…wir waren mitten im Outback als…

…vom Prinzip her läuft das ja…

Archiv für Mai, 2010

Hitze, Sand und endloser Asphalt

Sorry! Wer den letzten Blogeintrag eindeutig zu lang fand, für den schreibe ich heute kürzer. So behaupte ich dies jetzt einfach mal, was mir auch ziemlich einfach fällt. Ist ja hier auch erst der Anfang! Naja, eigentlich ist es ja das Ende. Ein Jahr in Australien ist jetzt fast vorbei. Das Ende meiner Reise. Nein, Moment! Das Ende meines Trips! Ja, so muss es richtig heißen! Die Reise geht ja weiter. Egal wo ich bin. Egal in welcher Form. Nur weiter!

So finde ich mich auf der Fähre von Devonport nach Melbourne wieder. Ein paar Stunden zuvor sah ich die Fähre schon ohne mich starten, da in Coles Bay der Autoschlüssel nicht mehr auffindbar war. In einer etwas unbehutsameren Art und Weise hatte ich kurzerhand den Van entleert um den Schlüssel zu suchen. Dieser hatte es sich ganz nett in meinem Schlafsack bequem gemacht. Böser Schlüssel! Aber wie heißt es so schön: in einem geordneten Haushalt findet sich alles wieder an. Momentan vermisse ich eine Shorts und ein Shirt. Im Schlafsack suche ich als erstes.

Hinter mir liegen ein paar wunderschöne Wochen in Tasmanien, in denen ich ein paar wunderbare Menschen kennen gelernt hatte! Vor mir liegt der Trip durchs Red Centre in Richtung Darwin. So lasse ich auch bei der Ankunft in Melbourne nicht viel Zeit verstreichen und platziere 2 Anzeigen im Internet. „Travelmate gesucht“. Gesucht wird jemand der mitkommen möchte nach Norden. Relativ zügig meldet sich ein nettes Mädel. Kurzum mit ihr getroffen. Israelin mit französischem Passport und Akzent die aber überhaupt kein französisch spricht. Verrückt. Naja, wie sich später heraus stellt will sie eigentlich auch nur Adelaide. Hmm, nicht das Richtige. Das Telefon steht dann auch nicht mehr still. In der Zwischenzeit bin ich auch wieder nach Whittlesea gefahren um das Roof-Rack abzuholen. Am Kicker-Table wird das Wiedersehen mit Ryan, Doug und Stevie zelebriert. Aber nicht allzu viel Zeit um zu Feiern. Der Travelmate muss her. Ich entscheide mich kurzerhand für Michelle aus Kanaada und Raphaela aus der Schweiz. Beide eingesammelt und bloß raus aus der Stadt. Wir fahren in Richtung Great Ocean Road. Die beiden hatten die Great Ocean Road noch nicht gesehen, und ich komme in den Genuss dies ein zweites Mal zu tun. Noch schnell ein Abstecher mit den Beiden in die Grampians und schwupps sind wir auch schon in Adelaide. Hier gibt es einen Tag Aufenthalt in einem Hostel. Duschen tut gut. In der City kaufe ich mir ein neues Objektiv für die Kamera.

Wir hatten uns mittlerweile bis hinter Port Augusta vorgearbeitet. Büsche. Hin und wieder Bäume. So ungefähr sieht es am Rande des Stuart Highway aus, welcher von Adelaide bis hoch nach Darwin den Kontinent sozusagen teilt. Hin und wieder kommt ein Rastplatz. Nicht jeder Rastplatz hat eine Toilette. Das stellen die Mädels dann auch fest. Sie müssen dann aber mal dringend. Das heißt dann wohl mitten im Nichts anhalten und hinter den Van pinkeln. In Coober Pedy, unserem nächsten Stop, gibt’s keine Probleme mit den Toiletten. Zur Not könnte man hier auch in den unzähligen Löchern sein Werk verrichten, welche von den zahlreichen Opal-Suchern hinterlassen werden. Hier bleibt kein Sandkorn mehr auf dem anderen liegen. Es wird gebuddelt und gegraben. Alles dreht sich hier um Opale und den Untergrund. Hier gibt’s auch Untergrund-Hotels, Untergrund-Kirchen und diverse Minen für die Touristenschar. Es ist mittlerweile nachmittags und wir machen uns auf in die circa 30 km nördlich gelegenen Breakaways. Das ist eine Landschaft die nur noch recht wenig an die Erde erinnert. Es sieht eher aus wie auf dem Mars. So total einzigartig, dass hier auch gerne mal Filme gedreht werden. So entstanden hier auch Filmsequenzen zu Mad Max 3 – Jenseits der Donnerkuppel. Toller Film übrigens! Wir genießen den Sonnenuntergang bei einem Glas Wein am Tresen des Buzzmobils. Nebenbei helfe ich noch einer Reisegruppe mit Wasser aus. Der Kühler des Touri-Busses machte ein wenig schlapp. Die Reisegruppe staunt über den Tresen und würde sich am liebsten auf ein Gläschen zu uns gesellen. Nix da!

Am Nächsten Morgen schauen wir uns so eine Opal Mine an. Jimmy zeigt uns wie das dort so vonstatten geht und was so ein Opal kostet und gibt noch ne Runde Kaffee aus und lässt uns das Internet for free benutzen. Toll! Danach machen wir uns im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Staub.Es geht weiter Richtung Norden. Zum Uluru sind es noch einige hunderte Kilometer. Ich denke The very Best of the Eagles, Calexico und The Best of Dire Straits ist genau die richtige Road Mucke. Da kommt Highwayfeeling auf. Ein gutes Gefühl. Dieses wird nach einiger Zeit unterbrochen. Die Mädels meinen wir haben eine Spinne an Bord. Hmm. Nicht toll. Ich hab aber keine Zeit auf Spinnenjagd zu gehen, da ich den Van steuern muss. Kurze Zeit später dann ein: „Stop! Stop! Stop!“ einhergehend mit wildem Rumgefuchtel. Ich halte. Die beiden Mädels springen raus und fangen an sich die Klamotten vom Leib zu reißen und auszuschütteln. Wir finden das tote Tier auf dem Sitz. Niemand wurde verletzt. Toll!

Kurz vor Sonnenuntergang überqueren wir dann die Grenze zum Northern Territory. Der Parkplatz eines Roadhouses dient als Rastplatz für die Nacht. Der nächste Morgen hält eine Dusche und schlechten Kaffee für uns bereit. Weiter. Heutiges Tagesziel ist der Uluru. Auf halbem Weg sind auch nah der Straße Dromedare zu bewundern. Als ich mich mit der Kamera nähere nehmen sie reiß aus. Muss wohl an der Kamera gelegen haben. Und dann ist er auch irgendwann zu sehen: der Uluru. So anziehend, so imposant. Man hat gleich einen ganzen Hotelkomplex gebaut, um die riesigen Besuchermengen unterzubringen. Wir machen uns gleich auf , um diesen riesigen Fels zu umrunden. Die Besteigung ist heute nicht erlaubt. Generell soll man dies aber erst gar nicht tun, da es für die ansässigen Aboriginal eine heilige Stätte ist. Drum herum laufen reicht mir auch völlig aus. Leider ist es an diesem Tag zu bewölkt, so dass uns ein wunderschöner Sonnenuntergang verwehrt bleibt. Dafür haben wir am nächsten Morgen einen strahlend blauen Himmel. Toll! Für den Sonnenaufgang sind wir etwas spät, trotzdem sieht es dieser Felsen einfach nur toll im Glanz der morgendlichen Sonnenstrahlen aus! Wir fahren weiter zu den Olgas. Dies ist eine Felsformation circa 50 km westlich vom Uluru und genauso spektakulär. Hier gehen wir den valley of winds walk bevor wir am Nachmittag ins kulturelle Zentrum fahren, um Näheres über die Bräuche und Traditionen der Ureinwohner zu erfahren. Der folgende Sonnenuntergang am Uluru ist toll! Rechtzeitig waren wir da, wie viele andere auch. Die meisten sichern sich den richtigen Platz und präparieren die Kamera für den richtigen Augenblick. Ich hab keinen Stress und koche erstmal ein leckeres Nudelgericht. Dann wird’s ernst. Die Sonne steht tief und lässt den Uluru rot strahlen. Toll! Neuer Tag, neuer Spot. Heute geht’s zum Kings Canyon. Sehr toll! Eine riesige Schlucht die mich stark an den Karajini NP erinnert. Ich schlendere an den Klippen entlang und Eddie Vedder singt mir dabei ins Ohr, dass die Welt dort anfängt wo die Straßen aufhören. Das kann ich nachvollziehen während ich auf der Klippe sitze und die Blicke über die Schlucht streifen lasse. Ein sehr toller Ort! Nach einigen Stunden des Herumkletterns wird’s Zeit den Rückweg anzutreten. Bis nach Alice Springs schaffen wir es heute aber nicht mehr. Wir halten auf einem Rastplatz und die untergehende Sonne färbt den Himmel in einen wunderschönen Mix aus rot, gelb und blau.

Alice Springs erreichen wir am folgenden Tag. Natürlich völlig unnötig zu erwähnen, das zwischen all diesen Orten hunderte Kilometer liegen. Ich hatte mir diese Stadt immer als grüne Oase mitten im Nichts vorgestellt. Andere behaupten, diese Stadt ist hässlich. Hmm. Irgendwie sieht sie für mich dann doch ein wenig wie eine Oase aus. Auf dem ANZAC Hill gibt’s dann auch einen wunderschönen Sonnenuntergang zu bestaunen. Danach nehmen wir Abschied von Raphaela. Sie wird ein paar Tage hier bleiben und dann nach Brisbane fliegen. Das heißt wir brauchen einen neuen Travelmate. Am Board eines Hostels finde ich die Nummer von Dany (GER). Kurzerhand getroffen und am nächsten Morgen auch schon eingeladen. Bevor wir weiter Richtung Norden vordringen, merkt Michelle an, dass ich mir für die ganze Nüsse die vorne in den Lüftungsschlitzen hinter der Windschutzscheibe liegen doch mal ein Chipmunk anschaffen sollte. Mach ich. Bei Gelegenheit. Bevor wir Richtung Devil Marbels aufbrechen, machen wir noch einen kurzen Abstecher in die Mac Donnell Ranges. An den Devil Marbels angekommen, merke ich schnell, dass dies wieder ein ganz besonderer Ort ist. Diese riesigen Felsbrocken finde ich einfach nur fantastisch. Dazwischen herumlaufen. Klettern. Noch interessantere in 50 Metern Entfernung finden. Fotos machen. Herumlaufen. Die untergehende Sonne schafft dazu eine ganz besondere Atmosphäre. Ich verusche am Morgen zum Sonnenaufgang auf den Beinen zu sein um gute Bilder zu bekommen. Leider zu viel Wolken. Egal. Wir fahren weiter nach Tennant Creek. Tanken. Einen Kaffee. Weiter. Am Ende des Tages sind wir in Mataranka. Auf dem Campingplatz im nahe liegenden National Park gibt’s auch Duschen. Sehr schön! Bevor wir am nächsten Tag weiter nach Kathrine fahren, gehen wir morgens in den heißen Thermal Quellen im National Park baden. Was für ein Start in den Tag! Auf dem Rücken im warmen Wasser treiben. Die Spitzen der Palmen um den Pool, werden vom Licht der noch tief stehenden Sonne langsam gekitzelt während darüber nur ein kräftiges blau zusehen ist. Ein tolles Gefühl! Wir kommen in Katherine an. Auftanken und die Akkus der Kamera aufladen. Man hat sogar wieder Empfang auf dem Handy. Zu lange wollen wir aber nicht verweilen. Weiter zu den Edith Falls. Hier gibt’s dann mal wieder ein erfrischendes Bad in kühlen Pools unter einem Wasserfall. Sehr schön!

Das nächste Ziel ist der Litchfield NP. Wir bewältigen die rund 300 km und sind mittlerweile auch schon relativ nah zu Darwin. Das weiß auch Carina. Zufällig fährt sie an diesem Tag von Darwin nach Kathrine. Sie sieht mich auf dem highway entgegen kommen, dreht um und fährt plötzlich neben mir. Was für ein Zufall! Wir halten und haben einen kurzen Chat. Es geht weiter. Die Nacht verbringen wir auf einer Dirtroad nah zum Eingang des National Parks. Es ist heiß. Die Wetseason hier oben ist fast vorbei. Aber eben nur fast. Die Luftfeuchtigkeit ist immer noch hoch. So wird die Nacht auch etwas anstrengend. Es wird heiß. Ziemlich heiß. Da kommt es gut gelegen, dass der erste Spot im National Park eine sehr einladende Poollandschaft ist. Kaskaden durch denen angenehm kühles und kristallklares Wasser fließt. Darin lässt es sich aushalten! Weiter geht’s zu den Florence Falls. Sehr schön! Das Schwimmen in dem riesigen Pool macht Spaß. Stundenlang kann man es bei den hohen Temperaturen unterm Wasserfall aushalten. Leider habe ich ja kein 4WD, so kommt es, dass wir einige Strecken nicht befahren können. Im Walkers Creek endet dann der Litchfield Besuch mit einem weiteren Bad in kristallklaren Fluss. Toll! Für den Weg nach Darwin hab ich eine circa 50 km lange Gravelroad auserkoren, welche uns mindestens 60 km spart. Nach 10 km auf der Road kommt dann ein riesiges Wasserloch. Ein 4WD fährt da ohne Probleme einfach durch so dass ich die Wassertiefe ungefähr erahnen kann. Hmmm, wagen oder nicht wagen? Ich teste nochmal die Wassertiefe und wate durch die riesige Pfütze. Der 4WD Fahrer hatte gestoppt um zu sehen ob ich es wage. Er meint, dass ich es schaffen kann. Was ich aber wahrscheinlich nicht schaffen werde, ist das nächste Wasserloch in 5 km. Unwesentlich tiefer und größer. Hmmm, danke für den Tipp. Der Van ist voll beladen und wer möchte schon irgendwo im Schlamm stecken bleiben? Ich jedenfalls nicht. Also heißt es umdrehen und den Weg zurückfahren, den wir gekommen sind. Ein paar Minuten später fängt es wie aus Gießkannen an zu regnen.Wir wären definitiv stecken geblieben!

Am frühen Abend kommen wir nun endlich in Darwin an! Mein zweiter Besuch in dieser Stadt. Diesmal mit dem Auto. Laut meinen Aufzeichnungen sind wir von Melbourne bis hier hoch 5905 km gefahren. Und das in 2 Wochen! Ich kutschiere die beiden durch die Stadt und wir checken die Hostels aus. Wie sind momentan die Preise? Wo ist es am günstigsten? Ich brauche kein Hostel. Ich habe ja den Van und für ne Dusche schleicht man sich hier halt irgendwo ein. Ich kenn mich ja aus. Der nächste Tag geht größtenteils fürs Internet drauf. Worauf ich mich schon seit Tagen freue ist der Krokodil Burger. Der schmeckt immer noch genauso gut, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Leider geht das etwas ins Geld, aber ich hatte in den letzten 2 Wochen kaum fleischliche Nahrung zu mir genommen und ist von daher voll in Ordnung. Abends gehe ich zum Mindil Beach Market. Dort treffe ich wieder auf Dany und lerne Carmen kennen. Wir schauen uns mit hunderten anderen den Sunset an. Toll! Am nächsten Tag gehen wir ein wenig feiern. Mit Carmen unterhalte ich mich noch über Gott und die Welt. Sehr schön! Leider fliegt sie in 2 Tagen schon weiter, so dass nicht viel Zeit zum näher kennen lernen bleibt. So ist das eben als Backpacker. Man lernt sich gerade erst kennen und sagt auch schon wieder bye bye. Aber ich bin mir ja ganz sicher, dass ich einige der hier kennen gelernten Leute nochmal wiedersehe. Irgendwo und irgendwann!

Mit Dany mache ich mich dann am Mittwoch auf in Richtung Kakadu National Park. Hier hoffe ich eventuell ein paar Krokodile zu sehen! Unser erster Stop dort ist der Gumlom Fall. Oben am Wasserfall sind ein paar nette Pools die zum Baden einladen. Von da oben hat man quasi den „open horizon“ Blick. Im Wasser schaut man über die Kante des Wasserfalls und hat das ganze Tal vor sich liegen. Gibt es etwas schöneres? Bestimmt, aber in diesem Moment eindeutig nicht! Ein toller Spot und ein tolles Gefühl! Wir übernachten auf einem Campingplatz mit Duschen. Duschen ist bei den Temperaturen total toll! Ist aber auch ziemlich zwecklos, da man kurze Zeit später eh wieder schwitzt. Die Nacht ist deshalb nicht ganz so erholsam wie sie vielleicht sein sollte. Außerdem sind mittlerweile 3 Moskitos im Van. Aber egal. Der nächste Tag beginnt früh, denn wir wollen ja viel sehen. Vor allem Krokodile! Die Twin Falls, eine der Hauptattraktionen können wir nicht anschauen, da es nur eine 4WD-Strecke dorthin gibt. Egal. Einige Lookouts und Walks später kommen wir zu Cahill´s Crossing. Wir halten nach Krokodilen Ausschau. Nix. Schade. Nur ein Auto das von den Wassermassen ein wenig mit gerissen wurde. Wir nächtigen auf einem Campingplatz. Die Moskitos pisacken mich schon beim Duschen. Im Van wird’s dann richtig schlimm. Es hört sich an, als wenn wir 1000 Moskitos im Van haben. Es fühlt sich auch bald so an. Man versucht welche zu erwischen aber ohne nennenswerten Erfolg. Hatte ich schon erwähnt, dass es zudem noch tierisch heiß ist? Wir schwitzen ganz schön, was in Anbetracht der ganzen Moskitos aber für mich uninteressant ist. Überall im Park sieht man Schilder die vor den Krokodilen waren, aber keine die vor Moskitos warnen! Ich werde ganz schön zerstochen! Ein Moskitonetz hatten wir ja nicht. Naja. Nächstes Mal! Morgens geh ich nochmal duschen und dann bloß weg hier. In Ubirr können wir sehr interessante Aboriginal-Felszeichnungen bewundern die zum Teil über 2000 Jahre alt sind. Faszinierend. Dazu gibt es hier den besten Ausblick vom ganzen Kakadu NP! Ein weiter Blick über nahe liegende Wetlands. Einfach nur großartig! Herrliche Natur! Wenn es Wetseason ist, hat dieser National Park bestimmt noch viel mehr zu bieten! Naja, keine Krokodile gesehen. Macht nix. Ich fahre heute mit Ben und Claire, die ich noch aus Albany kenne, in einen Krokodil Park. Da gibt’s bestimmt ein paar gute Schnappi-Bilder zu holen.

Mein Jahr hier ist nun um. In dem Jahr hier bin ich ungefähr 30.000 km gefahren. Der Zähler der Kamera sagt, das ich ungefähr die gleiche Anzahl an Bildern geknippst habe. In dieser Zeit habe ich in 11 verschiedenen Hostels übernachtet, was glaube ich ziemlich wenig ist. Buzzmobil sei Dank! Beinahe-Unfälle mit Kangeruhs hatte ich 5. Toi Toi Toi! Tote Kängurus auf der Straße habe ich ungefähr 327 gesehen. Anscheinend haben einige von euch auch regelmäßig meinen Blog hier gelesen. Circa 5000 Aufrufe und knapp über 100 Kommentare lassen mich hoffen, dass ihr hoffentlich ein wenig Spaß am Lesen hattet! In meiner Blogstatistik kann man auch sehen, wie manche der Leser im Internet auf meinen Blog gestoßen sind. Deshalb gibt’s jetzt hier meine Top 10 der tollsten Suchbegriffe die zu meinem Blog führten (Rechtschreibfehler sind absolut authentisch!)

Hier das mein Ranking

10. schweissfachhandel berlin

09. katze kuchen gegessen

08. pinguin fliegt

07. werbeschilder für frisör

06. ich hab ein komische elektro zeichen

05. geburtstagsgruß vom klempner

04. wie komme ich mit dem hammer vorwärts ma

03. angelrollen explosionszeichnung

02. kinder jeep ofenem koferaum 8 jare amazo

01. froschbilder zum ausmalen

So Kinners, falls irgendjemand von euch auf diesen Seiten die Froschbilder zum Ausmalen als Download finden sollte, dann gebt mir unbedingt Bescheid! Ich suche schon seit Wochen danach! So, morgen geht der Flieger. Irgendwie hab ich keine Zeit mehr, aber vom Prinzip her läuft das ja…

greetz

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Ist heute schon Donnerstag, Freitag? Nein, Robinson! Nein.

Ich warte. Worauf? Auf die richtige Zeit! Ist denn mit der Zeit hier etwas nicht in Ordnung? Generell tickt der Zeiger ja immer zu schnell, nun aber irgendwie zu langsam. Warum? Nun, ich sitze fest. Gefangen im Raum-Zeit Kontinuum von Tasmanien Ende April. An sich nichts Schlimmes, da diese Insel ja einiges zu bieten hat und man wahrscheinlich Wochen damit zubringen könnte, wirklich die entlegensten Winkel dieser einzigartigen Natur zu erkunden. Aber nein. Das Problem ist die Zeit. Ich bin nun seit 11 Monaten in Australien und gerade irgendwie gestrandet wie Robinson Caruso. Viel Zeit bleibt nicht mehr und ich möchte doch noch mehr sehen! Was definitiv bleibt, sind Eindrücke!

Ich werde den Eindruck nicht los, dass es hier im Cradle Valley nur im Sommer tolles Wetter gibt. Seit Freitag abends saß ich ja im Café und schrieb meinen letzten Blogeintrag. Am Sonntag sieht es immer wieder so aus, als wenn die Sonne es tatsächlich doch noch schafft ein ganz großes Loch in die Wolkenfront zu brennen. Die Überlegung war da, noch einmal zum See zu fahren und mit etwas Glück eventuell heute den Gipfel sehen zu können um ein paar nette Fotos zu machen. Hmmm, ich bin fertig mit dem Blog. Soll ich wirklich? Es regnet wieder. Das heißt aber nichts anderes, als das es zwischendurch nur schon einmal aufgehört hatte. Was tun? Ich entschließe mich dazu, diesen Ort hoch oben in den Wolken zu verlassen. Ich werde noch einmal zurückkommen um den Gipfel zu erklimmen. Ganz sicher! Und ganz sicher mit besserem Wetter im Gepäck! So springe ich auch flink in die Kommandozentrale des Buzzmobil´s um im in Richtung Heimat aufzubrechen. Scheibenwischer…check! Licht…check! Lüftung…check! Triebwerk zünden! Ähmm, Triebwerk zünden!? „Brücke an Maschinenraum…ZÜNDEN!“ Starkes Leistungsdefizit im Triebwerk. So scheint es zu mindestens. Ich orgele wie verrückt, aber der alte Diesel will einfach nicht so recht. Was ist los? Gestern war doch noch alles in Ordnung!? Zweiter Versuch. Dritter Versuch. Ich bemerke im Rückspiegel beim Orgeln große dicke Rauschschwaden, welche im Dickicht der hier massiv auftretenden und sehr tief hängenden Wolken kaum auffallen. Leichte Panik. Regel Nummer 1: Ruhe bewahren. Noch ein Versuch und es wird klappen! Nix da. In meinem Kopf bildet sich langsam ein Gedankennetz welches nach Lösungen sucht. Was ist nur los? Das Buzzmobil hatte mich doch noch nie im Stich gelassen! Wie komme ich nur von dem Berg wieder runter? Sollte ich jetzt schon den RAC anrufen? Touristen zusammensuchen und fragen ob sie mich anschieben? Selbst das obligatorische Aussteigen, ums Auto laufen und erneute Versuchen bringt keinen Erfolg. Draußen ist es nass und kalt. Kalt. Kalt? Kalt! Wäre ich jetzt bei Jeopardy würde die Situation wie folgt aussehen: Wissenschaft und Technik für 500 bitte! …..Diesen benutzt man um kalte Motoren bei niedrigen Temperaturen zu starten….*im Hintergrund startet nun die überaus rätselhaft klingende Ratemelodie* Toll! Ich hab´s: Wozu dient der Choke am Auto? 500 Punkte gehen ohne Umwege auf mein Ratekonto. Wenn sich jetzt noch mit dem Choke der Motor starten lässt, dann kann ich sogar verdoppeln! Super! Anscheinend ist es draußen schon so kalt, sodass es ohne Choke nicht mehr geht! Den Choke hatte ich schon ganz vergessen. Hatte ich auch das erste und letzte Mal vor rund 10 Monaten benutzt! Ist auch nur ein kleines schwarzes Knöpfchen in einer unscheinbaren Ecke der Kommandozentrale. Ich dreh den Choke rein. Ein kurzes Gebet. Ich orgele und pumpe wie verrückt das Gaspedal. Kein Erfolg. Es muss aber! Ich dreh den Choke bis nix mehr geht. Ein Stoßgebet. Orgeln! Pumpen! Ja, ja, ja, los komm schon! Komm mach! Ja, ja, ja fast! Ich lasse nicht locker! Weiter pumpen und orgeln! Irgendwann rummst es gewaltig und das Triebwerk scheint zu laufen. Noch etwas unrund, aber es läuft! Success! Triebwerkcheck…läuft. Heizung…läuft. Antischwerkrafthebel…gelöst. Radio…läuft. Ich rolle vom Parkplatz als wäre nie etwas gewesen. Bloß weg hier! Ab nach Launceston! Kaum runter vom Berg sieht man auch die Sonne. Permanent! Unglaublich, aber diese hohen Berge sind echt ne Wettergrenze. 20 Minuten nach Abfahrt habe ich bestes Reisewetter!

In Launceston ist anscheinend immer gutes Wetter! Hatte ich hier noch keinen Tag erlebt, an dem es doll regnete oder dergleichen. Verrückt. So macht das Arbeiten auf der Apfelfarm auch Spaß. Kein Regen. Das ist gut! Die Woche über sind wir alle damit beschäftigt die Apfelbäume weiter von Blättern zu befreien um den verbliebenen Äpfeln mehr Sonne zu gönnen. Ich beschließe, dass dies meine letzte Woche auf der Apfelfarm sein wird. Ich möchte noch ungefähr 2 Wochen in Tasmanien reisen und dann zurück aufs Festland. So ist der Freitag mein letzter Tag bei Apple. Ich verabschiede mich von Justin, esse einen letzten Apfel und mache mich auf den Weg nach Launceston. Nächstes Ziel: Coles Bay. Hier wollte ich meine Rundreise um Tasmanien starten. Die Fahrt in der Dunkelheit ist ganz schön anstrengend. Links, rechts, hoch rund runter und hinter jeder Bergkuppe kann ein Wallaby oder Opossum sitzen. Konzentration! Ich habe Glück und die meisten Viecher springen in die Büsche und nicht auf die Straße! Da genießt man das Gläschen Wein abends in Coles Bay mit Malte, Aki und Jacob gleich doppelt.

Bei meinem letzten Coles Bay Besuch bin ich mit Malte auf den Mt. Amos geklettert. Von da hat man einen sehr guten Blick auf die Wineglass Bay. Was schau ich mir als nächstes an? Der Freycinet National Park ist schön und nur durch einen Walking Track zu erkunden. Oder mit dem Kajak? Ich entscheide mich zu laufen und schmiede den Plan für den nächsten Tag den Peninsula-Walk zu absolvieren. Schon hat Malte die entsprechende Karte zur Hand. Wo soll ich langgehen? Welche Richtung? Wie viel Gepäck? Gepäck? Hallo!? Ich lauf den Circuit an einem Tag! Große Augen schauen mich an. Nein, es handelt sich um einen 2 Tages Track, sagt man mir. Was!? Schaut doch mal auf die Karte! So lang ist das Ding doch auch nicht! Hier 3 km, dort 5 und hier noch ein bisschen und dort noch ein bisschen. Und überhaupt zweifle ich an der Richtigkeit des abgebildeten Maßstabes der Map. Wir diskutieren. Ja, nein, ja, nein…überlege doch mal…wer hetzt dich denn? Stimmt, wer hetzt mich denn? Malte holt den Lonely Planet raus. Dieser sagt ganz klar: die Länge des ganzen Walks ist 34 km. 34 km? Hmmm, kann man an einem Tag schaffen sage ich. Die Meinungen gehen auseinander. Aki meint: das schaffst du nicht! Das reizt mich natürlich noch mehr es zu mindestens zu versuchen! Aber gut. Ich lasse mich am Ende breitschlagen. Ich  mache den Track über 2 Tage. Malte gibt mir sein Zelt. Ich teile mir den Track in 2 Hälften und beschließe gegen den Uhrzeigersinn zu laufen. Das heißt ich werde am 2. Tag auf den Mt. Graham klettern. Der Gipfel liegt genau auf dem Walking-Track. 579 Meter hoch. Der nur etwas höhere Mt. Freycinet ist der höchste Berg hier im National Park. Den muss ich aber nicht machen denke ich mir. Samstag Morgen. Ich mache eine kleine Liste von Dingen die ich mitnehme. Ganz oben auf der Liste steht natürlich Wasser. Entlang des Walks gibt es 3 Campingplätze mit Regenwasser-Tanks welches man als Trinkwasser benutzen kann. Ich entschließe mich dazu lieber mein eigenes Trinkwasser mitzunehmen. Gibt ja nix Schlimmeres als ohne Trinkwasser dazustehen und wer weiß wie voll die Tanks sind und wie sauber das Wasser ist! Das heißt zwar etwas mehr Gewicht im Backpack, aber ich bin bereit die Extra-Kilos zu schleppen. 5 Liter plane ich ein. Etwas Essen wäre nicht schlecht. Kekse sind leicht. Im örtlichen Shop will ich mir noch etwas Obst und irgendwas anderes holen. Auf allzu viel Kleidung verzichte ich, da die Wettervorhersage sehr gutes Wetter vorhersagt. Ich krame meinen großen Backpack aus dem Van und beginne zu packen. Das letzte Mal hatte ich den Backpack benutzt kurz bevor ich den Van gekauft hatte. Seitdem lag er dort unbenutzt herum. Man ist das Zelt schwer! 5 kg das Wasser, 5 kg das Zelt und circa 5 kg für den ganzen Rest wie Essen, Kamera, Taschenlampe etc. Ich lande am Ende bei circa 15 kg. Der Backpack ist damit ungefähr genauso schwer wie bei meiner Abreise aus Deutschland. Verrückt. 15 kg fühlen sich gar nicht so schwer an. Momentan jedenfalls noch nicht! In der Bäckerei noch schnell einen letzten Cappuccino auf die Hand und dann los. Mittlerweile ist es 10.40 Uhr als ich mich am Carpark des NP ins Walkers-Register eintrage. Wird auch langsam Zeit, denn der halbe Tag ist fast rum. Das erste Stück führt hinauf zum Wineglass Bay Lookout. Das heißt gleich bergauf laufen. Kein Problem! Mit meinem Marschgepäck fliege ich den Berg hoch, vorbei an all den Tagestouristen, Rentnern und all den Couch-Potatoes (wehe es hagelt jetzt Anspielungen auf das schwarze Ledersofa!), welche schon mit dem Tragen einer 500ml Wasserflasche konditionell an ihre Grenzen stoßen. Keine Zeit für Einzelschicksale! Okay, ich schwitze ein wenig. Aber mit 15 kg auf dem Rücken bei strahlender Berge hochkraxeln ist vermutlich auch einfach schweißtreibend. Ein kleines Päuschen am Coles Bay Lookout dann weiter hinauf zum Wineglass Bay Lookout. Gelegenheit den Backpack mal beiseite zu stellen. Durch atmen. Fotos machen. Der Lookout ist quasi auch die heutige Bergetappe. Der Rest der zu bewältigenden Tagesstrecke ist relativ flach. Ich streife mir gedanklich das rot gepunktete Trikot des Bergwertungsführenden über und setze meinen Weg fort. Es geht bergab. Juhu! Unten am Beach angekommen gönne ich mir eine kleine Fotopause. Aber allzu viel Zeit will ich nicht verplempern, denn  es gilt noch einige Kilometer zu bewältigen. Ich gehe nun auf dem Isthmus Track, der mich von der Ostseite der Halbinsel an den Hazards Beach auf der Westseite führt. Hier sieht man mal wieder, wie Landschaft aussieht, wenn der Mensch kaum eingreift. Umgefallene Bäume, welche mit Moos bedeckt sind und langsam vor  sich hin rotten und mir den Kreislauf der Natur verdeutlichen. Alles sieht sehr urig und grün aus! Herrlich! Der Hazards Beach ist toll! Weiter Sandstrand mit türkisblauem Wasser. Kaum andere Touristen. Im Hintergrund sieht man Mt. Graham und Mt. Freycinet. Ich verweile ein wenig und genieße. Während die anderen Touristen sich alle nördlich Richtung Zivilisation bewegen, gehe ich weiter in Richtung Süden. Weiter hinein in den National Park. Ein wirklich schönes Gefühl hier den Strand entlang zu wandern. Gott sei dank ist der Sand relativ fest und es lässt sich gut laufen. Am Ende des Beach befindet sich das erste Bushcamp. Ich schaue mich kurz um. Niemand da. Weiter geht’s. Nun führt laut Map der Weg für ein paar Kilometer durch den Bush. Wo ist der Weg? Muss doch hier irgendwo sein. Ich suche, gehe zurück, suche erneut und lande immer wieder nur bei der Bushtoilette. Verdammt! Wo ist der Track!? Nach 10 Minuten finde ich endlich den Baum mit dem wegweisenden Pfeil drauf. Etwas schwer zu finden. Ich bin dann aber erleichtert und setze meinen Weg fort, nachdem ich mich doch kurzzeitig etwas aufregt hatte. So richtig hatte dies aber niemanden interessiert. Warum auch? Ich war ja allein. Allein irgendwo im Busch. Langsam bahne ich mir den Weg durch den Wald. Hoch und runter. Links und rechts. Mal über Bäume. Mal über kleine Flüsschen. Plötzlich begegne ich einem anderer Walker. Ein  kurzer Chat. Er geht den Circuit an einem Tag. Er trägt nur eine Wasserflasche und seinen MP3-Player mit sich herum. Er ist am frühen Morgen gestartet und hat bereits den Großteil des Tracks bereits hinter sich. Es ist also zu schaffen, denke ich mir. Irgendwann bin ich auch endlich aus dem Bush heraus. Kurzes Päuschen. Einige Minuten später kommt ein anderer Walker mit Backpack aus dem Bush. Sichtlich verausgabt. Er hat auch unübersehbar etwas mehr Gepäck als ich.

Mittlerweile ist es nachmittags und die Sonne steht schon recht tief. Um 6 Uhr abends ist es dunkel. Seit der Zeitumstellung wird es schon recht früh dunkel. Weit ist es nicht mehr zum nächsten Campingplatz. Dort will ich die Nacht verbringen. Vor mir liegt der nächste Strand. Vermutlich nicht einmal mehr 1 Stunde laufen und ich bin da. Ich kann das Ende des Strandes in der Ferne sehen. Auf dem Strand sehe ich andere Walker in Richtung des Camps laufen. So passiert es, dass ich dort relativ zeitgleich mit 2 anderen ankomme. Wir tauschen uns ein wenig aus. Manu (FRA) und Marius (SWI) scheinen 2 nette und lustige Gesellen zu sein. Wir bauen Zelte auf tauschen uns weiter aus. Bald wird’s dunkel. Marius und ich machen noch einen Walk zu Bryan´s Beach um uns den Sonnenuntergang dort anzuschauen. Leider ziehen sich am Horizont die Wolken zusammen, sodass daraus nicht viel wird. Das Schlendern am Strand gibt mir Gelegenheit endlich die Schuhe auszuziehen. Den Füßen tut das ganz gut. Die linke Wade ist mittlerweile recht hart geworden und erschwert das Gehen doch ein wenig. Ich beschließe nicht mehr weiter zu laufen und meine Wade ein wenig zu massieren und zu relaxen. Marius möchte zum Ende der Bay laufen. Wir trennen uns. Einfach nur herrlich das Gefühl am Strand zu sitzen, die richtige Musik im Ohr, der Ozean vor einem und etliche Kilometer hinter einem. Die Dunkelheit kommt unaufhaltsam. Ich beschließe zurückzugehen und das restliche Tageslicht zu nutzen um durch den Wald zurück zum Camp zu gehen. Eine Taschenlampe hatte ich zwar mitgenommen, aber selbst damit ist es nicht unbedingt einfach den Track im Dunkeln zu finden. Mit dem allerletzten Tageslicht komme ich im Camp an. Mittlerweile hüpfen Wallabys und allerlei anderes Getier munter durch das Camp.

Manu hatte in der Zwischenzeit etliche Muscheln von beachtlicher Größe am Strand gesammelt. Alle mitnehmen kann er nicht. Zu wenig Platz im Gepäck. Er tut sich sichtlich schwer die richtige Auswahl zu treffen. Zurücklassen möchte er eigentlich keine. Wer keine Probleme hat, der macht sich eben welche. Der Gedanke mir noch mehr Gewicht in den Backpack zu laden löst bei mir nur Kopfschütteln aus, zumal ich von meinen 5 Litern Wasser bisher auch nur circa 0,7 Liter verbraucht hatte. Mein Backpack ist bisher also nur unwesentlich leichter geworden. Manu hingegegen hatte seinen Wasservorrat am Regenwasserspeicher aufgefüllt. Wie er kurze Zeit später feststellte, sind im dem Wasser doch etliche Moskitolarven die darin munter umher schwimmen. Nun bin ich doch recht froh die 5 Liter sauberes Wasser mitgeschleppt zu haben. Ich gebe ihm nen Liter ab. Ich brauche wohl nicht soviel. Mein Plan für den nächsten Tag beinhaltet frühes Aufstehen. Allzu gerne würde ich den Sonnenaufgang auf dem Mt. Graham erleben. Manu ist von der Idee begeistert und schließt sich mir an. Vom Camp sind das mindestens 2 Stunden Walk bis zur Spitze, wenn nicht sogar 3 Stunden. Meine Kalkulation besagt, dass wir um spätestens 4 Uhr starten müssten um spätestens um 7 Uhr auf dem Gipfel zu sein. Sonnenaufgang ist so zwischen 6.30 Uhr und 7 Uhr.

Morgens um viertel vor 4 weckt mich dann auch mein Alarm. Zum Zusammenpacken brauche ich nicht viel Zeit. Vom Zelt hatte ich eh nur den Innenteil aufgebaut, da es draußen warm genug war. Manu braucht etwas länger. Vermutlich um die Muscheln fachgerecht zu verstauen. Wir starten. Ein Blick auf die Uhr. Schreck! Mittlerweile ist es bereits halb 5. Verdammt! Nun aber fix. Den Strand müssen wir wieder zurückgehen um zum Peninsula-Track zu gelangen. Der Mond leuchtet hell über dem Strand. Eine Taschenlampe ist nicht nötig. Relativ ausgeruht kommen wir auch rasch vorwärts. Ein tolles Gefühl dort im Dunkeln am frühen Morgen lang zuwandern. Am Start des Tracks zum Mt. Graham geht’s auch gleich wieder bergauf. Doch nicht zu steil, was sehr gut ist. Kaum darüber gefreut, wird’s recht steil. Schweiß. Wir müssen strategische Pausen machen. Immer wieder ein Blick auf die Karte. Wo müssten wir jetzt sein? Wie weit ist es noch? Wie liegen wir in der Zeit? Hmmmm, weiter. Keine Zeit. Nach gut 1 Stunde kommen wir zum East Freycinet Saddle. Das ist gut, denn jetzt geht’s kaum noch bergauf was das Gehen erheblich erleichtert. Durch die Bäume kann man schon sehen, dass sich der Himmel langsam anfängt zu erhellen. Ein leicht rötlicher Schimmer am Horizont. Die Zeit drückt! Weiter! Mittlerweile ist es kurz nach 6 Uhr. Wir können nicht mehr weit sein  von der Kreuzung. Links geht es auf den Mt. Freycinet. Rechts auf den Mt. Graham. Manu möchte ersteren erklimmen. Wir erreichen die Kreuzung gegen halb 7. Viel zu spät wie ich finde. Nicht viel Zeit sich zu verabschieden. Ich gebe Manu noch etwas von meinem Wasser und fange an zu klettern, denn der Track geht jetzt doch recht steil nach oben. Der Gipfel scheint immer noch in weiter Ferne. 45 Minuten später bin ich dann oben. Ja! Geschafft! Ein Jubelschrei! Das war anstrengend! Aber, geschafft! Ein riesiger runder Fels auf dem Gipfel ist genau der richtige Aussichtspunkt. Vor mir liegt der ganze National Park mit der Wineglass Bay und den Hazards welche durch das morgendliche Licht der noch tief stehenden Sonne aussehen wie Mönche die sich zum allmorgendlichen Gebet der Sonne zu wenden. Toll! Ich knipse dieses wirklich atemberaubende Bild wieder und wieder. Es ist wie eine Sucht. Zu schön ist dieser Anblick! Das Shirt ist längst durchgeschwitzt vom Aufstieg und immer noch kalt nass. Gott sei Dank ist hier oben kaum Wind zu spüren. Langsam fängt die Sonne an mich zu wärmen. Einfach nur herrlich dieser Moment. Die ausgewählte Musik vermittelt wieder sofort das Gefühl von Weite und Freiheit! Was wäre so ein Moment auch ohne die richtige Musik? Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt, genau wie der anstrengende Aufstieg! Über 2 Stunden sitze ich auf dem Felsen. Zu fesselnd ist dieser Anblick einfach! Irgendwann kommt Manu mit seinem Backpack. Er hatte in der Zwischenzeit den Mt. Freycinet erklommen und dies war nun seine zweite Bergbezwingung des Tages. Er klettert zu mir auf den Fels und wir genießen den Ausblick gemeinsam. Es ist mittlerweile 10 Uhr. Zeit für den Abstieg. Dieser führt auf die andere Seite des Berges. Diese ist weniger steil. Das ist gut. Berg hinauf laufen ist eine Sache, aber den Berg hinunter eine andere. Der Track führt nun entlang des Bergrückens zum anderen Ende der Wineglass Bay. Gute 2 Stunden später erreichen wir den Strand. Ich bin froh und erschöpft. Die Knie wollen eigentlich nicht mehr weiter laufen. Der Kopf will aber. Ich verabschiede mich von Manu der an dem am Strand gelegen Campingground noch eine Nacht bleiben möchte. Einen Liter Wasser fülle ich ihm noch ab. Einer bleibt für mich und den Rest der Strecke. Ich will weiter. Vor mir liegt der Weg entlang des ganzen Strands. Toll! Nach einigen Metern wird mir klar, das der Sand nirgendwo etwas fester ist. Verdammt! Nach der Hälfte des Weges darf eine Pause sein. Den Backpack abschnallen und einfach da sitzen und aufs Meer schauen. Aber es nützt nichts. Ich muss weiter, wollte ich doch am frühen Nachmittag wieder zurück sein um mich von Aki zu verabschieden die nach Hobart fährt. Puh, irgendwann erreiche ich den Anfang des Strandes. Ja, es ist nicht mehr weit! Ein kleines Päuschen. Jetzt muss ich nur noch hoch zum Lookout und auf der anderen Seite herunter zum Auto. Ja, ich wusste es schon die ganze Zeit. Am Ende kommt nochmal der Hammer. Die letzte große Bergetappe. Mein L‘Alpe d’Huez  vom Freycinet National Park. Ich hätte auch einen Umweg von circa 5 Kilometern laufen können, um dieser letzten Bergetappe zu entgehen. Nein, drum drücken is nicht! Ich muss! Das Bergtrikot will ich auf jeden Fall verteidigen! Jeder Schritt und jede Stufe kostet Kraft. Kraft, die ich eigentlich schon auf den letzten 32 km liegen lassen habe. Die Pausen die ich brauche, haben sich in den letzten 3 Stunden gehäuft und gedehnt. Ich schleppe mich den Berg hoch. Junge Couch-Potatoes die nur mit einer 500ml Wasserflasche bewaffnet sind, ziehen an mir vorbei wie ein deutscher Oberklasse-Wagen an einem Paul-Schockemöhle 18 Tonner auf der Autobahn. Eine Pause wird von meinen Konditionssensoren nun alle 2,7 Minuten verordnet. Irgendwann werd ich da oben schon ankommen und dann geht’s wirklich nur noch bergab! Ich stelle die Musik um auf The Mars Volta. Ich hoffe so die letzten Kraftprozente aus meinen Beinen kitzeln zu können. Ja, es hilft. Es hilft wenn auch nur wenig, aber es hilft. Ich sehe das Zeichen für den Lookout. Ja, oben. Erleichterung. Ja. Ja. Ja. Der Rest ist ein Klacks. So denke ich jedenfalls. Die Knie schmerzen nun und wollen eigentlich nur noch Entspannung. Ich brauche nun sogar auf dem Weg bergab Pausen. Egal. Jeder Schritt bringt mich näher dem Auto. Zwischendurch geht es wieder ein Stück bergauf. Warum? Hallo! Bergab! Es muss doch runter gehen! Man, kann doch nicht wahr sein! Mittlerweile ist der letzte Tropfen Wasser verbraucht. Ich sehe den Carpark! Nur noch schnell aus dem Walkers Register austragen und dann zum Auto hinsetzen. Hinter dem Van sitzt ein Wallaby und frisst. Ich habe noch die nötige Kraft um die Kamera herauszuholen und Fotos zu machen. Fertig. Einsteigen und losfahren. Stört das Wallaby irgendwie nicht so recht, dass es im Weg sitzt. Mich auch nicht. Wird schon weg springen wenn ich langsam ausparke. Hoppelt dann auch weg. Warum hab ich mir eigentlich kein Wallaby mitgenommen um meinen Backpack zu tragen? Damn it! Schnell zum Sharehouse von Malte. Ich öffne ein Bier. Das hab ich mir irgendwie verdient (bilde ich mir jedenfalls ein).

Nachdem ich den Rest des Vortages überwiegend mit Entspannung verbracht habe, stand der neue Tag in Zeichen des Aufbruchs. Es solle weiter gehen. Mit Malte frühstücke ich noch bevor ich mich aufmache in Richtung Süden. Ich solle wiederkommen meinte Aki am Vortag. Hmmm, mal sehen. Kann gut angehen. Kurz von Malte verabschiedet und schon bin ich on the road. In Swansea mache  ich kurz halt. Nahe des Strandes halte ich auf einem Seitenstreifen. Fotos machen. Swansea befindet sich auf der anderen Seite der Bucht, sodass man den am Vortag erklommenen Berg von einer anderen Seite aus der Ferne sehen kann. Toll! Ok, weiter. Es geht aber nicht vorwärts. Was ist das? Rückwärts! Nix da. Aussteigen und nachsehen. Na toll! Unter dem Grün auf dem Seitenstreifen zeigt sich feinster Sand. Ich stecke fest. Ich beseitige etwas den losen Sand und starte einen erneuten Versuch. Kein Erfolg. Ich finde ein herumliegendes Brett welches in früherer Zeit offensichtlich als Touristenwegweiser gedient hat. Ich klemme es unter eines der Antriebsräder und muss nach zwei weiteren Versuchen erkennen, dass ich fremde Hilfe benötige. Zu sandig der Untergrund. Der Van lag schon fast auf. 50 Meter weiter machte ein Camperpärchen gerade Lunch. Das ist definitiv ne Chance, denn er hat immerhin ein kraftvolles 4WD Fahrzeug vor seinem Wohnwagen. Ich frage ob sie mir helfen können. Kein Problem! 10 Minuten später zieht mich der 4WD aus der Misere. Erleichterung! Ich bedanke mich mehrfach und mache mich aus dem Staub.

Der Weg führt mich zwischen Bergen und entlang von Flüssen und Seen auf die Tasman Peninsula. Tolle Strecke von Coles Bay da runter. In Eagle Hawk Neck schaue ich mir ein paar Lookouts an. Weiter in Richtung Port Arthur. Auf dem Weg sehe ich noch ein kleines Schild welches auf einen Lookout in einigen Kilometern Entfernung hinweist. Da muss ich hoch! Die Strecke entpuppt sich schnell als Herausforderung! Grobe Gravelroad mit einigen Schlaglöchern die mich recht steil nach oben führt. Alles im 2. Gang sonst geht da nix! Ganz oben hat es sich ein anderer Camper bereits recht gemütlich gemacht. Der Ausblick auf die Bay ist fantastisch. Ich befinde mich nur knapp unterhalb der Wolken. Der Camper meint aber, dass es Seenebel ist. Mir egal, ich bin nur froh dass ich hier hoch gefahren bin. Aber viel Zeit bleibt nicht, denn es ist bereits später Nachmittag und ich will noch bis Port Arthur kommen. Also den ganzen Berg wieder herunter. Das ist fürs Gefährt wesentlich einfacher. Fast unten kommt noch mal ein recht steiles Stück. Ich bremse ein wenig. Einen Wimpernschlag später registriere ich, dass das Hinterteil meines Gefährts mittlerweile doch bedenklich stark seitwärts rutscht und ich mit dem Vorderteil rechts auf den Abgrund zusteuere. Wie tief es dort heruntergeht kann ich nur erahnen. Definitiv mehr als 20 Meter. Generell bleibt aber auch nicht viel Zeit um darüber nachzudenken. Ich will da nicht runter! Nicht da! Wahrscheinlich kommt auch hier wieder jahrelange Videospielerfahrung zum Tragen, denn instinktiv handle ich richtig. Die Bremse lösen und gegenlenken! Das Hinterteil des Vans schwenkt nun um nach rechts und rutscht nun in Richtung eines Baums nahe des Abgrunds. Ich wieder hole das Manöver und fange den Wagen irgendwie ab. Walter Röhrl hätte es nicht besser machen können. Naja, vielleicht doch. Immerhin hatte er ja allradgetriebenes Material mit entsprechender Bereifung zur Verfügung. Ja, man sollte die Grenzen seines Gefährts kennen. Ich denke über ein neues Gefährt nach.

Port Arthur. Ich komme kurz vor Sonnenuntergang dort an. So eine richtige Stadt scheint es nicht zu sein. Schnell wird mir auch klar warum. Port Arthur war in vergangenen Zeiten eine Kolonie für Strafgefangene, welche sich wiederholt schuldig gemacht hatten. Australien wurde ja zum Teil mit Strafgefangenen besiedelt. Port Arthur war quasi eine besondere Art einer Strafkolonie. Kaum ein Chance zum Flüchten über Land, da in Eagle Hawk Neck die Halbinsel gerade mal 100 Meter breit war und von Hunden bewacht wurde. Heute zeigt die recht gut erhaltene historische Anlage das Leben wie es damals dort stattgefunden hat. Für einen richtigen Rundgang auf dem recht großen Gelände ist es schon zu spät und zu dunkel. Ich kaufe stattdessen ein Ticket für die bald startende Ghost-Tour. Genau mein Ding! Die anderthalb Stunden bis zum Start sind perfekt um mir ein pikantes Nudelgericht auf dem Parkplatz zu zaubern. Die Ghost-Tour startet. Der Guide ist toll! Er schafft es die Dunkelheit und Kulisse mit seinen Geschichten mit einen mystischem Schleier zu bedecken. Die Ordner über Geistersichtungen hier sind zahlreich und voll, sagt er. Kann man sich auch gut vorstellen, wenn man bedenkt das hier jahrelang Gewalt, Folter, Leid und Tod an der Tagesordnung waren. Er gibt einige Geschichten von Besuchern zum Besten. Ist er nur ein verdammt guter Schauspieler oder sind die Geschichten die er erzählt so echt und wahr, dass es nicht viel bedarf um einem die Nackenhaare zu sträuben? Einigen in der Gruppe sieht man, dass ihnen nicht ganz mulmig zu Mute ist. Ich halte Augen und Ohren offen, hatte aber am Ende keine paranormalen Aktivitäten gesehen. Jemand anderes aus der Gruppe auch nicht. Manche knippsten mit ihren Digitalkameras in jede Ecke, jeden Raum und jedes Fenster um eventuell auf den Bildern irgendeine paranormale Aktivität festhalten zu können. Ich fand es auf jeden Fall sehr spannend und unterhaltsam. Die meisten anderen auch.

Im Dunkeln fahre ich noch ein paar Kilometer weiter zu den Remarkable Caves. Auf dem Parkplatz  übernachte ich. Im Hintergrund das starke Tosen der Wellen. Am Morgen sehe ich dann auch etwas von der Umgebung. Die Caves fand ich jetzt nicht so spannend. Egal. Wo geht’s als nächstes hin? Den Rest der Tasman-Peninsula befinde ich spontan als nicht mehr so spannend. Also mache ich mich auf in Richtung Hobart. Bei der Fahrt über eine große Brücke die direkt ins Centrum der Stadt führt kann man bereist den 1271 m hochen Mt. Wellington sehen, der hoch über die Stadt ragt. Imposant! Ok, was mache ich in Hobart? Ich schlendere ein wenig durch die Einkaufsstraßen und gehe ins Internet um die nächsten Reiseziele auszukundschaften. Mt. Wellington. Da will ich hoch. Im Dunkeln steuere ich die sich schlängelnde Straße hinauf. Immer weiter. Oben ist es ganz schön windig. Dafür kann man ganz Hobart sehen. Zu mindestens die Lichter der Stadt! Jepp, das ist toll! Ich beschließe hier am frühen Morgen hoch zukommen um Fotos zu machen. Ich fahre wieder runter und parke auf einem windgeschützten Parkplatz etwas tiefer vom Gipfel. Der Morgen ist fantastisch! Nahezu wolkenfrei und strahlend blauer Himmel. Ich fahre wieder hinauf. Niemand anderes da. Und dann wow! Was für ein Ausblick! Man kann ringsum die Gipfel weit entfernter Berge sehen. Die Stadt liegt noch ganz verschlafen eingehüllt unter einer Nebel-Wolken-Decke. Was für ein Anblick!  Atemberaubend! Ich kann mich nicht daran satt sehen, wie diese Decke langsam über die Stadt wandert und sich nur langsam auflöst. Einfach nur atemberaubend! Langsam kann man das erwachende Leben erkennen. Toll! Auf der anderen Seite des Berges, schiebt sich langsam eine dicke Wolkenfront in meine Richtung. Man sagt hier, wenn man hinter den Berg schaut, dann kann man das Wetter des ganzen Tages sehen. Scheint ein ziemlich grauer Tag zu werden. So ist es dann auch. Nachdem ich wieder hinunter gefahren bin, checke ich noch im Internet das Wetter der nächsten Tage. Regen. Überall Regen. Na toll! Nicht das beste Wetter um nach Bruny Island rüber zu setzen. Ok, dann geht’s eben Richtung Westen in die Wilderness. Wie der Name schon sagt: viel Wildnis! Aber bevor ich aufbreche, benötige ich noch 2 Dinge. Da sind zum einen Vorräte und zum anderen ne Dusche. Vorräte gibt’s im Supermarkt. Ne kostenlose Dusche? Wahrscheinlich in einem der Hostels in der City. Ich checke kurz im Lonely Planet die Hostels und markiere diese in meiner Map. Das erste ist auch gar nicht so weit. Wie lautet die Vorgehensweise? Ok, ich schlendere unauffällig rein und wenn jemand dumm fragt, dann will ich nur mal schauen und mich auf den Boards umschauen. Dort gibt’s ja immer Liftoffers oder jemand versucht sein Auto zu verkaufen. Nachdem ich endlich den Eingang gefunden hatte, muss ich ich hoch in den 2. Stock. Auf der Treppe kommt mir eine gar reizende junge Dame im Eilschritt entgegen. Ich vermute, dass sie an der Reception im Hostel arbeitet und  nur mal schnell zum Zeitschriftenfachgeschäft um die Ecke sprintet, um sich die neueste Heimwerker-Zeitschrift gegen Langeweile zu besorgen. Im 2. Stock angekommen, stehe ich direkt vor der Rezeption. „I´m back in 5 minutes“ steht auf dem Schild welches ganz einsam auf dem Tresen postiert ist. Hmmmm, und ich denke mir „…and i´m already gone in 5 minutes“. Die Dusche finde ich auf Anhieb. Nicht schön, aber da ist man nicht wählerisch. ´Jetzt nur kein Stress´, denke ich mir beim Duschen. Wenn ich lange genug dusche, dann hat die reizende junge Dame die Zeitschrift schon durchgelesen und telefoniert bestimmt schon mit ihrer besten Freundin und bemerkt mich gar nicht. Irgendwann bin ich fertig. Auf dem Flur ist ganz schön was los. Ich gehe auf den Flur. Nur die Putzfrau. Ok. Weiter. Ich schaue um die Ecke in Richtung Rezeption. So richtig ist niemand zu sehen. Toll! Ich gehe weiter. Dann plötzlich sehe ich sie. Seelenruhig sitzt sie da und schaut mir zu wie ich vorbei in Richtung Treppe gehe. Jetzt nicht stoppen oder unauffällig wirken. Obwohl ich eigentlich gegen einen kurzen Chat mit ihr nichts einzuwenden hätte, hoffe ich, dass jetzt keine dummen Fragen kommen! Einfach nur raus. Alles spielt sich ab wie in Zeitlupe. Ich vermeide Augenkontakt. Im Augenwinkel sehe ich wie sie den Mund öffnet. Nein, keine Fragen! Kein Gespräch. Am besten noch wer ich bin, wie ich heiße und was ich hier mache. Nein! Stattdessen wünscht sie mir einen schönen Tag! Toll! Ich murmele ihr auch einen schönen Tag zu. Meiner ist jetzt schon schön! Vom Prinzip her läuft das ja, denke ich mir und freue mich während ich versuche nicht zu überhastet die Treppe hinunter zu gehen. Nett war sie!

Frisch geduscht und mit neuen Vorräten mache ich mich auf die Stadt zu verlassen. Nächster Stop soll der Mt. Field National Park sein. Dort sind auch die Russell Falls, die ich schon auf unzähligen Bildern gesehen habe. Ich suche mir ein nettes Plätzchen in der Nähe des Eingangs. Schnell den Campingkocher in Gang bringen um ein leckeres Curry zu kochen, bevor es dunkel wird. Am nächsten Morgen bin ich schon recht früh wach. Es ist nebelig. Oder doch wolkig? Keine Ahnung, so richtig hab ich das noch nicht herausgefunden. Hier in den Bergen scheint es morgens immer ein wenig nebelig zu sein. Ich fahre zum Besucher-Center im National Park. Das macht leider erst in 2 Stunden auf. Das gibt mir Gelegenheit schon mal zu den Russell Falls zu gehen. Durch den Nebel wirkt der ganze Regenwald sehr interessant. Fehlt nur noch, dass Indiana Jones gleich irgendwo aus dem Bush kommt. Leider hat der Wasserfall im Moment nicht so viel Wasser. Im Winter sieht er mit mehr Wasser bestimmt wesentlich eindrucksvoller aus. Egal. Ich wandere noch ein wenig durch den  Wald in dem die höchsten Bäume ein Höhe von circa 90 Metern erreichen. Man kann die Wipfel kaum sehen, da immer noch der Nebel wie ein Gespenst durch den Wald zieht. Langsam kann man aber die Sonne erkennen, welche es immer mehr schafft sich einen Weg durch den Schleier zu bahnen. Schwierig diese besondere Atmosphäre mit der Kamera einzufangen. Irgendwann komme ich dann auch wieder am Info Center an, welches nun geöffnet hat. Den Mt. Field besteigen will ich nun nicht unbedingt, aber zu mindestens den Weg hinauf fahren und eventuell ein paar Fotos von einem der Lookouts machen. Am Fuße des Berges stehen 2 Mädels an der Straße. Sie trampen. Ich halte und nehme die beiden mit den Berg rauf. Marysa (SWI) und Delphine (FRA) trampen durch ganz Tasmanien und haben schon etwas mehr gesehen als ich. Wir tauschen uns auf der Fahrt hinauf ein wenig aus. Oben will ich die beiden zu mindestens bis zum Lookout begleiten. Ein sehr schöner Track um einen See herum. Der Lookout entpuppt sich als Enttäuschung. Zu viele Bäume versperren die Sicht. Ok, dann eben höher zum nächsten. Die Vegetation da oben ist irgendwie anders. Interessant anders. Viel höher will ich dann aber nicht klettern, da ich heute noch weiter will und tiefer in die Wilderness Region vorstoßen möchte. Die 2 sind ganz lustig. Ich sowieso. Sie beschließen mich spontan zu begleiten, da sie erst am nächsten Tag nach Hobart trampen wollen. Die Straße die dort in die Wildnis führt endet ungefähr 100 km weiter an einem See und man muss unweigerlich den gleichen Weg auch wieder zurück fahren so fern man kein bushtaugliches Allrad-Gefährt hat. Der Weg führt zwischen Bergen und Seen vorbei an diversen Lookout´s an denen wir halten. Auf der Straße durch die Wälder kommen uns allerhöchstens ein paar mit Holz voll geladene Trucks entgegen. Doch was ist das? Plötzlich sehen wir am Straßenrand so etwas wie ein Camp. Zusammengeschustert aus Holz und großen Planen. Ne Hippiekommune mitten im Wald? Wir halten. Wir werden freundlich begrüßt. Es handelt sich um ein Aktivisten Camp das der übermäßigen Abholzung der hiesigen Wälder Einhalt gebieten will. Gerne ketten sie sich an Bäume oder an die riesigen Maschinen welche die über hunderte von Jahren gewachsenen Wälder und Bäume dem Erdboden gleich machen. Wir bekommen eine Führung in eine abgeholzte Zone und werden über die Machenschaften der Regierung aufmerksam gemacht. Respekt für diese Jungs, die zum Teil mehrere Monate dort im Bush leben! Wir wünschen ihnen viel Erfolg für ihre Vorhaben und verabschieden uns. Wir kommen irgendwann am Lake Gordon an. Das Ende der Straße, welches gleichzeitig ein Staudamm ist. 140 Meter tief. Ganz schön kolossal! Wir verweilen ein wenig, aber dann wird es Zeit zurück zu fahren, denn es wird bald dunkel. Wir campen in der Nähe des National Parks. Nach einem kurzen Frühstück setze ich die beiden an einer Kreuzung ab. Hier trennen sich unsere Wege leider schon wieder. Sie trampen von hier in Richtung Hobart und ich fahre in die entgegengesetzte Richtung nach Westen. Wir sagen bye bye. Vielleicht läuft man sich ja nochmal über den Weg! Australien ist ja quasi ein Dorf. Das weiß jeder von uns.

Mein nächster Stop soll Lake St. Claire sein. Das ist quasi das Ende des Overland Tracks welcher in am Cradle Mountain beginnt und sich 80km inmitten der Berge und Hochseen schlängelt. Doch kurz vor der Abfahrt zum See, entdecke ich das Schild „Wall of Tasmania“. Ich hatte davon schon auf Flyern gelesen. Der Bildhauer Greg Duncan bildet dabei auf einhundert 3qm großen  Holzblöcken die Geschichte Tasmaniens ab. Das wollte ich unbedingt sehen! Schon am Eingang sehe ich ein paar andere von ihm gefertigte Kunststücke die sein Können eindrucksvoll unter Beweis stellen. Abgefahren! Ich schaue dem Künstler ein wenig dabei zu, wie er dabei ist einen gejagten Tasmanischen Tiger auf das Holz zu zeichnen. Kameras sind hier strikt verboten. Vermutlich, damit sich das Fotobuch besser verkauft. Seinen Einschätzungen nach wird er noch ungefähr 10 weitere Jahre brauchen um die Wall fertig zu stellen. Tolles Ding! Weiter.

Leider wird das Wetter zusehend schlechter. Grau. Nur noch grau. Und wo grau ist, da ist Regen nicht weit.  Hmmm, irgendwie hab ich keine Lust bei dem Miesepeterwetter die Gegend um den See zu erkunden. Ich schaue mich nur ein wenig um und mache mich auf weiter Richtung Strahan zu fahren. In Queenstown, einer alten Minen-Stadt, will ich Halt machen um in der Library mal schnell im Internet zu surfen. Die Öffnungszeiten erinnern mich prompt daran, dass es mittlerweile Wochenende ist. Ab Freitagmittag geschlossen. Na toll! Verdammte Provinz! Kein Grund hier länger zu bleiben. Einziger Grund wäre die historische Eisenbahn, die von hier eine atemberaubend schöne Strecke nach Strahan fährt. Würde mich schon irgendwie reizen. Für ein paar nette Motive bin ich ja immer zu haben und davon gibt’s auf der Strecke angeblich genug. Aber bei dem Wetter verzichte ich darauf. Außerdem kann ich ja auch von Strahan aus fahren. So komme ich auch kurze Zeit später in Strahan an. Wetter mies. Wie sollte es auch anders sein. Ich finde ein Café mit Internet. Wenigstens etwas. Das Café ist so eine Art Imbissbude, Kaufmannsladen, Pub und Internetcafé in einem. Als Nichteinheimischer falle ich hier natürlich sofort auf. Vor allem jetzt, wo die Touristensaison eigentlich schon vorbei ist. Mir egal. Ich mache mich übers Wetter der nächsten Tage schlau. Irgendwie scheint das Wetter aber kaputt zu sein. Ich wusste ja vorab schon, das es hier an der Westküste doch mal eher regnet als an der Ostküste, aber jeden Tag? Es ist egal auf welchen Tag ich klicke, die Bilder sehen immer gleich aus. Wolken, Regen, Wolken, Regen, Schauer, Wind, Regen. Einzig und allein der morgige Sonntag hat zu mindestens vereinzelt die Sonne im Angebot. Hmmm. Morgen sieht das bestimmt schon wieder alles ganz anders aus. Das Wetter wechselt hier ja oft auch sehr schnell. Ich mache mich zum Ocean Beach auf. Es ist schon seit einiger Zeit dunkel. So sehe ich dort angekommen auch nicht mehr viel vom Strand. Naja, hatte ich auch nicht wirklich vor, da ich hier eh nächtigen wollte und mir alles morgen früh bei besserem Wetter anschauen kann. Nur noch schnell irgendwas kochen und ab in den Schlafsack. Samstag morgens. Ich werde von starkem Regen geweckt. War ja klar das es regnet. Ich murmele mich noch ein wenig in den Schlafsack um weiter zu schlafen. Kein Grund aufzustehen. Etwas später verspüre ich Hunger. Naja, vielleicht kann man ja doch aufstehen. Immerhin hatte es auch aufgehört zu regnen! Windig ist es! Ich setze mich hinters Steuer und schaue auf den vor mir tosenden Ozean. Im Auto ist es windstill. Das ist gut! So kann ich mir ohne Komplikationen Honig aufs Brot schmieren. Ein junges Pärchen hält neben mir. Kurze Zeit später springen beide in kurzer Sportbekleidung aus dem Wagen. Scheint so, als wenn sie am Strand joggen gehen wollen. Ok!? Er sieht so aus, als wenn er das unter der Woche 3 mal macht. Egal bei welchem Wetter. Sie hingegen, scheint sich gedanklich noch nicht entschieden zu haben, ob sie Angst hat zu erfrieren oder vom Wind hin fort getragen zu werden. Sie laufen los. Ich verharre in der vor circa 14 Minuten eingenommen Frühstücksposition und schmiere mir genüsslich ein weiteres Honigbrot. Frisch gestärkt wage ich auch den Schritt in die etwas ungemütliche Umgebung. Der Strand ist ganz schön breit. Und lang auch. Der Sand ist relativ fest. Einige Reifenspuren. Toller Strand um mit dem Auto drauf entlang zu fahren, denke ich! Ich spiele kurzzeitig mit dem Gedanken es zu wagen. Und wenn ich stecken bleibe? Wer zieht mich raus? Und wann setzt eigentlich die Flut ein? Ok, Idee verwerfen, ein paar Fotos machen und dann weg hier! Ich fahre zurück nach Strahan und gehe ins Visitor Center. Fast 200 Dollar um ein paar Stunden mit der historischen Bimmelbahn zu fahren!? Nö. Nicht mal wenn Jim Knopf Zugführer ist! Ein Rundflug? Nö. Ok, ich erkundige mich nach der Straße welche die Küste weiter Richtung Norden entlang führt. Straße ist hierbei aber etwas hoch gegriffen. Explorer Road. Klingt toll! Ich bekomme einen entsprechenden Flyer in die Hand gedrückt. Ich schaue mir den Flyer genauer an und stelle fest, dass ich da mit dem Buzzmobil vermutlich Probleme bekommen werde. Ehrlich gesagt hab ich nicht so Bock drauf im Matsch stecken zu bleiben. Hmmm, was sagt denn das Wetter? Ich fahre wieder zum Café, um das Wetter im Internet zu checken. Na ja, der ein oder andere mag jetzt vielleicht sagen, dass man dazu einfach nur aus dem Fenster schauen braucht, aber ich will es genau wissen und befrage aller größeren Wettervorhersage-Seiten die ich mit Google finden kann. Nach intensiver Auswertung der Daten komme ich zu dem Schluss, dass es regnen wird. Egal wo, egal wann und egal wie viel. Es wird regnen! Die ganze nächste Woche Regen! Einzig und allein der morgige Sonntag scheint die Ausnahme zu werden. Ein Wolken-Sonne Symbol auf der Wetterkarte nahezu überall. Toll! Aber was heißt das? Überwiegend Wolken mit ein wenig Sonne, oder gar überwiegend Sonne mit ein paar Wolken? Dafür ist die Tagestemperatur mit angegebenen 6 Grad Celsius doch etwas niedrig. Hmmm. Was tun? Ok, wenn das Wetter morgen einigermaßen vernünftig ist, dann will ich versuchen auf den Cradle Mountain zu klettern. Das ist wahrscheinlich auch die letzte Chance bevor ich Tasmanien wieder verlasse. Gesagt getan. Ist ja auch nicht so weit weg. Auf dem Weg schaue ich mir noch einen Wasserfall an. Am späten Nachmittag komme ich an dem Ort an, an dem ich 2 Wochen zuvor nahezu das ganze Wochenende im Café zugebracht hatte. Es regnet. Das ist gut, denn je länger es regnet, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit das es bald aufhört. Da bin ich ganz fest von überzeugt und warum nicht schon morgen? Im Visitor Center erkundige ich mich noch einmal explizit nach dem morgigen Wetter. Eigentlich ist das jetzt auch egal. Ich bin ja schon hier und jetzt wieder abzuhauen macht gar keinen Sinn. Für 25 Dollar kaufe ich noch eine Regenjacke. Kann man ja immer mal gebrauchen. Vor allem bei Regen! Ist zwar noch nicht allzu spät, aber warum nicht schon Abendessen kochen. Die neue Regenjacke macht sich gut. Es regnet ja auch. Kalt ist es auch. Eine warme Mahlzeit im Bauch gehe ich dann ins Café und beschäftige mich mit meinem Netbook. Heute lieber früh schlafen, da ich auch früh wieder raus will. Morgens ist das Wetter eh immer etwas besser als nachmittags und für den Track zur Spitze braucht man angeblich 6 bis 8 Stunden. Um 7 Uhr morgens klettere ich aus dem Van. Es ist tatsächlich Sonne zu sehen! Wenn auch nur sehr verschleiert von den Wolken, aber das ist sieht auf jeden Fall viel versprechend aus. Die Nacht war doch etwas frisch gewesen. 2 paar Socken und 2 Schlafsäcke hielten mich zu mindestens größtenteils warm. Ein bisschen vom gestrigen Nudelgericht und ein paar Kekse müssten genug Proviant sein. Laut den sehr informativen Tafeln und Flyern im Visitor Center soll ich auf jeden Fall ne Mütze, Regenjacke, Regenhose, Handschuhe, Schal und weiß der Geier was nich alles mitnehmen. Auf gar keinen Fall sollte man eine Jeans anziehen, da diese bei Regen schnell kalt, nass und schwer wird. Hmmmm, soll ich mir etwa ne kurze Hose anziehen? Eine Skihose oder sonst dergleichen ist im Van nicht zu finden. Egal, die Thermounterwäsche wird’s schon richten! 1545 Meter hoch ist der Gipfel. Ich starte bei circa 600 Meter tiefer am Dove Lake. Den Gipfel kann ich nicht sehen. Zu viele Wolken die auch viel zu tief hängen. Naja, das klart schon auf in den nächsten Stunden! Ich entscheide mich für einen kleinen Umweg am Anfang. Der Weg ist zwar etwas länger, dafür aber nicht so steil. Das ist gut, denn ich will mich nicht gleich am Anfang verausgaben und zu sehr ins Schwitzen geraten. Ich lasse es deshalb auch etwas langsamer angehen. Bloß nicht zu schwitzen, denn durchgeschwitzte Klamotten werden bei dem eisigen Wind doch ganz schnell unangenehm. Ich komme vorwärts und gewinne langsam an Höhe.

Der erste Lookout liegt bei ungefähr 1200 Metern und kann nicht mehr allzu sehr entfernt sein. Dort angekommen hieße, das ich zu mindestens schon ein mal die Hälfte der zu überwindenden Höhenmeter geschafft hätte. Ich hatte ganz vergessen zu erwähnen, dass es seit meinem Erwachen noch nicht geregnet hatte! Das erwähne ich aber auch nur, weil es jetzt nämlich langsam anfängt ganz fein zu nieseln. Das ist aber nicht weiter schlimm, ist ja nur ganz feiner Niesel. Kaum spürbar. Ich komme am Lookout an. Toll! Ich kann den Carpark unten am See erkennen. Ja, ich bin schon ein ganzes Stück gelaufen und auch schon ganz schön weit oben. So weit oben, dass ich mich schon auf Wolkenhöhe befinde. Oder ist es Nebel? Ein Mysterium. Ausruhen möchte ich mich aber nicht zu viel. Lieber in Bewegung bleiben um nicht zu frieren! Es geht weiter bergauf. Gott sei Dank nicht allzu steil. Bäume und Büsche gibt’s jetzt auch nicht mehr zu sehen. Nur Felsen, etwas Gras, Wolken-Nebel und Regen. Kein starker Regen, sondern nur ein bisschen. Kein Drama. Wahrscheinlich laufen hier im Sommer ne ganze Menge Touristen lang, denn der Pfad sieht ganz schön mitgenommen aus. Ich hatte heute noch niemanden hier gesehen, bis auf einen Fotografen unten am Carpark. Ich befinde mich nun auf einem relativ flachen Teilstück. Der ausgetrampelte Pfad ist ein hervorragendes Flussbett in dem sich das zusammenlaufende Regenwasser sehr wohl zu fühlen scheint. Den Rand des Pfades als Weg zu nutzen ist besser. Eigentlich ist es aber egal wo ich laufe, denn überall ist es nass und richtig fest ist der Untergrund auch nicht. Meine Hände habe ich mittlerweile tief in den Hosentaschen verstaut. Die Nässe und Kälte fühlen sich doch etwas unangenehm an, aber Handschuhe brauchte ich ja nicht. Nach einer Weile komme ich an einen Fluss. Ich bin mir sicher, dass es nicht wirklich ein Fluss ist, sondern nur ein mächtiger Strom aus Regenwasser im Ausmaß eines ausgewachsenen Flusses. Im Flussbett finden sich größere Steine welche ich als die Gelegenheit des trockenen Fußes wahrnehme, auch wenn sie nur noch minimal aus dem kalten und schnell dahin fließenden Strom ragen. Ich realisiere, dass die Hosentaschen meiner Jeans mittlerweile von innen recht feucht sind und nicht mehr als Wärmespender funktionieren. Die Jeans an sich würde ich als nass bezeichnen. Die Hände finden nun Platz in den Taschen einer überaus nützlichen Regenjacke. Ich komme an den Kitchen Hut, einer kleinen Berghütte die im Notfall Wanderern Schutz bieten soll. Befinde ich mich im Notfall? Ähmm, nein, natürlich nicht. Ich nutze sie trotzdem für eine kurze Pause, putze die Brille, stärke mich an den Keksen und frage mich, ob ich wirklich weiter will auf den Gipfel. Ich überlege kurz. Hallo? Was gibt’s da zu überlegen? Aufgeben is nich! Jetzt schon gar nicht! Laut der Map ist es auch nicht mehr weit zur Kreuzung, wo es dann wirklich den Berg hoch geht. Draußen die pure Suppe. Man sieht nichts. Den Berg schon mal gar nicht. Die Thermoklamotten sind mittlerweile auch nicht mehr 100 prozentig trocken. Egal. Weiter! Ich komme an die besagte Kreuzung. Es geht nun mehr bergauf. Es wird steiler. Dann wird’s richtig steil. Der Track besteht nun aus großen Steinbrocken. In die Felsen gebohrte Stangen dienen als Wegmarkierungen. Nun kann ich auch die dunkle Silhouette des Berges durch den Wolken-Nebel erkennen. Wahrscheinlich ist dies das finale Stück des Weges hinauf zum Gipfel! Durchhalten! Zum Weitergehen muss ich nun meine Hände reaktivieren, denn es ist steil und rutschig auf den Felsen. Zum Regen gesellt sich nun ein eisiger Wind mittlerer Stärke. Weiter. Wo ist eigentlich die Sonne aus der Wettervorhersage? Mir geht alles mögliche durch den Kopf. Wie lange braucht die Heizung im Auto zum warm werden wenn ich wieder zurück bin? Wo ist die trockene Arbeitsjeans die ich bei der Rückkehr am Auto sofort anziehen möchte? Hab ich hier oben Empfang auf dem Handy? Ähmmmm, oh! Krass! Das weiße auf den Felsen ist ja Schnee! Interessant! Der Regen geht mittlerweile auch in Schneeregen über. Weiter. Die Felsen sind sehr kalt und nass. Meine Finger kühlen langsam aus. Pah, Handschuhe! Brauch ich nicht! Das Klettern wird immer herausfordernder. Jeder Schritt wird geplant. Wo muss ich lang? Wo ist die nächste Stange? Bloß den Halt auf den nassen Steinen behalten! Die Finger kann ich kaum noch spüren. Was ist wenn mir jetzt ein Jeti begegnet? Oder schlimmer: Reinhold Messner? Ich könnte ihnen wahrscheinlich noch nicht einmal anständig die Hand schütteln! Naja, wer geht schon bei solch einem Wetter auf diesen Berg? Da sitzt doch selbst der Jeti mit der Heizdecke, welche er auf der letzten Butterfahrt auf der Mosel erworben hat,  zu Hause und spielt Halma! Ich bin mir sicher ganz allein hier oben zu sein. Doch dann ein Schuhabdruck im Schnee! Hat der Jeti Schuhe? Vielleicht noch vom Vortag? Hmmm, nein. Unwahrscheinlich! Jemand ist vor mir auf dem Weg zum Gipfel! Stellt euch vor ihr landet auf dem Mond und irgendjemand  ist schon da! Weiter, auch wenn die Finger schmerzen. Jetzt wird’s schwierig. Von einem Track kann man nicht mehr reden. Ich würde sagen es ist eine Kletterpassage. Wer generell schwer aus der Hüfte kommt, oder schon immer Probleme mit dem Discobein hatte, für den wird’s hier schwierig. Ganzer Körpereinsatz ist nötig um sich unter Felsenüberhängen hindurch zu quetschen um weiter nach oben zu kommen. Wo muss ich lang? Es wird schwierig überhaupt einen Weg nach oben zu finden. Und dann passiert es. Ich schaue nach oben und da sehe ich ihn. Nein, nicht den Jeti. Ich sehe den unerschrockenen Bergsteiger, der diesen Witterungsverhältnissen trotzt und auf die Spitze klettert. Er ist bereits beim Abstieg! Wie zu einem Gott schaue ich hinauf während er langsam zu mir herab klettert. Geschützt durch einen professionellen Wärmeanzug mit Handschuhen und Kletterstöcken wirkt er wie das Michelin-Männchen, dass gerade von seinem Sonntagsausflug aus der Todeszone jenseits der 8000 Meter-Marke zurückkommt. Dann sehe ich, erst ist nicht allein. Ein weiterer folgt ihm. Dieser hat wesentlich mehr Probleme beim Abstieg. Dann sind wir auf einer Höhe. Wir tauschen uns aus. Wie weit es noch ist, frage ich den ersten. Die Antwort kann ich aufgrund des stark pfeifenden Windes nicht verstehen. Sie waren nicht auf der Spitze wie er weiter erzählt. Zu windig, zu rutschig, zu gefährlich. Ich soll im Sommer wiederkommen meint er. Der zweite raunt mir eindringlich zu, dass der Abstieg ja immer das Schwerste sei. Ja, danke Reinhold, denke ich mir. Von einem Jeti oder Sonne haben sie jedenfalls nix erzählt. Ich wünsche ihnen einen sicheren Abstieg. Einen absolut sicheren Abstieg gibt es ja eigentlich nicht, außer den von Hertha BSC in dieser Saison. Ich klettere weiter. Pausen werden notwendig um durch warmes Hauchen in die Hände diese wenigstens einigermaßen am Leben zu erhalten und weiter klettern zu können. Das die Hose komplett nass ist merke ich gar nicht mehr. Nur noch hoch. Ich komme zur anscheinend letzten Etappe vor dem Gipfel, den ich schon sehen kann. Irgendwie sehen die Felsen nun aus wie von nem anderen Planeten. Sehr unwirklich wie ich finde. Ein stark abfallender Übergang zum Gipfel-Felsen. Wetterseite. Voller Wind. Schnee überall auf den Felsen. Eisige Kälte. Ich suche nach dem Weg. Die Stangen die diesen kennzeichnen kann ich nur schwer ausmachen. Aber wie soll ich da hinkommen? Ich finde keinen vernünftigen Weg! Jedenfalls keinen, der mir sicher erscheint. Ich bin nun permanent mit dem Versuch beschäftigt meine Hände wieder brauchbar zu machen, während ich nach ´dem´ Weg suche. Nein, das ist es nicht. Nein, ist es nicht. Ich sollte hier stoppen. Die Hände wollen nicht mehr. Das ist es nicht wert zu riskieren. Nur einmal abrutschen. Nur einen Fehler. Natürlich könnte ich sagen ich war ganz oben. Nur der Jeti könnte bezeugen, dass ich es nicht war. Nein, ich war es aber einfach nicht. Vielleicht fehlten nur 20 oder 30 Meter. Nein. Ich war oben. Ja, aber ganz oben eben nicht. Ich kehre um. Ich hätte ja auch eh nichts gesehen da oben. Kein Ausblick. Nur Wolken. Der Abstieg ist nicht einfach, aber die Gewissheit bald wieder in angenehmerer Atmosphäre zu sein, hilft ungemein. Je weiter ich herunter steige, desto einfacher wird es. Trotzdem muss ich mich konzentrieren nicht auszurutschen oder umzuknicken. Die Muskeln in den Beinen lassen langsam nach. Die Knie schmerzen sowieso. Auf dem Weg hinunter überhole ich irgendwann die 2 Michelin-Männchen. Ich sehe andere Kletterer, die schon an der Wegabzweigung zum Gipfel umkehren. Plötzlich wimmelt es überall von Wanderern. Manche mit der professionellen Komplettausrüstung auf dem Overland-Track in Richtung Lake St. Claire unterwegs. Jeder Schritt bergab schmerzt in den Knien. Bloß noch ankommen. Der Carpark wird in der Ferne wieder sichtbar. Vielleicht noch eine Stunde und ich bin dort. Durchhalten! Anstrengung in den Gesichtern die mir entgegen kommen. Ich will nur noch zurück zum Auto. Endlich sitzen. Die letzten Meter merke ich in den Beinen nicht mehr. Die Fahrertür fest im Visier, wie Waldemar Cierpinski damals in 1980 Moskau die Ziellinie. Alle jubelten damals und am meisten er selbst! Ich jubele auch. Innerlich. Die anderen Touristen auf dem Carpark jubeln nicht. Zu mindestens nicht sichtbar. Ein Blick auf die Uhr. Viereinhalb Stunden hab ich gebraucht. Wenigstens etwas. Eine gute Zeit. In zweierlei Hinsicht!

Den Motor gestartet und die Heizung aufgedreht. Und da! Schau her! Ein Loch in den Wolken. Sonne! Für ein paar Momente kann man sogar die Spitze durch die Wolken sehen! Schnell ein paar Fotos und weg hier! Ich hole mir noch im Café am Visitor Center ein Heißgetränk meiner Wahl und werfe einen Blick in die Karte. Wo soll es hingehen? Der Nord-Westen steht noch aus. Muss ich da wirklich hin? Was gibt es da überhaupt zu sehen? Ein wenig Bedenkzeit später entschließe ich mich dazu, den Nord-Westen links liegen zu lassen. Die Walls of Jerusalem sind nicht so weit entfernt. Ich weiß, dass ich den Stapeln mit Flyern, Broschüren, Maps und dergleichen muss es doch zu finden sein. Als alter Messie weiß ich doch ganz genau, dass ich den ganzen Kram irgendwann noch einmal brauchen werde. Ganz sicher! Den gesuchte Info-Lektüre finde ich auch nach einiger Zeit. Aber will ich wirklich weiter hiken? Noch mehr laufen? Ich fühle mich nicht danach. Kurzum wird der neue Kurs in Richtung Launceston gesetzt. Nur eine Nacht will ich dort im Hostel verbringen. Ein angenehmes Bett, eine heiße Dusche und eine sehr saubere Küche warten dort. Dieser Verlockung kann ich heute einfach nicht widerstehen. Kaum bin ich 20 Minuten unterwegs, zeigt sich in tieferen Regionen schon wieder richtiges Reisewetter. Toll! Der Rest des Tages geht für kochen, Wäsche waschen und Internet drauf. Vom Prinzip her, hab ich meine Tasmanien Rundreise jetzt schon beendet. Das was ich noch nicht gesehen habe, ist mir entweder unbekannt oder nicht mehr so interessant. Zu mindestens rede ich mir das ein. Außerdem ist die Zeit auch langsam reif, die Insel wieder zu verlassen und aufs Festland zurückzukehren. Ein paar Tage möchte ich noch in und um Coles Bay verbringen. So sitze ich am Montag im Auto und klingele bei der Ticket-Hotline durch um mir einen Platz gegen Ende der Woche zu buchen. Die nette Dame nimmt freundlich meine Daten auf. Dann kommt der Hammer: „Mr. Reich, unfortunately, we got nothing available before thursday the13th of may.“ In meinem Kopf rechne ich sicherheitshalber noch einmal schnell nach, was ich im ersten Moment nicht wahr haben will. Ja, tatsächlich. Zweieinhalb Wochen Wartezeit für einen Platz auf der Fähre. Na toll. Was bleibt mir anderes übrig als zu buchen? Jedes zögern würde den Termin ja nur noch weiter nach hinten schieben! Ich buche und bekomme dafür einen Platz auf der Warteliste für den 5. Mai, falls da jemand abspringen sollte. Hmmm, immerhin! Mit einer Woche Wartezeit hatte ich ja gerechnet, aber zweieinhalb Wochen? Was soll ich in der ganzen Zeit anstellen? Naja, ich mache mich erstmal auf den Weg nach Coles Bay. Während der Fahrt rattert es im Kopf wie verrückt. Eigentlich hatte ich geplant den Monat Mai zu nutzen, um die Strecke von Adelaide nach Darwin zu machen. Ein elend langer Ritt nach Norden. Der Ayers Rock als „die“ Touri-Attraktion schlechthin gibt’s quasi direkt auf dem Weg. Ursprünglich fand ich die Idee total sinnlos, aber mittlerweile möchte ich die Strecke ganz gerne fahren. Und egal wie ich es drehe und wende, unterm Strich würden nun nur noch 2 Wochen dafür zur Verfügung stehen, da ich ja Ende Mai aufgrund meines auslaufenden Visums ja das Land verlassen muss. Hmmmm, verdammt. Ok, dann muss ich die Strecke eben in 2 Wochen machen. Wenn japanische Reisegruppen nur 2 Wochen brauchen um „ganz“ Europa zu sehen, sollte ich die Strecke in der gleichen Zeit schaffen. Die eingeplanten Tage in Melbourne und Darwin würden vermutlich einfach so wegfallen. Es nützt nichts. Es muss weiter gehen. Wie, wann und wo ist zweitrangig. Es bestätigt sich wieder einmal mehr: es macht keinen Sinn in Australien Pläne zu machen! In Wirklichkeit macht Australien nämlich Pläne für dich!

Bei einem Stop am Lake Leake und einem Walk am Richardson Beach habe ich noch einmal Gelegenheit mich mit der neuen Situation anzufreunden. Die Flasche Wein die ich in Launceston gekauft hatte, hilft abends beim Dinner mit Aki und Jacob ungemein alles etwas gelassener zu sehen. Ok, was mache ich morgen? Entspannung ist gut. Ich hab ja nun irgendwie anscheinend Unmengen an Zeit! Fischen gehen! Jepp, das ist genau das Richtige. So finde ich mich auch den nächsten Tag mit meinem Equipment am Friendly Beach ein um was großes an Land zu ziehen. Die Sonne scheint. Ein kilometerlanger Strand und niemand da außer mir! Toll! Die Angel ausgeworfen, und den Körper dann gemütlich im Campingstuhl versinken lassen. Ich spreche hier jetzt mal von Position „einsPUNKTnull“. Jetzt nur noch die richtige Musik finden und dann nur noch aufs Meer schauen! Wunderbar! Ich fange irgendwann etwas Seegras. Sonst nix. Egal! Irgendwann neigt sich der Tag langsam dem Ende. Ich koche mir bei untergehender Sonne noch fix was Warmes. Ok, und was mach ich morgen? Ich fahre nach Bicheno ein paar Besorgungen machen. Dann gehe ins Café auf der anderen Straßenseite des Supermarkts. Schreiben. Mal wieder. Ich hab ja Zeit. Einen leckeren Cappuccino bestellt und los geht’s. 4 Cappuccinos und etliche Stunden später mach ich „Feierabend“. Den folgenden Tag will ich mir die Targa Tasmania anschauen. Das ist ne Rallye, wo ne Menge Classic-Cars vertreten sind. Findet hier jedes Jahr statt. Die morgige Etappe führt nördlich von Bicheno über den Elephant Pass. Da will ich hin um mit etwas Glück ein paar gute Bilder zu bekommen. Früh bin ich bereits auf. Zu meiner Verwunderung ist die Strecke noch nicht gesperrt. Auf einem Schild sehe ich, dass ich bis zur Sperrung noch etwas Zeit habe. Toll! Das gibt mir Gelegenheit auf der Strecke, welche sich an den Bergen hinauf schlängelt, nach einem guten Spot Ausschau zu halten. Den finde ich auch alsbald. Eine 1a Haarnadelkurve mit relativ guter Sicht. Ich parke den Van hinter dem Absperrband am Rande und nehme erstmal mein Frühstück zu mir. Kurze Zeit später treffen andere Schaulustige ein. Dann mehr und mehr. Bald ist kein Platz mehr hinter der Absperrung für weitere Autos hinter der sich nun auch 2 Classic Cars befinden. Dies erkennen auch die inzwischen anwesenden Streckenposten und fangen an die Autos platzsparender anzuordnen. Die Strecke wird nun gesperrt. Eine Schar von Einheimischen hatte es sich inzwischen mit Stühlen, Bier, BBQ und Feuerstelle auf dem Hang gemütlich gemacht. Ich freunde mich derzeit mit den Streckenposten an. Die Geschichten vom Drumherum der Rallye, die sie erzählen, sind recht unterhaltsam. Irgendwann kommen die letzten Fahrzeuge der Offiziellen vorbei. Bald geht’s los! Einige Zeit später verstummen die Gespräche plötzlich. Noch etwas leise hört man das Röhren in der Ferne. Und dann kommen sie den Berg hoch gejagt. Der Geräuschpegel steigt. Die Einheimischen honorieren das Einlenken der ersten Fahrzeuge in die Haarnadelkurve mit einem stumpfen Biergegröhle. Das Einzige was ich tue, ist das Betätigen des Auslösers. Wie Lacerda beim MINT 500 komme ich mir vor, der total vernarrt darin ist, bei unglaublich stark aufgewirbelten Wüstenstaub gute Bilder von den ganzen KTM´s, Husquarnas und Kawasakis zu machen. Aber ich war ja nicht hier, um über ein abgefahrenes Wüstenrennen mit Motorrädern zu berichten. Nein, ich war nur hier um mir ein wenig die Zeit zu vertreiben. Unzählige Porsche, Mitsubishi, ein paar Ferrari, diverse Mustangs sowie unzählige andere Fabrikate versuchen sich an einem gekonnten Drift in der Kurve. Sogar ein paar alte Volvos mischen mit. OP´s Herz hätte mit Sicherheit höher geschlagen! Nach circa 300 Fahrzeugen ist der Spuk dann irgendwann vorbei. Die Straße wird wieder freigegeben und ich mache mich auf den Weg zurück nach Bicheno. Dort geht’s ohne Umwege ins Café. Weiter schreiben für den Rest des Tages. Und morgen? Ok, ich sollte in der Zeit die ich hier noch habe, versuchen in die Ecken der Insel zu fahren, in denen ich noch nicht war. Vielleicht doch noch übersetzen nach Bruny Island? So mache ich mich am Freitag morgen wieder auf. Ziel: Hobart. In Sorell statte ich der Library noch einen Besuch ab. Hier hab ich auch wieder Empfang mit dem Handy. Eine SMS signalisiert mir, das ich ne Nachricht auf der Mailbox habe. Beim Abrufen der Nachricht wird mir klar, dass es die Hotline der Fährgesellschaft ist, welche mich 2 Tage zuvor versucht hat mich zu erreichen um mir einen Platz für den 5. Mai anzubieten. Ich solle schnell am gleichen Tag noch zurückrufen um zu bestätigen. Wie gesagt, die Nachricht ist bereits 2 Tage alt. Damn it! Die werden sich vermutlich nie wieder melden, denke ich mir. Ich finde mich gedanklich schon damit ab, dass ich Tasmanien erst am 13. Mai verlassen werde. Es geht weiter. Rauf auf die kleine Halbinsel vor Hobart. Hier will ich auch übernachten. Ich finde einen netten Lookout. Ein paar Surfer sind noch vor Ort, die in der untergehenden Sonne die letzten Wellen des Tages abreiten. Ich fange an, meine kleine Campingküche einsatzbereit zu machen. Dann fällt mir auf, dass ich meine Kochtasche in Coles Bay stehen lassen habe. Neiiiiiiiiiin! Wie konnte ich die vergessen? Naja, ich hole sie irgendwann schon wieder ab. Gott sei Dank finde ich noch Nudeln, Thunfisch und Pastasauce. Leider keine Gewürze. Alles in der anderen Tasche. Zeit für Experimente. Ich kreiere eine Honig-Senf-Pasta-Sauce. Gar nicht mal so schlecht. Der Hunger treibt es rein. Vielleicht ist es gut nochmal bei der Fähr-Hotline anzurufen um mich eventuell auf die Warteliste für einen anderen Tag setzen zu lassen. Gesagt getan. Ich gebe meine Buchungsnummer an und schildere mein Problem, dass ich doch gerne möglichst zeitnah Tasmanien verlassen möchte. Sie wirft einen Blick auf die Warteliste. „I got something available for tomorrow and sunday the 2nd of may. Do you wanna take it?“, fragt die etwas gestresst wirkende Dame am anderen Ende. „If you want it, you better hurry up! Now!“ Ich brauche einen kurzen Moment um zu realisieren was gerade geschieht. „Yes, yes, yes! I take it!“. Toll! Die Umbuchung kosten noch einmal 48 Dollar extra. Mir egal. Ich gewinne Zeit die für mich unbezahlbar wirkt. Irgendwie brauch ich ein paar Minuten um mein Glück zu begreifen. Gerade hatte ich zum richtigen Zeitpunkt angerufen und innerhalb von 5 Minuten 11 Tage für den Trip Richtung Norden gewonnen. Toll! So schnell ändern sich die Pläne wieder. In die City nach Hobart will ich nun nicht mehr. Es soll am nächsten Tag zurück nach Coles Bay gehen um bye bye zu sagen und um meine Kochtasche wieder einzusammeln. Am Morgen werde ich gegen halb 7 von ankommenden Autos geweckt. Ruckzuck ist da draußen ein Betrieb wie samstags bei Aldi. Das scheint hier ein wirklich populärer Surfer-Spot zu sein. Ich krieche aus dem Van und frühstücke erstmal. Der Typ, der neben mir geparkt hatte,  kommt schon wieder zurück vom Wellenreiten. „Howyagoin?“ murmel ich ihm mit halbvollem Mund zu. „Heaps of waves!“, entgegnet er mir total begeistert. Ich nicke ihm begeistert zu, während ich den Rest meines Honigschnittchens hastig verschlinge als wenn ich jeden Moment dazu ansetze mein imaginäres Surfbrett aus dem Van zu ziehen um hinunter zum Strand zu eilen. Nein, ich springe stattdessen in die Kommandozentrale des Buzzmobils und mache mich auf den Weg zurück in Richtung Coles Bay. Da fällt es mir auf, was ich ganz vergessen hatte. Surfen! Hatte ich in den letzten Monaten irgendwie gar nicht auf dem Zettel. Ich ordne kurz gedanklich die Prioritätenliste neu. `Surfen lernen` ist automatisch der höchste Neueinsteiger und platziert sich weit oben gleich hinter Zahnarztbesuch ein. Ob ich im Outback eine Gelegenheit zum Surfen finde? An alle Zweifler: vom Prinzip her läuft das ja……ganz sicher!

Greetz

Mario