel ist Angkor Wat welchen ich mir unbedingt anschauen muss! Zwischen den Tempeln und mir ist nur eine kleine Fahrt von circa 6 Stunden auf denen man durch die großen Busfenster das Treiben draußen beobachten kann. Ein armes Land, das ist klar. Die Fahrt vergeht recht zügig, da mein Buch gut ist (Going Postal von Nathan Millward). In Siem Reap lasse ich mich von einem Tuk Tuk Fahrer bequatschen. Die Bilder von dem Hostel in das er versucht mich zu kutschieren sehen nicht schlecht aus. Billig ist es auch. Na gut. Ich kann ja mal schauen. Tatsächlich finde ich es dort ganz nett und bleibe. Ich schaue mich ein wenig in der Stadt um welche mir auf Anhieb gefällt. Toll! Am nächsten Morgen geht’s dann nach Angkor Wat. Wahnsinn! Einfach nur toll! Dieser Tempel ist so was wie das Wahrzeichen ganz Kambodschas. Absolut einmalig! Viele Bilder zu knippsen. Ich bin irgendwann fertig und mache es mir bei einer kalten Cola und was zu essen gemütlich. Kinder kommen wie überall an den Tisch und versuchen Postkarten oder Bücher zu verkaufen. Ich hab ein Herz und kaufe einem Mädchen 10 ab. 1 Dollar kostet mich das. Quasi nichts. Ein kleiner Junge, vermutlich der kleine Bruder, möchte das ich ihm seine auch abkaufe. Ich habe ja aber schon zehn versuche ich ihm zu erklären. Verzweifelt sagt er mir, dass es doch aber ganz andere Motive sind. Sogar Affen und Elefanten seien auf seinen zu sehen. Ich kaufe sie nicht. Kaum sitze ich wieder im Tuk Tuk auf dem Weg nach Angkor Thom fühle ich mich schlecht. Wie einfach wäre es gewesen ihm seine Postkarten abzukaufen. Was er mit dem Geld gemacht hätte, oder für wen das Geld tatsächlich gewesen wäre weiß ich nicht. Ich fühlte mich mies. Wahrscheinlich nichts im Vergleich dazu, wie die Menschen sich hier fühlen. Einfach abhängig vom Tourismus. Kinder gehen nicht zur Schule, sondern müssen einfach versuchen Geld zu verdienen. Egal ob sie 4, 8, oder 12 Jahre alt sind. Ich werde aber schnell von diesen Gedanken wieder abgelenkt, denn der nächste Tempel ist Bayon, welcher absolut großartig ist. Hie sieht man auch die absolut großartigen Gesichter in Stein gemeißelt. Toll! Bilder bis zum Abwinken. Danach stehen noch 3 weitere Tempel auf dem Programm. Was für ein Tag! Ganz kaputt bin ich abends, als ich wieder zurück bin. In der Stadt halte ich meine Füße noch mal kuz in ein Becken mit solchen Piranha Fischen die einen Spß dran haben mir die Haut von den Füßen zu fressen. Kitzelig. Noch was essen, ein wenig Internet und dann schlafen. Muss beim Einschlafen an den kleinen Jungen denken. Hätte ich doch bloß seine Postkarten gekauft! Zu mindestens ich würde mich jetzt besser fühlen. Aber geht’s darum? Tags drauf stehen die letzten Tempel auf meinem Plan. Ich denke man wird mir noch oft Postkarten verkaufen wollen. Vom Prinzip her muss es einfach laufen…

Ein schwerer Fall

Naja, eher gesagt ein viel schwerwiegenderer Fall. Aber eigentlich auch kein Fall, mehr so ein Fauxpas. Rätsel: Was ist anziehender als eine charismatische hübsche Frau?

Genau: die Erde! Und genau diese zog meine Festplatte an. An sich nichts verkehrtes, da ich ja auch nicht möchte, dass diese einfach so frei im Raum herum schwebt. Oder lieber doch? Jedenfalls zog unser arg gebeutelter Erdball meine Festplatte so dermaßen schnell an, dass diese seitdem jeglichen Dienst verweigert. Kann ja mal passieren. Einmal nicht richtig aufgepasst, rutschte mir diese aus der Hand, während ich das Netbook in die Hand nahm. Das Netbook war gerade damit beschäftigt die letzten Bilder zu exportierten, damit das anschließende Back Up auch auf den neusten Stand ist. Entscheidendes Detail: die Platte viel BEVOR ich das Back Up machen konnte. Warum hatte ich dies nicht schon in den Tagen davor erledigt? Ach, nur noch die letzten Bilder von der Kamera runter ziehen und dann ist alles komplett. To easy. Wer nicht auf sich selber hören will, der muss fühlen! Protokoll des Ganzen: 2799 Bilder einfach weg. Keine Bilder vom Marlborough Sound. Keine Bilder von Wellington. Keine Bilder aus Napier. Keine Bilder vom Tongariro Crossing. Keine Bilder aus Mt. Maunganui. Nix. Obendrauf natürlich die fehlenden Videos! Keine Videos vom Schwimmen mit den Delphinen! Keine Videos vom Tauchen! Nix. Nada. Nullo. Ärgerlich! Letztendlich muss ich einfach festhalten, dass andere Menschen momentan ganz andere Probleme haben, wenn man mal nach Japan schaut. Was sind da schon ein paar Bilder? Nichts, absolut nichts!

Dienstag. Ich vertrödel meinen Tag ein wenig in Whangerei. Ein bisschen Internet und Einkaufen und die Vorräte auffüllen, bevor ich mich in Richtung Russell bewege um Sheena einen Besuch abzustatten. Nachdem ich alles im Wagen verstaut hatte, kann es auch losgehen. So denke ich es mir jedenfalls. Der Wagen scheint anders zu denken. Mir wird auch schnell klar warum. Hatte ich doch einfach vergessen die Scheinwerfer auszustellen. Naja, und das es sich mit einer leeren Batterie schlecht starten lässt, weiß man irgendwie. Dazu hab ich noch ganz doof geparkt. Das heißt also kurz warten bis der Fahrzeughalter des Wagens neben mir vom Einkaufen zurückkommt und mir Starthilfe geben kann. Kein Problem. Der Wagen läuft kurze Zeit später wieder und ich mache mich auf in Richtung Bay of Islands. Der Weg nach Russell schlängelt sich die Berge entlang, was zur Folge hat, dass ich ewig brauche um nach Russell zu kommen. Macht nix. Ich hab ja eigentlich keinen Stress. In Russell angekommen, schau ich mich kurz um und gehe auf die Wharf. Dort hängt ein 93,5 kg schwerer Striped Marlin kopfüber von einem Haken. Der gute Fisch sieht recht imposant aus was zahlreiche Touristen dazu animiert Fotos zu knippsen. Gute 2,5 bis 3 m hat der Fisch inklusive Schwert. Wie ich später erfahre, können diese Geschöpfe noch viel größer und schwerer werden. Na dann! Ich gehe rüber zum „Duke“. Das ist das Hotel/Pub in dem Sheena arbeitet und laut eigenem Bekunden der älteste Pub in ganz Neuseeland. Ich geselle mich an den Tresen und befinde mich auch kurze Zeit später im Gespräch mit einem Einheimischen. Eine halbe Stunde später weiß ich dann auch so ziemlich über alles Bescheid. Toll! Sheena hat dann auch irgendwann Feierabend und wir schauen uns mit ihren Kollegen noch ein wenig das „Nightlife“ von Russell an. Am nächsten Tag werden noch schnell Besorgungen gemacht. Ich treffe durch Zufall Merantine wieder. Neuseeland ist ja so klein. Leider hab ich keine Zeit, denn wir machen uns zusammen mit ein paar von ihren Kollegen auf zu einer abgelegenen Campsite irgendwo im Nirgendwo. Kaum was los da in dieser schönen Bucht. Die Sonne scheint und der Ozean ist erstaunlich warm. Toll! Eine lustige Truppe. Da kommt fast Festival Feeling auf. Am 2. Abend steht das Pokerturnier auf dem Plan. Ich rechne mir nicht viel aus. Meine Strategie: aus dem ganzen Hin und Her erstmal schön heraushalten, warten bis sich die Runde dezimiert und auf die richtigen Karten warten. Das klappt ganz gut. Anscheinend hab ich auch heute Kartenglück und den richtigen Riecher für die Situationen. Wenn ich 2. werde, bekomme ich sogar etwas vom Pott. Nur noch 4 Spieler. Sheena spielt Harakiri. Wohl aufgrund dessen, dass sie von Pokern noch nicht so viel Ahnung hat was letztendlich nichts zur Sache tut. Am Ende kommt es zum Showdown zwischen Mike, Sheena und mir. Mike hat Glück und gewinnt. Da Sheena und ich das gleiche Blatt haben, teilen wir uns Platz 2 und freuen uns über ein wenig Bares. Toll! So sind die zweieinhalb Tage campen auch schnell vorbei. In Russell verabschiede ich mich von Sheena. Wir sehen uns wieder. In Canada? Wir werden sehen.

2 Möglichkeiten. Entweder ich fahre weiter Richtung Norden. Dort geht’s zum Cape Reinga. Ein wahrscheinlich einmaliges Fleckchen Natur. Lange Sandstrände und nur Natur. Oder gen Süden. Das würde ab nach Auckland heißen. Auckland heißt für mich good bye Neusseland. Ich entscheide mich für zweiteres. Warum? Eine Bauchentscheidung. Irgendwie fühlt es sich nach Good bye sagen an. Es muss weiter gehen irgendwie. So fahre ich etwas weiter südlich nach Sandy Bay. Hier entleere ich ein wenig das Reisegefährt und trenne Müll von Nicht-Müll. Das hilft ein wenig und macht mehr Platz. Ich weiß aber ganz genau, dass dies nicht der letzte Akt des Entrümpeln ist. Mein ganzes Hab und Gut muss ich noch sortieren und aufteilen. Zuviel Kram hat sich da schon wieder angesammelt. Am nächsten Tag fahre ich noch einmal nach Tutukaka um mir im Dive Shop eine neue Dive-Mask zu kaufen. Ich mache mich ganz gemütlich auf zum Pakiri Beach. Es nieselt leicht. Perfektes Wetter für einen ausgedehnten Spaziergang am Strand. Die Krabben vergraben sich im Sand, während ich den Spaziergang überaus genieße und mir klar wird, dass der Sommer langsam vorbei ist hier. Ja, es ist Zeit weiterzuziehen.

So mache ich mich tagsdrauf weiter gen Richtung Süden auf. Ich will nochmal an der Goat Island halt machen. Leider ist die Sicht unter Wasser alles andere als gut, wie ich von einem anderen Schnorchler erfahre. Hmmm, dann spring ich gar nicht erst rein ins Wasser denke ich mir. Ok, dann eben gleich nach Auckland. Die oberste Priorität für mein Aufenthalt dort, ist das Auto zu verkaufen. Ich will aber nicht gleich direkt in die City fahren. Da kann man eh schlecht parken und campen. Deshalb fahre ich nach Takapuna. Das ist North Shore wie die Locals sagen. Ich schaue mich hier ein wenig um. Im Internet Cafe lerne ich noch einen Kiwi kennen, der ein paar Jahre in Deutschland gelebt hat. Er gibt mir noch ein paar Tipps bzgl. des Autoverkaufs. So fahre ich auch montags Morgen zum Mechaniker meines Vertrauens um ein neues Warranty of Fitness Zertifikat zu erwerben. Das ist quasi so etwas wie der TüV in Germanien. Angeblich super günstig auch! Ich bekomme dort einen Termin für den Nachmittag. Leider bekomme ich keine WoF. Ok, das die Reifen abgefahren waren sind wusste ich selber. Eine andere Sache muss auch repariert werden. Dazu wird noch etwas anderes moniert, was bei der letzten WoF in Christchurch nicht beanstandet wurde. Na toll! Ich versuche mir einen Kostenvoranschlag geben zu lassen. Anscheinend will man mir aber hier so richtig eh nicht helfen. Ich vermute die Werkstatt versucht ihren Kundenstamm ganz koreanisch zu belassen. Egal, fahre ich eben woanders hin. Da es schon kurz vor Feierabend ist, beeile ich mich um noch ein paar Preise zu bekommen. Ich möchte ja auch nicht mehr allzu viel Zeit verlieren hier in Auckland. Aber wenig Erfolg. Alles vertagt sich wohl auf den nächsten Tag. Am Abend fahre ich zu Freddy und Frauke, welche hier schon seit 3 Jahren in Auckland wohnen. Das letzte Mal hatte ich die beiden vor ungefähr 4 Jahren gesehen. Mit nem Packen Bier unterm Arm steh ich dann auch bei den Beiden vor der Tür. Wir schnacken über dies und das, Gott und die Welt. Die beiden bieten mir auch an solange dort zu wohnen, bis ich mein Auto verkauft habe. Das ist super nett! Toll! Am nächsten Tag bin ich wieder in North Shore unterwegs. Mechaniker nerven heißt der Sport den ich hier betreibe. Billig, schnell und am besten sofort ist das Prädikat was ich suche. Bei so einem Hinterhof Schrauber bekomme ich anscheinend günstig gebrauchte Reifen. Na ja, zu mindestens erstmal einen. Den anderen will er bis zum Nachmittag besorgt haben. So versichert er es mir jedenfalls. Bei ner anderen Werkstatt lasse ich die Drive Shaft Couplings reparieren. Kostet ein wenig, aber was will man machen. Nützt ja nix. Danach geht’s wieder zum Reifenfritzen. Mittlerweile hat er nen 2. Reifen. Dummerweise stellt er dann beim Raufziehen fest, dass dieser doch nicht der Richtige ist. Ok, ok, morgen hast du den Richtigen prophezeit er. Ja, ja, denke ich mir. Ich fahre zu nem „Profi“. Kein Problem. Morgen ist der passende Reifen da. Ich willige ein. Am folgenden Tag hole ich mir dann irgendwann den Reifen ab und fahre schnurstracks zur nächsten WoF Werkstatt um das Gefährt einer erneuten Prüfung zu unterziehen. Verwirrung pur hier. Den Prüfer, den ich vorher bzgl. eines Mängels interviewt hatte, bekomme ich leider nicht. Er hatte mir versichert, dass er dem Auto neue 6 Monate WoF geben würde. Der Mängel sei nicht wirklich für die Sicherheit des Fahrzeugs relevant. Dummerweise bekomme ich einen übereifrigen linientreuen asiatischen Kollegen von ihm als Fahrzeugprüfer. Noch bevor er überhaupt im Wagen sitzt, prophezeit er mir, dass er den Wagen durchfallen lassen wird. Was? Warum? Moment, Moment!Die Sicherheitsgurte fehlen im Rückraum wie er mir mitteilt. Können sie ja auch, da sich dort ja eh keine Sitze mehr befinden. Verwirrung pur in der Werkstatt und dazu ein großes Palaber. Er mosert die ganze Zeit. Er meckert. Ich sitze im Büro und mache das arme Backpacker-No-Money Gesicht. Der Wagen kommt durch. Toll! Mit 6 Monaten TüV lässt sich die Karre auch wesentlich besser verkaufen, so meine Annahme. Jetzt muss ich das treue Reisegefährt nur noch online setzen.

Es ist bereits Donnerstag. Ich fahre in die Stadt um in den Hostels die Advert fürs Auto zu verteilen. Überall sehe ich volle Ordner mit hunderten von Fahrzeugen. Hmmm, so wird das bestimmt nix. Naja, abends gehen ich mit Freddy und Frauke schwimmen. Das Wasser ist nicht mehr das Wärmste. Der Herbst rollt heran. Kein Wunder das momentan so viele Backpacker ihre Autos verkaufen wollen. Die große Reisewelle während des Sommers ist vorbei. Viele reisen jetzt wieder Richtung Heimat und versuchen hier in Auckland ihr Auto loszuwerden. Hoffentlich zieht sich das nicht hin wie in Sydney. Im Internet gibt es kaum Resonanz auf mein Angebot. Abwarten heißt es. Abwarten kann man am bestens in dem man aktiv etwas anderes macht. So fahren wir 3 am Samstag zum Bathells Beach um ein wenig zu surfen.

Frauke und Freddy sind ja halbe Pro´s. Meine Surfexperience beschränkt sich auf mehrere Stunden die kich es mal auf Bali probiert hatte. Wir haben schönstes Wetter. Die Wellen sind aber nicht so ganz wie Freddy es sich erhofft hatte. Groß genug für einen Rookie wie mich. Allein das Rauskommen ist für mich schon ein ganzes Stück Arbeit. Das Longboard welches ich habe erleichtert das nicht unbedingt. Ein paar Tipps von Freddy und ich versuche ein paar Wellen zu erwischen. Ne Welle zu erwischen ist eine Sache, aber diese auch zu stehen ne ganz andere. So haut mir ne Welle einmal glatt das Board unter den Füssen weg und ich mach nen Salto mit miserablen Haltungsnoten. Naja, aller Anfang ist eben schwer. Irgendwann ist aber auch die Luft raus. Pause am Strand. Im zweiten Versuch beschränke ich mich ein wenig mehr auf die kleineren Wellen näher am Strand. Das klappt besser und ich stehe auch ein paar. Später spielen wir noch ein wenig Frisbee am wunderschönen Strand bevor wir uns wieder auf den Rückweg machen. Doch halt! Ohne Autoschlüssel keine Fahrt! Komisch, auch nach mehrmaligem Suchen in allen Taschen finden wir diesen nicht. Eine Suche am Strand bleibt genauso erfolglos. Was tun? Bestimmt liegt er eingeschlossen im Auto. Der Zweitschlüssel liegt wohlbehalten in Auckland. Das ist ne knappe Stunde Autofahrt entfernt. Ich besorge irgendwann nen Werkzeugkasten von anderen Backpackern auf dem Parkplatz. Schwupps, schon hat Frauke mit zwei Schraubendrehern die Tür geöffnet. Wo hat sie das denn gelernt? Trotzdem: kein Schlüssel. Auch nochmaliges Suchen am Strand bleibt ohne Erfolg. Tja, wir brauchen den Zweitschlüssel. Freddy macht sich auf den Weg um nach Auckland zu trampen, den Zweitschlüssel zu holen und mit meinem Gefährt zurück zu kommen. Frauke und mir bleibt nichts anderes übrig als zu warten. Wir vertreiben uns die Zeit mit Kartenspielen. Toll! Als Freddy nach Stunden wieder auftaucht, hat er sogar was zu Essen mit dabei! Toll! Unterm Strich war es ein anstrengender aber wahnsinnig toller Tag. Sehr schön!

Sonntag. Der große Tag, da meine Hoffnungen nun ganz beim heute stattfindenden Ellerslie Car Market liegen. Das ist wahrscheinlich DER Spot zum Auto kaufen und verkaufen in Auckland. Das denken sich aber auch ungefähr hunderte von anderen Backpackern. Fein säuberlich herausgeputzt stehen dutzende von Backpacker Vans schon in Reih und Glied als ich um 8.20 Uhr dort auftauche. Schnell wird mir klar, dass ich mit meinem Wunschpreis viel zu hoch liege. Der Markt startet und die ersten potenziellen Käufer flanieren entlang und inspizieren die Van´s. Schnell wird deutlich, dass die meisten von ihnen „professionelle“ Käufer sind. Sie kaufen im Prinzip die Autos am Ende des Herbst für einen Appel und ein Ei von verzweifelten Backpackern auf, um sie einzulagern und zum Beginn des nächsten Sommers für horrende Summen wieder zu verkaufen. Das ist ganz klar ein Käufermarkt. Man kann sich einen Wagen aussuchen und den Preis bis ins Bodenlose handeln, denn manche Verkäufer wollen 2 Tage später bereits im Flieger sitzen und müssen daher verkaufen. Ich schaue mir ein wenig die Konkurrenz an und rechne mir nicht viel aus. Für viel weniger bieten andere vergleichbares Material an. Ich gehe gleich mal mit dem Preis runter. Eine Israelin 2 Autos weiter erzählt mir, dass sie bereits zum dritten Mal hier ist. Sie ist offensichtlich ganz schön genervt von dem ganzen Prozedere hier. Sie weiß genau, das vermeintliche Händler den Preis bis an die Schmerzgrenze drücken. Mir wird klar, ich kann überhaupt froh sein, wenn ich heute das Auto verkaufen kann. Ich habe mehr Anfragen für die Gitarre, welche ich mit dem Auto verkaufe. Als Lockvogel hatte ich diese vor´s Auto gestellt. Kaum Resonanz. Man sieht auch kaum andere kauf interessierte Backpacker. Selbst nachdem ich den Preis schon 3 mal runtergesetzt habe, ist für mein Auto kein Interesse da. Ich schaue nochmal bei der Konkurrenz vorbei. In den Van´s sitzen halt die Mädels mit absolut verzweifeltem deutschen Einheitslächeln, in der Hoffnung ich sei ein potenzieller Käufer und würde sie von ihrem Leiden erlösen. Nein, ich hab das gleiche Problem. Gegen Mittag ist der ganze Spuk dann auch schon wieder vorbei. Die Israelin verkauft ihren Wagen am Ende an einen Händler der Erbarmen mit ihr hat für ganze 1500 Dollar. Zum Beginn des Sommers ist der Wagen bestimmt 5000 Dollar wert. So kann´s gehen. Die 2 Franzosen neben mir sind eh viel zu teuer. Da haben sie bessere Chancen anderswo zu einer anderen Zeit. Mir wird klar, wenn ich hier nicht nächste Woche wieder auf verlorenem Posten stehen will, dann muss ich den Preis im Internet drastisch senken! Kaum vom Car Market zurück ist das meine erste Handlung. Kurze Zeit später hab ich auch schon Anfragen. Abends passiert mir dann der Fauxpas mit der Festplatte. Da hoffe ich noch auf einen kleineren Defekt. Mal sehen was Freddy sagt, der kennt sich mit sowas doch aus.

Montag. Ich treffe mich in der Stadt mit Arita, Laura und John. Laura fliegt heute heim. Wir sagen tschüss nachdem wir ein nettes Sushi Frühstück hatten und noch ein wenig shoppen waren. Ich fahre zurück. Freddy macht mir wenig später kaum Hoffnungen bzgl. der Festplatte. Na toll. Wenigstens habe ich ernsthafte Interessenten für den Wagen. Ich fahre abends in die Stadt und präsentiere den Wagen. Ein Holländer und eine Lettin. Sie sind gerade angekommen und wollen schnell losreisen. Perfekt. Kurze Zeit später entscheiden sie sich dafür, den Wagen zu kaufen. Toll! Ich bin begeistert! Am nächsten Tag fahre ich zu einem Spezialisten und präsentiere die Festplatte. Man will sehen was man tun kann. Sind die Daten doch noch zu retten? Abwarten. In der Stadt wickele ich den Verkauf des Wagens ab, was eine halbe Ewigkeit zu dauern scheint. Ich verabschiede mich von den beiden. Ich verabschiede mich vom Reisegefährt. Sie fragen mich, ob mich die Verabschiedung emotional berührt. Nein, dieses Mal nicht. Der Wagen hat mich überall hingebracht, darüber bin ich froh. Mehr nicht. Der Wagen hat seine Schuldigkeit getan und damit ist es gut. Ich bin ihn noch für einen relativ guten Preis losgeworden. Toll!

Die Lage an der Festplatten-Front sieht schlechter aus. Es wird Gewissheit: die Platte ist gecrasht. Nicht gut. Wieviel man von den Daten zurückholen kann, weiß man noch nicht. Was es kostet würde, weiß man auch noch nicht. Wie lange es dauern würde, weiß man auch noch nicht. Ich buche einen Flug. Ich kaufe ne neue Festplatte. Die läuft! Und wenn die läuft, dann läuft das ja vom Prinzip her…

New Zealand, Christchurch und ich…

Und am Ende ist es irgendwie still. Nicht weil die Geräuschkulisse einfach verschwindet, nein. Schlicht und ergreifend weil mir die Sprache wegbleibt und ich weder weiß was ich sagen noch denken soll. Das was ich da auf dem Monitor sehe wirkt so vertraut und doch so anders. Schreie, Sirenen und Panik scheinen überall zu sein, doch in mir wird es ganz still. Christchurch im Februar. Christchurch im Sommer. Christchurch in unglaublichem Entsetzen über das gerade Geschehene. Man möchte die Augen verschließen, nichts sehen und einfach nicht daran glauben. Zu sehen gibt es trotzdem was…

Es ist Anfang Februar. Ich bin mit meiner Südinsel-Erkundung fast durch. Von Nelson aus muss ich nur noch die Marlborough Sounds erkunden. Eine zerklüftete Fjordlandschaft im Norden. In meiner Vorstellung verspreche ich mir einen Haufen guter Bilder. So düse ich auch von Nelson Richtung Norden. Allein. Nur die Sonne leistet mir Gesellschaft. Der Bräunungsgrad meines rechten Arms ist mittlerweile doch um einige Stufen höher als der des linken Arms. Das Fenster immer schön runter und Arm raus. Nur so geht’s! Schließlich ist ja auch Sommer und man muss das ja auch genießen! Ich nehme den Abzweig Richtung French Pass. Eine abgelegene Halbinsel. Kaum bewohnt. Tolle Bilder erhoffe ich mir, werde aber tierisch enttäuscht als ich die Straße entlang der Küste fahre.

Hinter den Bäumen kann man tolle Buchten erahnen. Dabei bleibt es aber auch. Kaum mal eine Lücke wo man anhalten könnte und Ausblick hat. Dann fängt auch irgendwann die Gravel-Road an. Jetzt wird’s staubig. Egal. Ich mag Gravel-Roads. Offroad-Feeling én masse. Irgendwann hab ich dann auch Ausblick, und was für einen. Bäume muss ich in dem sich mir bietenden Panorama suchen. Buchten, der Ozean, die Sonne und ich. Herrlich! Die Sonne steht mittlerweile auch schon etwas tiefer, so dass langsam alles anfängt goldgelb zu leuchten. Ich kann gar nicht aufhören zu knippsen. In French Pass wird mir klar, dass ich hier aber nicht übernachten will, sondern viel lieber die lange Strecke heute wieder zurückfahren möchte und vielleicht noch das ein oder andere Foto machen möchte. Man weiß ja auch nie wie das Wetter am nächsten Tag wird, und den strahlend blauen Himmel im Zusammenspiel mit der untergehenden Sonne und diesen herrlichen Buchten will ich mir nicht entgehen lassen. So schaffe ich es am Abend noch fast nach Picton, wo ich am nächsten Morgen nur noch schnell auftanke um entlang des Queen Charlotte Tracks den Marlborough Sound abfahre. Aber auch hier kaum etwas zu sehen außer den Buchten. Irgendwann sieht es auch alles gleich aus. Ich campe abends auf einem geräumigen Campingplatz und werde Zeuge eines atemberaubenden Sonnenuntergangs. Der Himmel färbt sich glutrot bevor das Tageslicht ganz verschwindet. Am nächsten Tag fahre ich weiter hoch bis nach Titirangi. Aber auch hier kaum mal die Möglichkeit was von den weiten Aussichten zu genießen.

Hier in der Nähe liegt auch die MIKHAEL LERMENTOV. Damals in Wismar gebaut, gilt dieses gesunkene Kreuzfahrtschiff als das größte tauchbare Kreuzfahrtschiffswrack der Welt. Ja, das wär mal was. Ich nehme das mit in meine Liste auf. Jetzt geht es über die Gravel-Roads wieder zurück in Richtung Picton, von wo aus ich mich weiter an der Küste entlang vorarbeite. Ich schaffe es am Abend bis kurz nach Kaikoura. Blenheim habe ich einfach links liegen lassen. Kickte gar nicht. Kaikoura hingegen ist mir sofort sympathisch. Das wusste ich aber auch schon Wochen vorher. Warum weiß ich nicht. Eine tolle Bucht, im Hintergrund eine faszinierende Bergkette und dazu ein recht nettes Naturschauspiel. Dieses naturschauspiel kann man östlichen Ende der Kaikoura Halbinsel beobachten. Hier gibt es eine Robben Kolonie. Die Jungs liegen den halben Tag faul auf den Felsen herum und lassen sich von den unzähligen Touristen ablichten. Ich tue es ihnen gleich und mache dazu noch den Peninsula Walk. Am Abend geht’s wieder auf ne Campsite in der Nähe. Am nächsten Morgen bin ich schon voller Vorfreude, denn es geht wieder zurück nach Christchurch! Juhu!

In Kaikoura nehme ich noch schnell eine Tramperin mit. Sie ist aus Finnland heißt Maria und amüsiert sich köstlich über die paar finnischen Brocken die Timo mir in Australien beigebracht hatte. So wird die Fahrt auch recht kurzweilig. Da es ja Sommer ist und einige Hostels in der Stadt aufgrund des Erdbebens vom September immer noch geschlossen sind, hatte ich mir vorsorglich ein Bett im Foley Towers reserviert. Dort endlich angekommen, führt mein erster Weg mich unter Dusche. Eine anständige Rasur ist auch längst überfällig. Frisch rasiert fühle ich mich auch gleich viel besser. Abends treffe ich mich mit Jacek und Sina. Wir schauen mal im Bismarck vorbei, wo uns Kathi frisches Becks vom Fass serviert. Oh man, Becks vom Fass! Wie lange hatte ich schon kein vernünftiges Bier in meiner Kehle gehabt. Ein Hochgenuss!

Sonntag. Ich genieße die Sonne und hänge rum. Mal am Piano, mal einfach draußen in der Sonne. Ich hab ja nix zu tun außer zu warten. Worauf? Ich hatte mir ein Unterwassergehäuse für die Kamera bestellt und das muss nur noch ankommen. Sobald das da ist, bin ich weg denke ich mir. So verstreichen die Tage im achso wunderschönen Christchurch und ich habe viel Spaß mit all den Leuten die noch da sind von vorher, und natürlich auch mit denen die ich neu kennen lerne. Ich infiziere alle mit dem Scrabble Virus. Ob sie wollen oder nicht. Die Scrabble Duelle mit Christian verfolgen mich heute noch manchmal im Schlaf. In der spielfreien Zeit schlendere ich durch die Stadt oder hänge mich vor das Piano und gebe mich ganz diesen Momenten hin. Toll! So kommt auch irgendwann das Kameragehäuse an und es wird klar, ein letztes Mal ins Mickey Finns muss sein. Wir haben einen tollen Abend und am Ende lass ich mich dann doch sogar noch überreden noch einen Tag länger zu bleiben. Mach ich doch glatt! Zum Abschied bekomme ich noch ein Reise Scrabble Spiel geschenkt. Toll! Ich spiele ein letztes Mal auf dem Piano und frage mich, ob es wirklich das letzte Mal ist, dass ich nach Christchurch komme. Hmmm, vermutlich schon, aber Pläne ändern sich ja ständig. Aber ich bin mir fast sicher, dass ich irgendwann auf jeden Fall noch einmal wiederkomme. So verabschiede ich mich auch dann von allen und mach mich aus dem Staub. Ich versuche noch für den nächsten Tag einen Platz fürs Delphinschwimmen in Kaikoura zu bekommen. Alles bereits ausgebucht. Ich komme nur auf die Warteliste. Zufälligerweise wird dann dann spontan doch noch ein Platz frei. Super!

So stehe dann auch Sonntag morgens um 20 Minuten nach 5 auf der Matte. Es gibt ne Einweisung, Wetsuits und Ausrüstung. Dann sitzen wir auch schon kurze Zeit später auf dem Boot und fahren die Küste entlang. Die Sonne geht jetzt auch auf. Toll! Ein schöner Anblick. Nicht viel später ist dann auch ein Gruppe von Delphinen zu sehen. Jetzt heißt es fertig machen und warten auf das Zeichen um das Wasser zu entern. Delphingeräusche sollen wir durch unseren Schnorchel machen. Das würde das Interesse dieser Tiere in uns erheblich steigern. Ich springe ins Wasser. Die Kamera in meiner Hand. Ob wir überhaupt Glück haben und die Delphine nicht einfach weiter ziehen frage ich mich nach wenigen Sekunden. Dann hatte ich aber auch schon das erste Vergnügen mit einem dieser putzigen Gefährten. Er kreist in einem Abstand von anderthalb Metern um mich herum und ich habe Mühe ihm zu folgen. Auge in Auge mit dem Delphin. Hoffentlich nimmt die Kamera auch alles gut auf! Dann gesellt sich ein zweiter Delphin zu mir und irgendwann realisiere ich, dass diese überall sind. Das ständige Geräusche machen ist aber ganz schön anstrengend. Irgendwann sind die Tiere aber weg und wir dürfen wieder ins Boot. Weiter geht’s. Wir finden eine neue Gruppe und springen rein. Dieses Mal ist die Gruppe aber gar nicht an uns interessiert. Wie fahren weiter. Dann sehen wir vom Heck des Bootes, dass wir uns mit einer Gruppe von circa 200 bis 300 Delphinen bewegen. Wahnsinn! Wir dürfen dann wieder ins Wasser und hier herrscht jetzt ein wahres Tumult. Die Delphine kommen aus allen Richtungen und man weiß gar nicht wohin man schauen soll.Ich habe das Gefühl mich in einem Strom aus Delphinen zu bewegen. Ein einzigartiges Erlebnis. Der helle Wahnsinn. Dann ist der Spaß aber auch wieder vorbei. Vom Boot aus beobachten wir, wie sie ihre Saltos machen, oder wie sie am Bug des Boots die Fahrlinie kreuzen. Einfach fantastisch zuzuschauen! Noch ganz geplättet von diesem Erlebnis, setze ich mich an den Strand und unterhalte mich ein wenig mit einem Einheimischen. Viel Zeit bleibt aber nicht, denn ich will ja auch gleich mit den Robben Schwimmen.

Diese Gefährten sind an Land mit Vorsicht zu genießen, da sie sich territorial verhalten. Unter Wasser sind sie aber recht harmlos. Mit den hinteren Flossenfüssen an der Wasseroberfläche, hängen sie kopfüber unter Wasser und beobachten das Geschehen um sie herum. Neugierig schauen sie mich mit ihren großen Augen an, während ich sie umkreise und die Kamera fleißig filmt. Absolut faszinierend diesen Tieren beim Schwimmen oder Tauchen zu beobachten! Das sind wahre Schwimmkünstler die richtig Spaß dabei haben sich zu drehen. Ganz nah kommen sie manchmal und sind irgendwie an der Kamera interessiert. Das macht richtig Spaß! Leider stören die Wetsuits ein wenig, da es mir so leider nicht möglich ist wegen des Auftriebs mit diesen Akrobaten zu tauchen. Schade, denn da hatte ich richtig Bock drauf. Naja, man kann ja nicht alles haben.Völlig berauscht von diesen Erlebnissen, mache ich mich dann mit einem dicken Grinsen weiter in Richtung Picton auf. Hier suche ich mir noch ein nettes Plätzchen für die Nacht auf einem Rastplatz außerhalb. Am nächsten Tag buche ich mich gleich für einen Tauchtrip zur Mikhal Lermentov ein. Mit dem Unterwassergehäuse ist das für mich jetzt absolute Pflicht. Dummerweise habe ich aber noch 2 Tage Zeit, bevor der Trip startet. Das gibt mir Gelegenheit mein Lieblingscafé zu finden. Ein toller Cappuccino darf es sein. Leider schafft es keins der ortsansässigen Cafés mich zu überzeugen. Einfach unzufriedenstellend. Am nächsten Tag darf ich schon mal den Wetsuit und das Equipment anprobieren. Kurze Zeit später wird der Trip abgesagt. Zu windig ist es. Zu gefährlich damit. Na super! Da hat man schon mal die Gelegenheit an so einem tollen Wrack zu tauchen, und dann das. Wann der nächste Trip raus geht weiß man nicht. Vielleicht in einer Woche??? Nein, warten kann ich hier nicht. Und schon gar nicht hier in Picton. Ich könnte nach Christchurch fahren und dort warten, aber mir wird klar, dass ich einfach weiter muss. So buche ich spontan die Fähre nach Wellington für den nächsten Morgen.

Mittwoch. Halb 5 Uhr morgens. Ab zur Fähre. Dort muss man ja zwangsweise immer warten. Genügend Zeit für ein Frühstück. Auf der Fähre schaut man sich dann schnell um, und kennt bereits jede Ecke nach 5 Minuten. Die Kamera natürlich dabei, denn auf gar keinen Fall möchte ich den Sonnenaufgang verpassen! Während wir gemächlich durch den Sound tuckern ist die Sonne auch schon etwas emporgestiegen und fängt nun an, diese einmalige Landschaft ins rechte Licht zu setzen. Toll! Die Überfahrt dauert auch nur 3 Stunden. Neuseelands Nordinsel begrüßt mich als erstes mit unzähligen Häusern auf den Hängen der Berge. Ja, die Nordinsel ist wesentlich dichter besiedelt. Wellington begrüßt mich mit Sonne pur. Ich fühle mich sofort wohl. Schnell einen Parkplatz gesucht und die Stadt erkundet. Das erste Café das ich ansteuere ist sofort der Volltreffer. Cappuccino nach meinem Geschmack. So schmeckt der Sommer! Das Gefühl hier in der Stadt gefällt mir. Alles ein wenig gechillt und relaxt. Ich steige wieder ins Auto und fahre ein wenig in der Gegend umher und finde auf Anhieb auch nen guten Rastplatz für die Nacht auf der anderen Seite der Bucht. Dann fahr ich hoch zum Mt. Victoria Lookout, von wo man die ganze Stadt bewundern kann. Kaum zu glauben, dass Wellington die Hauptstadt ist, weil sie eigentlich gar nicht so groß wirkt. Naja, egal. Ich begebe mich danach direkt ins Te Papa. Das ist quasi DAS Museum Neuseelands. Hier gibt’s allerhand zu sehen! Am besten hat mir die Ausstellung des Photographen Brian Brake gefallen. Dieser Herr, ist wahrscheinlich der bekannteste Fotograf den Neuseeland je gehabt hat. Danach geht’s zu meinem Rastplatz für die Nacht. Von hier aus sieht man die Stadt im Dunkeln übers Wasser leuchten. Schön! Am folgenden Tag schaue ich mal am Parlamentsgebäude vorbei und schlendere ein wenig durch die Shops. So lässt sich mal ganz schnell ein Tag verdrömeln.

Freitag. Abreise aus Wellington. Gerne würde ich mich noch etwas länger hier aufhalten, denn ich mag das Flair der Stadt irgendwie, aber es muss ja weitergehen. So hole ich mir morgens noch einmal einen Cappuccino von meinem Lieblings-Café. Toll! Dann geht’s auch gleich Richtung Cape Palliser. Das ist der südlichste Punkt der Nordinsel. Ziemlich rough die Landschaft hier. Ein Haufen Robben kann man hier beobachten. In der Nähe gibt’s noch die Putangirua Pinnacles, welche auch als Drehort für die Herr der Ringe Triologie herhalten durfte. Viel Zeit zum Herumhängen gebe ich mir dort aber nicht, denn ich will heute noch zum Castlepoint. Das sind auch einige Kilometer die da heute zusammenkommen. Castlepoint ist ein toller Spot! Leuchtturm, Strand und alles was man so braucht für nette Bilder. Leider bin ich schon spät dran und kann den Walk auf den großen Felsen nicht mehr machen, da die Sonne schon recht tief steht. Übernachten will ich hier aber auch nicht. Deshalb geht’s auch wieder zurück nach Masterton wo ich mir auf einem nahe gelegenen Rastplatz noch schnell ein Süppchen koche, bevor ich mich ins Traumland begebe.

Das nächste Ziel mache ich tagsdrauf schnell ausfindig. Nach Napier soll es heute gehen. Auf dem Weg mache ich noch einen Abstecher auf den Te Mata Peak. Von hier oben gibt’s ne tolle Aussicht. Zudem macht sich von hier auch ein Paraglider auf in die Höhe. In Napier angekommen trifft mich der Schock. Die Stadt ist total überfüllt mit Touristen. Man kann nirgendwo parken. Alles ist voll. Tausende Menschen. Was ist hier nur los? Das finde ich dann aber auch schnell raus, nachdem ich einen Parkplatz gefunden hatte. Es ist das Art Deco Wochenende, welches in Napier anscheinend nur einmal im Jahr stattfindet. In Napier gab es in den 30er Jahren mal ein richtig heftiges Erdbeben, welches so ziemlich die ganze Stadt platt gemacht hat. Da Art Deco zu der Zeit irgendwie angesagt war, hat man halt viel Gebäude in dem Stil neu gebaut. So kann man halt ganz viel Art Deco Gebäude anschauen, oder auch die unzähligen Oldtimer begutachten die zu Hunderten in Reih und Glied geparkt sind, während die Besitzer freudig Auskunft über ihr Gefährt geben. Dazu sieht man dann ein Vielzahl an Einheimischen, die sich ganz stilgerecht gekleidet haben. Diese ganze Szenerie geht mir erst ein wenig auf den Keks, weil alles so überfüllt ist. Dann finde ich aber Gefallen daran und versuche ein paar Szenen mit der Kamera einzufangen, die halt einfach alt aussehen. Das ist schon witzig diese ganzen verkleideten Leute in einem Café sitzen zu sehen. Sehr schön.

Aber weiter geht’s. Ich will heute noch nach Taupo kommen. Kaum aus Taupo heraus, wartet ein Tramper am Wegesrand. Ich nehme ihn mit. Er kommt aus Napier, heißt Blair und klärt mich über den Art Deco Wahnsinn auf. Die folgenden anderthalb Stunden Fahrt kommen mir vor wie 10 Minuten, was daran liegt das wir ziemlich interessante Unterhaltungen führen. Ich setze ihn in Taupo ab und suche den freien Campingplatz auf. Es ist schon spät. Essen. Schlaf.

Am nächsten Tag bummele ich ein wenig durch Taupo, und treffe natürlich auch auf Blair und seine Frau. In einem Café schnacken wir noch ein wenig, dann muss er los. Ich auch. Die Huka Falls stehen nun auf dem Programm. Danach geht’s nach Orakei Korako um mir anzuschauen, wie thermal aktiv die ganze Gegend hier ist. Geysire und Matschpfützen, die vor sich hinblubbern, lassen mein Herz nur ein wenig höher schlagen. Der ganze Gestank der dabei zum Tragen kommt, lässt mich die Nase rümpfen, sodass ich dort nicht allzu viel Zeit verbringe. Ich dampfe ab. Für den nächsten Tag steht das Tongariro Alpine Crossing auf dem Programm. Das ist einer der beliebtesten Tages-Wanderungen in Neuseeland. Dieser Track ist 19,4 km lang und gehört angeblich sogar zu den Top 10 Tageswanderungen in der Welt. So begebe ich mich abends in die Nähe des Tongariro National Parks, wo ich die Nacht auf ner Campsite verbringe. Um 5.30 Uhr heißt es dann aufstehen und zum Ende des Tracks fahren. Eine kleines Frühstück und schnell den ganzen Kram im Rucksack verstaut. Dann werde ich und andere Hiker um halb 7 abgeholt und zum Start des Tracks gefahren. Auf dem Weg bietet sich eine wunderschöne Aussicht, den das ganze Umland liegt noch völlig verschlafen da. Eingehüllt von einer zuckerwatteartigen Wolkenschicht. Herrlich anzuschauen! Ich hoffe das sich die Wolken noch solange halten, bis ich auf den ersten Berg hoch bin und von oben ein paar Bilder davon knippsen kann. Am Startpunkt angekommen, wird mir schnell klar, das ich bei weitem nicht der einzige bin der die Strecke heute bewältigen möchte. Busse kommen im Minutentakt und laden hunderte von Leuten ab. Dann mache ich mich auch schnell auf den Weg. Lieber schon einen Teil der Strecke bewältigen, bevor die Sonne höher steigt und es warm wird, denn das wird es heute auf jeden Fall. Strahlend blauer Himmel über mir.

Schon nach wenigen Hundert Metern merke ich die Knie. Hoffentlich halten sie durch. Berg hoch ist ja nicht so da Problem. Berg runter schon eher. Egal. Ignorieren und weiter. Es geht zuerst über ein flaches Stück ein paar Kilometer in Richtung erster Anstieg. Hier trennt sich dann schnell die Spreu vom Weizen. Überholmöglichkeiten gibt es auf dem schmalen Pfad kaum. Ein erster Aussichtspunkt dient als Rastplatz, für eine 5-minütige Pause. Zum Erstaunen vieler anderer Wanderer kommt plötzlich eine Nackt-Wander-Gruppe vorbei. Naja, wem es spaßt macht. Ich habe aber keine Lust hinter ihnen zu wandern, beebde meine Rast und mache mich deshalb auf. Weiter hoch zu kraxeln, was jetzt relativ schweißtreibend wird. Am ersten Pass angekommen bietet sich eine einmalige Aussicht. Sogar den Mount Taranaki kann man ganz klar sehen, und der ist immerhin gute 130km weit weg. Durch eine kleine flache Ebene geht es hoch zum nächsten Gipfel. Diese Landschaft hier ist einmalig. Kein Wunder also, dass man hier einige Wochen lang für die Herr der Ringe Filme gedreht hat (Mt. Doom). Dann kommt der nächste Aufstieg. Immer höher. Immer steiler. Immer anstrengender, da der Pfad nun mehr oder weniger aus Geröll besteht. Auf dem höchsten Punkt des ganzen Tracks angekommen, bewegt man sich in den Wolken. Alles sieht nun ganz bizarr aus. Die roten Krater und Klippen die man nun sehen kann, geben mir ein wenig den Eindruck, dass ich auch ganz gut auf dem Mars sein könnte. Auf der anderen Seite geht es nun bergab direkt auf die herrlich blau schimmernden Kraterseen zu. Ein wunderschöner Anblick! Zeit für eine Verschnaufpause. Danach geht’s durch eine weitere Ebene zum letzten Aufstieg. Wieder eine kleine Pause. Die Knie sind nun schon etwas weich und fangen langsam an zu brennen. Ab nun heißt es nur noch bergab. Ganze 10 km. Das mögen meine Knie gar nicht. Irgendwie schaffe ich es aber dann bis zum Ende des Tracks ohne große Schmerzen. Erschöpfung. Das war für mich wohl der erste und letzte Hike solcher Länge.

Ich setze mich gleich ins Auto und fahre weiter nach Wanganui. Hier gefällt es mir irgendwie nicht so, weshalb ich auch gleich aus der Stadt abdüse und mir ein nettes Plätzchen für die Nacht suche, nachdem ich am Strand noch schnell geduscht hatte. Hoch auf den Klippen, die untergehende Sonne vor Augen, lasse ich mir die gerade gekauften Steaks auf der Zunge zergehen. Toll! Solche Spots müsste man immer finden!

Dienstag. Es ist der 22. Februar. Immer noch Sommer. Die Sonne weckt mich morgens auf in dem sie mir direkt ins Gesicht scheint. Ich springe sogleich auf den Fahrersitz und cruise weiter Richtung Norden, immer schön die Küste entlang. Einen Cappuccino auf die Hand und die richtige Musik im Auto versüßen mir diesen Morgen. Das Wetter ist grandios und der Mt. Taranaki wird immer größer mit jedem Kilometer dem ich mich ihm nähere. Leider versteckt er sich auch immer mehr in einer größeren Wolke, je näher ich komme. Schade, da ich mir eigentlich vorgenommen hatte da ein Stück hoch zu fahren um Bilder zu knippsen. An eine ganztägige Besteigung des Gipfels ist überhaupt nicht zu denken. Da streiken die Knie. In Stratford mache ich kurz halt. In einem Buchladen findet es mich endlich. Seit 2 Wochen durchstöbere ich jeden Buchladen auf der Suche nach meinem neuen Buch. Nicht, das ich das alte schon fertig gelesen habe, aber es musste irgendwie ein neues her. Und natürlich nicht irgendein Buch. Nein, das richtige Buch sollte es schon sein. Es hat mich gefunden. Toll! Ich schaffe es am späten Nachmittag bis nach Waitomo. Hier gibt es eine riesige Anzahl an Höhlen. Im Visitor Centre suche ich mir das passende heraus und entscheide mich für die Lost World Epic Tour.

Auf einem Rastplatz mache halt für die Nacht. Kurz bevor ich mich Schlafen lege, klingelt mein Telefon. Mein Vater. Die Verbindung ist schlecht. Ich verstehe nur Erdbeben, Christchurch und kann mir aber keinen Reim darauf machen, denn er weiß doch, dass ich nicht mehr dort bin. Wir beenden das Gespräch und versuchen es mit einem erneuten Telefonat. Jetzt kann ich auch verstehen was er mir mitteilen möchte. In Christchurch hatte es ein Erdbeben gegeben. 6,3 auf der Richterskala. Einige Gebäude seien eingestürzt. Sogar die Kathedrale, welches ja das Wahrzeichen der Stadt ist solle nicht mehr stehen. Es habe Tote gegeben. Ich hatte ja keine Ahnung vom Passierten, da ich den ganzen Tag ja unterwegs war und von all dem nichts mitbekommen habe. Nach dem Gespräch frage ich mich als erstes wer von meinen Freunden denn wohl noch in Christchurch ist. Ich öffne das Telefonbuch meines Handys und fange bei A an. Arita ist nicht zu erreichen. B wie Brian. Erfolg. Er geht ran und wundert sich, dass ich überhaupt durchgekommen bin. Das Telefonnetz sei total überlastet bzw. zusammengebrochen meint er. Er schildert mir die Lage. Schrecklich meint er. Ich erkundige mich nach den anderen. Soweit er weiß ist niemandem von den Leuten die wir kennen etwas passiert. Ich kann das alles gar nicht glauben. Hoffentlich ist wirklich niemandem von unseren Freunden etwas passiert! Ungewissheit. Ich stehe am nächsten Morgen früh auf und hänge mich als erstes vor einen Computer mit Internetzugang. Das was ich da lese und auf Bildern sehe ist unglaublich. So viel Zerstörung, so viel Trauer, so viel Leid. Ich kann das irgendwie nicht begreifen. Die eingestürzte Kathedrale als Sinnbild für eine Stadt die am Boden liegt. In der Nacht hatte ich noch ein paar SMS bekommen in denen sich herausgestellt hat, dass es allen gut geht die ich kenne. Erleichterung, dies dann auch noch einmal im Internet zu lesen. Ich beantworte schnell ein paar Mails, und bestätige, dass es mir gut geht und ich nicht in Christchurch war. Die Zeitung die ich gekauft habe, zeigt das gleiche erschütternde Bild, welches sich mir bereits im Internet bot. Irgendwie will ich das nicht wahr haben. Das kann doch nicht sein!

Christchurch, diese wundervolle Stadt mit all den wundervollen Menschen. Diese Stadt ist für mich zu einer Art Heimat geworden. Eine Heimat, die ich wahrscheinlich nicht mehr so wiedersehen werde, wie ich sie in Erinnerung habe. Das alles stimmt mich traurig. Viel Zeit zum traurig sein bleibt mir in dem Moment aber nicht. Ich hatte ja für heute die Cave-Tour gebucht. Diese gestaltete sich auch ziemlich toll mit Abseilen, Glühwürmchen, Wasserfallen und allem drum und dran. Anschließend gab es auch noch ein BBQ, aber sobald dies vorbei war, war ich mit meinen Gedanken wieder in Christchurch. Ich fahre Richtung Rotorua und suche mir einen Rastplatz für die Nacht. Am Morgen schaue ich als erstes wieder ins Internet um mich auf den neuesten Stand bzgl. des Erdbebens zu bringen. Allen Freunden geht’s soweit gut. Vielen anderen aber nicht. Die Stadt muss überwiegend ohne Wasser und ohne Strom auskommen. Die Anzahl der Todesopfer ist mittlerweile auf über 70 angestiegen. Weitere Hunderte werden vermisst. Die Berichte über Menschen die ihre Angehörigen suchen sind einfach nur traurig anzuschauen. Es nützt aber nicht, meine Reise muss weiter gehen, auch wenn ich unerklärlicher Weise irgendwie jetzt gerne in Christchurch wäre. Nachdem ich in Rotorua noch eine Maoriveranstaltung besucht hatte, mache ich mich auf den Weg nach Mt. Maunganui. Hier wohnt Laura mittlerweile. Laura hatte ich in Christchurch kennengelernt und statte ihr jetzt mal einen Besuch ab. Mt. Maunganui ist mir sofort sympathisch. Lange Surfstrände und nicht so überlaufen. Mit Laura rufe ich bei Arita an, welche immer noch in Christchurch verweilt und lassen uns ihre Grauensgeschichte vom Erdbeben erzählen. Sie sagt, dass sie Glück gehabt hatte. Wir sind froh dass es ihr gut geht. Bei einer Flasche Wein schwelgen wir abends am Strand in unseren schönen Christchurch Erinnerungen. Alles Vergangenheit.

Den nächsten Tag verdrömele ich in Mt. Maunganui. Mir gefällt es hier. Leider muss ich ja aber auch weiter. So gehe ich mit Laura am nächsten Tag auch noch mal frühstücken. Wir verabschieden uns. Ich fahre nun auf die Coromandel Halbinsel. Hier gibt’s ein paar nette Strände zu begutachten. Ich schaue mir die Cathedral Cove an. Irgendwie ist die Coromandel Gegend ganz nett, aber ich will weiter. Das große Ziel heißt Bay of Islands. Auf dem Weg dahin komme ich an der Goat Island vorbei, welche angeblich einer der besten Schnorchel Spots in ganz Neuseeland ist. Leider bricht mir meine Schnorchelmaske kaputt, noch bevor sie das Wasser berührt. Neeeeeeeeeeeeeein! Das kommt davon, wenn man billigen Scheiß kauft. Egal. Ein netter Herr leiht mir seine Maske. Ich werde eh nochmal wiederkommen um ausgiebig zu schnorcheln. Ich fahre weiter bis nach Tutukaka. Das ist der perfekte Startpunkt für einen Dive-Trip zu den Poor Knights Islands. Ich buche für den nächsten Tag einen Trip dorthin. Das ist hier angeblich der Spot zum Tauchen überhaupt! Der nächste Morgen sieht toll aus. Blauer Himmel und strahlende Sonne. Um halb 9 morgens bin ich auch schon auf dem Boot und wir fahren raus. Merantine (HOL) ist mein Tauch Buddy. Wir haben 2 tolle Dives an 2 tollen Dive-Sites. In so eine Unterwasserhöhle zu tauchen ist schon recht cool! Außerdem gibt es hier Tunnel und Höhlen zuhauf. Manche so groß, dass wir glatt mit dem Boot reinfahren und Echo-Tests machen.Danach an Land gibt’s in der Bar noch das ein oder andere Bier mit Merantine und Rene (SUI). Die nächsten Tage werde ich weiter in der Bay of Islands herumcruisen und Sheena besuchen, die mittlerweile hier arbeitet. Vielleicht geh ich hier auch nochmal an dem ein oder anderen Wrack tauchen. Mal sehen, denn bisher bin ich mit den Wracks ein wenig unglücklich. Nie klappt das, warum auch immer. Wird schon. Dann heißt es aber auch, dass ich mich nach Auckland bewege. Dort muss ich dann eigentlich nur noch das Auto verkaufen. Sobald das passiert ist, werde ich wohl einen Flug in Richtung Deutschland buchen. Hmmm, vom Prinzip her läuft das ja…

All thoughts go out to the people of Christchurch



Ich mach die Fliege

Nein, natürlich hau ich hier noch nicht ab. Soweit kommt es noch, paaaah. Viel mehr begebe ich mich in die Luft. Und das gleich mehrfach. Warum? Na ja, fliegen ist ja nun mal einfach schön, und ich habe Spaß daran, wie auch immer das Fliegen jetzt aussieht. Was hatten die letzten Wochen sonst noch zu bieten? Einiges! Berge zu hauf, Seen so richtig schön blau, und nicht zu vergessen ne ganze Menge Spaß! Doch vor dem Spaß, wurde es nochmal ernst. So ernst, das mir doch ein wenig mulmig wurde. Genau genommen war das so…

Wir schreiben den 24.12.2010. Es ist Heiligabend. Standesgemäß passiert an Heiligabend nicht viel in Neuseeland. Das hängt mit dem englischen Einfluss zusammen. Hier ist der 25. Dezember eigentlich der Tag der richtig zelebriert wird. Das stört uns ziemlich wenig, sodass Jacek und ich uns ausgiebig unserem selbst gebrautem Bier widmen. Danach wird der Abend dann mit einigen Leuten aus dem Hostel in den Clubs am Sol Square beendet. Um es den Einheimischen gleich zu tun, suchen wir uns am 25. ein nettes Plätzchen im Queen Victoria Park direkt am Avon River. Das ist genau der richtige Platz für ein Christmas BBQ. So tummeln wir uns bei bestem Wetter um den Grill und genießen den Tag. Ein toller Tag! Ich schaffe es gegen 2 Uhr in der Nacht ins Bett. 10 Minuten später gab es einen großen Rumms. Ein Aftershock der sich gewaschen hatte. In meiner Zeit in Christchurch hatte ich ja nun schon etliche Aftershocks erlebt, aber dieser war doch sehr intensiv! Das ganze Haus war am wanken. Stromausfall. So viel konnte ich anhand eines kurzen Blickes aus dem Fenster erkennen. Hmmm, ich ziehe mir was Warmes an und schaue nach draußen. Einige Leute sind auf der Straße. Im Hostel sind die meisten vom Beben erwacht. Jeder fragt sich was jetzt. Einige kleinere Shocks folgen in den Minuten darauf. Ich hatte mir in den Tagen zuvor schon so meinen Gedanken gemacht, da es in den letzten 2 Wochen kaum erwähnenswerte Aftershocks gab. Im Stillen dachte ich mir immer, wenn da mal nicht noch etwas Größeres kommt. Naja, Jacek checkt das Gebäude. Alles scheint in Ordnung. Was bleibt einem groß übrig als schlafen zu gehen.

Am frühen Morgen werde ich sanft von kleineren Nachbeben geweckt. Irgendwann ist es auch vorbei mit schlafen. Ich begebe mich in die Dusche. Es gibt nichts Besseres, wie eine Dusche die einen langsam aus dem Land der Träume zurückholt. Etwas Anderes erledigt dies aber in Sekundenschnelle. Ein Nachbeben! Noch mal stärker als das in der Nacht. Der Boden unter mir fühlt sich nicht mehr fest an. Ich werde in der Dusche durch gerüttelt wie ein Astronaut beim Start der Trägerrakete Marke Sojus. Der Strom ist auch weg. Kein Licht mehr. Nur Dunkelheit, warmes Wasser aus dem Duschkopf und die Frage in meinem Kopf was zu tun ist. Ich stelle das Wasser ab und verbrenne mich ein wenig dabei, wie ich versuche den Wasserregler zu finden. Nach einigen Sekunden des Überlegens fasse ich den Entschluss, dass ich auf jeden Fall zu Ende duschen sollte. Warum auch immer. Nach kurzer Zeit werde ich durch Jacek unterbrochen, der von außen Alarm macht. „Seh zu das du da raus kommst“ meint er. Ok, vielleicht sollte ich den Duschvorgang beenden. Aus dem Bad heraus, schaue ich kurz aus dem Fenster. Scheinbar alle Leute aus dem Hostel sind bereits draußen. Und sie sind nicht die Einzigen. Die Straßen füllen sich schnell mit Menschen. Alarmanlagen heulen. Die ersten Feuerwehren bahnen sich lautstark ihren Weg durch das Zentrum Christchurchs. Ja, ich denke es ist Zeit auf die Straße zu gehen. Auf der Treppe liegt auch abgebröckelte Farbe und Putz der von der Decke herunter kam. Anscheinend war das kein einfaches Nachbeben mehr. Einige Fensterscheiben der Shops gegenüber sind zerborsten. In den Gängen neben dem Gebäude sind einige Steine heruntergekommen. In einer Durchgangsgasse sieht es aus, als wenn ein größeres Stück Mauer vom Dach heruntergefallen sei. Zum Glück ist dort gerade niemand durchgegangen, denn das wäre mit Sicherheit böse ausgegangen. Es dauert nicht lange, und die Polzei fängt an Straßen abzusperren. Wir dürfen vorerst nicht zurück ins Gebäude. Nach einiger Zeit kommen Inspekteure um die Schäden zu begutachten. Es sind neue Risse im Mauerwerk zu entdecken und ältere haben sich vergrößert. Nicht gut. Wir dürfen vorerst wieder ins Hostel. Im Hostel sind die Bücher aus dem Regal gefallen. Flaschen hat es nicht mehr im Kühlschrank gehalten. Kurze Zeit Später wird es gewiss. Wir müssen raus. Das Hostel wird auf unbestimmte Zeit geschlossen. Andere Hostels in der Stadt trifft es genauso. Die ganzen kleineren Aftershocks fühlen sich auch nicht gut an. Wie wir kurze Zeit später herausfinden, hatte das Beben eine Stärke von 4,9. Solche starken Nachbeben hatte es vorher auch schon gegeben, nur dieses hatte sein Epizentrum direkt unter Christchurch und nicht 30km weit weg. Es wurde im Nachinein auch nicht mehr als Aftershock gewertet, sondern als neues Beben. Insgesamt hatte es seit dem großen Beben Anfang September über 4000 Nachbeben gegeben. Die meisten buchen sich jetzt im Foley Towers ein. Das ist 2 Blöcke weiter. Ich tue es ihnen gleich. Ist ja nur für eine Nacht. Für den nächsten Tag stehen die Zeichen ja eh auf Abreise.

Der nächste Morgen. Groß packen brauche ich nicht. Ich lebe ja quasi aus dem Auto. Nur schnell Frühstück und nen Kaffee. Unerwarteter Weise bekomme ich Nachricht von Malte. Dieser hatte in der Zwischenzeit einen Job in Tekapo gefunden. Ganz spontan hat er sich aber dazu entschlossen nach Deutschland zurückzukehren. Hals über Kopf. Ganz spontan hatten wir uns kurz zuvor einen anständigen 4WD Marke Mitsubishi zusammengekauft. Das Auto war tip top und der Preis einfach unschlagbar! Was wird nun aus dem Auto? Ich kann ja schlecht 2 Autos gleichzeitig fahren!? Malte kommt abends in Christchurch an. Der Entschluss wird gefasst: das Gefährt muss runter vom Hof! Naja, so verschiebt sich dann wohl meine Abreise aus Christchurch auf unbestimmte Zeit. Wir füllen die Papiere aus und Malte tippt schnell noch eine nette Advert in den Laptop welche er am nächsten Morgen im Internet Cafe ausdruckt. Zufällig parken wir gerade vor einem Hostel. Malte hängt den ersten Zettel auf. Das heißt ich habe ein Hostel weniger am Nachmittag abzuklappern. Toll! Nun aber ab zum Airport. Der Flieger nach Deutschland wird nicht auf ihn warten. Am Airport darf Malte sich noch schön doch gewisse Travel-Visa-Bestimmungen durch kämpfen. Bloß kein Stress! Naja, alles kein Problem. Gepäck aufgegeben und ein letzter Cappuccino auf die Hand. Zeit zum Verabschieden. Wir sehen uns wieder! So viel steht fest! Wo auch immer! See you in a bit mate!

Kaum zurück im Hostel, falle ich aufs Bett. Müdigkeit. Kaum Zeit für Müdigkeit, da ich den Nachmittag verbringen darf die Anzeige fürs Auto zu verteilen. Zudem ist das Wetter auch überhaupt nicht für solche Aktivitäten geeignet. Regen. Schon den ganzen Tag. Dann ein Anruf. Jemand hatte gerade die einzige Anzeige vor Augen, welche wir bis dato verteilt hatten. Toll! 5 Minuten später ist das deutsche Pärchen auch schon da. Hatte ich schon erwähnt, das es hier eigentlich keine Chance gibt KEINE Deutschen kennen zu lernen? Sie sind überall, und ich meine überall. Invasion! Egal.10 Minuten später machen die beiden ne Probefahrt. Der Wagen gefällt ihnen. Ich würde ihn gern verkaufen. Sie wollen den Preis handeln. Ich lasse mit mir handeln. Schnell ist die Summe ausgemacht. Sie sind glücklich so einen tollen Wagen für wenig Geld erstanden zu haben. Ich bin glücklich den beiden ein erstklassiges Auto verkauft zu haben und dabei noch 500 Dollar Gewinn gemacht zu haben. Nur so geht’s! Toll! Damit habe ich den Nachmittag frei und darf den Regen meiden.

Tags drauf bekomme ich das Geld fürs Auto. Toll! Ich mache letzte Besorgungen in der Stadt. Abends heißt es schon Abschied nehmen von denen, die ich am Morgen nicht mehr sehen. Aber ich komm ja nochmal nach Christchurch zurück, also alles halb so wild. Am Morgen setze ich Kathi und Florian (GER) am Rande der Stadt ab. Sie wollen nach Queenstown hitchhiken um dort Silvester zu feiern. Es ist ja auch schon der 30. Dezember. Wo feiere ich Silvester? Hmmm, keine Ahnung. Ist für mich zu diesem Zeitpunkt auch noch völlig unwichtig. Ich mache mich hingegen auf den Weg übers Land in Richtung Lake Tekapo. Auf dem Weg halte ich um einen kleinen Walk am Rakaia Gorge zu machen. Ja, es fühlt sich gut an, nach über 3 Monaten in Christchurch wieder auf der Straße unterwegs zu sein. Hin und wieder halte ich um Fotos zu knippsen. Irgendwo auf dem Weg sehe ich auch wieder Kathi und Florian. Ganz so weit haben sie es noch nicht geschafft. In Tekapo angekommen bin ich ganz beeindruckt von der blauen Farbe des Sees welche von Gletscherpartikeln herrührt. Toll! Nun geht’s hinauf auf den Berg zur Sternwarte. Von hier oben gibt’s nen coolen View zu allen Seiten. Cool! Da es langsam spät wird suche ich mir ne freie Campsite direkt am See. Essen. Schlaf.

Es ist der 31. Dezember 2010. Während die Freunde in der Heimat schon wissen, dass sie sich durch unglaubliche Schneemassen und Kälte mit dem Zug nach Polen durch kämpfen werden um dort Silvester zu feiern, habe ich noch keinen Plan. Hmm, also warum nicht auch nach Queenstown? Kathi, Ben und Chris (GER) sind ja auch schon da. Ok, einen Capuccino auf die Hand und ab geht’s. Der Weg ist absolut einmalig. Über den Lindis Pass arbeite ich mich langsam in Richtung Queenstown vor. Herrlich! Ich mag diese Landschaft einfach! Wenn die Berge noch etwas Schnee auf den Gipfeln hätten, das wäre glatt die Krönung. Naja, auf manchen Gipfeln schafft der Schnee noch an einigen Ecken sich vor der Sonne zu verstecken, welche mit einer ungeheuren Kraft dank Ozon Loch da nieder brennt. Die Gegend um Queenstown ist dank der Remarkables absolut stunning! In Queenstown angekommen, schaue ich mich kurz um, bevor ich mich mit den anderen treffe. Diese kleine Örtchen ist ja DAS Mekka aller Adrenalin-Junkies. Im Winter Ski und Snowboard Hochburg, im Sommer steigert sich das Ganze mit Skydiven, Hanggliding, Jet Boats, Bungee, Rafting und und und. Es gibt glaube ich nichts, was man hier nicht machen kann. So ist die Stadt auch proppenvoll mit Partyvolk, welches den Start ins neue Jahr gerne in dieser Party-Hochburg zelebrieren möchte. Hostels und sonstige Unterkünfte sind schon seit Wochen ausgebucht! Wie der Zufall es so will, haben Kathi und Flo beim Trampen einen Maori kennen gelernt, der ihnen spontan sein kleines Häuschen zur Verfügung gestellt hat. Einfach so auf Vertrauensbasis. For free natürlich. Nur so geht´s! So finden wir uns alle kurze Zeit später in einem kleinen Holzhäuschen am Berghang wieder. Der Blick über Queenstown ist nicht zu verachten. Toll! Darauf einen netten Rotwein. In geselliger Runde zieht die Dunkelheit langsam heran. Der Himmel färbt sich orange/rot/violett während wir weiter den einmaligen Ausblick genießen. Um Mitternacht schauen wir uns das Feuerwerk von oben an. Danach geht’s in die Stadt zum Feiern. Auf dem Weg legen wir kurze Stopps für diverse Fotosession´s ein. Wir kommen bis zum ersten Pub. Kurzentschlossen zeige ich den anderen Gästen der Lokalität wo der Tanzhammer so hängt. Ein paar Pints des billigsten Bier helfen dabei ungemein. Irgendwie ist dann auch schon wieder alles vorbei. Zeit nach Hause zu gehen.

Neues Jahr, neues Glück! Was für ein Glück, dass wir nix zu tun haben außer zu regenerieren! Toll! Abhängen und relaxen bevor es weiter geht. Jepp, raus aus Queenstown. Der Aufenthalt in Städten bekommt erfahrungsgemäß meiner Geldbörse nicht so gut. So machen wir uns auf den Weg in Richtung Glenorche. Lake Sylwan. Camp aufbauen, Regenplane spannen, kochen, relaxen. Die Gegend soll nett sein. Ist sie auch. Wir machen nen Walk zu einem netten See am nächsten Morgen. In der Nacht hatte es aus Gießkannen geschüttet, sodass der Weg durch den Wald eher einer Sumpflandschaft gleicht was ich ziemlich cool finde. Abends geht es zurück nach Queenstown. Auf dem Weg kann man Spots bewundern, an denen man Sequenzen zu den Herr der Ringe Filmen gedreht hat.

Für den nächsten Tag steht dann die endgültige Abreise aus Queenstown auf dem Programm. Mit Ben und Chris will ich mich auf den Weg zum Milford Sound machen. Kathi wird zurück nach Christchurch trampen. Bis zum Milford Sound ist es ne ganze Ecke. So machen wir uns auch recht früh auf um entlang der Remarkables weiter nach Te Anau zu fahren. Einfach herrlich! Die Sonne fängt an langsam empor zu steigen und sich ihren Weg in die Täler zu bahnen. An den Hängen sieht man noch die Überbleibsel der Nacht in Form von weißen Dunstwolken welche tief in den Tälern hängen. Dazu herrscht kaum Verkehr, was sich aber immer mehr ändert, je mehr wir ins Fjordland vorstoßen. In Te Anau wird nur kurz aufgetankt. Dazu einen Capuccino auf die Hand und weiter geht’s. Die Strecke von Te Anau zum Milford Sound ist einfach atemberaubend! Die Berge ragen immer höher in den wunderschön blauen Himmel. Wir cruisen entlang des Eglington Rivers durch die Täler. Überall sieht man kleine Wasserfälle die recht steile Felsformationen hinunter stürzen. Eine wahnsinnig tolle Ecke mit eindrucksvollen Views. Die Straße schlängelt sich entlang der Berge. Ich genieße das total! Kurz vorm Milford Sound kommen wir durch einen super schlecht beleuchteten Tunnel. Von der Decke heruntergefallene Gesteinsformationen lassen sich nur sehr schwer erkennen. Alles gut auf der anderen Seite. Direkt hinterm Tunnel ist ein Parkplatz. In einem circa 300 Grad Winkel um uns herum ragen die riesigen Felswände fast senkrecht hunderte Meter empor. Beeindruckend! Das kleine Örtchen am Anfang des Milford Sounds besteht quasi nur aus einem Café, einem Flugplatz, der Fähranlegestelle und ein paar Unterkünften. So finden wir uns kurze Zeit später auch auf einem der Touristenkähne wieder um uns durch dieses einzigartige Stück Natur schippern zu lassen. Wie fahren mit dem Schiff bis unter die Wasserfälle. Wer jetzt Angst um sein Fotoequipment hat, sollte sich lieber drinnen aufhalten. Toll! Ich knippse fleißig und dann ist der Spaß auch schon wieder vorbei. Wir machen uns auf den Weg zur nächsten Campsite. Wir werden fündig auf einer idyllisch an einem Bergbach gelegenen Campsite. Hier mache ich auch erstmals mit den berüchtigten Sandflies Bekanntschaft. Ich hatte bis dato nur von diesem Geschöpf gehört. Nun wird mir klar warum fast jeder aufgekratzte Bein hat. Diese Biester beißen einen fast so dass man es gar nicht mitbekommt. Der Biss hinterlässt dann ungefähr 2 bis 3 Tage einen Juckreiz dem ich kaum widerstehen kann. Ich kratze was das Zeug hält. Diese Biester sehen eigentlich ganz harmlos aus. Fast wie eine Fruchtfliege. Aufgrund des Juckreizes den sie hinterlassen würde ihnen das Gewand der räuberischen Gallmücke aber wesentlich besser stehen. Aber egal, wäre ja noch schöner wenn ich mich irgendeinem Insektenkodex unterwerfen würde. Paaaah!

Am Morgen steht Körperpflege im Bergbach auf dem Programm. Sehr kalt, aber ich bin dann definitiv wach. Wir machen uns auf den Weg zurück nach Te Anau. Hier trennen sich unsere Wege vorerst. Ben und Chris werden weiter Richtung Süden fahren, während ich in Te Anau bleibe. Ich würde hier super gerne einen Scenic Flight über den Doubtful Sound machen. Der ist größer als der Milford Sound und wesentlich unzugänglicher. Nur ein Problem: das Wetter. Die Prognose für die nächsten 2 Tage sieht nicht berauschend aus. Naja, das würde heißen ich muss warten. Ich entschließe mich dazu einfach auf besseres Wetter zu warten. Einen anständigen Scenic Flight hatte ich schon lange auf meiner Liste. In Australien hatte ich schon ein paar Mal mit dem Gedanken gespielt, aber immer wieder auf Neuseeland verschoben. Diesmal soll es sein, vor allem wegen der absolut beeindruckenden Landschaft. So suche ich mir dann auch die nächstgelegene Campsite. Sehr schön in einem Wald direkt am Lake Te Anau gelegen. Abends wird der Wind dann auch immer stärker und ein kleiner Sturm zieht auf. Morgens ist es immer noch recht stürmisch, dafür kommt die Sonne hin und wieder raus. Bei dem ganzen Wind wage ich das Abenteuer einer Dusche. Meine Campingdusche wird anhand eines Seils an einem Ast befestigt. Bäume gibt’s ja genug, denn ich bin ja quasi im Wald. Andere Camper haben sie Campsite schon am frühen Morgen verlassen. So stehe ich dann nackt mitten im Wald und versuche meinen Körper mit Wasser zu benetzen, welches der Wind so ziemlich in alle Richtungen versprüht. Naja, irgendwie funktioniert das schon. Halb fertig mit der Hygieneprozedur werde ich dann noch von einem ankommenden Auto gestört. Habt ihr euch schon mal nackt im Wald hinter einem Baum versteckt? (ehrlich gesagt, glaube ich der ein oder andere von euch bestimmt schon, aus was für Gründen auch immer 🙂 Naja, frisch gestriegelt und gebügelt sieht die Welt wieder ganz anders aus. Auf nach Te Anau um den Tag mit Internet und sonstigem zu vertrödeln. Für übermorgen ist perfektes Wetter vorhergesagt. Toll! Der folgende Tag sieht ungefähr genauso aus. Gegen Abend wird das Wetter wieder besser. Dieser See ist einfach eine großartige Kulisse. Die Berge im Hintergrund, welche mit den Wolken spielen. Ich sitze direkt am Ufer und lasse speziell ausgewählte Steine über den See dittschen. Herrlich!

Samstag. Es ist 6.30 Uhr am Morgen. Kaum Wind. Die Sonne kriecht gerade hinter den Bäumen hoch. Der See ist fast spiegelglatt. Kinners wat is dat schön! Ja, ja, ja! Wenn heute kein Flugwetter ist, dann weiß ich auch nicht! Ich fahre von der Campsite nach Te Anau. Als erstes steht die Morgentoilette an. Die große öffentliche Toilette hat leider noch nicht geöffnet. 2 Außentoiletten gibt es aber. So sitze ich kurze Zeit später auch in einer diesen und mache so meine Geschäfte. Komischerweise reißt kurze Zeit später ein älterer asiatischer Herr die Tür auf und entschuldigt sich spontan. Hatte ich die Tür nicht richtig verriegelt? Ist das Schloß kaputt? Draußen ist nun ein riesiger Tumult. Der Herr von eben erklärt nun auf koreanisch seiner ganzen Reisegruppe was gerade passiert ist. Toll! Riesiges Gelächter draußen. So schnell wird man zum Gesprächsthema koreanischer Reisegruppen. Ich beende meine Geschäfte und komme heraus. 2 ältere koreanische Ladys warten bereits außerhalb in einem Abstand von 5 cm zur Tür als ich diese öffne. Anscheinend können sie nicht mehr wirklich lachen, weil ich ihre Blase vermutlich drückt und husch sind die beiden auch schon drin. Naja, bloß weg hier denke ich mir, während hinter mir immer noch in koreanisch getuschelt und gekichert wird. Keine Zeit für so was. Einen Capuccino auf die Hand und ab zum Wasserflugzeug, welches direkt am Pier auf dem See liegt. Allan, der Pilot, sagt mir, das wir mindestens noch 2 weitere Passagiere bräuchten um zum Doubtful Sound abheben zu können. Hmmm, das kann sich also noch den ganzen Tag hinziehen denke ich mir. Er notiert sich meine Nummer. Er wird die Buchungsagenturen anrufen und horchen ob es weitere Interessenten gibt. Ok, dann geh ich mal bummeln und warte. 5 Minuten später klingelt aber schon mein Telefon. Allan. Er hat ein Pärchen das mitkommt. Toll! Ich knippse schnell ein paar Fotos vom Flugzeug und dann sitzen wir auch schon drin. Ich darf vorne sitzen. Die vielen Knöpfe im Cockpit laden zum Draufdrücken ein. Lieber nicht. Ich hab auch gar keine Zeit, da ich meinen Rucksack irgendwie im engen Cockpit verstauen muss und mein Fotoequipment einsatzbereit halten muss. Der Propeller dreht sich bereits. Wir gewinnen an Geschwindigkeit und heben ab vom Lake Te Anau. Es ist perfektes Wetter! Strahlend blau, und in den Bergen tummeln sich ein paar Wolken. Wow! Wir düsen durch die Berge und fliegen Richtung Westen. Diese einmalige Landschaft sieht von oben noch viel besser aus! Ein absolut tolles Gefühl an den Bergkuppen vorbei zu segeln. Wir sehen die Seitenarme des Lake Te Anau, bevor wir über den riesigen Doubtful Sound hinweg fliegen. Das Alles sieht einfach so unglaublich toll aus! Die Sonne spiegelt sich auf dem Wasser. Hin und wieder kann man ein kleines Segelboot entdecken. Hier sieht es wirklich nach Natur pur aus! Wir drehen um und machen uns auf den Rückweg. Der Sonne entgegen. Nur minimal über den Wolken. Trotzdem ist das Freiheitsgefühl momentan fast grenzenlos. Reinhard Mey würde glatt die hohe E-Saite reißen, wenn er den Anblick der sich mir nun bietet sehen könnte. Ein Wolken-Flickenteppich aus dem die Gipfel wie über alles erhabene Giganten der Zeit hinausragen. Wahnsinn! Ich knippse was das Zeug hält. Dann sind wir auch schon fast zurück. Wir sind bereits im Tiefflug über dem See entlang der Bäume. Ein herrliches Gefühl. Leider nur 40 Minuten lang. Nun bin ich auch um 300 Dollar ärmer, dafür aber um 400 Bilder reicher. Nur so geht’s! Alles Andere macht ja auch gar keinen Sinn! Mit einem dicken Grinsen steige ich aus und bedanke mich bei Allan. Was für ein tolles Erlebnis!

Ich mache mich auf den Weg Richtung Süden. Ein kurzer Fotostopp am Lake Manapouri und weiter geht’s. Dann geht’s eine ewig lange Gravel-Road zum Lake Monowai. Eine wunderschöner See! Leider bleibt nicht viel Zeit zum genießen, denn ich muss weiter zum Lake Hauroko, welcher der tiefste See Neuseelands ist. Dort bin ich fast allein. Ein kurzes Bad im kühlenden klaren Wasser ist toll! Hier könnte man es ne Weile aushalten. Leider muss ich ja weiter, denn auf dem Tagesprogramm steht noch ein Walk zum Humpridge-Track. Dort will ich zu mindestens hoch zum Hump laufen um über die ganze Bay schauen zu können. Leider finde ich den richtigen Shortcut nicht und die Zeit bleibt ja auch nicht stehen. Deshalb skip ich das spontan auch. Mittlerweile bin ich an der Südküste der Südinsel angekommen. Hier sieht man jetzt überall die Winding-Trees, welche alle fast oberhalb des Stamms in einer horizontalen Weise wachsen. Der über den Ozean kommende Wind machts möglich. Dann bekomme ich ne SMS von Chris. Sie sind auf nem Free-Campsite bei Monkey Island. Kurze Zeit später sehe ich auch schon das Schild für die Abzweigung zur Monkey Island. Die gucken nicht schlecht, als ich plötzlich neben ihnen parke. Es wird gekocht und die Ereignisse der letzten Tage ausgetauscht. Zum Sonnenuntergang geht’s rüber zur Monkey Island. Anschließend sitzen wir noch mit David (US) aus Ohio und unterhalten uns über Gott und die Welt. Er erzählt uns, von dem Sponsorship seiner Schaffarm in Ohio, welche ihm den Trip ins Schafmekka nach Neuseeland ermöglicht hat. Toll! Was es nicht alles gibt! Schlaf.

Die Nacht war kalt. Gut das die Sonne auch schon morgens um 8 hier einem ganz schön einheizen kann. Ohne Sonnencreme geht nichts. Zu intensiv! Wir fahren nun in Richtung Invercargill. Nur ein kurzer Zwischenstop, bevor wir uns zum Slopy Point begeben. Das ist der südlichste Punkt der Südinsel. Wenn es Stewart Island nicht geben würde, dann wäre es auch der südlichste Punkt Neuseelands. Dafür gibt es hier in der Nähe die angeblich südlichste Bar der Welt. Dafür fahren wir nach Tokanui und genießen ein kühles erfrischendes Bier. Dann geht’s auf ne Camp-Site zum Nächtigen. Für den nächsten Tag steht als erstes die Curio Bay auf dem Plan. Dort kann man versteinerte Bäume bei Ebbe begutachten. Dann fahren wir weiter zum Nugget Point wo ein Leuchturm am Ende eines hohen Cliffs steht. Von hier oben kann man wunderbar die raue Küstenlandschaft bewundern. Dazu sieht man unten im Wasser die Robben schwimmen, welche den Nugget Point ihr zu Hause nennen dürfen. Weiter geht’s nach Dunedin. Wir wollen uns nicht lange aufhalten und begutachten nur die angeblich steilste bewohnte Straße der Welt. So steht sie zu mindestens im Guinness Buch der Rekorde. Ganz schön steil und auch gut besucht. Der ein oder andere quält sein Gefährt den Berg hoch. Wir laufen hoch und knippsen Fotos. Nächster Punkt der Tagesordnung sind die Maoreki Boulders ein Stück weiter die Küste hoch. Leider ist die Sonne auch nicht mehr wirklich zu sehen, weshalb wir leider keine schöne Sonnenuntergang Fotos dort bekommen. Egal. Weiter nach Oamaru. Hier gibt es 2 Pinguin Kolonien zu bewundern. Einmal die Blauaugenpinguine, welche man nur gegen Eintritt durchs Pinguin-Center anschauen darf. Fotografieren ist nicht erlaubt. Das sparen wir uns also und fahren zu Gelbaugenpinguin Kolonie. Die Gefährten kommen gerade aus dem Meer zurück an den Strand. Toll! Einen können wir sogar aus nächster Nähe beim Gefieder putzen beobachten. Zum Übernachten fahren wir nach Herbert. Leider finden wir die Campsite nicht auf Anhieb, so dass wir in den Bergen über die Feldwege im Nebel umher irren. Ein bisschen Walter Röhrl Rally feeling kommt auf.

Die Wetterprognose für die nächsten Tage sieht nicht so prickelnd aus. Ich überlege direkt von Oamaru nach Christchurch zu fahren um meinen Zwischenstopp einzulegen. Die beiden überreden mich aber mit rüber nach Wanaka zu fahren. Da wollte ich ja sowieso noch hin, also warum nicht auch gleich jetzt. Wider Erwarten wird das Wetter auf dem Wege plötzlich auch richtig gut. Strahlender Sonnenschein lässt das Reiseherz gleich wieder höher schlagen. In Wanaka angekommen, springen wir als erstes in den See! Was für eine willkommene Abkühlung! Herrlich! Danach gehen wir ins Visitor Center. Chris würde hier in Wanaka gerne nen Skydive machen. Hmmm, klingt gut! Wollte ich ja auch irgendwie machen denke ich mir. Die Kulisse hier ist dafür natürlich perfekt! Leider ist das Wetter etwas grau. Wir entscheiden uns mal am nächsten Morgen das Wetter anzuschauen um dann Entscheidungen zu treffen. Direkt in Town-Nähe ist nen richtig schöner Campingplatz direkt am Fluss. So schauen wir auch Tags darauf gleich als erstes wieder ins Visitor Center und checken unsere Optionen. Für den folgenden Tag soll es wieder besser werden, aber der Wetterbericht hier ist hier ja auch nur so aktuell wie die Zeitung von gestern. Egal. Wir reservieren uns nen Sprung im Laufe des Vormittags. Absagen kann man immer noch. Danach gibt’s Frühstück und wir fahren in die Puzzling World. Hier laufen wir zuerst den Irrgarten ab, welcher doch nicht so einfach zu meistern ist. Nachdem wir das gemeistert hatten, ging es rein und wir konnten uns ein paar optische Täuschungen anschauen. Nett. Danach muss ich mal Wäsche waschen. Wie gut, dass neben dem Laundry gleich das Base Hostel ist, wo wir uns mal schnell ne Dusche erschleichen. Wir lassen den Abend bei schönstem Sonnenschein auf dem Campingplatz ausklingen. Aber eine Sache war da ja noch. Hatte ich mich gedanklich damit eigentlich schon auseinander gesetzt in ungefähr 12 Stunden aus einem Flugzeug zu springen? Ähmmm, nein. Ich belasse es auch dabei. Dafür ist morgen früh noch genug Zeit. Ich füttere lieber die Enten.

Donnerstag Morgen. Der Alarm des Handys weckt mich. Ich schaue aus dem Fenster. Perfektes Wetter. Das heißt soviel wie das ich in Kürze im freien Fall auf die Erde zustürzen werde. Hmmm, sollte ich mir Gedanken machen? Nein, lieber nicht. Immerhin ist heute ja auch Donnerstag der 13. und nicht Freitag. Das passt schon alles. Ein kurzes Frühstück. Wir fahren zum Airport außerhalb der Town. Wir kommen dort an und die ersten Skydiver landen gerade. Sie kreischen, schreien, jubeln. Mag das heißen ihnen hat es gefallen? Ich denke schon. Wir bekommen ein Briefing. So wird’s gemacht. Aha. Danach geht’s rein in den Springer Anzug. Dann lerne ich meinen Skydive-Master kennen. Uros heißt er und ist gebürtiger Serbe. Nicht allzu groß der Bursche dafür sieht er aber durchtrainiert aus. Markantes Gesicht. Der war bestimmt mal bei der Armee in der speziellen Spezialtruppe im Einsatz, denke ich mir jedenfalls. Wenn dich einer heile runter bringt, dann wohl er. Dann hält mir auch schon Kameramann Adriano ne Kamera ins Gesicht. Ein paar Grüße nach Deutschland soll ich übermitteln. Naja, ich bin nicht so der Actor vor der Kamera. Vor allem nicht, weil mir langsam bewusst wird, auf was ich mich da eigentlich eingelassen habe. Aber irgendwie will ich es ja und deshalb versuch ich das alles zu genießen. Das Flugzeug fährt vor. Wie in einem Hollywood Blockbuster bewegen wir uns zum Flugzeug. Alles läuft wie in Zeitlupe und ich bin mir sicher das wir gleich abheben und dann irgendwie die Welt retten. Kein Problem, mach ich doch gerne! Noch ein kurzer Schnappschuss für die Kamera und dann sitzen wir auch schon drin. Adriano schließt die Schiebetür während wir uns immer schneller werdend über die Startbahn bewegen. Wir heben ab. Ich bin ganz relaxed und bewundere die wunderschöne Landschaft draußen. Der Lake Wanaka leuchtet so schön blau während die Berge drum herum gen Himmel zeigen, wo für mich gleich der ultimative Thrill beginnt. Zwischendurch darf ich immer noch ein paar nette Worte in die Kamera sagen und mich darin üben einfach relaxed zu sein. Die Sicht ist grandios. Man kann sogar Mt. Cook sehen und den Ozean. Die weißen Gipfel zu sehen beruhigt mich ungemein.

Doch dann plötzlich wird es ernst. Wir sind nahe der Absprungzone. Mittlerweile hatte mir Uros nochmal alle Gurte festgezogen und überprüft. Ich ziehe meine Kappe auf und die Handschuhe an. Dann öffnet Adriano die Schiebetür und plötzlich wird es ganz schön windig im Innenraum des Flugzeugs. Hui! Dann fängt er an, langsam aus aus dem Flugzeug zu klettern. Toll, denn das heißt wohl soviel, dass ich der erste bin der hinunter darf. Jetzt fängt das Herz langsam an zu pochen und der Puls wird schneller. Nachdenken? Worüber? Überhaupt nicht möglich. Ich sehe nur, dass die Erde ganz schön klein von hier oben aussieht. Bevor ich auch nur darüber nachdenken kann, wie ich mich zusammen mit Uros nun Richtung Tür bewegen kann, sitze ich auch schon halb draußen. Wow, tief durchatmen! Uros arbeitet sich langsam an die richtige Absprungposition heran. Ich verharre schon seit Sekunden in der vorgeschrieben Haltung. Gleich muss es losgehen denke ich mir. Hoffentlich geht es schnell, denn ich möchte nicht ewig so verharren. Doch bevor ich das auch nur zu Ende denken kann, kippen wir nach vorne in den freien Fall. Die nächsten 3 Sekunden sind der absolute Wahnsinn. Freie Fallbeschleunigung. Wir drehen uns dabei ein oder 2 mal um uns selbst. Ich weiß weder wie mir geschieht, und meine vorgeschriebene Fall-Haltung habe ich auch längst vergessen! Ich weiß nur, dass ich falle und das fühlt sich absolut abgefahren an. Nach den ersten 3 Sekunden haben wir bereits eine stabile Fall-Position eingenommen. Mein allgemeines Befinden ist nun ein ganz anderes. Vom Fall-Gefühl gar keine Spur mehr. Man bewegt sich nun wie auf eine Art Luftkissen Richtung Erde und das fühlt sich sehr komfortabel an. Ich realisiere nun, dass mir dieses Gefühl absolut gefällt und ich es mir auch ganz anders vorgestellt hatte. Nun habe ich Zeit schön in die Kamera zu grinsen und meine Freude zum Ausdruck zu bringen, denn Adriano fällt nun ungefähr 2 Meter vor meiner Nase mit der Kamera auf dem Helm zusammen mit uns. Dieses Gefühl ist absolut großartig. Wenn es nicht ganz so windig wäre, würde ich jetzt glatt einen Cappuccino auf die Hand nehmen.Vermutlich nicht so einfach bei ungefähr 200km/h Fallgeschwindigkeit. Es ist so toll, dass ich noch während des Fallen darüber nachdenke gleich nochmal zu springen. Beim Fallen schaue ich mich um und versuche den Ausblick zu genießen, was aber Aufgrund des absolut umwerfenden Gefühls des Falls zur Nebensache wird. Dann ist der Spaß plötzlich auch schon wieder vorbei. Durch einen Ruck wird mir klar, dass die 45 Sekunden freier Fall jetzt vorbei sind und sich soeben der Fallschirm geöffnet hat. Plötzlich ist kein Windgeräusch mehr zu Hören und wir scheinen in der Luft zu stehen. Toll! Uros fragt mich ob es mir gefallen hat. Oh ja, das hat es, und wie! Er dreht ein paar Kreise, bei denen ich Schwierigkeiten habe die Orientierung zu behalten, und bringt uns ganz schön zügig herunter. Wir landen. Whooohooo! War das geil!? Glückshormone en masse! Dann kommt auch schon Chris runter! Wir klatschen ab. Ich hab nen richtig dickes Grinsen im Gesicht, welches ich nicht unterbinden kann. Warum auch? Wir chillen nun ein bisschen. Herunterkommen vom Herunterkommen. Wir warten noch bis unsere DVD´s fertig gebrannt sind und machen dann die Fliege.

Wohin geht’s jetzt? Westküste natürlich! Dort herrscht angeblich meistens schlechtes Wetter. Wir scheinen Glück zu haben, denn die Sonne bleibt uns auch treu, je weiter wir uns nach Westen durch den Lewis-Pass vorarbeiten. Die Fahrt durch den Pass ist atemberaubend. Entlang der riesig breiten Flussbetten zu cruisen ist einfach nur herrlich! Der Wind peitscht dabei Sand durch das Tal und schafft so eine einmalige Atmosphäre. Bevor wir an der Westküste ankommen, machen wir Halt an den Blue Pools. Ein kurzer Walk und wir befinden uns auf riesigen Hängebrücken, die über ein breites Flussbett führt in dem sich ein strahlend blauer Fluss seinen Weg bahnt. Das Wasser ist so klar und sieht so einladend aus, das wir gar nicht anders können, als dort hinein zu springen. Wie Ben schnell feststellt handelt es sich hier um absolutes Kopfschmerzwasser. So kalt, dass einem sofort nach dem Auftauchen der Kopf schmerzt. Danach schnell raus und ab in die Sonne. Dort ist es nun super warm, da der Kreislauf ganz schön in Bewegung gekommen ist. Wir machen noch einen kleinen Steine-Aufdittsch-Wettbewerb. Ben ist unschlagbar. Gute Technik und er weiß welche Steine man braucht. Damn it! Ja, so schmeckt der Sommer!

Wir schaffen es bis zum Fox Glacier. Einer der Attraktionen an der Westküste. Zufälligerweise weiß ich, das hier Macarena und Angelita (CHL) arbeiten. Ich frage mich kurz durch und finde kurze Zeit später Macarena beim Arbeiten, welche nicht mit mir gerechnet hat. Überraschung gelungen. Wir verabreden uns für den Abend im Café gegenüber. Toll! Ich buche noch schnell einen Full-Day-Walk auf den Gletscher, da morgen das Wetter unschlagbar ist und ich unbedingt auf den Gletscher will! Wir suchen uns dann einen netten Spot am Fluss zum Campen. Während wir essen und den Sonnenuntergang genießen, lösen sich auch die Wolken in den Bergen langsam auf und geben den Blick auf den Gletscher und Mt. Cook frei. Toll! Danach fahren wir in den Ort um die Mädels zu treffen und denn neuesten Klatsch und Tratsch auszutauschen. Dann ist auch schnell Schlafenszeit, denn morgen wird ein langer Tag.

Ich wache auf. Bestes Wetter wie prophezeit! Toll! Kurzes Frühstück und dann zurück in den Ort zum Treffpunkt. Die Jungs vertreiben sich den Tag auf eine andere Weise. Es gibt ne kurze Einweisung und dann sitzen wir auch schon im Bus zum Gletscher. Dort hiken wir dann ne Stunde bis zum Eis, wo wir unsere Eis-Steigeisen anlegen. Wir wollen ja nicht ausrutschen und in eine der zahlreichen Gletscherspalten rutschen. Am unteren Ende des Gletschers kann man sehr schön sehen, wie viel Steine und dergleichen das Eis transportiert. Momentan dehnt sich der Gletscher wieder aus. Ungefähr 21 cm pro Jahr. Wir klettern nun wild auf dem Eis umher. Unser Guide findet einen netten Eistunnel durch den wir dann durch krabbeln dürfen. Das nächste Highlight ist dann eine Gletscherspalte, die gerade breit genug ist um durchzulaufen. An den Wänden läuft das Schmelzwasser herunter und formt das Eis ganz glatt. Überall kann man auch Löcher entdecken, die vom Schmelzwasser geformt wurden. Wir finden noch einen Eistunnel durch den wir klettern dürfen. Toll! Irgendwann begeben wir uns dann auch auf den Rückweg. Den ganzen Tag in der prallen Sonne herumlaufen ist doch ganz schön anstrengend. So bin ich dann auch froh, als wir endlich wieder zurück sind. In unserem Fluss wo wir campen, gibt es nun erstmal ein erfrischendes Bad. Ich treffe die Jungs wieder. Es wird gekocht, bevor es wieder zurück in den Ort geht um nochmal mit Maca und Angelita zu feiern. Zufällig sind Stephane (FRA) und Lucy (BRA) die ich noch aus Christchurch kenne auch zugegen. Toll! Die 2 Mann Band gibt alles. Leider mangelt es ein wenig an den Gästen. Naja, dieses Mikrovinz Örtchen ist nun mal keine Party-Hochburg. Egal. Am nächsten Tag schauen wir uns noch den Franz-Josef-Gletscher an, bevor wir weiter nach Hokitika fahren. Hier schauen wir uns kurz um, bevor wir uns ne nette Campsite an einem See suchen.

In der Nacht fängt es dann auch an zu regnen und das berüchtigte West-Coast-Wetter hat uns erreicht. Hmm, wie geht’s weiter? Sollte ich mit den Jungs weiter die Westküste hochfahren? Und das bei ganz bescheidenem Wetter? Ich fasse den Entschluss von hier aus zurück nach Christchurch über den Arthur´s Pass zu fahren. Ich verabschiede mich von den Jungs. Ne schöne lustige Zeit hatte ich mit den beiden! Vielleicht sehe ich die beiden ja nochmal wieder, wer weiß!? Kaum erreiche ich den Arthur´s Pass, ändert sich das Wetter von nieselgrau in sonnigblau. Toll! Ich mache dann einen kurzen Stopp in Castle Hill. Hier kann man ein paar beeindruckende Gesteinsformationen bewundern, welche gerne von Rock-Climbern genutzt werden. Zurück in Christchurch stelle ich fest, dass es im Foley Towers kein Bett mehr frei ist. Hmm, naja, eine Nacht mehr oder weniger im Auto ist auch egal. Ich treffe mich mit Kathi, Jacek und Sheena auf ein Glas Wein. Schön irgendwie wieder „zu hause“ zu sein. Am nächsten Tag checke ich dann im Foley Towers ein. Eine ordentliche Dusche und ne anständige Rasur stehen ganz oben auf meiner to-do-Liste. Danach geht’s straight zum Frisör. Abends freue ich mich dann viele der Crew aus dem Coachman wieder zutreffen, welche fast geschlossen ins Foley Towers umgesiedelt sind, nachdem das Coachman ja geschlossen wurde. Abends genieße ich das Wiedersehen bei frisch gebackenem Brot mit Blue-Cheese. Hin und wieder gibt’s auch ein Nachbeben. Welcome back. Den folgenden Tag sitze ich ungefähr 15 Stunden vor dem Netbook um mich um meine Bilder der letzten 2 Wochen zu kümmern. Diverse Tassen Kaffee helfen dabei. Anstrengend. Mit JooJoo treffe ich mich Tags darauf auf nen Kaffee. Es ist so schön all die Leute aus Christchurch wieder zutreffen! Viel Zeit bleibt nicht, denn JooJoo hat noch einiges auf dem Zettel und ich muss mich weiter um meine Bilder kümmern. Abends gehe ich mit Sheena Squash spielen. Hab ich auch noch nie gemacht. Gefällt mir! Meinen Knie nicht. Egal.

Freitag. Wochenende. Wir wollen alle ausgehen. Ein letztes Mal ins Mickey Finn´s? Ich liebe diesen Laden! So finden wir uns auch alle dort ein. Mit Amelie und Pauline (FRA) ziehe ich noch weiter zum Sol Square. Irgendwann hat nichts mehr auf und wir beschließen uns durch den Regen wieder zurück zum Hostel zu begeben. Ein vorgezogenes Frühstück mit frischem Brot und Blue-Cheese. Ja, so muss das sein! Zufällig ist in Christchurch gerade das Buskersfestival. Das heißt Straßenkünstler an jeder Ecke. Man schaut sich die einen oder anderen an. Toll! Sonntag geht’s nochmal climben mit Jacek, Caro und Amelie. Ansonsten passiert nicht viel. Entspannung pur und ein wenig die Straßenkünstler anschauen.

Montag. Abreisetag. Eigentlich wollte ich gar nicht so lange in Christchurch halten, aber am Ende ist eine ganze Woche daraus geworden. Ich verabschiede mich von allen. Es geht nach Hanmer Springs. Die Sonne scheint. Die Reisemusik passt. Kein Wunder dass sich auch wieder ganz schnell dieses tolle Freiheitsgefühl breit macht. In Hanmer Springs mache ich mich als erstes hoch zum Lookout. Tolle Aussicht! Danach geht’s gegen Abend in die hot pools, wofür diese Ort sehr bekannt ist. Deshalb scheint dieser Ort auch wie geschaffen für Familien, welcher gerne mal etwas Urlaub hier machen um diversen Freizeitaktivitäten nachzugehen. Ich plansche dort etwas herum und relaxe bevor ich mir ein nettes Plätzchen für die Nacht an einem Fluss suche. Der nächste Morgen fängt genauso an, wie der aufgehört hatte. Mit Sonne. Immer schön eincremen, sonst verbrennt man! Einen Capuccino auf die Hand und ab geht’s in Richtung Reefton. Die Strecke ist toll! Ich liebe es einfach durch die Berge zu cruisen! In Murchison komme ich genau um 4 Uhr nachmittags an. Hier gibt’s Neuseelands längste Swingbridge zu bewundern, welche über den Buller River führt. Kostet natürlich Geld. Ich spare mir den Brückenzoll und investiere lieber gleich in den Jet Boat Ride. Damit ist die Brückenüberquerung umsonst und ich kann Jet Boat fahren. Toll! Wie der Zufall es will, sind nur 2 Dänen und der Pilot mit von der Partie. Toll, denn dann ist das Boot relativ leicht und der 350 PS starke Chevy Motor wird uns in nullkommanichts in die Sitze pressen. Nach einer kurzen Aufwärmphase für den Motor, geht’s dann auch gut nach vorne! Der Pilot ist gut drauf und zeigt uns auch gleich mal mit nem High-Speed-Turn wo der Hammer hängt. So peitscht er uns dann auch durch die Stromschnellen. Er versucht sich zu steigern, denn die Turn´s werden immer härter. Wow! Das ist cool! Und weil er heute so gut drauf ist, dreht er auch ein paar extra Runden für uns. Danke! Das war mal wieder eine lohnende Investition! Gerne wieder! Weiter geht’s zum Lake Rotoroa wo ich auch für die Nacht bleiben möchte. Der See ist toll! Sogar ein paar Aale tummeln sich darin. Nur die Sandflies, welche hier in großen Scharen vertreten sind nerven ein wenig. Egal. Noch vor dem Frühstück gibt’s ein kleines Bad im See. Herrlich! Da schmeckt das Spiegelei auf Toast gleich viel besser. Weiter geht’s zum Lake Rotoiti. Ein wunderschöne Kulisse! Klares Wasser, schöne berge und ich mittendrin! Eigentlich würde ich hier nen Walk machen hinauf zu einem Lookout, aber die Sonne bruzzelt ordentlich sodass dies vielleicht heute keine gute Idee ist. Der nächste Stopp wäre im kleinen Örtchen Motueka, welches das gate zum Abel Tasman National Park ist. Dort würde ich gerne ein bisschen Kayak fahren. Wie gut das Sheena auch gerade da ist. Wir treffen uns in Motueka und buchen einen zweitägigen Kayak Trip. Toll! Wir machen die letzten Besorgungen und fahren weiter nach Kaiteriteri. Hier soll es nen richtig tollen Strand geben und Abkühlung ist willkommen! Kaum angekommen stürzen wir uns auch gleich ins kühle Nass. Kaum an Land, bemerkt Sheena dann, dass sie den Schlüssel für ihr Auto, welches sie sich von nem Bekannten geliehen hatte, verloren hat. Tja, man steckt sich auch einfach keine losen Autoschlüssel ins Bikinioberteil! Nach einem kurzen Telefonat mit dem Eigentümer stellt sich Gott sei Dank heraus, dass der Bekannte nen Ersatzschlüssel in die Stoßstange geklebt. Toll! Alles gut. Weiter geht’s zum Split Apple Rock. Leider ist gerade Flut, so dass man nicht hinüber laufen kann. Nachdem mir dann so ein liebenswürdiger Vogel von oben anscheißt, ist das auch egal, denn ich springe in die Fluten um mich zu reinigen und schwimme gleich rüber. Sheena darf Fotos machen. Wir suchen uns dann nen Platz für die Nacht nach an der Straße nach Marahau, von wo morgen unser Kayak Trip startet. Ich koche uns was Feines und bei nem Gläschen Wein plaudern wir über die letzten Wochen.

Am Morgen packen wir noch schnell unsere Sachen zusammen bevor wir zum Treffpunkt fahren. Es folgt eine Einweisung und irgendwann gegen Mittag sitzen wir dann auch im Wasssertaxi, welches uns zum Onetahuti Beach bringt. Klares blaues Wasser. Andere packen in Windeseile ihren Kram in die Kayak´s. Wir gehen erstmal ganz gemütlich schwimmen, denn man darf das Genießen ja nicht vergessen! Danach sehen wir dann aber auch zu, dass wir aufs Wasser kommen. Wir paddeln rüber zu Tonga Island wo es eine Robben Kolonie gibt. Dort können wir die jungen Robben beim Spielen hautnah am Kayak erleben. Toll! Wir paddeln weiter an den Stränden entlang bis zur Bark Bay, wo wir dank der Flut bis ins Landesinnere paddeln können. Über uns ist eine Hängebrücke, über die der Abel Tasman Coastal Track entlang läuft. Wir fahren weiter bis zu einem kleinen Wasserfall. Hier wird das Kayak sicher auf den Steinen gelagert, denn wir wollen den Wasserfall stromaufwärts klettern. Sehr schön! Oben gibt es dann kristallklare Pools mit Frischwasser, die zum Baden einladen. Danach machen wir uns auf den Weg zu unserer Campsite am Medlands Beach. Dort wird das Zelt aufgebaut und wir gehen unsere Lieblingsbeschäftigung nach: Essen. Dazu ein bisschen Wein den ich extra mitgenommen hatte um diesen wunderschönen Trip zu zelebrieren. Den nächsten Tag verbringen wir ausschließlich damit, von Beach zu Beach zu paddeln und uns in der Sonne zu aalen. Hatte ich schon erwähnt, dass es die letzten 2 Tage totales Kaiserwetter gab? Mittlerweile hatte ich meine Paddeltechnik weiter perfektioniert, was Kraftersparnis und Geschwindigkeitsgewinn bedeutete. Damit waren wir nun dank Rückenwind in der Lage, mit den Wellen mitzuhalten und mit dem Kayak auf den Wellen zu surfen. Toll! Was für ein Spaß. Am Nachmittag sind wir dann zurück. Eine wohltuende Dusche und schon sind wir zurück in Motueka. Ich verabschiede mich von Sheena, welche wesentlich mehr Zeitdruck hat. In ein paar Tagen fängt sie einen Job in den Bay of Islands auf der Nordinsel an. Kein Frage, wir sehen uns wieder! Ich fahre weiter Richting Norden zum Harwoods Hole. Das ist angeblich die größte Höhle der südlichen Hemisphere. Klingt gut. Der Weg dorthin führt von der Hauptstraße ungefähr 11km über ne Gravelroad. Ein paar Kilometer vor der Höhle ist dann plötzlich ein Check-Point. Lustig aussehende Gestalten fragen mich nach meiner Eintrittskarte. Häh? Was ist denn hier los? Zufällig ist an diesem Wochenende das Luminate Festival hier. Ein Haufen Rastafaris, Alternative und Party-Süchtige gibt sich hier das Wochenende diversen Musikacts und Workshops hin. Momentan steht der Preis für eine Karte bei 200 Dollar. Paaaah! Nein, ich will eigentlich nur zu der Höhle. Ich darf passieren. Den Walk zur Höhle mach ich dann am nächsten Morgen. Der Weg führt durch einen abgefahrenen Wald, wo man auch ein bisschen für die Herr der Ringe Filme gedreht hat. Im Film sind das wohl die Chetwood Forests. Die Höhle ist ein bisschen enttäuschend, da man ohne Abseilausrüstung eigentlich gar nichts sieht. Ein 70 m großes Loch, welches dann ungefähr 200m in die Tiefe führt. Man sieht eigentlich noch nicht mal das Loch. Eigentlich wollte ich nun weiter Richtung Norden an die Golden Bay und zum Farewell Spit, aber den Plan kippe ich spontan. Ich bin ja irgendwie auf Random-Mode. Stattdessen geht es zurück nach Motueka. Hier erkundige ich mich nach einer Aktivität, die ich schon seit Wochen, ach was, seit Monaten ins Auge gefasst hatte. Irgendwo hier in der Gegend gibt es nen Typen, der ein Stunt Flugzeug hat, das man selbst steuern darf. Im Info-Center stellt sich schnell raus, dass dies direkt in Motueka ist. Toll! Das Wetter für heute ist gut, aber auch ein wenig windig. Die hilfsbereite Dame erzählt mir von ihrem Flug mit dem Flugzeug und ich werde schon ganz neugierig. Sie ruft dort an und erkundigt sich nach freien Terminen. Heute passiert dort wohl gar nichts. Vincent, der Pilot, hat ein bisschen Magenprobleme. Ich könnte aber für morgen Vormittag nen Slot buchen. Mache ich doch glatt. Darüber nachdenken? Nein, einfach machen. Toll! Was mich genau erwartet weiß ich noch nicht. Das werde ich schon noch früh genug sehen. Ich suche mir nen free Campsite am Strand.

Sonntag morgens. Ein kleines Frühstück muss reichen. Lieber nicht zu viel im Magen, denn auf keinen Fall möchte ich Vincent ins Flugzeug speien. Einen Capuccino auf die Hand ist aber ein Muss. Bevor ich zum Flugplatz fahre, rufe ich noch Geburtstagskind Martina an und erkundige mich, wie es so in der Heimat aussieht. Ich erzähle ihr, dass ich gleich in ein Stunt Flugzeug einsteige, was mir selbst mein Vorhaben noch einmal verdeutlicht. Auf dem Weg zum Flugplatz sehe ich dann auch schon die ersten Skydiver herunter segeln. Dann stehe ich auch schon in Vincent´s nettem Shed und werde begrüßt. Das Flugzeug steht noch drinnen und Vincent gibt ihm noch einmal letzte Poliereinheiten. Ein Doppeldecker. Relativ klein, und eine kurze Spannweite. Dafür bestimmt ne ordentlich Maschine. Toll sieht es aus. Es glänzt. Es sieht ein bisschen nach Ausstellungsstück aus, aber ich bin mir ganz sicher, dass dieses Ding ein Wolf im Schafpelz ist. Ich darf nun den Papierkram erledigen, während im Hintergrund Promovideo´s laufen. Jeder der dort zu sehen ist, schreit, jubelt oder lacht irgendwie. Das ganze wirkt auf mich aber eher beunruhigend als Vorfreude erweckend. Ich beeile mich deshalb auch mit dem Papierkram. Wie viele Leute übergeben sich beim Flug frage ich. 2 bis 3 Prozent sagt Vincent, was ich für relativ viel halte. Er fragt mich ob ich Flugerfahrung habe. Am Computer bin ich ein halbes Flieger-Ass entgegne ich (Anm. für OP: ist ja nicht so, dass ich von allem Ahnung hätte). Super, meint er. Im Prinzip ist das Fliegen in real nichts anderes. Haha, denke ich mir. Kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal am Computer immensen Fliehkräften ausgesetzt war. Ich bekomme einen Fliegeroveall. Brauche ich noch festes Schuhwerk? Nein, barfüßig ist am besten. Toll! Ich darf dann vorne im Flugzeug Platz nehmen. Ich werde angeschnallt und Vincent erklärt mir worauf ich achten muss. Dann nimmt er im Cockpit hinter mir Platz und wir gehen im Trockenverusch die einzelnen Flugmanöver durch. Rollen und Loopings fürs Erste. Dann startet auch schon der Propeller. Vincent weist mich stolz darauf hin, dass dieser aus Deutschland kommt. Toll! Ich versuche zu relaxen, denn ich hab ja keine Ahnung was gleich abgeht! Über Funk betreiben wir ein wenig Smalltalk während wir zur Startbahn rollen. Kurze Freigabe vom Tower und dann heult der Motor auf. Es presst mich in Sitz und ich merke wie wir langsam Auftrieb bekommen. Wenige Sekunden später heben wir sanft ab. Dann enfährt mir nur ein lautes „Waaaaaaaaaaaaaaaahhhhh“ als Vincent plötzlich die Kiste steil nach oben zieht. Wow! Ich fühle das erste Mal die G-Force der ich die nächsten 15 Minuten ausgesetzt sein werde. Es presst dich einfach so in Sitz und dein ganzer Körper spannt sich an. Toll! Wir lassen es nun ein wenig langsam angehen und steuern nun aufs Meer zu während wir langsam an Höhe gewinnen.

Nun darf ich den Steuerknüppel in die Hand nehmen. Ich darf nun leicht von links nach rechts im Zick Zack fliegen um mich mit den Reaktionen des Fluzeugs auf meine Steuerbewegungen vertraut zu machen. Wie sich das anfühlt werde ich über Funk gefragt. Toll! Dann sind wir hoch genug. Jetzt wird’s wohl ernst. Vincent wird die erste Rolle machen. Ok sage ich. Dann geht’s auch schon los. Whooooohoooooo! Das fühlt sich gut an! Von Unwohlsein überhaupt keine Spur, stattdessen mehr ein Gefühl von absolutem Spaß! Ein paar Rollen nach links und ein paar nach rechts darf ich machen! Ist das abgefahren geil!? Jepp! Die nächste Übung ist ein Rollen mit kurzen Stopps alle 90 Grad. Das macht einen Riesenspaß! Und gleich normal. Das Gleiche zur anderen Seite. Toll! Dann darf ich den Überkopfflug machen. Wie geil ist das denn bitte? Ich hänge in den Gurten Kopfüber. Himmel und Ozean tauschen für ein paar Sekunden die Seiten. Die herrlich ausschauende Küstenline des Abel Tasman National Parks ist nun über mir. Wieder zurück in die normale Flugposition und dann gleich nochmal! Als nächstes kommen die Loopings. Toll! Schwung holen und dann hoch ziehen. Dabei presst es dich einfach dermaßen in den Sitz, einfach unglaublich. Sobald man dann Überkopf ist fühlt es sich ganz butterweich an. Dann geht’s steil runter auf den Ozean zu. Die Maschine abfangen. Alles kein Problem. Als hätte ich nie etwas anderes gemacht. Kinderleicht! Und nochmal bitte! Whoooohooooo! Ich fühle mich pudelwohl hier oben in der Luft! Steht mir etwa eine Karriere als Kunstflieger bevor? Es macht einfach einen riesigen Spaß dieses Flugzeug zu fliegen. Es gehorcht meinen Steueranweisungen scheinbar aufs Wort. Und noch ein Looping und noch einen und noch einen. Geil! Dann kommt noch ein Manöver, welches er mir zum Abschluss zeigen will. Die Steilwende. Aus dem Looping kommend, gehen wir senkrecht nach oben, wo wir dann drosseln um nach links wegzurollen um in den Sturzflug zu gehen. Abgefahren! Dann sind die 15 Minuten Flug leider auch schon vorbei! Wir bewegen uns in Schräglage auf die Landebahn zu, was notwendig ist, damit Vincent diese sehen kann. Wir berühren mit dem Flügel schon fast den Boden bevor wir in horizontaler Lage dann ganz normal landen. Wow! Was für ein Erlebnis. Absolut phänomenal! Großartig! Fantastisch! Herrlich! Ich bin total überwältigt als ich aus dem Flugzeug steige. Vincent knippst noch ein paar Fotos von mir vor dem Flugzeug. Toll! Ich bekomme noch einen Kaffee und versuche ein bisschen herunterzukommen. Toll! Mittlerweile sind auch schon die nächsten Piloten da, welche diesen Spaß gleich erleben werden. Ich versuche ihnen ein wenig die Angst zu nehmen und mache ihnen klar, dass sie es lieben werden. So hoffe ich zu mindestens. In der Spitze hatten wir Fliehkräfte von 4G erzählt mir Vincent während wir das Video vom Flug sehen. Toll! Dann wird es Zeit weiter zu ziehen. Mit einem richtig dicken Grinsen mache ich mich auf den Weg nach Nelson. Bestes Wetter und beste Reisemusik. Nur so geht’s! In Nelson treffe ich mich dann mit Eeyoree (TAI) die ich schon aus Christchurch kenne. Ein bisschen bummeln und Erfahrungsaustausch der letzten Wochen. Danach geht’s auf nen Campsite in der City, der ist nämlich for free. Ihr seht, vom Prinzip her läuft das ja…

War is over

Ja, the war is over. Der Krieg gegen die unermüdlich produzierenden Maschinen ist vorbei. Keine Plastikschräuchen mehr. Keine Steckdosen mehr. Kein lautes Grummeln des Grinders mehr, wenn ich ihn mit ner ganzen Ladung Plastikschrott füttere. Auch keine kostenlosen kaffeeähnlichen Heißgetränke aus dem Aufenthaltsraum mehr, welche nur mit Zucker zu genießen waren. Das alles ist Geschichte. Meine Zeit dort ist vorbei. Und das ist auch gut so. Nach 3 Monaten Arbeit dort wird es einfach Zeit das nächste Kapitel aufzuschlagen. Aber das nächste Kapitel wird nur unwesentlich leichter, heißt es doch „wie bereise ich ganz Neuseeland in 2 Monaten?“. Ihr seht, ein weiteres Stück Arbeit liegt vor mir! Der kleine Unterschied ist, das ab jetzt der Tag wesentlich mehr von Natur geprägt sein wird. I´m back on the road! Hinter mir lasse ich eine wunderschöne lustige, aber auch von Arbeit geprägte Zeit in Christchurch. Im Grunde genommen sah sie so aus…

Aufstehen, Dusche, Frühstück, Arbeiten, Dusche, Essen, kurze Freizeitaktivitäten und Schlafen. So könnte man die letzten Wochen in Kurzform beschreiben. Ich arbeite 6 oder 7 Tage die Woche. Je nach Belieben. Generell verfliegt die Zeit in der Fabrik schnell wenn man busy ist. 4 oder 5 Maschinen am Laufen zu halten geht gut einher mit meinem Arbeitstempo. Kaum Zeit darüber nachzudenken wie lang es noch bis zum Feierabend ist. Passt. So ziehen die Tage ins Land. Nein, die Wochen! An den freien Tagen die ich habe, gibt es nichts besseres als sich mit den anderen Backpackern im Botanischen Garten die Sonne auf den Pelz brennen zu lassen. Herrlich! Einmal war ich sogar Climben mit Jacek (POL). Zwar nur in der Halle, aber das hatte ich bisher noch nicht gemacht und war auf jeden Fall cool. Gerne wieder wenn sich die Gelegenheit ergibt.

Hin und wieder gibt’s auch mal den ein oder anderen Geburtstag im Hostel zu Feiern was eine willkommene Abwechslung zum normalen Alltagstrott ist. Jeden Tag sieht man neue Gesichter im Hostel. Jeden Tag treffen neue Deutsche hier ein. Ich werde die Vermutung nicht los, das kaum noch jemand in Deutschland ist, da alle hier zu sein scheinen. Generell lassen sich Deutsche ja schnell anhand von Kleidung und Aussehen identifizieren. Sie müssen noch nicht mal den Mund aufmachen. Selbst die, die nicht deutsch aussehen, sind deutsch. Irgendwie ein bisschen schrecklich. Dabei will man doch alles außer deutsch!? Naja, ein wenig deutsch ist ja schon nicht verkehrt, aber dann nur in seiner reinsten Form. Bier! Deutsches Bier! Das Ziel: zu Weihnachten schön selbst gebrautes Bier deutscher Art trinken.

Jacek besorgt uns aus dem Brew-Shop einen 20 Liter Fermenter. Dazu gibt’s ne große Dose Malz, etwas Dextrose und Hefe. Wir ziehen uns in die Laundry zurück. Ideale Bedingungen um unser Vorhaben in die Tat umzusetzen. Als erstes den Fermenter desinfizieren. Wasser rein, Malz rein, Dextrose und Hefe. Ein Münchner Lager soll unsere Kreation werden. Dann wird der Fermenter verschlossen. Einen kleinen Schlauch rein damit entstehende Gase entweichen können. Fertig. Jetzt lagern wir das Ganze für 10 Tage bei konstanten 26 Grad Celsius. Toll! Danach muss das Gebräu noch gute 3 Wochen in der Flasche reifen um dann pünktlich zu Weihnachten fertig zu sein.

Dann gab es noch eine kleine Überraschung. Malte hat sich angekündigt! Sein Visum in Australien läuft aus. Da gibt es doch nichts nahe liegenderes als ein kleiner Neuseelandausflug. Sein Besuch in Christchurch wir dann unser fünftes Wiedersehen. Toll! Ich hole ihn nachts vom Airport ab und versorge ihn mit den ersten Infos. So ganz genau hat er aber auch noch keinen Plan. Erst reisen, oder erst arbeiten? Naja, das Ganze lässt sich bei einer Flasche Wein viel besser abwägen. So schmiedet er in den folgenden Tagen auch Reisepläne. Bei der ein oder anderen Partie Schach die wir spielen wird viel gelacht. Dabei muss jeder die Musik hören, die ihm der andere per MP3 Player auflegt. Ich darf angenehm Xavier Rudd hören, wo ich hingegen Malte mit Punk Rock und thematisch zur Spielsituation angepasster Musik versorge. So gewinne ich auch. Alle Spiele! Ja, aber auch diese Zeit geht vorbei. Malte hat einen Job in Tekapo gefunden. Pizzabäcker wird er jetzt. Dabei wäre das ja eigentlich genau das richtige für mich! Den passenden Namen habe ich ja schon und mein gefakter italienischer Akzent ist auch nicht übel. Naja, kann man nix machen.

Es geht schnurstraks auf Weihnachten zu. Weihnachtsstimmung herrscht hier irgendwie noch gar nicht. Wie auch, wenn die Temperaturen zeitweise über 30 Grad Celsius steigen. An Schnee ist hier nicht zu denken. Weihnachten ist aber auch der Startschuss zur eigentlichen Neusseelandreise. Ich habe meinen letzten Tag in der Plastik-Fabrik. Einen Tag vor Weihnachten. Abends bin ich noch mit Jacek und Katharina (GER) bei Sheena (CAN) zum Christmas Dinner eingeladen. Toll! Heute war ich noch auf dem Christmas BBQ in der Fabrik. Lecker Essen. Die nächsten Tage wird dann noch einwenig gefeiert und dann heißt es bye bye Coachman Backpackers. Raus aus Christchruch, rein in die Natur. Die Straße ruft! Vorher ruft noch Santa Claus. Das erste Geschenk hat er mir schon vorbei gebracht: nen 60 Dollar Strafzettel für „angebliches“ Falschparken. Pah! Wenn ich seinen Schlitten irgendwo parken sehe, bekommt er auch was! Euch allen wünsche ich ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Dann komme ich vermutlich auch zurück. Aber das ist momentan ja nur ein Gerücht. Ihr seht, vom Prinzip her läuft das ja…