Ja, the war is over. Der Krieg gegen die unermüdlich produzierenden Maschinen ist vorbei. Keine Plastikschräuchen mehr. Keine Steckdosen mehr. Kein lautes Grummeln des Grinders mehr, wenn ich ihn mit ner ganzen Ladung Plastikschrott füttere. Auch keine kostenlosen kaffeeähnlichen Heißgetränke aus dem Aufenthaltsraum mehr, welche nur mit Zucker zu genießen waren. Das alles ist Geschichte. Meine Zeit dort ist vorbei. Und das ist auch gut so. Nach 3 Monaten Arbeit dort wird es einfach Zeit das nächste Kapitel aufzuschlagen. Aber das nächste Kapitel wird nur unwesentlich leichter, heißt es doch „wie bereise ich ganz Neuseeland in 2 Monaten?“. Ihr seht, ein weiteres Stück Arbeit liegt vor mir! Der kleine Unterschied ist, das ab jetzt der Tag wesentlich mehr von Natur geprägt sein wird. I´m back on the road! Hinter mir lasse ich eine wunderschöne lustige, aber auch von Arbeit geprägte Zeit in Christchurch. Im Grunde genommen sah sie so aus…
Aufstehen, Dusche, Frühstück, Arbeiten, Dusche, Essen, kurze Freizeitaktivitäten und Schlafen. So könnte man die letzten Wochen in Kurzform beschreiben. Ich arbeite 6 oder 7 Tage die Woche. Je nach Belieben. Generell verfliegt die Zeit in der Fabrik schnell wenn man busy ist. 4 oder 5 Maschinen am Laufen zu halten geht gut einher mit meinem Arbeitstempo. Kaum Zeit darüber nachzudenken wie lang es noch bis zum Feierabend ist. Passt. So ziehen die Tage ins Land. Nein, die Wochen! An den freien Tagen die ich habe, gibt es nichts besseres als sich mit den anderen Backpackern im Botanischen Garten die Sonne auf den Pelz brennen zu lassen. Herrlich! Einmal war ich sogar Climben mit Jacek (POL). Zwar nur in der Halle, aber das hatte ich bisher noch nicht gemacht und war auf jeden Fall cool. Gerne wieder wenn sich die Gelegenheit ergibt.
Hin und wieder gibt’s auch mal den ein oder anderen Geburtstag im Hostel zu Feiern was eine willkommene Abwechslung zum normalen Alltagstrott ist. Jeden Tag sieht man neue Gesichter im Hostel. Jeden Tag treffen neue Deutsche hier ein. Ich werde die Vermutung nicht los, das kaum noch jemand in Deutschland ist, da alle hier zu sein scheinen. Generell lassen sich Deutsche ja schnell anhand von Kleidung und Aussehen identifizieren. Sie müssen noch nicht mal den Mund aufmachen. Selbst die, die nicht deutsch aussehen, sind deutsch. Irgendwie ein bisschen schrecklich. Dabei will man doch alles außer deutsch!? Naja, ein wenig deutsch ist ja schon nicht verkehrt, aber dann nur in seiner reinsten Form. Bier! Deutsches Bier! Das Ziel: zu Weihnachten schön selbst gebrautes Bier deutscher Art trinken.
Jacek besorgt uns aus dem Brew-Shop einen 20 Liter Fermenter. Dazu gibt’s ne große Dose Malz, etwas Dextrose und Hefe. Wir ziehen uns in die Laundry zurück. Ideale Bedingungen um unser Vorhaben in die Tat umzusetzen. Als erstes den Fermenter desinfizieren. Wasser rein, Malz rein, Dextrose und Hefe. Ein Münchner Lager soll unsere Kreation werden. Dann wird der Fermenter verschlossen. Einen kleinen Schlauch rein damit entstehende Gase entweichen können. Fertig. Jetzt lagern wir das Ganze für 10 Tage bei konstanten 26 Grad Celsius. Toll! Danach muss das Gebräu noch gute 3 Wochen in der Flasche reifen um dann pünktlich zu Weihnachten fertig zu sein.
Dann gab es noch eine kleine Überraschung. Malte hat sich angekündigt! Sein Visum in Australien läuft aus. Da gibt es doch nichts nahe liegenderes als ein kleiner Neuseelandausflug. Sein Besuch in Christchurch wir dann unser fünftes Wiedersehen. Toll! Ich hole ihn nachts vom Airport ab und versorge ihn mit den ersten Infos. So ganz genau hat er aber auch noch keinen Plan. Erst reisen, oder erst arbeiten? Naja, das Ganze lässt sich bei einer Flasche Wein viel besser abwägen. So schmiedet er in den folgenden Tagen auch Reisepläne. Bei der ein oder anderen Partie Schach die wir spielen wird viel gelacht. Dabei muss jeder die Musik hören, die ihm der andere per MP3 Player auflegt. Ich darf angenehm Xavier Rudd hören, wo ich hingegen Malte mit Punk Rock und thematisch zur Spielsituation angepasster Musik versorge. So gewinne ich auch. Alle Spiele! Ja, aber auch diese Zeit geht vorbei. Malte hat einen Job in Tekapo gefunden. Pizzabäcker wird er jetzt. Dabei wäre das ja eigentlich genau das richtige für mich! Den passenden Namen habe ich ja schon und mein gefakter italienischer Akzent ist auch nicht übel. Naja, kann man nix machen.
Es geht schnurstraks auf Weihnachten zu. Weihnachtsstimmung herrscht hier irgendwie noch gar nicht. Wie auch, wenn die Temperaturen zeitweise über 30 Grad Celsius steigen. An Schnee ist hier nicht zu denken. Weihnachten ist aber auch der Startschuss zur eigentlichen Neusseelandreise. Ich habe meinen letzten Tag in der Plastik-Fabrik. Einen Tag vor Weihnachten. Abends bin ich noch mit Jacek und Katharina (GER) bei Sheena (CAN) zum Christmas Dinner eingeladen. Toll! Heute war ich noch auf dem Christmas BBQ in der Fabrik. Lecker Essen. Die nächsten Tage wird dann noch einwenig gefeiert und dann heißt es bye bye Coachman Backpackers. Raus aus Christchruch, rein in die Natur. Die Straße ruft! Vorher ruft noch Santa Claus. Das erste Geschenk hat er mir schon vorbei gebracht: nen 60 Dollar Strafzettel für „angebliches“ Falschparken. Pah! Wenn ich seinen Schlitten irgendwo parken sehe, bekommt er auch was! Euch allen wünsche ich ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Dann komme ich vermutlich auch zurück. Aber das ist momentan ja nur ein Gerücht. Ihr seht, vom Prinzip her läuft das ja…





Ist Dir mal aufgefallen, dass John Lennon in seinen besten Tagen aussah wie Olaf Precht? Also in diesem Sinne nochmal: Happy Christmas.