Und am Ende ist es irgendwie still. Nicht weil die Geräuschkulisse einfach verschwindet, nein. Schlicht und ergreifend weil mir die Sprache wegbleibt und ich weder weiß was ich sagen noch denken soll. Das was ich da auf dem Monitor sehe wirkt so vertraut und doch so anders. Schreie, Sirenen und Panik scheinen überall zu sein, doch in mir wird es ganz still. Christchurch im Februar. Christchurch im Sommer. Christchurch in unglaublichem Entsetzen über das gerade Geschehene. Man möchte die Augen verschließen, nichts sehen und einfach nicht daran glauben. Zu sehen gibt es trotzdem was…
Es ist Anfang Februar. Ich bin mit meiner Südinsel-Erkundung fast durch. Von Nelson aus muss ich nur noch die Marlborough Sounds erkunden. Eine zerklüftete Fjordlandschaft im Norden. In meiner Vorstellung verspreche ich mir einen Haufen guter Bilder. So düse ich auch von Nelson Richtung Norden. Allein. Nur die Sonne leistet mir Gesellschaft. Der Bräunungsgrad meines rechten Arms ist mittlerweile doch um einige Stufen höher als der des linken Arms. Das Fenster immer schön runter und Arm raus. Nur so geht’s! Schließlich ist ja auch Sommer und man muss das ja auch genießen! Ich nehme den Abzweig Richtung French Pass. Eine abgelegene Halbinsel. Kaum bewohnt. Tolle Bilder erhoffe ich mir, werde aber tierisch enttäuscht als ich die Straße entlang der Küste fahre.
Hinter den Bäumen kann man tolle Buchten erahnen. Dabei bleibt es aber auch. Kaum mal eine Lücke wo man anhalten könnte und Ausblick hat. Dann fängt auch irgendwann die Gravel-Road an. Jetzt wird’s staubig. Egal. Ich mag Gravel-Roads. Offroad-Feeling én masse. Irgendwann hab ich dann auch Ausblick, und was für einen. Bäume muss ich in dem sich mir bietenden Panorama suchen. Buchten, der Ozean, die Sonne und ich. Herrlich! Die Sonne steht mittlerweile auch schon etwas tiefer, so dass langsam alles anfängt goldgelb zu leuchten. Ich kann gar nicht aufhören zu knippsen. In French Pass wird mir klar, dass ich hier aber nicht übernachten will, sondern viel lieber die lange Strecke heute wieder zurückfahren möchte und vielleicht noch das ein oder andere Foto machen möchte. Man weiß ja auch nie wie das Wetter am nächsten Tag wird, und den strahlend blauen Himmel im Zusammenspiel mit der untergehenden Sonne und diesen herrlichen Buchten will ich mir nicht entgehen lassen. So schaffe ich es am Abend noch fast nach Picton, wo ich am nächsten Morgen nur noch schnell auftanke um entlang des Queen Charlotte Tracks den Marlborough Sound abfahre. Aber auch hier kaum etwas zu sehen außer den Buchten. Irgendwann sieht es auch alles gleich aus. Ich campe abends auf einem geräumigen Campingplatz und werde Zeuge eines atemberaubenden Sonnenuntergangs. Der Himmel färbt sich glutrot bevor das Tageslicht ganz verschwindet. Am nächsten Tag fahre ich weiter hoch bis nach Titirangi. Aber auch hier kaum mal die Möglichkeit was von den weiten Aussichten zu genießen.
Hier in der Nähe liegt auch die MIKHAEL LERMENTOV. Damals in Wismar gebaut, gilt dieses gesunkene Kreuzfahrtschiff als das größte tauchbare Kreuzfahrtschiffswrack der Welt. Ja, das wär mal was. Ich nehme das mit in meine Liste auf. Jetzt geht es über die Gravel-Roads wieder zurück in Richtung Picton, von wo aus ich mich weiter an der Küste entlang vorarbeite. Ich schaffe es am Abend bis kurz nach Kaikoura. Blenheim habe ich einfach links liegen lassen. Kickte gar nicht. Kaikoura hingegen ist mir sofort sympathisch. Das wusste ich aber auch schon Wochen vorher. Warum weiß ich nicht. Eine tolle Bucht, im Hintergrund eine faszinierende Bergkette und dazu ein recht nettes Naturschauspiel. Dieses naturschauspiel kann man östlichen Ende der Kaikoura Halbinsel beobachten. Hier gibt es eine Robben Kolonie. Die Jungs liegen den halben Tag faul auf den Felsen herum und lassen sich von den unzähligen Touristen ablichten. Ich tue es ihnen gleich und mache dazu noch den Peninsula Walk. Am Abend geht’s wieder auf ne Campsite in der Nähe. Am nächsten Morgen bin ich schon voller Vorfreude, denn es geht wieder zurück nach Christchurch! Juhu!
In Kaikoura nehme ich noch schnell eine Tramperin mit. Sie ist aus Finnland heißt Maria und amüsiert sich köstlich über die paar finnischen Brocken die Timo mir in Australien beigebracht hatte. So wird die Fahrt auch recht kurzweilig. Da es ja Sommer ist und einige Hostels in der Stadt aufgrund des Erdbebens vom September immer noch geschlossen sind, hatte ich mir vorsorglich ein Bett im Foley Towers reserviert. Dort endlich angekommen, führt mein erster Weg mich unter Dusche. Eine anständige Rasur ist auch längst überfällig. Frisch rasiert fühle ich mich auch gleich viel besser. Abends treffe ich mich mit Jacek und Sina. Wir schauen mal im Bismarck vorbei, wo uns Kathi frisches Becks vom Fass serviert. Oh man, Becks vom Fass! Wie lange hatte ich schon kein vernünftiges Bier in meiner Kehle gehabt. Ein Hochgenuss!
Sonntag. Ich genieße die Sonne und hänge rum. Mal am Piano, mal einfach draußen in der Sonne. Ich hab ja nix zu tun außer zu warten. Worauf? Ich hatte mir ein Unterwassergehäuse für die Kamera bestellt und das muss nur noch ankommen. Sobald das da ist, bin ich weg denke ich mir. So verstreichen die Tage im achso wunderschönen Christchurch und ich habe viel Spaß mit all den Leuten die noch da sind von vorher, und natürlich auch mit denen die ich neu kennen lerne. Ich infiziere alle mit dem Scrabble Virus. Ob sie wollen oder nicht. Die Scrabble Duelle mit Christian verfolgen mich heute noch manchmal im Schlaf. In der spielfreien Zeit schlendere ich durch die Stadt oder hänge mich vor das Piano und gebe mich ganz diesen Momenten hin. Toll! So kommt auch irgendwann das Kameragehäuse an und es wird klar, ein letztes Mal ins Mickey Finns muss sein. Wir haben einen tollen Abend und am Ende lass ich mich dann doch sogar noch überreden noch einen Tag länger zu bleiben. Mach ich doch glatt! Zum Abschied bekomme ich noch ein Reise Scrabble Spiel geschenkt. Toll! Ich spiele ein letztes Mal auf dem Piano und frage mich, ob es wirklich das letzte Mal ist, dass ich nach Christchurch komme. Hmmm, vermutlich schon, aber Pläne ändern sich ja ständig. Aber ich bin mir fast sicher, dass ich irgendwann auf jeden Fall noch einmal wiederkomme. So verabschiede ich mich auch dann von allen und mach mich aus dem Staub. Ich versuche noch für den nächsten Tag einen Platz fürs Delphinschwimmen in Kaikoura zu bekommen. Alles bereits ausgebucht. Ich komme nur auf die Warteliste. Zufälligerweise wird dann dann spontan doch noch ein Platz frei. Super!
So stehe dann auch Sonntag morgens um 20 Minuten nach 5 auf der Matte. Es gibt ne Einweisung, Wetsuits und Ausrüstung. Dann sitzen wir auch schon kurze Zeit später auf dem Boot und fahren die Küste entlang. Die Sonne geht jetzt auch auf. Toll! Ein schöner Anblick. Nicht viel später ist dann auch ein Gruppe von Delphinen zu sehen. Jetzt heißt es fertig machen und warten auf das Zeichen um das Wasser zu entern. Delphingeräusche sollen wir durch unseren Schnorchel machen. Das würde das Interesse dieser Tiere in uns erheblich steigern. Ich springe ins Wasser. Die Kamera in meiner Hand. Ob wir überhaupt Glück haben und die Delphine nicht einfach weiter ziehen frage ich mich nach wenigen Sekunden. Dann hatte ich aber auch schon das erste Vergnügen mit einem dieser putzigen Gefährten. Er kreist in einem Abstand von anderthalb Metern um mich herum und ich habe Mühe ihm zu folgen. Auge in Auge mit dem Delphin. Hoffentlich nimmt die Kamera auch alles gut auf! Dann gesellt sich ein zweiter Delphin zu mir und irgendwann realisiere ich, dass diese überall sind. Das ständige Geräusche machen ist aber ganz schön anstrengend. Irgendwann sind die Tiere aber weg und wir dürfen wieder ins Boot. Weiter geht’s. Wir finden eine neue Gruppe und springen rein. Dieses Mal ist die Gruppe aber gar nicht an uns interessiert. Wie fahren weiter. Dann sehen wir vom Heck des Bootes, dass wir uns mit einer Gruppe von circa 200 bis 300 Delphinen bewegen. Wahnsinn! Wir dürfen dann wieder ins Wasser und hier herrscht jetzt ein wahres Tumult. Die Delphine kommen aus allen Richtungen und man weiß gar nicht wohin man schauen soll.Ich habe das Gefühl mich in einem Strom aus Delphinen zu bewegen. Ein einzigartiges Erlebnis. Der helle Wahnsinn. Dann ist der Spaß aber auch wieder vorbei. Vom Boot aus beobachten wir, wie sie ihre Saltos machen, oder wie sie am Bug des Boots die Fahrlinie kreuzen. Einfach fantastisch zuzuschauen! Noch ganz geplättet von diesem Erlebnis, setze ich mich an den Strand und unterhalte mich ein wenig mit einem Einheimischen. Viel Zeit bleibt aber nicht, denn ich will ja auch gleich mit den Robben Schwimmen.
Diese Gefährten sind an Land mit Vorsicht zu genießen, da sie sich territorial verhalten. Unter Wasser sind sie aber recht harmlos. Mit den hinteren Flossenfüssen an der Wasseroberfläche, hängen sie kopfüber unter Wasser und beobachten das Geschehen um sie herum. Neugierig schauen sie mich mit ihren großen Augen an, während ich sie umkreise und die Kamera fleißig filmt. Absolut faszinierend diesen Tieren beim Schwimmen oder Tauchen zu beobachten! Das sind wahre Schwimmkünstler die richtig Spaß dabei haben sich zu drehen. Ganz nah kommen sie manchmal und sind irgendwie an der Kamera interessiert. Das macht richtig Spaß! Leider stören die Wetsuits ein wenig, da es mir so leider nicht möglich ist wegen des Auftriebs mit diesen Akrobaten zu tauchen. Schade, denn da hatte ich richtig Bock drauf. Naja, man kann ja nicht alles haben.Völlig berauscht von diesen Erlebnissen, mache ich mich dann mit einem dicken Grinsen weiter in Richtung Picton auf. Hier suche ich mir noch ein nettes Plätzchen für die Nacht auf einem Rastplatz außerhalb. Am nächsten Tag buche ich mich gleich für einen Tauchtrip zur Mikhal Lermentov ein. Mit dem Unterwassergehäuse ist das für mich jetzt absolute Pflicht. Dummerweise habe ich aber noch 2 Tage Zeit, bevor der Trip startet. Das gibt mir Gelegenheit mein Lieblingscafé zu finden. Ein toller Cappuccino darf es sein. Leider schafft es keins der ortsansässigen Cafés mich zu überzeugen. Einfach unzufriedenstellend. Am nächsten Tag darf ich schon mal den Wetsuit und das Equipment anprobieren. Kurze Zeit später wird der Trip abgesagt. Zu windig ist es. Zu gefährlich damit. Na super! Da hat man schon mal die Gelegenheit an so einem tollen Wrack zu tauchen, und dann das. Wann der nächste Trip raus geht weiß man nicht. Vielleicht in einer Woche??? Nein, warten kann ich hier nicht. Und schon gar nicht hier in Picton. Ich könnte nach Christchurch fahren und dort warten, aber mir wird klar, dass ich einfach weiter muss. So buche ich spontan die Fähre nach Wellington für den nächsten Morgen.
Mittwoch. Halb 5 Uhr morgens. Ab zur Fähre. Dort muss man ja zwangsweise immer warten. Genügend Zeit für ein Frühstück. Auf der Fähre schaut man sich dann schnell um, und kennt bereits jede Ecke nach 5 Minuten. Die Kamera natürlich dabei, denn auf gar keinen Fall möchte ich den Sonnenaufgang verpassen! Während wir gemächlich durch den Sound tuckern ist die Sonne auch schon etwas emporgestiegen und fängt nun an, diese einmalige Landschaft ins rechte Licht zu setzen. Toll! Die Überfahrt dauert auch nur 3 Stunden. Neuseelands Nordinsel begrüßt mich als erstes mit unzähligen Häusern auf den Hängen der Berge. Ja, die Nordinsel ist wesentlich dichter besiedelt. Wellington begrüßt mich mit Sonne pur. Ich fühle mich sofort wohl. Schnell einen Parkplatz gesucht und die Stadt erkundet. Das erste Café das ich ansteuere ist sofort der Volltreffer. Cappuccino nach meinem Geschmack. So schmeckt der Sommer! Das Gefühl hier in der Stadt gefällt mir. Alles ein wenig gechillt und relaxt. Ich steige wieder ins Auto und fahre ein wenig in der Gegend umher und finde auf Anhieb auch nen guten Rastplatz für die Nacht auf der anderen Seite der Bucht. Dann fahr ich hoch zum Mt. Victoria Lookout, von wo man die ganze Stadt bewundern kann. Kaum zu glauben, dass Wellington die Hauptstadt ist, weil sie eigentlich gar nicht so groß wirkt. Naja, egal. Ich begebe mich danach direkt ins Te Papa. Das ist quasi DAS Museum Neuseelands. Hier gibt’s allerhand zu sehen! Am besten hat mir die Ausstellung des Photographen Brian Brake gefallen. Dieser Herr, ist wahrscheinlich der bekannteste Fotograf den Neuseeland je gehabt hat. Danach geht’s zu meinem Rastplatz für die Nacht. Von hier aus sieht man die Stadt im Dunkeln übers Wasser leuchten. Schön! Am folgenden Tag schaue ich mal am Parlamentsgebäude vorbei und schlendere ein wenig durch die Shops. So lässt sich mal ganz schnell ein Tag verdrömeln.
Freitag. Abreise aus Wellington. Gerne würde ich mich noch etwas länger hier aufhalten, denn ich mag das Flair der Stadt irgendwie, aber es muss ja weitergehen. So hole ich mir morgens noch einmal einen Cappuccino von meinem Lieblings-Café. Toll! Dann geht’s auch gleich Richtung Cape Palliser. Das ist der südlichste Punkt der Nordinsel. Ziemlich rough die Landschaft hier. Ein Haufen Robben kann man hier beobachten. In der Nähe gibt’s noch die Putangirua Pinnacles, welche auch als Drehort für die Herr der Ringe Triologie herhalten durfte. Viel Zeit zum Herumhängen gebe ich mir dort aber nicht, denn ich will heute noch zum Castlepoint. Das sind auch einige Kilometer die da heute zusammenkommen. Castlepoint ist ein toller Spot! Leuchtturm, Strand und alles was man so braucht für nette Bilder. Leider bin ich schon spät dran und kann den Walk auf den großen Felsen nicht mehr machen, da die Sonne schon recht tief steht. Übernachten will ich hier aber auch nicht. Deshalb geht’s auch wieder zurück nach Masterton wo ich mir auf einem nahe gelegenen Rastplatz noch schnell ein Süppchen koche, bevor ich mich ins Traumland begebe.
Das nächste Ziel mache ich tagsdrauf schnell ausfindig. Nach Napier soll es heute gehen. Auf dem Weg mache ich noch einen Abstecher auf den Te Mata Peak. Von hier oben gibt’s ne tolle Aussicht. Zudem macht sich von hier auch ein Paraglider auf in die Höhe. In Napier angekommen trifft mich der Schock. Die Stadt ist total überfüllt mit Touristen. Man kann nirgendwo parken. Alles ist voll. Tausende Menschen. Was ist hier nur los? Das finde ich dann aber auch schnell raus, nachdem ich einen Parkplatz gefunden hatte. Es ist das Art Deco Wochenende, welches in Napier anscheinend nur einmal im Jahr stattfindet. In Napier gab es in den 30er Jahren mal ein richtig heftiges Erdbeben, welches so ziemlich die ganze Stadt platt gemacht hat. Da Art Deco zu der Zeit irgendwie angesagt war, hat man halt viel Gebäude in dem Stil neu gebaut. So kann man halt ganz viel Art Deco Gebäude anschauen, oder auch die unzähligen Oldtimer begutachten die zu Hunderten in Reih und Glied geparkt sind, während die Besitzer freudig Auskunft über ihr Gefährt geben. Dazu sieht man dann ein Vielzahl an Einheimischen, die sich ganz stilgerecht gekleidet haben. Diese ganze Szenerie geht mir erst ein wenig auf den Keks, weil alles so überfüllt ist. Dann finde ich aber Gefallen daran und versuche ein paar Szenen mit der Kamera einzufangen, die halt einfach alt aussehen. Das ist schon witzig diese ganzen verkleideten Leute in einem Café sitzen zu sehen. Sehr schön.
Aber weiter geht’s. Ich will heute noch nach Taupo kommen. Kaum aus Taupo heraus, wartet ein Tramper am Wegesrand. Ich nehme ihn mit. Er kommt aus Napier, heißt Blair und klärt mich über den Art Deco Wahnsinn auf. Die folgenden anderthalb Stunden Fahrt kommen mir vor wie 10 Minuten, was daran liegt das wir ziemlich interessante Unterhaltungen führen. Ich setze ihn in Taupo ab und suche den freien Campingplatz auf. Es ist schon spät. Essen. Schlaf.
Am nächsten Tag bummele ich ein wenig durch Taupo, und treffe natürlich auch auf Blair und seine Frau. In einem Café schnacken wir noch ein wenig, dann muss er los. Ich auch. Die Huka Falls stehen nun auf dem Programm. Danach geht’s nach Orakei Korako um mir anzuschauen, wie thermal aktiv die ganze Gegend hier ist. Geysire und Matschpfützen, die vor sich hinblubbern, lassen mein Herz nur ein wenig höher schlagen. Der ganze Gestank der dabei zum Tragen kommt, lässt mich die Nase rümpfen, sodass ich dort nicht allzu viel Zeit verbringe. Ich dampfe ab. Für den nächsten Tag steht das Tongariro Alpine Crossing auf dem Programm. Das ist einer der beliebtesten Tages-Wanderungen in Neuseeland. Dieser Track ist 19,4 km lang und gehört angeblich sogar zu den Top 10 Tageswanderungen in der Welt. So begebe ich mich abends in die Nähe des Tongariro National Parks, wo ich die Nacht auf ner Campsite verbringe. Um 5.30 Uhr heißt es dann aufstehen und zum Ende des Tracks fahren. Eine kleines Frühstück und schnell den ganzen Kram im Rucksack verstaut. Dann werde ich und andere Hiker um halb 7 abgeholt und zum Start des Tracks gefahren. Auf dem Weg bietet sich eine wunderschöne Aussicht, den das ganze Umland liegt noch völlig verschlafen da. Eingehüllt von einer zuckerwatteartigen Wolkenschicht. Herrlich anzuschauen! Ich hoffe das sich die Wolken noch solange halten, bis ich auf den ersten Berg hoch bin und von oben ein paar Bilder davon knippsen kann. Am Startpunkt angekommen, wird mir schnell klar, das ich bei weitem nicht der einzige bin der die Strecke heute bewältigen möchte. Busse kommen im Minutentakt und laden hunderte von Leuten ab. Dann mache ich mich auch schnell auf den Weg. Lieber schon einen Teil der Strecke bewältigen, bevor die Sonne höher steigt und es warm wird, denn das wird es heute auf jeden Fall. Strahlend blauer Himmel über mir.
Schon nach wenigen Hundert Metern merke ich die Knie. Hoffentlich halten sie durch. Berg hoch ist ja nicht so da Problem. Berg runter schon eher. Egal. Ignorieren und weiter. Es geht zuerst über ein flaches Stück ein paar Kilometer in Richtung erster Anstieg. Hier trennt sich dann schnell die Spreu vom Weizen. Überholmöglichkeiten gibt es auf dem schmalen Pfad kaum. Ein erster Aussichtspunkt dient als Rastplatz, für eine 5-minütige Pause. Zum Erstaunen vieler anderer Wanderer kommt plötzlich eine Nackt-Wander-Gruppe vorbei. Naja, wem es spaßt macht. Ich habe aber keine Lust hinter ihnen zu wandern, beebde meine Rast und mache mich deshalb auf. Weiter hoch zu kraxeln, was jetzt relativ schweißtreibend wird. Am ersten Pass angekommen bietet sich eine einmalige Aussicht. Sogar den Mount Taranaki kann man ganz klar sehen, und der ist immerhin gute 130km weit weg. Durch eine kleine flache Ebene geht es hoch zum nächsten Gipfel. Diese Landschaft hier ist einmalig. Kein Wunder also, dass man hier einige Wochen lang für die Herr der Ringe Filme gedreht hat (Mt. Doom). Dann kommt der nächste Aufstieg. Immer höher. Immer steiler. Immer anstrengender, da der Pfad nun mehr oder weniger aus Geröll besteht. Auf dem höchsten Punkt des ganzen Tracks angekommen, bewegt man sich in den Wolken. Alles sieht nun ganz bizarr aus. Die roten Krater und Klippen die man nun sehen kann, geben mir ein wenig den Eindruck, dass ich auch ganz gut auf dem Mars sein könnte. Auf der anderen Seite geht es nun bergab direkt auf die herrlich blau schimmernden Kraterseen zu. Ein wunderschöner Anblick! Zeit für eine Verschnaufpause. Danach geht’s durch eine weitere Ebene zum letzten Aufstieg. Wieder eine kleine Pause. Die Knie sind nun schon etwas weich und fangen langsam an zu brennen. Ab nun heißt es nur noch bergab. Ganze 10 km. Das mögen meine Knie gar nicht. Irgendwie schaffe ich es aber dann bis zum Ende des Tracks ohne große Schmerzen. Erschöpfung. Das war für mich wohl der erste und letzte Hike solcher Länge.
Ich setze mich gleich ins Auto und fahre weiter nach Wanganui. Hier gefällt es mir irgendwie nicht so, weshalb ich auch gleich aus der Stadt abdüse und mir ein nettes Plätzchen für die Nacht suche, nachdem ich am Strand noch schnell geduscht hatte. Hoch auf den Klippen, die untergehende Sonne vor Augen, lasse ich mir die gerade gekauften Steaks auf der Zunge zergehen. Toll! Solche Spots müsste man immer finden!
Dienstag. Es ist der 22. Februar. Immer noch Sommer. Die Sonne weckt mich morgens auf in dem sie mir direkt ins Gesicht scheint. Ich springe sogleich auf den Fahrersitz und cruise weiter Richtung Norden, immer schön die Küste entlang. Einen Cappuccino auf die Hand und die richtige Musik im Auto versüßen mir diesen Morgen. Das Wetter ist grandios und der Mt. Taranaki wird immer größer mit jedem Kilometer dem ich mich ihm nähere. Leider versteckt er sich auch immer mehr in einer größeren Wolke, je näher ich komme. Schade, da ich mir eigentlich vorgenommen hatte da ein Stück hoch zu fahren um Bilder zu knippsen. An eine ganztägige Besteigung des Gipfels ist überhaupt nicht zu denken. Da streiken die Knie. In Stratford mache ich kurz halt. In einem Buchladen findet es mich endlich. Seit 2 Wochen durchstöbere ich jeden Buchladen auf der Suche nach meinem neuen Buch. Nicht, das ich das alte schon fertig gelesen habe, aber es musste irgendwie ein neues her. Und natürlich nicht irgendein Buch. Nein, das richtige Buch sollte es schon sein. Es hat mich gefunden. Toll! Ich schaffe es am späten Nachmittag bis nach Waitomo. Hier gibt es eine riesige Anzahl an Höhlen. Im Visitor Centre suche ich mir das passende heraus und entscheide mich für die Lost World Epic Tour.
Auf einem Rastplatz mache halt für die Nacht. Kurz bevor ich mich Schlafen lege, klingelt mein Telefon. Mein Vater. Die Verbindung ist schlecht. Ich verstehe nur Erdbeben, Christchurch und kann mir aber keinen Reim darauf machen, denn er weiß doch, dass ich nicht mehr dort bin. Wir beenden das Gespräch und versuchen es mit einem erneuten Telefonat. Jetzt kann ich auch verstehen was er mir mitteilen möchte. In Christchurch hatte es ein Erdbeben gegeben. 6,3 auf der Richterskala. Einige Gebäude seien eingestürzt. Sogar die Kathedrale, welches ja das Wahrzeichen der Stadt ist solle nicht mehr stehen. Es habe Tote gegeben. Ich hatte ja keine Ahnung vom Passierten, da ich den ganzen Tag ja unterwegs war und von all dem nichts mitbekommen habe. Nach dem Gespräch frage ich mich als erstes wer von meinen Freunden denn wohl noch in Christchurch ist. Ich öffne das Telefonbuch meines Handys und fange bei A an. Arita ist nicht zu erreichen. B wie Brian. Erfolg. Er geht ran und wundert sich, dass ich überhaupt durchgekommen bin. Das Telefonnetz sei total überlastet bzw. zusammengebrochen meint er. Er schildert mir die Lage. Schrecklich meint er. Ich erkundige mich nach den anderen. Soweit er weiß ist niemandem von den Leuten die wir kennen etwas passiert. Ich kann das alles gar nicht glauben. Hoffentlich ist wirklich niemandem von unseren Freunden etwas passiert! Ungewissheit. Ich stehe am nächsten Morgen früh auf und hänge mich als erstes vor einen Computer mit Internetzugang. Das was ich da lese und auf Bildern sehe ist unglaublich. So viel Zerstörung, so viel Trauer, so viel Leid. Ich kann das irgendwie nicht begreifen. Die eingestürzte Kathedrale als Sinnbild für eine Stadt die am Boden liegt. In der Nacht hatte ich noch ein paar SMS bekommen in denen sich herausgestellt hat, dass es allen gut geht die ich kenne. Erleichterung, dies dann auch noch einmal im Internet zu lesen. Ich beantworte schnell ein paar Mails, und bestätige, dass es mir gut geht und ich nicht in Christchurch war. Die Zeitung die ich gekauft habe, zeigt das gleiche erschütternde Bild, welches sich mir bereits im Internet bot. Irgendwie will ich das nicht wahr haben. Das kann doch nicht sein!
Christchurch, diese wundervolle Stadt mit all den wundervollen Menschen. Diese Stadt ist für mich zu einer Art Heimat geworden. Eine Heimat, die ich wahrscheinlich nicht mehr so wiedersehen werde, wie ich sie in Erinnerung habe. Das alles stimmt mich traurig. Viel Zeit zum traurig sein bleibt mir in dem Moment aber nicht. Ich hatte ja für heute die Cave-Tour gebucht. Diese gestaltete sich auch ziemlich toll mit Abseilen, Glühwürmchen, Wasserfallen und allem drum und dran. Anschließend gab es auch noch ein BBQ, aber sobald dies vorbei war, war ich mit meinen Gedanken wieder in Christchurch. Ich fahre Richtung Rotorua und suche mir einen Rastplatz für die Nacht. Am Morgen schaue ich als erstes wieder ins Internet um mich auf den neuesten Stand bzgl. des Erdbebens zu bringen. Allen Freunden geht’s soweit gut. Vielen anderen aber nicht. Die Stadt muss überwiegend ohne Wasser und ohne Strom auskommen. Die Anzahl der Todesopfer ist mittlerweile auf über 70 angestiegen. Weitere Hunderte werden vermisst. Die Berichte über Menschen die ihre Angehörigen suchen sind einfach nur traurig anzuschauen. Es nützt aber nicht, meine Reise muss weiter gehen, auch wenn ich unerklärlicher Weise irgendwie jetzt gerne in Christchurch wäre. Nachdem ich in Rotorua noch eine Maoriveranstaltung besucht hatte, mache ich mich auf den Weg nach Mt. Maunganui. Hier wohnt Laura mittlerweile. Laura hatte ich in Christchurch kennengelernt und statte ihr jetzt mal einen Besuch ab. Mt. Maunganui ist mir sofort sympathisch. Lange Surfstrände und nicht so überlaufen. Mit Laura rufe ich bei Arita an, welche immer noch in Christchurch verweilt und lassen uns ihre Grauensgeschichte vom Erdbeben erzählen. Sie sagt, dass sie Glück gehabt hatte. Wir sind froh dass es ihr gut geht. Bei einer Flasche Wein schwelgen wir abends am Strand in unseren schönen Christchurch Erinnerungen. Alles Vergangenheit.
Den nächsten Tag verdrömele ich in Mt. Maunganui. Mir gefällt es hier. Leider muss ich ja aber auch weiter. So gehe ich mit Laura am nächsten Tag auch noch mal frühstücken. Wir verabschieden uns. Ich fahre nun auf die Coromandel Halbinsel. Hier gibt’s ein paar nette Strände zu begutachten. Ich schaue mir die Cathedral Cove an. Irgendwie ist die Coromandel Gegend ganz nett, aber ich will weiter. Das große Ziel heißt Bay of Islands. Auf dem Weg dahin komme ich an der Goat Island vorbei, welche angeblich einer der besten Schnorchel Spots in ganz Neuseeland ist. Leider bricht mir meine Schnorchelmaske kaputt, noch bevor sie das Wasser berührt. Neeeeeeeeeeeeeein! Das kommt davon, wenn man billigen Scheiß kauft. Egal. Ein netter Herr leiht mir seine Maske. Ich werde eh nochmal wiederkommen um ausgiebig zu schnorcheln. Ich fahre weiter bis nach Tutukaka. Das ist der perfekte Startpunkt für einen Dive-Trip zu den Poor Knights Islands. Ich buche für den nächsten Tag einen Trip dorthin. Das ist hier angeblich der Spot zum Tauchen überhaupt! Der nächste Morgen sieht toll aus. Blauer Himmel und strahlende Sonne. Um halb 9 morgens bin ich auch schon auf dem Boot und wir fahren raus. Merantine (HOL) ist mein Tauch Buddy. Wir haben 2 tolle Dives an 2 tollen Dive-Sites. In so eine Unterwasserhöhle zu tauchen ist schon recht cool! Außerdem gibt es hier Tunnel und Höhlen zuhauf. Manche so groß, dass wir glatt mit dem Boot reinfahren und Echo-Tests machen.Danach an Land gibt’s in der Bar noch das ein oder andere Bier mit Merantine und Rene (SUI). Die nächsten Tage werde ich weiter in der Bay of Islands herumcruisen und Sheena besuchen, die mittlerweile hier arbeitet. Vielleicht geh ich hier auch nochmal an dem ein oder anderen Wrack tauchen. Mal sehen, denn bisher bin ich mit den Wracks ein wenig unglücklich. Nie klappt das, warum auch immer. Wird schon. Dann heißt es aber auch, dass ich mich nach Auckland bewege. Dort muss ich dann eigentlich nur noch das Auto verkaufen. Sobald das passiert ist, werde ich wohl einen Flug in Richtung Deutschland buchen. Hmmm, vom Prinzip her läuft das ja…
All thoughts go out to the people of Christchurch


















Ey Typ!
Ich glaube du wirst mittlerweile etwas anspruchsvoll was die Spots angeht. Ich glaube mit nem lauschigen Bullenseeabend ist dir nicht mehr geholfen. Aber wird schon. Ich denke du wirst dich mittlerweile überall in der Welt zurechtfinden. Selbst in Deutschland mit den Same-Old-Cheese-Faces. Besuchst du Freddy noch?
Gruss und auf bald bei einem frisch gezapften Becks!
Olaf mit Großfamilie
ja, mit den Spots hast du vermutlich recht. Bei den Same-old-Chees-Faces bin ich mir nicht sicher, wobei die ja wahrscheinlich mit dem Alter immer besser werden. Ich schlussfolgere also, dass ich noch ein paar Jahre wegbleiben sollte!? Das Becks wird ja auch nicht so schnell schlecht, oder? Freddy ist noch auf meiner Liste. Denke das wird die naechsten Tage passieren.
cheers