Die Lösung lautet: Vokal-Fatal! Warum? Man spricht halt anders hier. Einfach irgendwie anders. Aus einem E wird schnell ein A, aus I schnell ein E. Gerne aber auch mal ein Ö. Aus dem A machen wir ein U. Ich tue mich noch ein wenig schwer die Einheimischen richtig zu verstehen. Kommt noch. Ach so, hätte ich fast vergessen zu erwähnen: „hier“ ist jetzt Neuseeland. Die Flüge von Sydney nach Neuseeland waren einfach viel günstiger als nach Deutschland. Da musste ich zugreifen! Und deshalb heißt es jetzt auch Kia Ora und nicht Guten Tag. Generell ist es hier schon ähnlich wie in Australien. Aber irgendwie auch nicht. Durfte ich in Australien als Beispiel am Satzende immer schön „mate“ sagen, muss ich jetzt „bro“ sagen. Genau genommen ist das aber so…
Sydney. Warum bin ich noch hier? Ach ja, das Auto. Verkaufen will ich es ja. Dies wollen dutzende Andere auch. Wenn man jetzt ein Van kaufen möchte hat man quasi die freie Auswahl. Zuviele Verkäufer und zu wenig Käufer. Mittlerweile hatte ich mein Verkaufsangebot fürs Buzzmobil in so ziemlich jedem Hostel in Sydney Central aus gehangen. Kaum Resonanz. Bei den Online Plattformen gehe ich mit dem Preis alle paar Tage immer weiter runter. Ich hab keine Lust, hier noch ewig in Sydney rumzuhängen und zu warten. Bloß verkaufen das Ding! Viele versuchen es auf der Victoria Street in King´s Cross. Dort sind einige Hostels und die Straße ist damit voll mit verkaufsfertig heraus geputzten Vans. Dutzende die den lieben langen Tag im Van sitzen und hoffen, das jemand vorbeikommt um ihr Auto zu einem viel zu hohen Preis zu kaufen. Da hab ich keinen Bock drauf und die Geduld dafür sowieso nicht. Wenn man jetzt einen Walter Freiwald hätte, ja, den könnte man dort reinsetzen. Der würde das Ding schon irgendwie verkaufen. Hab ich aber nicht. Irgendjemand wird sich schon fürs Buzzmobil interessieren, denke ich mir. Nur den Preis schön heiß machen! Am besten so heiß, dass Harry Wijnford glatt ins Schwitzen kommen würde.
In der Zwischenzeit erkunde ich mit Malte ein wenig Sydney. Wir machen Touren nach Bondi Beach und Manly. Eine spaßige Zeit! Mittlerweile ist es bereits das 4. Wiedersehen mit Malte in Australien. Ein 5. wird mit Sicherheit nochmal folgen. Irgendwo. Malte macht sich nun auf den Weg in die Blue Mountains um dann weiter Richtung Norden zu fahren. Komischerweise treffen wir uns 2 Tage später im Hostel wieder. Das Wetter war schlecht meinte er. Gibt uns dann ja auch nochmal die Gelegenheit ein wenig Abschied zu feiern. Ich würde mich auch gerne verabschieden. Von Australien jetzt. Es wird einfach Zeit! So kommt es auch, das ich am nächsten Tag meinen Van an den Mann bringen kann. Super! Dann kann ich mir ja auch endlich nen Flug buchen! Dieses freudige Ereignis feiere ich abends mit Timo, Hillka, Eroo (FIN) und Jan (GER). Am folgenden Tag hole ich meine restlichen Sachen aus dem Auto. Ich hab irgendwie immer noch zu viel Kram. Die Weichen stehen jetzt auf Abreise. Was muss ich noch alles machen? Was muss ich noch bedenken? Wird schon irgendwie. Ich buche mir einen Flug. Am 11. September geht es mit Air New Zealand von Sydney nach Christchurch. 11. September? Christchurch? Ok, na klar darf man Angst haben an einem 11. September in ein Flugzeug zu steigen. Das Datum interessiert mich aber nicht wirklich. Ich gehe ja auch an einem Freitag den 13. über die Straße. Mir alles schnurz. Viel prekärer die Tatsache, dass ich in ein Erdbeben-Gebiet reise. In Christchurch hatte es eine Woche zuvor ein Erdbeben der Stärke 7.1 gegeben. Anscheinend gibt’s es immer noch Nachbeben. Ich verfolge die Nachrichten und halte mich über die Situation vor Ort auf dem Laufenden. Mein Entscheidung aber steht: Christchurch.
Die letzten Tage in Sydney sind jetzt also zum genießen. Ich treffe mich mit Stella, welche es noch vor meiner Abreise bis nach Sidney geschafft hat. Im Orbit Cafe gibt’s bei nem Capuccino interessante Reisestorys zu erzählen und zu hören. Sehr schön! Ich schaue mich auch mal im Museum für Contemporary Art um oder mach auch einfach mal nix. Freitag. Morgen geht’s los. Am letzten Abend in Australien steht Kochen mit Timo auf dem Programm. Er wohnt mittlerweile auch in einem netten Flat in der City. 22. Stockwerk. Toller Ausblick! Es wird noch einmal viel gelacht. Keine großen Abschiedsszenen. Wir sehen uns wieder. In Finnland oder so.
Samstag. Mein Flug geht am frühen Abend. Ich suche meinen ganzen Kram zusammen und überlege wie ich alles mitbekomme. Tatsächlich schaffe ich es alles so zu packen, dass ich mit vollen Taschen in den Händen reisefertig bin. Kaum zu glauben, aber ich hab den Inhalt eines ausgewachsenen Vans auf nen Backpack, nen Rucksack und eine Tasche + Gitarre geschrumft. Am frühen Nachmittag verabschiede ich mich im Hostel und mache mich auf den Weg zum Flughafen. Dort angekommen, begebe ich mich zum Einchecken. Der nette Herr am Schalter bittet mich mein Gepäck auf die Wage zu stellen. Erlaubt sind 23 kg. Ich weiß, dass mein Backpack ziemlich schwer ist, aber vielleicht passt das ja genau. Ein kurzer Blick auf die digitale Anzeige und mir stockt der Atem. 30,7 kg. Damn it! Der nette Herr weist mich darauf hin, dass er hierfür 40 Dollar extra berechnen müsste. Kein Problem. Das ist noch im Rahmen. Nun fragt er nach meinem Rückflugticket. „Hab ich nicht“, flüstere ich ihm. „Dann kann ich sie nicht ins Fluzeug lassen“ meint er. Dejavu? Das Problem hatte ich doch schon mal in Darwin. Ich erkläre ihm, dass ich ein Arbeitsvisum habe und dass ich mich auch extra nochmal erkundigt habe. Meine Stimme klingt jetzt nach freundlichen Ausrufezeichen. Ich brauche kein Rückflugticket, denn ich habe ja das Arbeits-Visum, kläre ich ihn auf! Er willigt ein, möchte im Gegenzug aber mein Visum sehen. Haha! Da kommt das nächste Problem und ich werde ganz kleinlaut. Ich habe leider keinen Ausdruck meines Visums, da ich das Passwort für die Loginseite der neuseeländischen Einwanderungsbehörde vergessen hatte und nach mehrmaligem Versuchen wurde mein Account dort erstmal gesperrt. Also: kein Ausdruck. Er ist nett und erkundigt sich telefonisch bei der Einwanderungsbehörde. Sicher ist er sich dann aber immer noch nicht. Auf jeden Fall lässt er mich ins Flugzeug. Kein Problem. Hätten wir das ja geklärt. Und was ist mit der Gitarre? Kann ich die als Handgepäck mitnehmen? Erlaubt ist ja eigentlich nur eine Gepäckstück. Ich habe 2. Was tun? Er will mich nur noch loswerden und fragt schnell eine Kollegin. Die hat auch keinen Bock auf irgendwelchen Aufwand, wie mir scheint. Ja, nimm die Gitarre einfach mit. Viel Spaß in Neuseeland. Toll! Danke!
Ich komme gegen Mitternacht in Christchurch an. Der Flug war angenehm. Nur noch schnell durch den Zoll und ab dafür. Naja, ganz so einfach ist das natürlich nicht, wenn man denn keinen Ausdruck seines Visa dabei hat. Ach wozu auch, sage ich, denn schließlich ist doch eh alles im Computer! Da ich keinen Ausdruck habe, werde ich bei Seite genommen. Der freundliche Herr vom Zoll klärt das mal eben schnell mit einem Anruf. Kein Problem. Und schon bin ich aus dem Flughafen raus. Schnell in einen Shuttlebus und ab in die City. Auf der Fahrt zum vorher ausgewählten Hostel, sehe ich einige vom Erdbeben beschädigte Gebäude. Überall Baustellen. Bauzäune Gesperrte Straßen gibt’s auch, aber alles in allem sieht es relativ normal aus. Gerade erst 1 Woche her, dass ein Erdbeben der Stärke 7,1 Christchurch und Umgebung heimgesucht hatte. Am 4. September hat morgens um 4.32 Uhr die Erde gebebt. Die große Uhr an der alten Bahnhofsstation erinnert seitdem an diesen Moment. 4.32 Uhr sagen die Zeiger. Immer noch. Die Häuser stehen aber anscheinend noch größtenteils. Ich bin mir sicher, dass so ein Beben z.B. in Asien ganz anderen Schaden angerichtet hätte! Hier hat man stabil gebaut. Das Land scheint solchen Naturkatastrophen also gewachsen zu sein. Doch wird man hier auch die nächste Katastrophe handhaben können? Mich? Wir werden es herausfinden. Im Shuttlebus sitzt auch ein ortsansässiges Pärchen. Ich bekomme dadurch auch gleich eine kostenlose Erbeben-Stadtrundfahrt, denn sie erzählen welche Häuser beschädigt sind oder gar ganz fehlen, weil sie abgerissen wurden. Naja, das schau ich mir aber alles dann mal in Ruhe bei Tageslicht an. Schnell im Hostel einchecken und schlafen.
Sonntag. Der erste Tag in Neuseeland. Die Grundversorgung muss erst einmal sicher gestellt werden. Pasta, Sauce, Salz, Pfeffer, Wasser, sowie alles andere besorge ich mir im Supermarkt. Einen fahrbaren Untersatz möchte ich auch wieder haben. Ein Car-Market gibt’s in der Nähe. Da schaue ich mich um und erspähe auch schon ein Gefährt, welches mein Interesse weckt. Mal sehen was ich sonst noch so hier an Autos auf den Black-Boards finde. Auf jeden Fall gefällt es mir hier in Christchuch auf Anhieb. Die Sonne scheint ja auch und die Menschen die hier rumlaufen sehen alle recht glücklich aus. Am Nachmittag sitze ich dann vorm Fernseher. Ein dumpfes Geräusch. Dann schüttelt sich das Haus und alles andere was sich darin befindet. Ein Nachbeben. Ein sehr merkwürdiges Gefühl. Etwas unwohl ist mir schon dabei. Alle im Raum Anwesenden schauen sich an und schweigen. Dann ist es vorbei. 3,6 wie ich später erfahre. Normal höre ich von anderen. Die schon länger in Christchurch verweilen. Täglich Nachbeben. Aha, na dann.
Montag. Ich gehe ins Mobilfunkfachgeschäft meines Vertrauens und besorge mir ne Nummer. Ein Bankkonto wird auch benötigt. Alles erledigt. Was nun? Ich schaue mich im Internet nach Autos um und besuche noch andere Carmarkets. Am Ende lande ich bei dem Carmarket vom Vortag. Ich fahre ein Auto Probe. Dann ein zweites. Ja, der Preis ist gut. Der Wagen gefällt mir. Ich lasse einen Car-Check für 80 Dollar machen. Ich komm dann morgen wieder. Dies tue ich dann auch am nächsten Tag. Nur wenige Mängel hat er, die es zu reparieren gilt. Kostet ja nicht die Welt. Ok, machen wir, sagt der Gebrauchtwagenvermittler. Matthew heißt er. Ich bin etwas misstrauisch was ihn angeht. Aber nützt ja nix. Ich komme morgen wieder. Leider ist der Wagen am folgenden Tag noch nicht durch den Check durch. Zu busy sagt Matthew. Ich komm dann eben morgen wieder. Im Internet begebe ich mich auf Jobsuche. Irgendein Job, nur schnell anfangen zu arbeiten. Ich will keine Zeit vertrödeln mit der Jobsuche bzw. mit dem Job finden. Glücklicherweise klingelt am nächsten Tag das Telefon. Eine Arbeitsvermittlung bei der ich mich gerade in der Nacht zuvor beworben habe lädt mich zum Interview ein. Toll! 2 Stunden später fülle ich schon alle erforderlichen Papiere aus. Und das Beste ist, ich kann morgen schon anfangen! Toll! Meine neue Wirkungsstätte wird eine Plastikfabrik sein. Keinen Schimmer was ich da genau machen muss, ist aber auch egal. Es gibt Geld! Gut gelaunt mache ich mich danach auf den Weg zum Carmarket. Alles repariert. Ist unterm Strich auch nicht so teuer wie gedacht. Supi! Dann soll er da nochmal 6 Monate ein WoF Zertifikat draufknallen. Ich komm dann morgen wieder.
Mein erster Tag! Die Sonne steht noch sehr tief. Es sieht einfach einmalig aus, wie die Sonne die Straßen in ein gleißendes Licht taucht. Mit der Sonnenbrille auf der Nase und der richtigen Musikauswahl im Ohr geht es auf den Weg Richtung Fabrik. Ein erster Tag ist ja eigentlich immer aufregend. Hier aber nicht so. Ich bekomme ne kleine Einweisung und dann eine Maschine zugeteilt. Dort verbringe ich den Rest des Tages. Alles ziemlich unspektakulär. Kaum Anstrengung. Ein easy Job und damit leicht verdienstes Geld. Toll!Allgemein fällt es mir nur schwer die Anweisungen zu verstehen. Die Kiwis sprechen ein doch etwas anderes Englisch. Da muss ich mich wohl erstmal dran gewöhnen. Nach der Arbeit komme ich am Carmarket vorbei. Leider hat es der Wagen nicht durch den WoF Sicherheitscheck geschafft. Kleinere Nachbesserungen sind noch von nöten. Kein Problem und schon in Auftrag gegeben. Ich komm dann morgen wieder.
Samstag. Wochenende. Erst einen Tag gearbeitet und schon Wochenende. Toll! Irgendwie scheine ich mir in der Nacht einen Nerv im Rücken eingeklemmt zu haben. Nicht toll! Naja, nützt ja nix. Die Sonne scheint und jeder ist gut gelaunt. Ich hole mir nen Cappuccino und mache mich auf den Weg zum Carmarket. Ganz langsam. Die Reparaturen sind vollzogen. Sehr schön. Dann ist das mit der WoF ja auch kein Problem mehr. Der Wagen muss nur noch fix wieder zum WoF Shop und dann kann ich ihn morgen ja abholen. Ok, ich komm dann morgen wieder. Mit dem eingeklemmten Nerv bewege ich mich wieder zurück zum Hostel. Gott sei Dank ist es nicht so weit. Ich verordne mir selbst Entspannung. Wir holen das Sofa aus der Lobby und stellen es auf den Gehweg an die Straße. Mit der Gitarre unterm Arm und der Sonne im Gesicht fühlt sich Christchurch richtig gut an! Die Passanten schmunzeln sich einen im vorbeigehen. Der ein oder andere gesellt sich für ein paar Minuten zu uns und spielt auch den ein oder anderen Song. Alles sehr relaxt hier. Sehr schön! Und weil das alles so schön ist, wird das ganze am Sonntag auch gleich wiederholt. Zwischendurch gehe ich auch zum Carmarket. Der Wagen hat es am Samstag aus Zeitgründen nicht mehr durch den Wof Check geschafft. Naja, kann man wohl nix machen. Ich komm dann morgen wieder.
Am Montag gewinne ich auf der Arbeit den Kampf gegen die Maschinen, nachdem ich einen Grinder mit soviel Plastik gefüttert habe, das er vollkommen gesättigt den Geist aufgegeben hat. Maschine 0, Mario 1. Nach der Arbeit gehe ich zur Abwechslung mal zum Carmarket. Alles fertig für den Kauf! Toll! Wir machen den Papierkram und das Auto ist eins, zwei, meins! Ein Toyota Estima ist es. Mitnehmen tue ich ihn noch nicht. Ich muss erst herausbekommen, wo ich in Hostelnähe umsonst parken kann. Ich komm dann eben morgen wieder.
So wird das neue Gefährt dann auch am Dienstag abgeholt und alles geht seinen Gang. Sollte das der letzte Besuch beim Carmarket sein? Mittlerweile kenne ich auch fast alle Leute im Hostel und es wird familiärer. Auf der Arbeit läufts auch. Oder besser gesagt die Maschinen laufen und die Woche geht schnell vorbei. Ich nehme den Samstag noch mit und gehe ein wenig arbeiten. Ein wenig extra Geld kann ja nicht schaden. Abends geht’s dann mit der vollen Mannschaft um die Häuser. Ja, ich mag Christchurch. Speziell am Wochenende. Strahlend blauer Himmel. Dazu ein Sofa auf dem Gehweg. Die Gitarre in Reichweite. Demnächst geht’s vermutlich in die Berge zum Snowboarden. Also wenn es jetzt vom Prinzip her nicht läuft, dann weiß ich auch nicht…










Moin Mario,
du kommst wohl nie mehr zurück… Ich erinnere mich an ein Praktikum in einer Plastikfabrik, wie kommst du mit dem gestank klar?
komischer Weise stinkt es da nicht war selbst etwas verwundert!
cheers