…wir waren mitten im Outback als…

…vom Prinzip her läuft das ja…

Lords of the boards mit Schüttelfieber

Was ist eigentlich wenn mal nicht so richtig etwas passiert? Von einem Urlaub kann man ja immer irgend etwas berichten. Leider bin ich ja momentan nicht im Urlaub, sondern eher im ganz normalen Alltag der werktätigen Gesellschaft beheimatet. Das heißt im Grunde ja nix anderes, als Aufstehen, Arbeiten, Essen, Schlafen. In der Freizeit die man hat versucht man dann die Ausgaben so gering wie möglich zu halten um dann für den eigentlichen Neuseeland Trip das nötige Kleingeld parat zu haben. Hin und wieder darf man sich aber etwas gönnen und Geld investieren. Am besten in Lebensqualität. Und die sieht hin und wieder einfach nur weiß aus. Es passiert also doch irgendwas…

Gute 3 Wochen war ich jetzt schon in Neuseeland. Gesehen hatte ich noch nix. Selbst Christchurch hab ich noch nicht richtig erkundet. Es wird also Zeit hier mal rauszukommen. Ein kleiner Ausflug hinaus aufs Land ist da genau das Richtige. Besser gesagt hinein ins Bergland. Der Winter ist ja hier eigentlich schon vorbei, aber auf den Gipfeln der Berge liegt immer noch Schnee und somit herrscht auch in den Ski Areas immer noch ein reges Treiben. Und genau da will ich hin. Mal schööööön rein in den Schnee und die Pisten runterjagen. Die Wetterprognosen fürs Wochenende sehen gut aus. Strahlend blauer Himmel, kaum Wind und angenehme Temperaturen steigern meine Vorfreude ungemein. Gemeinsam mit Jacek (POL) wird Mount Hutt auserkoren. Ein paar nette Pisten gibt’s da und es ist auch nur ne knappe Stunde mit dem Auto entfernt.

Samstag. Es ist soweit. Kurz gefrühstückt und dann geht’s auch los. Raus aus Christchurch. Für mich das erste Mal. Auch der erste Trip mit dem neuen fahrbaren Untersatz für den ich immer noch keinen Namen habe. Mit dem Wagen kenne ich mich noch nicht so aus und muss deshalb an der Tankstelle einige Zeit suchen, bis ich die Entriegelung für den Tankdeckel gefunden habe. Gerne auch mal japanische Beschriftung auf den Knöpfen. Einen Cappuccino auf die Hand und wir bewegen uns umgehend mit angenehmer Reisegeschwindigkeit in Richtung Berge, welche schon von Weitem mit ihren weißen Gipfeln locken. Großartig! Die Sonne scheint, die Stimmung ist gut und mir wird klar, dass ich Neusseeland einfach mag. Auch sieht es einfach anders aus als in Australien. Riesige Hecken, kleine Wäldchen und saftig grüne Wiesen säumen den Weg. Schön grün alles! Zeit für einen Stop am Wegesrand um mal kurz den einzigartigen Anblick der vor uns liegenden Bergkette zu genießen. Einfach nur herrlich! Weiter geht’s nach Methven. Hier holen wir unsere Ausrüstung ab. 30 Dollar für die Skiklamotten und das Snowboard wirken auf mich wie ein Schnapper im Vergleich zum Freizeitspass den man dafür bekommt. Toll! Dazu laden wir noch Jacek´s Freundin Akiko (JPN) ins Auto. Sie ist angehende Snowboard Lehrerin. Perfekt! Da ich ja noch nie auf nem Snowboard gestanden habe, gibt’s für mich quasi eine kostenlose Trainingsstunde mit dazu. Nun aber los, denn wir wollen ja auch noch was vom Tag haben!

Nun heißt es hoch den Berg! Aus dem flachen Land geht es direkt auf die steile Schotterpiste. Schnell gewinnen wir an Höhe und es bietet sich ein atemberaubender Ausblick über die grüne Landschaft unter uns. Oben angekommen ist die Aussicht noch viel eindrucksvoller! Aber wir sind ja für etwas anderes hergekommen. So schlüpfe ich auch flink in das Schneegewand und nachdem wir uns die Liftpässe geholt haben, sind wir auch schon im Schnee. Eine erste Einweisung von Akiko und ich stehe auf dem Trainingshügel. Drumherum Ski-Anfänger und Kinder. Akiko zeigt mir wie man bremst und Kurven fährt. Unten angekommen, glauben die beiden, dass ich schon gut genug bin für den „richtigen“ Berg. Ab in den Skilift und hoch geht’s. Bei der ersten Abfahrt kämpfe ich noch mit dem Board und dem Schnee der mit Vorliebe in meine Skihose krabbelt. Die zweite Abfahrt geht schon besser. Danach trennen wir uns. Jacek und Akiko drehen ihre eigenen Runden und ich versuche meine Skills zu verbessern. Ok, den MP3 Player rausgeholt und die passende Beschallung ausgewählt. Da macht das Ganze gleich noch viel mehr Spaß und geht auch viel einfacher! Nach 2 weiteren Abfahrten fühle ich mich schon ganz gut und die anderen 2 staunen nicht schlecht über meine Fortschritte. Es wird Zeit für die „richtigen Abfahrten“. Dazu bedienen wir uns des anderen Lifts, welcher uns auf die Spitze Mt. Hutt´s bringt. Oben angekommen, realisieren wir, dass gleich das „Peak to Pub“ Rennen startet. Dabei jagen etliche Waghalsige auf Ski den Berg hinunter. Dann steigen sie aufs Mountain-Bike um die Schotterpiste runterzubrettern und anschließend nach Methven zum Pub zu laufen. Das hat was! Wäre bestimmt die richtige Competition für OP denke ich mir. Von da oben nehmen wir ne richtig steile Abfahrt hinunter. Hier stoße ich mit den neu erworbenen Skills an meine Grenzen. Heile ankommen lautet meine Devise. Die Zeit fliegt nur so dahin und um 4 macht der Skilift dicht. Auf dem Board über den Schnee zu gleiten ist schon geil! Dabei muss man natürlich unbedingt darauf achten, auch ja cool auszusehen. Darum geht’s ja beim Boarden. Haha. Ich genieße die letzte Abfahrt total, da nicht mehr ganz so viele Leute auf der Piste sind. Auf halbem Weg hinunter setze ich mich einfach in den Schnee und starte die Musik für ganz spezielle Momente. Einfach nur wahnsinnig schön da zu sitzen und diese einmalige Natur zu genießen! Die Zeit muss man sich einfach nehmen! Schade dass dies alles schon wieder vorbei ist. Ich nehme die letzten paar hundert Meter hinunter. Wir packen ein und machen uns auf den Weg zurück nach Methven. Dort macht uns Akiko noch nen schönen Kaffee bei dem es sich super aushalten lässt in der Sonne. Leider bleibt auch hier nicht allzu viel Zeit zum Genießen, denn wir müssen wieder zurück nach Christchurch. Ein absolut großartiger Tag geht zu Ende. Vielleicht habe ich ja noch mal an einem der nächsten Wochenenden Zeit um hierher zu kommen.

Montag. Eine ganz normale Woche beginnt. Naja, fast ganz normal. Am Abend sitze ich vorm Laptop und surfe ein wenig im Internet. Da passiert es! Der Fußboden auf dem ich sitze fängt an zu virbrieren. Bevor ich Zeit habe darüber nachzudenken, warum er das tut, stelle ich fest, dass aus dem Vibrieren mittlerweile ein starkes Ruckeln geworden ist. 20 Sekunden und der Spuk ist vorbei. Mal wieder ein Nachbeben. Kein Nachbeben der üblichen Stärke. An die habe ich mich mittlerweile ja schon gewohnt. Nein, dieses war eindeutig stärker! Das lässt sich auch sehr einfach am Geräusch des Gebäudes ausmachen, welches es während des Bebens macht. Alles was am Gebäude aus Holz ist fängt ganz schön an zu knarzen und knacken. Je nach Stärke des Bebens bekommt man auch ein unterschiedlich stark mulmiges Gefühl. Mir war doch schon etwas mulmig zu Mute. Generell fühlte ich mich auch nicht wirklich in der Lage irgendwie zu reagieren. Nein, man sitzt da, hält die Luft an und fühlt einfach. Fühlt sich stark an. Ich tippe auf eine Stärke definitiv oberhalb der 4,5. Später lese ich, das es 5,1 stark war und damit das stärkste Nachbeben seit dem eigentlichem Beben am 4. September. Damit war es also auch mein stärkstes Beben. Der Rest der Woche verläuft relativ ruhig bis auf kleinere Beben. Schon lustig zu sehen, wenn man vor dem Hostel sitzt und man merkt wie der Boden ruckelt und die Scheiben am Geschäft gegenüber so stark vibrieren, das man denkt sie werden gleich zerbrechen. Manche Passanten merken anscheinend nix und unterhalten sich angeregt, während sie die Straße entlang schlendern. Verrückte Welt.

Am folgenden Montag hatte ich mir einen Tag frei genommen um nochmal zu snowboarden, bevor die Ski-Lifts endgültig geschlossen werden. In Porters ist montags immer 2for1. Perfekt für Joo (KOR) und mich. Leider hatte es in der Nacht zu Montag noch einmal geschneit und der Wind hat ordentlich aufgefrischt. Alle Lifts geschlossen. Na toll. So brauchen Joo und ich einen Alternativ-Plan für den heutigen Tag. Wir fahren shoppen. Geholt habe ich mir nix, außer ner leeren Autobatterie. Dummerweise hatte ich vergessen das Licht auszuschalten, so dass wir nun auf dem Pardeck standen und nix ging mehr. Zufälligerweise entdecke ich Starterkabel in meinem Wagen. Toll! Mein Gefährt ist für Überraschungen gut! Ich hatte mir auch ehrlich gesagt noch gar keine Zeit genommen, um das Inventar des Gefährts zu durchstöbern. Relativ schnell finde ich aber einen hilfsbereiten Herrn der mir Starthilfe gibt. Toll! Danach fahren wir nach Lyttelton und genießen bei Fish & Chips den herrlichen Ausblick in die Bucht. Großartig!

Ich fahre in den Supermarkt zum Einkaufen. Das mache ich für gewöhnlich nach der Arbeit, das es auf dem Weg liegt. Ich stehe vor dem Regal um mir aus der Vielzahl der unterschiedlichen Saucen die Passende auszusuchen. Am einfachsten geht das, wenn man 2 Meter vom Regal zurücktritt um einen besseren Blick zu haben. Das bringt aber überhaupt nix, wenn alles Flaschen im Regal plötzlich anfangen zu klirren und im Gleichtakt zu wackeln. Ich erschrecke kurz und schaue mich um. Jeder andere im Supermarkt bleibt stehen und hält Inne. Man schaut sich gegenseitig an. In den Gesichtern der Anderen sieht man eine Mischung aus Furcht und Überraschung. Nach 10 Sekunden ist alles vorbei. Die Leute atmen durch, lächeln mich an und shoppen weiter. Ich realisiere, dass alle Regale immer noch bedenklich wackeln. Das war nochmal ne 5,0. Mein nächstes Beben ist dann eine Woche später, als ich auf Arbeit war. 5,0 auch dieses Mal. Ich stehe an der Maschine und dann knallt es einmal laut. Der Boden unter den Füßen bietet nicht mehr den gewohnten Halt. 5 Sekunden. Wieder steht man da und ist völlig unfähig irgendetwas zu machen außer die Luft anzuhalten und sich um zuschauen. Danach sind die Beine doch etwas weich. Das war mal ne intensive 5,0! Fühlte sich so an, als wenn etwas großes Marke Öltanker gegen die Fabrikhalle gefahren ist und das Stahlgerippe selbiger zum Schaukeln gebracht hat. Hmmm, vielleicht sollte man einfach mal für einen Moment hinausgehen. Denken sich alle anderen dann auch. So finden wir uns alle wenige Momente später auf der Straße wieder. Manchen steht der Schrecken noch regelrecht im Gesicht geschrieben. Nachdem die Halle äußerlich kurz inspiziert wurde heißt es dann auch wieder ran an die Arbeit. Business as usual.

Einige Leute kämpfen immer noch mit Schlafproblemen wie ich höre. Irgendwann wird’s auch Zeit, dass es mal mit den ganzen Beben aufhört. Die Stadt hat innerhalb von 46 Tagen ein Benefit-Konzert namens „Band together“ auf die Beine gestellt. Auf der Stage steht alles was Rang und Namen hat in Neuseeland. Das lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Musikalisch ist es dann auch ein absoluter Genuss. Das Wetter dazu ist auch der Hammer und so zieht es an diesem Samstag über 100.000 Leute in den Hegley Park. Der Wahnsinn! Dieses Konzert klettert damit an die Spitze der größten Konzerte die es jemals in Christchurch gab. Naja, ich kletter dann vermutlich demnächst auch mal. Wohl aber nur hoch hinaus an einer Kletterwand. Runter kommen sie ja alle heißt ja immer so schön. Oder doch Paragliding? Also, vom Prinzip her läufts dann wohl…

4 Kommentare»

  M+D aus E hat @ geschrieben

Hallo Mario,
unserer Urlaub ist leider schon wieder zu ende und wir sind auch wieder zu erreichen.
Gruß aus E

  M+D aus E hat @ geschrieben

Hallo Mario,
auf deiner Seite ist ja garnix mehr los,sind denn alle schon im Winterschlaf aber bei diesen Wetter hier auch kein Wunder.
Oben auf der Insel hatten wir schon Schneewehen von 2-3m auf den Strassen und hier -15°C in der Nacht.
Grüße aus E

  Mario hat @ geschrieben

nur Geduld, bald gehts weiter. Die Zeichen stehen auf Weiterreise. Dann gibts auch wieder mehr, mehr von allem außer Schnee!
ich warte dann mal auf Fotos vom Schneemann
cheers

  Batgirl ^^V^^ hat @ geschrieben

Merry Christmas, Mario

und wenn Du mal wieder Lust bekommst unterzutauchen, dann schau Dir mal das hier an…

mit freundlichen Grüssen aus der Schneewüste


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