…wir waren mitten im Outback als…

…vom Prinzip her läuft das ja…

Stadt Land Fluss

Ok, hat das ganze hier noch Relevanz? Also ich mein jetzt das Geschriebene, nicht die Reise! Liest das hier noch jemand? Gibt es noch jemanden der sich an mich erinnert und meinen Weg verfolgt? Eigentlich ja aber auch nicht die Stoßrichtung der Diskussion, denn ich schreib ja hier in erster Linie für die Erinnerung. Gegen das Vergessen. Für das wieder Aufleben toller Momente. Nur so geht’s! Und für neue Impressionen geht die Staffel jetzt in die letzte Runde. Dabei ist der Staffelstab eher ein Stäbchen, denn mit denen wird momentan vorzugsweise gespeist. Warum? Egal! Wichtig ist das es schmeckt! Und das tut es zweifelsohne. In kulinarischer Hinsicht definitiv, aber das Leben erst recht. Genau genommen verhält sich das aber so…

Auckland. Neuseeland. Immer noch. Meine Zeit hier neigt sich dem Ende entgegen. Schön war es hier. Sehr schön. Viele nette liebenswerte tolle Menschen. Die 2 liebenswertesten gibt’s am Schluss. Frauke und Freddy. Danke nochmal an dieser Stelle! Haben sie mich doch für etliche Tage beheimatet und ich durfte die beiden dafür mit meiner Kochkunst beehren. Naja, eher weniger eine Kunst. Mehr die Fähigkeit die richtigen Dinge zusammen zu mixen und aufzuwärmen (Anm. für OP: frag Freddy mal wie es ihm geschmeckt hat). So, das Flugticket ist gebucht. Ich bringe noch schnell ein Paket mit 15kg Gewicht zur Post. Inhalt: gemischtes Allerlei der letzten 22 Monate. Ab damit nach Deutschland. Gott sei Dank ist gerade Sperrmüll, so dass ich mit Hilfe eines ausrangierten Rollkoffers das Paket bequem zu Post rollen kann. Toll! Der Morgen des Abschieds. Wenig Schlaf in der Nacht. Egal. Ich verabschiede mich nach dem Frühstück von Freddy und Frauke. Ich sage good bye New Zealand. Im Focus: Asien. Ich checke am Airport ein. Ich nehme Platz im Flieger. Neben mir nimmt Chantal Platz. Französischer Name. Neuseeländischer Passport. Indischer Herkunft. Wir plaudern über dies und jenes während des 10stündigen Fluges. Ziel: Singapur.

Landeanflug Singapur. Hinter mir 6 tolle Monate im unvergleichbaren New Zealand. Vor mir ein ungewisses Abenteuer in Asien. Unter mir der Ozean mit hunderten von Schiffen. Tankern und Frachtschiffen die in dieser einzigartigen Metropole ihre Waren ent- und beladen. Ein toller Anblick! Ja, dieser Ort muss etwas Spezielles sein. Landen. Ich verabschiede mich von Chantal. Visa, Zoll und die Frage wo ich hin muss. Das Transport System in dieser Stadt soll ja einmalig sein. Schnell bekomme ich davon einen Endruck. Rein in die Bahn und ab in die City. Menschen dicht an dicht. Mein riesiger Backpack macht es mir da nicht unbedingt einfach. Die meisten in der Bahn sind damit beschäftigt sich mit allerhand elektronischem Spielzeug die Zeit zu vertreiben. Recht zügig komme ich an meiner Haltestelle an. Draußen Verkehr, Multi-Kulti und hohe Luftfeuchtigkeit. Ab ins Hostel. Dank Malte checke ich in nem netten Hostel ein. Toll! So, noch schnell mal die Umgebung erkundet und was zu essen gesucht, denn obwohl man ja eigentlich nix tut ist so ein Tag dann doch ganz schön kräftezehrend. Ich finde ein nettes marokkanisches Restaurant. Gut gespeist. Jetzt ins Bett. Schlaf.

Das allmorgendliche Gebet über Lautsprecher weckt mich pünktlich. 5 Uhr sagt der mobile Telefonapparat als ich ich völlig verstört drauf schaue. Welcome to Asia! Schön sieht die Moschee am Ende der Straße bei Tage ja aus, aber warum nur so laut? Egal, weiter schlafen. Nach so langer Zeit in Hostels wird man gegen so etwas irgendwann resistent. Jegliche Form von Geräuschen wie klappernde Türen, herum kramen in Plastiktüten oder auch den Klassiker Schnarchen kann nach langer Übungsphase einfach ignorieren. Nur eine andere Sache bringt mich momentan ein wenig aus der inneren Ruhe: Vibrierender Untergrund und dumpfe laute Geräusche. Alles eine Spätfolge von der ganzen Nachbebenzeit in Christchurch. Machte sich komischerweise erst bemerkbar nachdem ich Christchurch schon verlassen hatte. Kaum fährt draußen mal ein Bus oder Laster so vorbei dass der Boden nur minimal vibriert, zucke ich innerlich zusammen. Dumpfe Geräusche die ähnlich klingen wie das Wackeln eines Hauses oder gar Häuserblocks, lassen mich erschrecken. Ich hoffe das geht wieder weg. Möglichst bald! Naja, allzu viel darüber nachdenken lohnt nicht und ist auch keine Zeit für da. Singapur wartet. So mache ich mich nach einem kleinen Frühstück auch auf ins nahe gelegene Little India. Ein alter Mann warnt mich auf dem Weg vor gefährlichen Gestalten die mein Hab und Gut zu ihrem machen wollen. Ist es dort etwa so unsicher? Ich stecke die Kamera erstmal wieder zurück in den Rucksack. Sicher ist sicher. In Little India ist der indische Einfluss nicht von der Hand zu weisen. Trotzdem sieht alles ganz normal aus. Fernseher werden an der Straße verkauft und generell sieht man in den Shops haufenweise Elektronik welche bis an die Decke gestapelt wird. Ja, Singapur ist das Elektronik Mekka. Unverkennbar! Die Preise sind unverschämt günstig! Das fängt an bei A wie Anstecknadel mit integriertem Digital-Thermometer mit 3 auswählbaren Melodien bis hin zu Z wie Zusatzakku für die Batterieanzeige des Zusatzakku von Kameras. Alles was das Herz begehrt! Die wahnwitzige Schaltzentrale dieses Elektronikhandels scheint der Slim Lim Square zu sein. Ein Kaufhaus welches auf 5 Stockwerken all den Elektronik Schnick Schack anbietet. Die Shops dort sind dicht an dicht. Der überwiegende Teil scheint sich auf Kameras und Handys spezialisiert zu haben. Ich halte nach ner Linse Ausschau. 50mm Festbrennweite. Ich erkundige mich im ersten größeren Geschäft nach dem Preis und bekomme auch gleich eine neue Kamera angeboten. Man ist die günstig. Da kommt man ins überlegen. Aber kein Bedarf. Erstmal den Markt sondieren. Noch bevor ich den Laden verlassen konnte überschlägt der Verkäufer sich mit seinen Preisofferten. Der Preis sinkt von bodenlos bis noch tiefer. Gibt es doch gar nicht! Und so weiter geht das Spiel. Die Verkäufer wissen ganz genau, dass wenn du erstmal aus dem Laden raus bist, dann kommst du wahrscheinlich auch nicht mehr wieder. Ich habe ne grobe Preiseinschätzung für die Linse die ich haben will. Kaufen will ich heute nichts. Morgen ist auch noch ein Tag. Ich fahre stattdessen weiter nach Chinatown. Auch hier gibt’s neben dem ganzen Souvenirkram auch Elektronik Shops. Generell ist es in Singapur so, dass egal in welches der großen Gebäude man geht, es ist immer ein Shoppingcenter. Verrückt! In einem Kamerageschäft dort lasse ich mir alles mögliche für meine Cam vorführen. Kaufen tue ich nix. Der Verkäufer ist am Ende sichtlich angepisst. Sorry! Ich gehe thailändisch essen. Danach zurück ins Hostel. Die Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit machen mich einfach müde. Ein Nickerchen tut gut. Abends gehe ich nepalesisch essen. Im Hostel wird über alle möglichen Kameras gefachsimpelt. Jeder hat irgendwo noch nen günstigeren Shop gesehen. Gekauft hat aber noch keiner was. Schlaf.

Heute will ich mir die Linse holen. Zuvor bummle ich noch ein wenig durch die Stadt. Am westlichen Ende der Stadt gibt’s angeblich ne prima Einkaufsstraße. Straße? Das Ding ist ne mehr als nur ne Straße. Unendlich breit und unendlich lang. Hier findet man alles was Rang und Namen hat und teuer und orginal ist. Nen Crumpler Rucksack gönne ich mir. Der alte Rucksack hat seine Schuldigkeit getan und ich bin es Leid in diesem immer zu kramen. Im neuen gibt es Fächer, Taschen, und herausnehmbare Trennwände. Man könnte nen Panzer auseinander nehmen und darin fachgerecht verstauen. Toll! Irgendwann komme ich wieder am Elektronik Tempel an. Sieht irgendwie anders aus als gestern denke ich mir beim Betreten. Von den ganzen Kamerashops nichts zu sehen. Nur Geschäfte mit Karaoke Sytemen, Lautsprechern, Kabeln und sonstiges Gelöt. Neee, irgendwie bin ich falsch. Sehe ich dann auch als ich wieder draußen bin. Slim Lim Tower und nicht Slim Lin Square. So schnell kann es gehen! Am richtigen Ort hole ich mir dann die Linse. Wenn ein Kauf so einfach wär! Nein, ich brauch doch noch was obendrauf meint der Verkäufer. Das passiert bei denen automatisch. Sie packen irgendwas günstiges obendrauf und treiben den Preis wieder hoch. Dann noch plus Steuer. Die kann man sich am Flughafen bei der Ausreise ja wieder holen. Bloß raus hier! Abends zeigen wir uns alle die neusten Investitionen. Ein Pärchen wurde sogar aus dem Slim Lin Square rausgekickt, weil sie sich dort seit 5 Tagen rumgetrieben haben und immer noch nix gekauft hatten und den Preis immer weiter drücken wollten. Das wurde denen dort dann irgendwie zu viel.

Freitag. Ein gutes Frühstück bevor ich zum Airport fahre. Ich verabschiede mich von Annemarie (IRL) mit der ich mich in Kuala Lumpur wieder treffen will. Ja, genau da geht’s jetzt hin. Am Airport hole ich mir noch die Tax zurück. Leider kann ich die Rechnung für den Rucksack nicht mehr finden. Zu doof. Egal. In Kuala Lumpur komme ich am Low Cost Carrier an. Nix moderner Flughafen. Billige Abfertigungshalle. Visa in den Passport und rein in den Bus. Der braucht gute anderthalb Stunden bis in die City. Dort angekommen, muss ich in die U-Bahn. Ein Ticket kaufen kann ich mir nicht, da die Automaten nur 1 oder 2 Ringgit Noten annehmen. Die kleinste Note die ich habe ist ein 10er. Ich versuche an den Ständen in dem Markt zu wechseln. Niemand ist dazu bereit. Ich sehe ein Mc Donalds Stand. Die helfen doch immer, denke ich mir. Nein, auch sie wollen nicht wechseln. Ok, ich kauf mir ne scheiß verdammte Kugel Eiscreme mit dem scheiß verdammten 10er und bekomme scheiß verdammtes kleines Wechselgeld zurück. Nicht das man angenervt ist, wenn man mit nem schweren Backpack und nem kleineren bei hoher Luftfeuchtigkeit durch die Gegend rennt. Nein. Ich doch nicht! Ticket und rein in die Bahn! Die Petronas Towers kann ich schon sehen. Toll! Ich steige an meiner Haltestelle aus. Genau zwischen Chinatown und Little India (ja, gibt’s beides auch hier). Menschengedränge. Wo muss ich hin? Welchen Ausgang soll ich nehmen? Normal hab ich ja mit Orientierung kein Problem. Ich frage einen Polizisten. Ich habe den Eindruck, dass er selber gar nicht weiß wo er überhaupt ist. Er schickt mich zu seinem Kollegen. Gleiches Ergebnis. Ok, ich komm schon klar. Ich erinnere mich das in der Wegbeschreibung sogar etwas geschrieben stand über die Orientierungslosigkeit der malayiischen Bevölkerung. Ich finde nen Straßennamen. Nur ein paar Blocks laufen. Ich stoppe um auf die Wegbeschreibung vom Hostel zu schauen. Ein älterer asiatischer Herr spricht mich und fragt mich ob ich Mario bin!? Ich kann nur bejahen. Er ist der Besitzer vom Hostel und hat mich anhand der Wegbeschreibung erkannt. Toll! Er führt mich zum Hostel. Ich checke ein. Meine Sachen schmeiße ich kuzerhand in die Ecke. Ich will mich gleich aufmachen Chinatown zu erkunden. Ich laufe durch den Markt auf dem jeder dritte Händler das gleiche anbietet. Taschen, Uhren, Sonnenbrillen, T-Shirts und Brieftaschen. Natürlich alles Originale! Hungrig werde ich. Ich schaue mich bei den fahrbaren Chinafood Wagen um. Wen entdecke ich da an einem Tisch? Jacek! Was für ein Zufall! Ein freudiges Wiedersehen! Hatte ich doch viel Zeit mit ihm in Chistchurch verbracht wo er im Coachman gearbeitet hat. Toll! Wir schnacken ne ganze Weile und lassen den Abend bei einem Bierchen in Chinatown ausklingen.

Gut gelaunt mache ich mich am nächsten Tag auf zu den Petronas Towern, welche ja irgendwie das Markenzeichen von Kuala Lumpur sind. Groß sehen sie aus. Imposant gar. Da will ich hoch! Ernüchterung gibt’s dann am Ticketschalter. Keine Tickets mehr für heute. Auch keine Reservierungen mehr für morgen. Warum, was, wie? Kommen sie morgen früh um halb 7, mit etwas Glück ist die Schlange dann noch nicht so lang und ich bekomme ein Ticket. Paaaaaaaaaaaah! Wenn ihr wirklich glaubt, dass ich deshalb extra um 6 aufstehe, dann liegt ihr falsch. Empörung gar bei anderen Touristen! Ich mache mich auf den Weg zum Kuala Lumpur Tower. Der ist genauso hoch und die Aussicht ist ja quasi die gleiche. Toll! Zwar sind auch hier ne Menge Touristen unterwegs, aber was will man machen. Da muss ich durch. Oben gibt’s dann ne grandiose Aussicht und koreanische Reisegruppen bestehend aus ca. 20 älteren Damen. Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass genau diese Gruppen all dieses Reisen in anderen Ländern als absolut nervenaufreibend empfinden müssen. Ständig leben diese Herdentiere in der Angst, dass einer aus der Gruppe nicht mehr mit in den Fahrstuhl passt und auf den nächsten warten muss. Oder gleichzeitiges Auftreten von Fragenzeichen über den Köpfen bzgl. des Weges, kann sehr schnell und einfach eine Massenpanik hervorrufen. Am liebsten würde die Herde einfach fliehen, aber wohin nur wenn man doch nicht den Weg weiß? Ich vermeide mittlerweile die unmittelbare Nähe zu diesen Gruppen. Zu stressig! Außerdem stehen sie permanent im Weg rum ohne es zu merken. Nix für mich! Stattdessen treffe ich mich lieber mit angenehmeren Gesellen: Jacek! Wir treiben uns ein wenig in Chinatown herum. Ein nettes Abendmahl, nen Bierchen und als Dessert pfeifen wir uns ein paar Muscheln rein. Toll! Tags drauf schauen wir uns ein wenig die Tempel und Moscheen in der Umgebung an, bevor wir uns auf die Shopping Meile begeben. Ein einem Kaufhaus verlaufen wir uns fast. Einfach zu groß. Abends gibt’s dann ein letztes Dinner zusammen. Jacek macht sich heute auf den Weg zurück nach Europa. Wir sagen good bye, wobei wir spontan unser nächstes Treffen planen. Nur so geht’s!

Montag. Heute steht noch was wichtiges an. Mein Backpack. Zu schwer. Zu viel Kram. Nicht das ich gerade eine Woche zuvor ein 15kg Paket nach Hause geschickt hatte. Nützt ja nix. Ich brauche mehr Platz und weniger Gewicht. Ich gehe zur Post und hole mir nen Paket. Im Hostel wird dann ALLES nochmal ausgepackt. Was brauche ich wirklich? Was ist vielleicht schon Müll? Was kommt ins Paket? Ich schaffe es am Ende einiges weg zuschmeißen. Der Kram den ich verschicken will passt genau ins Paket. Toll! Ich finde noch nen Haufen von Münzen aus Australien, Indonesien, Neuseeland und Singapur. Brauch ich nicht mehr. Der Kanadier in meinem Zimmer tauscht gerne. Wenn zwar nicht zum besten Kurs, aber egal. Weg damit! Nachdem ich dann alles zusammengeschnürt und zur Post gebracht hatte, treffe ich mich mit Annemarie die inzwischen auch in KL eingetroffen ist. Wir laufen nochmal kurz über den Markt bevor wir uns nen Dinner gönnen. Danach geht’s nochmal zu den Petronas Towern. Die sehen bei Nacht auch nochmal ein Stück besser aus. Dann gibt’s noch ein Abschiedsbierchen, denn ich will am nächsten Morgen weiter. Mein Ziel: Taman Negara.

So mache ich mich nächsten Tag zur Busstation auf, welche etwas nördlich gelegen ist. Ticket gekauft und warten. Der Bus kommt, ich darf einsteigen. Viel Platz und eigentlich doch recht bequem, was wichtig ist für ne 3 Stunden Bustour. In Jerantut angekommen, stürmen gleich alle Leute auf den Bus zu. Wo willst du hin? Wo kommst du her? Möchtest du etwas kaufen? Da muss man sich dran gewöhnen. Gott sei Dank hatte ich ja auf Bali schon einige Erfahrung damit gesammelt. Nein, ich will nur weiter. Weiter nach Kuala Tahan. 2 Möglichkeiten ergeben sich jetzt. Die erste heißt 3 Stunden auf den öffentlichen Bus warten. Die zweite ein Taxi nehmen. Ich schließe mich mit einem italienischen Pärchen zusammen und wir teilen uns das Taxi. Ratzbatz sind wir auch schon da. Gleich mal auf die andere Seite des Flusses rübergesetzt wo der National Park anfängt. Hier hole ich mir den Parkpass. Wieder zurück brauche ich noch ne Unterkunft. Die Preise scheinen doch etwas zu variieren. Günstig ist meine Marke. So bleibe ich auch auf Anraten eines anderen Backpackers nahe zum Fluss und checke in Rippi´s Hostel ein. Nun ja, eher gesagt ist das Rippi´s Haus, wo er in 3 anderen Zimmern Betten rein gestellt hat. Nicht das Beste, aber günstig. Das er noch nicht mal nen Waschbecken hat merke ich erst später. Es scheint einigermaßen sauber zu sein. Zu viel erwarten darf man nicht. Auf der Veranda hat er ein paar Gitarren rumstehen. Toll! Ich klimpere ein wenig drauf rum, bevor ich auf den Floating Restaurants unten am Fluss was essen gehe. Schlaf.

Am nächsten Morgen wird erstmal gefrühstückt. Ich will gleich rüber in den Dschungel und ein wenig wandern. Gestern hatte ich schon von Schaudergeschichten gehört. Der Grund: Blutegel! Diese nette Tierchen gibt’s da im Busch zuhauf. Sie klettern recht flink an den Klamotten hoch und saugen Blut. Am Abend zuvor hatte ich die Beine einer anderen Backpackerin sehen können und muss sagen, dass ich nicht unbedingt scharf auf solche Bisse war. Ich ziehe ne lange Hose an, welche man dann in die Socken stecken soll (was ich natürlich nicht gemacht habe, warum auch). Im Dschungel bewege ich mich ständig auf der Suche nach Blutegeln vorwärts. Ich kann keine entdecken was mich freut. Mein Ziel ist ein Swingbridge Walkway in den Bäumen. Das ist auch nicht allzu weit zu laufen. Toll! Aber das Klima hier im Dschungel ist ganz schön dick. Ich schwitze aus allen Poren und die Kamera beschlägt. Die Swingbridges sind dann ganz schön wackelig und lang. Viel Wildlife ist aber nicht zu sehen. Einen Hornbill Vogel kann ich entdecken. Das war es auch schon. Na ja, wieder zurück checke ich ob sich doch irgendwelche Blutegel an mir fest gesaugt haben. Nichts zu sehen. Kurze Zeit später sehe ich Blut an meinem Bein herunter laufen. Ein Blutegel hat es dann wohl doch geschafft. Na ja, das hört auch irgendwann wieder auf. Ich buche für den Nachmittag einen Bootstrip zu den Orang Asli. Das ist ein Nomadenvolk, welches hier im Dschungel lebt und so aussehen wie die Aboriginals in Australien. Der Tourguide sagt, dass diese den gleichen genetischen Ursprung haben. Sie zeigen uns, wie man innerhalb von weniger als 2 Minuten ein Feuer macht. Dann gibt’s noch eine Blasrohr Demonstration. Dazu wird auf einen Teddybären gezielt, der auf einer Styroporplatte angebracht ist. Wir dürfen dann auch mal probieren. Die Mädels sind gar nicht so schlecht und treffen zu mindestens die Styroporplatte. Jetzt will ich auch mal. Ansetzen. Anvisiersen. Korrigieren. Kurzer Blasstoß. Ich verfehle den Teddy nur um Haaresbreite. Man ist erstaunt über meine Fähigkeiten und bietet mir spaßeshalber an, gleich dort zu bleiben und als Jäger mein Geschick im Dschungel zu verfeinern. Nein danke. Die Zivilisation ist mir dann doch lieber. Auf dem Rückweg machen wir noch am Ufer halt um an einem Seil in den Fluss zu schwingen. Das war ein Spaß! Zurück im Hostel relaxe ich ein wenig mit der Gitarre auf der Veranda. Zum Dinner treffe ich wieder auf das italienische Pärchen. Lustig ist es. Im Hostel bin ich fast der einzige Gast. Nur Dani (UK) hat sich auch hierhin verirrt. Sie erzählt mir, dass sie eine Ratte in unserem Zimmer gesehen hat. Als sie daraufhin Rippi angesprochen hat, hat dieser wohl nur gelacht. Was soll er sonst auch tun. Vielleicht eine Tür für sein Haus besorgen? Den Müll nicht aus dem Fenster schmeißen? Es scheint wohl ein bekanntes Problem zu sein. Nun ja, wohl nicht für ihn. Während ich mich mit Dani unterhalte, können wir die Ratte (oder doch nur ein riesengroße Maus?) beobachten, wie sie die Kabel des Ventilators empor klettert und danach in der Wand verschwindet. Hmmmm. Viel machen kann ich da wohl nicht. Schlafenszeit. Bevor ich einschlafen kann, schreckt Dani in ihrem Bett auf. Sie meint die Maus (???) war in ihrem Bett. Nicht gut! Ich rate ihr ins obere Bett zu wechseln. Sie bleibt unten. Ich schlafe ein und werde abrupt aus einem tollen Traum geweckt. Ich hatte das Gefühl das etwas an meinem Fuß nagt. Nicht gut! Was tun? Weiter schlafen und aufs Beste hoffen! Ich werde wieder geweckt. Dani meint das Vieh war wieder in ihrem Bett und ist über ihre Beine gelaufen. Sie wechselt dann doch ins obere Bett. Gott sei Dank ist es schon 6 Uhr morgens. In einer Stunde klingelt mein Wecker. Dani hat kaum geschlafen meint sie. Ich gebe ihr den Rat sich ne andere Herberge zu suchen. So bin ich dann auch kurze Zeit später mit Sack und Pack am Busstopp. Nächster Halt sind die Cameron Highlands.

Zwischen dem ganzen Bus hin- und hergewechsele treffe ich wieder auf die Italiener. Witzig. Die meiste Zeit der Fahrt nutze ich zum Schlafen. Die Bleibe die ich dort habe gleicht eher einer Jugendherberge. Ein riesiger Saal mit Dutzenden von Betten. Das Klima hier ist deutlich kühler und damit angenehmer. Dieser Ort hier ist ein Mekka der Wanderer. Die Berge ringsum laden dazu ja auch ein. Ich treffe wieder auf Annemarie, welche mir prompt versichert, dass ich morgen mit ihr hiken gehe. Läuft! Abends gehen wir zum Inder essen. Sehr lecker, aber leider nicht so bekömmlich für meine Verdauung. Muss man durch. Am nächsten Morgen machen wir uns auf, den Mount Brinchang zu erklimmen. Angeblich der härteste Walk hier. Ein Kinderspiel für uns. Leider umgibt sich die Spitze heute mit Nebel, sodass uns der schöne Ausblick verwehrt bleibt. Auf dem Weg runter lassen wir uns von nem Farmer mitnehmen. Der erzählt uns dann auch ne ganze Menge über Tee, welcher hier großflächig in den Hügeln angebaut wird. Ein toller Anblick! Wir machen noch einen Streifzug durch die Teeplantagen und gönnen uns ne Tasse im Teehaus.

Samstag. Abreise nach Penang. Das ist ne Insel hoch im Norden Malaysias. In Georgetown suchen wir uns ne nette Bleibe in Chinatown und am Nachmittag sitzen wir schon wieder im Bus um zu dem größten buddhistischen Tempel Malaysias zu fahren. Hier gibt’s ne 36 Meter Hohe Buddha Statue zu bewundern. Alles sehr toll. Abends steht Pizza auf dem Programm. Da wir keine gescheite Pizzeria finden können, landen wir bei Pizzahut. Wir brauchen doch einige Zeit um unsere Wahl zu treffen. Schuld daran sind die Value Meals. Vom Preis her auf jeden Fall ne Überlegung wert! Da Annemarie aber Vegetarierin ist, würde das heißen, dass ich ganze 4 anstatt 2 Hühnersuppen essen darf. Zu unser aller Erstaunen essen wir alles auf. Manchmal braucht man eben auch mal was deftiges und nicht nur Reis oder Nudeln. Mit vollem Magen schleppen wir uns zurück zum Hostel.

Sonntag. Der Tag der Entscheidungen. Eigentlich wollten wir rüber nach Langkawi. Unter Berücksichtigung aller möglichen Faktoren, canceln wir Langkawi. Annemarie wird noch ein paar Tage auf Penang bleiben. Ich hingegen entscheide mich erstmal gegen Thailand. Sag alles ab. Ich buche spontan einen Flug nach Phnom Penh. Das ist in Kambodscha. Es geht also kreuz und quer. Abends gehen wir mit Paul und Zoe an einem Food Court essen. Malaysische Kochkultur. Froschsuppe? Oder gar Fischkopf Curry? Nein danke.

Ich verabschiede mich dann auch am nächsten Morgen von Annemarie. Ab zum Flughafen. Ein kurzer Zwischenstopp in KL und dann geht’s weiter nach Phnom Penh. Der Flug ist etwas turbulent, aber wen stört es so lange man heile wieder unten ankommt. Am Flughafen gibt’s noch schnell das Visum in den Passport und schon bin ich draußen. Hier strömen sie gleich wie die Bienen um mich herum. Transport Transport Sir? Ja, in der Tat, ich brauche Transport. Meine Wahl fällt auf das hier gängige Tuk Tuk. Im Prinzip nichts anderes als in Moped mit Anhänger für Passagiere. Der Verkehr ist der Wahnsinn. Alle fahren kreuz und quer. Geisterfahrer sind keine Seltenheit. Man fährt erstmal auf der falschen Seite um sich dann allmählich auf der richtigen Fahrbahnseite einzuordnen. Hier wird komischerweise auch wieder rechts gefahren. Bin ich gar nicht mehr gewohnt. Ich unterhalte mich ein wenig mit nem Iren auf meinem Zimmer über dies und das. Wir sitzen später mit anderen beim Dinner. Man tauscht sich aus über diverse Spots die man schon besucht hat und für andere noch relevant sind. Nach dem Frühstück tags drauf, mache ich mich mit Lasse auf in das S21 Gefängnis aus der Khmer Rouge Zeit. Unglaubliche Gräueltaten haben hier unter dem Pol Pot Regime stattgefunden. Einer der wenigen Überlebenden verkauft dort sein Buch. Ich kaufe es gerne. Danach fahren wir zu den Killing Fields. Hier wurden tausende ermordet und in Massengräbern verbuddelt. Unglaublich! Durch Erosion kommen auf den Wegen die Knochen und Kleidungsüberreste wieder zum Vorschein. Krass! Dazu kommt, dass man das ganze Areal noch nicht vollständig untersucht hat. Die Wahrscheinlichkeit noch mehr an Überresten zu finden ist sehr hoch. Einfach nur krass. Wir machen uns wieder auf den Weg zurück. Entlang der Straße sieht man Leben. Generell spielt sich ja das Leben in Asien auf der Straße ab. Die Menschen wohnen, essen, leben ja an dieser. Wir machen am Königspalast halt. Da ich nur ein Trägershirt anhabe bekomme ich keinen Zutritt. Völlig vergessen! Ordnung muss sein. Na ja, dann eben nächstes Mal, da ich keine Lust habe mir vor Ort ein Shirt zu kaufen. Zurück zum Hostel. Schön am Mekong entlang. Abends gehe ich mit Lasse was essen. Er erzählt mir von seinem Trip quer durch Georgien, Tadschikistan und Kirgisien. Verrückt und faszinierend zugleich!

Am nächsten Morgen sitze ich im Bus. Es geht nach Siem Reap. Dieser Ort ist das Must See von Cambodia. Der Grund hierfür sind die Tempelanlagen von Angkor, welche sich über ein weites Areal erstrecken. Der bekannteste Tempel ist Angkor Wat welchen ich mir unbedingt anschauen muss! Zwischen den Tempeln und mir ist nur eine kleine Fahrt von circa 6 Stunden auf denen man durch die großen Busfenster das Treiben draußen beobachten kann. Ein armes Land, das ist klar. Die Fahrt vergeht recht zügig, da mein Buch gut ist (Going Postal von Nathan Millward). In Siem Reap lasse ich mich von einem Tuk Tuk Fahrer bequatschen. Die Bilder von dem Hostel in das er versucht mich zu kutschieren sehen nicht schlecht aus. Billig ist es auch. Na gut. Ich kann ja mal schauen. Tatsächlich finde ich es dort ganz nett und bleibe. Ich schaue mich ein wenig in der Stadt um welche mir auf Anhieb gefällt. Toll! Am nächsten Morgen geht’s dann nach Angkor Wat. Wahnsinn! Einfach nur toll! Dieser Tempel ist so was wie das Wahrzeichen ganz Kambodschas. Absolut einmalig! Viele Bilder zu knippsen. Ich bin irgendwann fertig und mache es mir bei einer kalten Cola und was zu essen gemütlich. Kinder kommen wie überall an den Tisch und versuchen Postkarten oder Bücher zu verkaufen. Ich hab ein Herz und kaufe einem Mädchen 10 ab. 1 Dollar kostet mich das. Quasi nichts. Ein kleiner Junge, vermutlich der kleine Bruder, möchte das ich ihm seine auch abkaufe. Ich habe ja aber schon zehn versuche ich ihm zu erklären. Verzweifelt sagt er mir, dass es doch aber ganz andere Motive sind. Sogar Affen und Elefanten seien auf seinen zu sehen. Ich kaufe sie nicht. Kaum sitze ich wieder im Tuk Tuk auf dem Weg nach Angkor Thom fühle ich mich schlecht. Wie einfach wäre es gewesen ihm seine Postkarten abzukaufen. Was er mit dem Geld gemacht hätte, oder für wen das Geld tatsächlich gewesen wäre weiß ich nicht. Ich fühlte mich mies. Wahrscheinlich nichts im Vergleich dazu, wie die Menschen sich hier fühlen. Einfach abhängig vom Tourismus. Kinder gehen nicht zur Schule, sondern müssen einfach versuchen Geld zu verdienen. Egal ob sie 4, 8, oder 12 Jahre alt sind. Ich werde aber schnell von diesen Gedanken wieder abgelenkt, denn der nächste Tempel ist Bayon, welcher absolut großartig ist. Hie sieht man auch die absolut großartigen Gesichter in Stein gemeißelt. Toll! Bilder bis zum Abwinken. Danach stehen noch 3 weitere Tempel auf dem Programm. Was für ein Tag! Ganz kaputt bin ich abends, als ich wieder zurück bin. In der Stadt halte ich meine Füße noch mal kuz in ein Becken mit solchen Piranha Fischen die einen Spß dran haben mir die Haut von den Füßen zu fressen. Kitzelig. Noch was essen, ein wenig Internet und dann schlafen. Muss beim Einschlafen an den kleinen Jungen denken. Hätte ich doch bloß seine Postkarten gekauft! Zu mindestens ich würde mich jetzt besser fühlen. Aber geht’s darum? Tags drauf stehen die letzten Tempel auf meinem Plan. Ich denke man wird mir noch oft Postkarten verkaufen wollen. Vom Prinzip her muss es einfach laufen…

6 Kommentare»

  Sir Toby hat @ geschrieben

Hörst du wohl nicht auf zu schreiben…. Ich will da auch noch mal lengs.. HAlt die Ohren steif

  Olaf hat @ geschrieben

Hättest du bloß dem armen Jungen die Postkarten abgekauft! Bei jedem Euro den du zukünftig ausgibst, sollst du an den armen Jungen denken, der diesen Euro viel besser hätte gebrauchen können! Fahr sofort zurück, such den Jungen und kauf ihm die Postkarten ab, MANN!

  maike hat @ geschrieben

….und bin doch traurig, wenn es bald zu ende sein wird. aber natuerlich nur mit einem auge. das andere ist hoechst erfreut dich bald wieder zu sehen. so wird es doch sein,oder?? und ich persoenlich bin gerade ein bisschen froh nicht jeden (oder fast jeden) tag ein neues hostel suchen zu muessen. ein eigenes zimmer ist aufjedenfall gut was wert….finde ich:-)!
ich werde hier nun mal meine diplomarbeit vorantreiben, ein kuesschen noch dazu, hasta luegito maike

  Carmen hat @ geschrieben

Hi Mario-

Nachricht aus einer vergangenen Zeit… hab mich in letzter Zeit oft an Dich erinnert, mein Australien-Büchlein rausgeholt und deine mega-HP-Adresse eingegeben… schön von Dir zu lesen! Erinnerst Du Dich an mich??? … Darwin, sunset-market… sonnenuntergang… feiern und auf dem bürgersteig über gott und die welt reden…

LG Carmen

  Mario hat @ geschrieben

Hallo Carmen! Natuerlich erinnere ich mich an dich! Falls ich je ein Buch schreibe, bist du die erste die es je Probelesen darf! Wie schauts aus mit dem neuen Job (obwohl mittlerweile ist der wohl nicht mehr so neu ;-) ? Hoffe alles bestens bei dir! ist es nicht schoen mal das Australienbuch wieder rauszuholen? da kommen bestimmt tolle Erinnerungen hoch was?
cheers
m

  Carmen hat @ geschrieben

schon wieder viel zu lange her … ja, das australienbuch aufzuklappen ist jedesmal wie eine reise in eine andere welt … und man wird melancholisch. war ne schöne zeit … wenn auch kurz und mal viel viel kürzer als deine =) wo steckst du gerade? falls du mal zwischendurch nach Deutschland jetten solltest meld dich … Grüße ans andere Ende der Welt (wird in jedem Fall irgendwie passen)! Denk an dich


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